Gemeinwohlökonomie: Ethischer Profit

Abgeordnete der Grünen informieren sich über das Projekt "GIVUN" an der Europa-Universität Flensburg.

Wie könnte die gegenwärtige Wirtschaft sozial und ökologisch umgebaut werden?

Diese Frage stellten heute (3.7.) die beiden Politiker der Grünen, Rasmus Andresen und Ellen Kittel-Wegner, am Norbert Elias Center for Transformation Design & Research der Europa-Universität Flensburg. Der stellvertretende Vorsitzen der Grünen im schleswig-holsteinischen Landtag und die Fraktionsvorsitzende der Flensburger Ratsversammlung informierten sich dort über das Forschungsprojekt "Gemeinwohl-Ökonomie im Vergleich unternehmerischer Nachhaltigkeitsstrategien" (GIVUN). "Angesichts von massiven Klimaproblemen und weltweit zunehmender Armut, ist es wichtig, die Grundlage für wirtschaftliche Alternativen zu legen", begründete Rasmus Andresen das Interesse an dem Projekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird.

Europa-Universität Flensburg und Christian-Albrechts-Universität zu Kiel untersuchen darin gemeinsam die gesellschaftlichen Möglichkeitsbedingungen eines gemeinwohlorientierten Wirtschaftens. Die zivilgesellschaftliche Bewegung der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) hat 2010 ein auf demokratischen Grundwerten fußendes Wirtschaftsmodell entwickelt, das den größtmöglichen Beitrag zum Gemeinwohl zum Zweck des Wirtschaftens erhebt. Monetärer Gewinn wird zum reinen Mittel herabgestuft. Auf freiwilliger Basis bewerteten bislang knapp 2000 Unternehmen ihre Gemeinwohlorientierung nach dem Punktesystem der GWÖ oder haben ihren Willen dazu bekundet.

Das Gemeinschaftsprojekt "GIVUN" vergleicht diesen Ansatz mit historischen und gegenwärtigen unternehmerischen Nachhaltigkeitsstrategien. In Flensburg leistet man dazu den empirischen Teil der Forschung: Praxispartner wie der Outdoor-Ausstatter Vaude, die Druckerei Oktoberdruck und der Anbieter für Öko-Tiefkühlkost Ökofrost gewähren dafür Einblicke in ihre Gemeinwohl-Anstrengungen. Untersucht wird, welche sozialen und ökologischen Effekte es mit sich bringt, wenn Unternehmen ihr Handeln stärker am Gemeinwohl orientieren. Gemeinsam mit Großunternehmen wie Deutsche Post, dm-drogerie markt und OTTO Group erarbeitet das Forschungsteam zudem Zukunftsprojektionen zu den Möglich- und Machbarkeiten einer verstärkten Gemeinwohlorientierung.

Projektkoordinatorin Dr. Klara Stumpf betont die gesellschaftliche Bedeutung des Projekts: "Die ökologischen und sozialen Folgen der gegenwärtig vorherrschenden Wirtschaftsweise lassen Fragen der sozial-ökologischen Transformation immer drängender werden. Hier am Norbert Elias Center untersuchen wir daher die Möglichkeiten der gesellschaftlichen Veränderung unter dem Leitbild der Zukunftsfähigkeit. An der Bewegung der Gemeinwohl-Ökonomie ist besonders interessant, dass sie sich auf zentrale demokratische Grundwerte beruft und sich sowohl auf unternehmerischer als auch auf gesellschaftlicher und politischer Ebene engagiert. In unserem Projekt wollen wir das transformative Potential dieses Ansatzes untersuchen."

Rasmus Andresen und Ellen Kittel-Wegner, die das Norbert Elias Center for Transformation Design & Research im Rahmen des Aktionstages "Anders Wirtschaften" der Landtagsfraktion der Grünen, besuchten, zeigten sich beeindruckt von den Alternativen zum bisherigen unternehmerischen Handeln, das von Profitstreben und Verpflichtungen gegenüber den Anteilseignern dominiert sei.

"Gemeinwohlökonomie hat nicht nur Profitinteressen im Auge, sondern denkt wirtschaftlichen Erfolg ökologisch und sozial nachhaltig. Das Projekt an der Universität Flensburg legt Grundlagen und ist wissenschaftlicher Vorreiter", bilanziert en sie.

v.l.n.r.: Matthias Ullrich vom Regionalbüro Rasmus Andresen, Dr. Klara Stumpf, Projektkoordinatorin "GIVUN", Ellen Kittel-Wegner, Fraktionsvorsiitzende der Grünen in der Flensburger Ratsversammlung. (Quelle: Kathrin Fischer)