Fische mit Beinen in High Heels und Schildkröten mit Blaulicht auf dem Panzer

Dezentrales Corona-Kunstprojekt "SciFi Prototypes for a Manifesting Future

Zu Beginn dieser Woche wurden auf dem Campus Flensburg Fahnen gehisst und am Flensburger Rathaus zwei Banner aufgehängt. Sie zeigen merkwürdig anmutende Piktogramme. Piktogramme kennt man von der Auszeichnung öffentlicher (Ab)Orte, doch was sollen diese Zeichen bedeuten? Ein Fisch mit Beinen in hochhackigen Schuhen? Eine Meeresschildkröte mit Blaulicht auf dem Panzer? Eine Frau mit brennendem Kopf? Auch an der Außenwand des Sauermann-Hauses auf dem Museumsberg sind drei solcher Figuren zu finden. Die Piktogramme sind Teil der Kunstaktion "SciFi Prototypes for a Manifesting Future – das dezentrale Corona-Projekt zur Diskussion über ‚Zukünfte‘" von Käthe Wenzel, Professorin für Ästhetische Praxis an der Europa Universität Flensburg. Sie möchte mit der Aktion, an der auch Kunst-Studierende der Universität teilnehmen, "gedanklich verengte Orte erweitern".

Piktogramm-Figuren für eine Vielzahl von Zukünften

"Schilder sind überall, sie informieren, warnen oder erteilen Anweisungen. Sie sind so etwas wie der kleinste gemeinsame Nenner für das städtische Zusammenleben. Und als Künstlerin finde ich, dass wir diesen kleinsten Nenner erhöhen, dass wir die Diskussion über mögliche Zukünfte zum Teil unseres Alltags und des städtischen Lebens machen sollten", erklärt Käthe Wenzel den Hintergrund der rätselhaften Zeichen im öffentlichen Raum. Entsprechend entwerfen ihre im Stil von Straßenschildern gestalteten Piktogramm-Figuren eine Vielzahl von Zukünften – in denen möglicherweise zum Skateboardfahren eine Gasmaske nötig ist, vielleicht aber auch freundliche Schimären die Städte bevölkern oder Pflanzenmenschen an der Universität Meditationskurse geben. Trotz der scheinbaren Eindeutigkeit des Piktogrammstils sind diese Visionen offen und ereignen sich vor allem in der Vorstellung der Betrachter*innen.

Keine Standleitung zu Gott

"Ich hatte einfach Kunstwerke satt, die sich auf ihren Sockel zurücklehnen und sagen‚ sieh mich an, vielleicht erzähl ich Dir was über die Welt - wenn ich Lust habe‘, und der Künstler steht daneben wie jemand mit einer Standleitung zu Gott. Schließlich ist die Welt etwas, was grundsätzlich kollektiv produziert wird, über die Grenzen der Individuen, der Zeit und der Geographie hinweg", erläutert Wenzel. Die kollektiv produzierte Welt bringt Fragen hervor, gerade in Pandemie-Zeiten: Können wir uns Zukünfte vorstellen, die dem Gemeinwohl und der Regeneration des Planeten dienen? Wie können wir Synergien schaffen, wie gemeinsam wirken?

Oberbürgermeisterin Simone Lange begeistert

Oberbürgermeisterin Simone Lange ist von der Aktion begeistert: "Das ist eine sehr coole Idee! Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Aktionen. Als offene und vielfältige Stadt beteiligen wir uns sehr gerne an dem Nachdenken über unser Zusammenleben und die gemeinsame Gestaltung der Zukunft von Flensburg."

Zwei Monate an fünf Orten der Stadt zu sehen

Vom 20.Oktober bis zum 20. Dezember 2020 sind die Piktogramme an fünf verschiedenen Orten in Flensburg zu sehen: Am Rathaus, an der Ecke Munketoft/Campusalle, vor dem Audimax, auf dem Museumsberg und in der Roten Straße. Die Flensburger*innen sind aufgerufen, ihre eigenen Ideen und Visionen einzureichen und können sich über die SMS: 0176 658 19394 und die Website beteiligen. Unter #ZeichenfuerZukunft können alle Beobachtungen zum Thema auch direkt gepostet werden.

Eines der beiden Banner am Flensburger Rathaus (Torge Korff)
Die drei Kacheln am Sauermannhaus auf dem Flensburger Museumsberg (EUF)
Auf dem Flensburger Campus flattern die Piktogramme auf Fahnen (Jan Stoltenhoff)