Fähigkeiten, Enthusiasmus und Wissen – 25 Jahre Studium Energie & Entwicklung in Flensburg

Knapp 40 Alumni aus 21 Ländern des globalen Südens  hatten den weiten Weg nach Deutschland auf sich genommen.

Gruppe von 40 Alumni und Gästen aus aller Welt im Foyer des Erweiterungsbaus der Europa-Universität Flensburg halten das Banner des Workshops hoch.
Alumni aus 21 Ländern versammeln sich in Flensburg (Quelle: Kathrin Fischer)

Sie kamen, um das 25-jährige Jubiläum des Flensburger Studiengangs ‚Energy and Environmental Management for Developing Countries‘ mit einem einwöchigen Alumni-Workshop zu feiern. Seit 1989 bildet der überwiegend vom DAAD finanzierte Studiengang etwa 15 Studierende aus allen drei südlichen Entwicklungskontinenten aus. Das Ziel: Mehr Menschen den Zugang zu modernen Energiedienstleistungen zu ermöglichen und die Klimakatastrophe zu verhindern.

Zum feierlichen Auftakt des Alumni-Workshops am heutigen (21.9.) Montag hob der Chef der schleswig-holsteinischen Staatskanzlei, Thomas Losse-Müller, die praktisch-politische Dimension des Studiengangs hervor: "Seit 25 Jahren verbindet der Studiengang Energiepolitik mit Entwicklungszusammenarbeit. Die Europa-Universität Flensburg trägt so dazu bei, die globalen Probleme zu lösen: Energiearmut, Umweltverschmutzung und Klimawandel".

Flensburg sei bunter geworden durch den Studiengang, sagte Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar: "Von Flensburg aus ist die Welt größer geworden dank der bald 300 Alumni, die in Regierungen, bei Energieversorgern, in NGOs und als selbständige Unternehmerinnen und Unternehmer daran arbeiten, Zugang zu erschwinglicher, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energieversorgung für alle zu ermöglichen".

Prof. Dr. Werner Reinhart, Präsident der Europa-Universität Flensburg, betonte: "‘Energy and Environmental Management for Developing Countries‘ ist für die Europa-Universität Flensburg ein besonders bedeutender Studiengang. Denn in dem Masterstudiengang wird bereits seit dem Jahr 1989 so studiert, wie wir uns das für die gesamte EUF vorgenommen haben und zum Teil auch schon einlösen: Interdisziplinär und international, engagiert und persönlich".

Das dreisemestrige Studium, für das sich jedes Jahr ca. 250 Ingenieurinnen und Ingenieure bewerben, ist komplex: Interkulturelle Kompetenz steht ebenso auf dem Programm wie die Simulation von Energiesystemen ohne fossilen Input. Vorlesungen sind weitgehend durch problemorientiertes Lernen in Seminaren und Kleingruppen ersetzt, wie etwa die fünfwöchige "International Class", in der die Studierenden gemeinsam an einem realen Energieproblem arbeiten. Seit 2002 findet diese "international Class" in Schottland statt. Nicholas Gubbins von Community Energy Scotland unterstich die positive Bedeutung dieser Zusammenarbeit für die Energieversorgung seines Landes: "Community Energy Scotland hat seit 13 Jahren eine starke Verbindung zu der Europa-Universität Flensburg. Im Rahmen ihrer ‚International Class‘ haben Lehrende und Studierende intensiv die verschiedenen Aspekte lokaler ländlicher Energieversorgung und ihres Managements in Bezug auf Erneuerbare Energien untersucht. Für uns als Gastgeber hat dies eine wichtige Rolle bei der Entwicklung unserer Ziele und unseres Selbstverständnisses gespielt. Die Universität bringt Fertigkeiten, Enthusiasmus und Kenntnisse in die schottischen Gemeinden, die den Studierenden mit Gastfreundschaft und Herzlichkeit begegnen: Die Zusammenarbeit führt zu einer einzigartigen und hochgeschätzten Lernerfahrung sowohl für die Gemeinden als auch für die Studierenden und Dozentinnen und Dozenten".

Studiengangsleiter Prof. Dr. Bernd Möller bedankte sich bei den Studierenden und Alumni: "Dass heute ein 25. Jubiläum gefeiert werden kann, ist insbesondere jenen vielen Studierenden zu verdanken, die während ihrer Zeit in Flensburg und nachher als Alumni den Studiengang mit viel Engagement mitgetragen haben", sagte er.

Zusammenarbeit mit Indien: Memorandum of Understanding unterzeichnet

Diesem Engagement ist die Zusammenarbeit mit der indischen Bildungseinrichtung JSS Mahavidyapeetha im südindischen Mysore zu verdanken. Dr. Arun Balamatti, indischer Alumni des Studiengangs EEM, setzte sich für eine Zusammenarbeit mit der 1954 gegründeten Organisation JSS Mahavidyapeetha ein. Die Organisation betreibt über hundert unterschiedliche Bildungseinrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Waisenhäuser sowie Universitäten und Colleges. Im Mai 2013 war eine DAAD-finanzierte Delegation der EUF nach Bangalore und Mysore gereist, um eine Kooperation zwischen JSS Mahavidyapeetha (am Standort in Mysore) und der EUF zu prüfen.

Im Rahmen der Eröffnung des Alumni-Workshops unterzeichneten nun Präsident Prof. Dr. Werner Reinhart für die EUF und N. M. Shivashankarappa, Direktor der Universitätsabteilung für Landwirtschaft und Gartenbau an der JSS Mahavidyapeetha, ein "Memorandum of Understanding".

"Die Kooperationsperspektiven mit einer so großen Bildungseinrichtung in Indien sind für die EUF entsprechend vielfältig", freute sich Reinhart. Auch M. Shivashankarappa betonte die Vorteile einer Zusammenarbeit: "Möglich sind Auslandspraktika für Lehramtsstudierende, Forschungs- und Lehrprojekte in einer Vielzahl von Disziplinen oder auch Besuch von Schulen und verschiedenen Universitäten".

Prof. Dr. Werner Reinhart, Präsident der EUF, und M. Shivashankarappa, Direktor der Universitätsabteilung für Landwirtschaft und Gartenbau an der JSS Mahavidyapeetha, nach der Unterzeichnung des „Memorandum of Understanding“ ihrer beiden Einrichtungen. (Quelle: Kathrin Fischer)