„Erschöpft, aber erfüllt und glücklich“

13 Studierende der Europa-Universität Flensburg adoptieren eine Woche die Grundschule Fleckeby

Corona bedingt läuft bei dieser siebten Schuladoption vieles anders. "Wir können die Studierenden nicht wie sonst vor Ort unterstützen", erklärt Projektleiterin Johanna Gosch, "weil wir wegen der Hygienemaßnahmen die Schule nicht betreten dürfen." Die 13 Lehramtsstudierenden der Europa-Universität Flensburg (EUF) fühlen sich dennoch gut betreut. Sie haben sich im Rahmen des Praxissemesters, das Lehramtsstudierende im dritten Mastersemester in Schleswig-Holstein absolvieren müssen, freiwillig für dieses Format gemeldet, das ihnen außerordentlich viel abverlangt: Eine Woche lang unterrichten und organisieren sie den Schulalltag ganz allein. "Schuladoption" nennt sich dieses Konzept. Es soll den Studierenden ermöglichen, umfassende Erfahrungen im Berufsfeld einer Lehrkraft über das Unterrichten hinaus zu machen und die wissenschaftliche Lehrer- und Lehrerinnenbildung praxisorientierter zu gestalten. Erstmalig sind auch Studierende der Sonderpädagogik in die Schuladoption eingebunden.

Arbeit mit den Kindern macht große Freude

Randi Achilles und Mats Kloppenburg, die beide Deutsch und Mathe auf Grundschullehramt an der EUF studieren, beobachten in der Grundschule Fleckeby zum ersten Mal nicht andere beim Unterrichten, sondern stehen in Zweierteams selbst vor der Klasse. Sie sind von dem Konzept überzeugt: "Ich bin sehr erschöpft, aber erfüllt und glücklich", erklärt Randi Achilles. "Die Arbeit mit den Kindern bereitet mir große Freude." Mats Kloppenburg ergänzt, dass er sich jeden Morgen trotz des sehr frühen Aufstehens auf den Tag freue – die Frühstunde an der Grundschule Fleckeby im Kreis Schleswig-Eckernförde startet um 7.20 Uhr und der Student reist aus Flensburg an.

Gute Unterstützung innerhalb des Teams

Dass ihre Betreuerinnen und Betreuer nicht vor Ort sein können, ist für die Studierenden kein Problem. "In unserer mehrwöchigen Vorbereitungsphase sind wir sowohl vom Team der EUF als auch vom Kollegium intensiv auf diese Situation vorbereitet worden", sagt Mats Kloppenburg. "Wir brauchen auch deshalb nicht so viel externe Unterstützung, weil wir uns untereinander sehr gut in unseren täglichen Feed-Back-Runden helfen", betont Randi Achilles.

Ganz andere Qualität

Vorbereitung und Begleitung haben es für Schulleiterin Svea Hörrmann leicht gemacht, die Grundschule Fleckeby eine Woche an die Studierenden zu übergeben. "Der Montag startete sehr ruhig, ab Mittwoch sind Kinder und Studierende in der Situation angekommen", berichtet sie. Sie ist von dem Konzept der Schuladoption überzeugt. "Ich betreue schon lange Praktikantinnen und Praktikanten und erlebe dieses Projekt zum ersten Mal. Es hat eine ganz andere Qualität, weil die Studierenden alleinverantwortlich vor einer Klasse stehen. Das sollte aus schon früher während des Studiums geschehen, der Praxisbezug im Lehramtsstudium könnte aus unserer Sicht noch größer sein."

Nette Studenten

Die sechs- bis zehnjährigen Schülerinnen und Schüler kommen mit den studentischen Lehrkräften gut zurecht. Finja aus der 1b beschreibt ihre Eindrücke so: "Die Woche finde ich gut, aber ich vermisse auch meine anderen Lehrer. Die Studenten sind aber auch sehr nett- mir gefallen die Laufspiele im Bewegungsunterricht gut."

Fortbildung im Home Office

Während die Studierenden an der Grundschule Fleckeby 125 Schülerinnen und Schüler in sieben Klassen unterrichten, Pausenaufsicht organisieren, Elterngespräche führen, Krankmeldungen eintragen oder aufgeregte Kinder beruhigen, sollte das Kollegium Fortbildungen besuchen. "Wir sind auf dem Weg zu einer Draußen-Schule", sagt Schulleiterin Hörrmann, "eigentlich hatten wir vor, in einer Draußen-Schule bei Hamburg zu hospitieren". Weil die COVID-19-Pandemie auch hier einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, haben sich die zwölf Lehrkräfte der Grundschule im Home Office mit den entsprechenden Themen beschäftigt. Für Schulleiterin Hörrmann auch ein Gewinn. Denn Zeit ist im normalen Schulalltag knapp.

Schlüssel wird wieder zurückgegeben

Am morgigen Freitag (20.11.) wird ein selbstgebastelter Schulschlüssel symbolisch an die Schulleiterin rück übergeben. Dann endet in Fleckeby die sogenannte Adoptionswoche.. An der Gemeinschaftsschule Flensburg-West dagegen startet sie : Dort beginnt am 30. November eine Teil-Adoption des sechsten Jahrgangs mit ebenfalls 13 Studierenden.

In Norwegen gibt es die Schuladoption seit 1999. Die EUF hat die Idee als Pionier nach Deutschland importiert und im Schuljahr 2014/2015 erstmals unter dem Titel "Schuladoption – Studierende machen Schule" durchgeführt. Das Interesse an dem erfolgreich etablierten Projekt ist mittlerweile auch außerhalb Schleswig-Holsteins groß.

Die 13 EUF-Studierenden mit dem Schlüssel der Grundschule Fleckeby. (Svea Hörrmann)