„Ein starkes Signal in Richtung Europa“

Wissenschaftsministerin Kristin Alheit besucht die Europa-Universität Flensburg (EUF)

Knapp zwei Jahre nach der Ausrufung der "Europa-Universität Flensburg" hat sich die schleswig-holsteinische Wissenschaftsministerin Kristin Alheit am 08.04.2016 über den Ausbau der Universität informiert. "Europa steht derzeit vor vielen Krisen, die zunehmend zu einer Bewährungsprobe werden. Der Auf- und Ausbau einer Europa-Universität ist deshalb ein starkes Signal in Richtung eines gemeinsamen, eines integrativen Europas", sagte die Ministerin, "In der Grenzstadt Flensburg hat man verstanden: Die Lösung liegt nicht in weniger, sondern in mehr Europa – und damit in einer engeren Kooperation über Ländergrenzen hinweg. Dies unterstützen wir ausdrücklich".

Prof. Dr. Werner Reinhart, Präsident der EUF, betonte: "Die verschiedenen Krisen führen alle zu denselben Fragen: Welches Europa wollen wir, wie viel Europa möchten wir - und was sind wir bereit, dafür zu tun?" Seine Antwort lautet: " Wir bilden eine Generation aus, die die europäische Idee gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, Glaubensfuror und Herkunftsprivilegien verteidigt".

Internationalisierung und Europa

Im Wintersemester 2016/17 startet an der EUF einer der wenigen europawissenschaftlichen Bachelor-Studiengänge in Deutschland: "European Cultures and Society". In englischer Sprache beschäftigen sich die Studierenden sechs Semester lang aus geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlicher Sicht mit der europäischen Idee – ein obligatorisches Auslandssemester inklusive.

"Dieses neue Lehrangebot trifft ins Schwarze und ist für die junge Generation richtungsweisend", würdigte die Ministerin den neuen Studiengang.

Darüber hinaus wurden fünf Professuren mit Europabezug besetzt:

  • Professur für Soziologie und sozialwissenschaftliche Europaforschung
  • Professur für europäische Medienwissenschaften (gemeinsam mit der FH Flensburg)
  • Professur für Minderheitenforschung, Minderheitenpädagogik und Nordfriesisch
  • Juniorprofessur für Politische Philosophie Europas
  • Juniorprofessur für European and Global Governance

Weitere Professuren mit europäischer Ausrichtung sind ausgeschrieben. Ein "Zentrum für interdisziplinäre Europaforschung" befindet sich in der Planungsphase.

Nachdem die EUF im Dezember 2015 von der Hochschulrektorenkonferenz mit dem Siegel "Internationale Hochschule" ausgezeichnet wurde, steht für 2016 die Entwicklung strategischer Partnerschaften im Mittelpunkt. Angedacht sind Partnerschaften mit Hochschulen in Polen, Frankreich, Spanien sowie dem skandinavischen oder baltischen Raum.

Lehramt/Inklusion

Nach der Entscheidung der Landesregierung aus dem Jahr 2014, in Flensburg das Lehramtsstudium für zehn Fächer auf Oberstufen-Niveau auszuweiten, schreitet der Ausbau des Studienangebots voran. Seit Wintersemester 2015/16 können an der EUF folgende Fächer auf SekII-Niveau studiert werden: Dänisch, Deutsch, Englisch, Geschichte, Mathematik, Wirtschaft und Politik. Zum Wintersemester 2016/17 starten die Fächer Kunst, Spanisch und Sport. Ein Jahr später kommt Französisch dazu. Insgesamt wurden im Rahmen der Reform neun neue Professuren eingerichtet. "Auch im Studium für das Sekundarlehramt bleiben wir dem ‚Flensburger Modell‘ treu: Unsere Ausbildung ist praxisnah, schulformbezogen und international", betonte Reinhart.

Eine Besonderheit der Europa-Universität Flensburg: In Schleswig-Holstein kann nur hier das Lehramt Sonderpädagogik studiert werden. "Es ist Ziel der UN-Menschenrechtskonvention, Umweltbarrieren für Menschen mit Beeinträchtigungen abzubauen," betonte Alheit. "Ein wichtiger Punkt ist dabei der gemeinsame Schulbesuch von behinderten und nicht behinderten Kindern. Für diesen Weg braucht es qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer. Wir freuen uns daher, dass die EUF ihre Kapazitäten in der Sonderpädagogik im kommenden Wintersemester auf 160 Studienplätze erhöht".

ZeBUSS (Zentrum für Bildungs-, Unterrichts-, Schul- und Sozialisationsforschung)

Im Bereich der bildungswissenschaftlichen Forschung an der EUF haben sich in den letzten Jahren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler interdisziplinär zu einem Zentrum vernetzt: Dem ZeBUSS (Zentrum für Bildungs-, Unterrichts-, Schul- und Sozialisationsforschung). "Eine Besonderheit des Forschungsansatzes ist, dass er Handlungsfelder und Perspektiven auf das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen (Schule, Familie, Jugendhilfe, Vereine) miteinander vernetzt", erläuterte Präsident Werner Reinhart. "Wir betrachten Schülerinnen und Schüler nicht nur unter dem Gesichtspunkt von Leistung bzw. Leistungsvergleichen, sondern nehmen die gesamten Bildungs- und Sozialisationsprozesse in den Blick".

Das ZeBUSS wird im November 2016 feierlich eröffnet.

Wissenschaftsministerin Alheit zog ein positives Resümee ihres Besuches an der EUF: "Die Europa-Universität Flensburg fokussiert sich klug auf ihre Stärken: Grenzüberschreitende Kooperation und Europakompetenz, ein Lehramt, das den Herausforderungen einer globalisierten Gesellschaft gut begegnet sowie eine stark interdisziplinären Forschung. Das zeigt: Die EUF ist in puncto Kreativität gut aufgestellt".

Haben über die Entwicklung der EUF gesprochen: Prof. Dr. Jürgen Schwier, Vizepräsident für Studium und Lehre der EUF, Kristin Alheit, Ministerin für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung in Schleswig-Holstein, Prof. Dr. Werner Reinhart, Päsident der EUF. (Quelle: Kathrin Fischer)