„Wieso sollte ausgerechnet Schule soziale Gerechtigkeit ermöglichen?“

Feierliche Eröffnung des "Zentrum für Bildungs-, Unterrichts-, Schul- und Sozialisationsforschung" (ZeBUSS) an der Europa-Universität Flensburg

Mit einem Festakt wurde heute (23. November) das Zentrum für Bildungs-, Unterrichts-, Schul- und Sozialisationsforschung (ZeBUSS) an der Europa-Universität Flensburg (EUF) eröffnet.

"Das neue Forschungszentrum passt in das Profil der Universität: Es ist ein Zentrum, das kritische Bildungsforschung betreibt, das sich nicht an Nützlichkeitsmaßstäben messen lassen will, sondern das vielmehr Grenzen im Denken überwinden und neue Horizonte eröffnen will. Ich bin gespannt, was wir in Zukunft vom ZeBUSS hören werden", würdigte Wissenschaftsministerin Kristin Alheit die Neugründung.

Uni-Präsident Werner Reinhart betonte den breiten Forschungsansatz des Zentrums und dessen Bedeutung für das Profil einer engagierten Europa-Universität: "Bildung ist nur in Kontexten zu verstehen", sagte er. "Gegen spezifische und kleinteilige Bildungsforschung setzen wir an der EUF daher auf ein systemisch-integratives Verständnis von Sozialisationsprozessen."

Ziel: Grundlagenforschung

Das Zentrum für Bildungs-, Unterrichts-, Schul- und Sozialisationsforschung ist eines der profilgebenden Forschungszentren der Europa-Universität Flensburg. Ziel des ZeBUSS ist es, Forschung, insbesondere Grundlagenforschung, zu etablieren, zu unterstützen und zu fördern. Über die zentralen Begriffe Bildung und Sozialisation werden im ZeBUSS schulische und außerschulische Prozesse untersucht. Dies vernetzt die Perspektiven auf das Aufwachsen und die Handlungsfelder, die dabei involviert sind (Schule, Familie, Jugendhilfe, Vereine).

Ziel des ZeBUSS ist es, Bildung und Sozialisation nicht nur produktorientiert mit Blick auf Leistung oder Leistungsvergleiche zu betrachten. Vielmehr werden die Bildungs- und Sozialisationsprozesse mit ihren sozialen Einbettungen und individuellen Orientierungen in den Blick genommen.

Schule als gesellschaftliche Institution

"Lebenswelten werden komplexer, und die Forschung muss dieser Komplexität gerecht werden", erklärte Merle Hummrich, Professorin für empirische Bildungsforschung. Gemeinsam mit Jürgen Budde und Jan Erhorn, ebenfalls Professoren an der EUF, bildet sie das ZeBUSS-Sprecherteam. "Daraus leitet sich einerseits der Anspruch auf Inter- und Transdisziplinarität sowie auf verschiedene methodologische Ansätze ab. Andererseits verstehen wir die Grundlagenforschung am ZeBUSS als einen handlungsentlasteten Raum für Kritik und Reflexion."

Diese Grundlagenforschung muss den Bildungsbegriff selbst hinterfragen, seine bildungspolitische Bedeutung und gesellschaftliche Funktion, so die Überzeugung von Sandra Rademacher, Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Kindheits- und Jugendforschung und Vizepräsidentin für Forschung an der EUF. "Schule, so die allgemeine Forderung, soll Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit ermöglichen. Aber wieso wird in einer sozial ungerecht verfassten Gesellschaft ausgerechnet vom Bildungssystem erwartet, die Norm sozialer Gerechtigkeit umzusetzen? Unter anderem mit dieser Fragestellung wird Schule am ZeBUSS nicht nur als Teil des Bildungssystems Gegenstand einer wissenschaftlichen Betrachtung, sondern als eine Institution mit bestimmten Funktionen im gesellschaftlichen Ganzen."

Infrastruktur des ZeBUSS

Das ZBUSS erhält aus zentralen Universitätsmitteln 50.000 Euro Anschubfinanzierung pro Jahr, u.a. aus Mitteln, die im Rahmen der mit dem Land ausgehandelten Grundhaushaltserhöhung zur Stärkung der schleswig-holsteinischen Hochschulen an die EUF fließen. Der Aufbau des ZeBUSS ist in den ergänzenden Zielvereinbarungen mit dem Land Schleswig-Holstein für die Jahre 2016-2019 festgeschrieben. Die Anschubfinanzierung ist zunächst für fünf Jahre vorgesehen. Die Weiterfinanzierung wird an Zielvereinbarungen geknüpft werden. Ziel ist, dass sich das Zentrum perspektivisch durch Drittmitteln, die über das Zentrum eingeworben werden, selbst finanzieren kann.

Personell sind eine Stelle Wissenschaftsmanagement sowie administrative Unterstützung vorgesehen.

Räumlich wird das Zentrum zunächst in den vom Land zur Verfügung gestellten Modulbauten untergebracht werden, da an der stark wachsenden Europa-Universität Raumnot besteht.

Weitere Informationen unter: https://www.uni-flensburg.de/zebuss

Podiumsdiskussion zur Eröffnung des ZeBUSS: Prof. Dr. Merle Hummrich, ZeBUSS-Sprecherin, Ministerin Kristin Alheit, Pressesprecherin Kathrin Fischer, Prof. Dr. Sandra Rademacher, Vizepräsidentin für Forschung, Martin Spiewak, Wissenschaftsjournalist der ZEIT. (Quelle: Sabine Große-Aust)
Freuen sich über die Eröffnung: ZeBUSS-Sprecher Prof. Dr. Jürgen Budde, Ministerin Kristin Alheit, ZeBUSS-Sprecherin Prof. Dr. Merle Hummrich (Quelle: Sabine Große-Aust)