Durch Forschendes Lernen intensiver auf den Lehrerberuf vorbereiten: das Praxissemester

Tagung des Nordverbund Schulbegleitforschung "Praxisforschung im Praxissemester – Erfahrungen und Perspektiven"

Am 22. und 23.9.16 fand die Tagung des Nordverbund Schulbegleitforschung "Praxisforschung im Praxissemester – Erfahrungen und Perspektiven" mit 120 Tagungsgästen an der Europa-Universität Flensburg statt.

Spätestens mit dem Praxissemester ist Forschendes Lernen in das hochschuldidaktische Rampenlicht getreten. Dies gilt nicht nur für die Europa-Universität Flensburg, die das Praxissemester seit 2014 durchführt, sondern für 11 der 16 Bundesländer der Bundesrepublik Deutschland, in denen sich ebenfalls mit dem Ansatz des Forschenden Lernens auseinandergesetzt wird. Mit der Tagung wurde auf der einen Seite ein länderübergreifender Überblick über Ausgestaltungsformen Forschenden Lernens in Praxissemestern möglich. Auf der anderen Seite wurde diskutiert, welche Inhalte sinnvoll sind und welche Personen im Praxissemester bestimmte Beiträge leisten können, damit dieses Studienelement zur Qualitätssteigerung des Lehramtsstudiums beitragen kann. So besteht intensiver als in anderen Bereichen des Studiums die  Möglichkeit, praktische Erfahrungen mit theoretischen Bezügen zu verbinden.

Eine der Zielsetzungen lehramtsbildender Hochschulen ist es "im Praxissemester eine forschende Grundhaltung zu vermitteln", beschreibt Ulrike Weyland, Professorin für Erziehungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Berufspädagogik an der Westfälischen-Wilhelms-Universität (WWU) Münster. "Dabei ist es nicht so, dass Studierende die Aufgabe schätzen", berichten Dr. Andreas Feindt von der WWU Münster. Sie plagen sich eher mit einer ungeliebten Aufgabe herum. "Forschen im Lehramtsstudium ist aber für die spätere Lehrtätigkeit von Bedeutung ", kommentiert Ulrike Weyland. "Es geht darum, später im Beruf den eigenen Unterricht eben nicht theorielos zu gestalten, sondern zu wissen, dass guter Unterricht immer auch von der Bereitschaft abhängt, den eigenen Unterricht durch eigene und fremde Beobachtungen und Rückmeldungen zu hinterfragen, sich irritieren zu lassen. Das muss bereits früh im Studium vorbereitet werden, um hier die dafür notwendigen Grundlagen zu schaffen".

In insgesamt 21 Vorträgen und Workshops suchten die Tagungsteilnehmer*innen nach Wegen, um unter den universitären und schulischen Rahmenbedingungen z.B. gute Mentor*innenarbeit zu leisten, sinnvolle Portfolios zu gestalten und Forschendes Lernen so anzuleiten, dass es in guten Arbeiten und nachweisbaren Fähigkeiten der Studierenden mündet. "Die Tagung liefert nicht die Lösungen für diese Themen", merkt Dr. Jens Winkel an, Geschäftsführer des Zentrums für Lehrerinnen- und Lehrerbildung und Ausrichter der Tagung. "Es ist eher der Beginn einer Diskussion, um qualitativ gute Umsetzungskonzepte für das Forschende Lernen unter den standortspezifischen Rahmenbedingungen entwickeln zu können. Dafür ist der Austausch notwendig, weil an allen Orten gute Ideen und interessante Lösungen ausgearbeitet werden, von denen der eigene Standort profitieren könne.

Die Tagung stieß bei Teilnehmer*innen und Referent*innen auf große Resonanz. Insbesondere die Teilnehmer*innen nahmen viele Anregungen für die Arbeit am eigenen Standort mit.

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