Digital und international: Die Facharbeit der Zukunft

Zwei europäische Forschungsprojekte an der EUF erforschen die Anforderungen an die Arbeit der Zukunft

140 000 Euro erhält das Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik (biat) der Europa-Universität Flensburg im Rahmen zweier ERASMUS+ Projekte. Die beiden internationalen Verbundvorhaben beschäftigen sich mit den Folgen des digitalen Wandels für Arbeitswelt und Gesellschaft. Oft summiert im Begriff Industrie 4.0 bilden sie einen Forschungsschwerpunkt des Instituts.

Netzkompetenz für eine digitalisierte Arbeitswelt (NetKom_4.0)

Die Digitalisierung wird künftig Arbeitsaufgaben, Arbeitsprozesse und Arbeitsbedingungen weitreichend verändern. Um diese Veränderungen nachhaltig und selbstverantwortlich verstehen und gestalten zu können, brauchen Facharbeiter*innen eine neue Schlüsselkompetenz: "Sie benötigen Netzkompetenz", betonen Axel Grimm, Professor für die Beruflichen Fachrichtungen Elektro- und Informationstechnik am Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik, und Jonas Gebhardt, wissenschaftlicher Mitarbeiter am biat. "Wenn die Elektronikerin für Betriebstechnik am Arbeitsplatz beispielsweise verstärkt Software programmiert oder der Mechatroniker Wartungsarbeiten mit einem Tablet auf Englisch koordiniert, dann müssen sie die entsprechenden Kompetenzen dazu in ihrer Aus- und Weiterbildung entwickeln."

Die Konzepte der anderen

Die beiden Forscher haben in dem dreijährigen BMBF-Vorhabens "PROKOM 4.0", das Ende 2017 erfolgreich abgeschlossen wurde, die zukünftigen Anforderungen an Arbeit und Bildung jenseits akademischer Qualifikationen für Deutschland untersucht. "Der digitale Wandel macht jedoch vor nationalen Grenzen nicht halt", betont Axel Grimm. In dem Nachfolge-Projekt "NetKom_4.0" beschäftigen sie sich daher als Lead-Partner mit Partner*innen aus Litauen, Dänemark, Österreich, Portugal und Deutschland mit deren Konzepten und Ideen zur Bewältigung der neuen Arbeitsherausforderungen. "Dabei geht es nicht nur um technische Veränderungen, sondern auch um eine Gestaltungsorientierung. Das bedeutet, dass Fachkräfte dazu befähigt werden sollen ihren Betrieb und ihre Arbeitsbedingungen mitgestalten zu können, dass sie nicht nur reagieren, sondern agieren können", betont Grimm.

Das Projekt hat eine Laufzeit von 18 Monaten seit dem 1.Oktober 2018.

Transforming Educational Programmes For Future Industry 4.0 (TEFFIC)

Dieses Projekt beschäftigt sich mit den digitalen Veränderungen in der Industriearbeit und dem Mangel an adäquat gebildeten Mitarbeitenden. "Hier allerdings liegt der Fokus auf den akademischen Ausbildern von zukünftigen Facharbeiter*innen", sagt Jonas Gebhardt. "Wir versuchen in einem multiperspektivischen und transnationalen Austausch mit Vertreter*innen aus Norwegen, Estland, Belgien und Dänemark ein grenzübergreifendes und anwendungsfähiges Konzept für das Lehrpersonal an technisch geprägten Hochschulen und Universitäten zu entwickeln."

Notwendige Veränderungen der beruflichen Lehramtsausbildung

Während die Partner innerhalb des Projektes die Frage stellen, wie ingenieurswissenschaftliche Studiengänge an die durch die Industrie 4.0 ausgelösten Veränderungen curricular angepasst werden können, haben die beiden Flensburger Forscher als Vertreter der beruflichen Bildung eine Sonderrolle inne. "Das bedeutet, wir nehmen auch hier wieder die erwarteten Veränderungen der Facharbeit in den Blick, aber parallel dazu auch die daraus resultierenden, notwendigen curricularen Veränderungen innerhalb der beruflichen Lehramtsausbildung. Wir beschäftigen uns also mit den Absolvent*innen einer akademischen Ausbildung, die später in einem nichtakademischen Feld lehren werden."

Das Projekt hat eine Laufzeit von drei Jahren seit dem 1.September 2018.

Wissen noch nicht, wohin mit dem Türschild: Axel Grimm, Professor für die Beruflichen Fachrichtungen Elektro- und Informationstechnik am Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik, und Jonas Gebhardt, wissenschaftlicher Mitarbeiter am biat (Quelle: Kathrin Fischer).