Deutsch-österreichischer Austausch über das duale Ausbildungssystem

Besuch von der PH Tirol am biat (Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik)

Für eine Woche besuchen fünf Studierende der Pädagogischen Hochschule Tirol in Innsbruck das Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik. Sie werden begleitet von ihren Dozentinnen Ingrid Hotarek und Gerlinde Schwabl.

In Innsbruck absolvieren die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer ein Studium des Lehramts Sekundarstufe (Berufsbildung) in den Fachrichtungen Informations- und Kommunikationspädagogik bzw. Berufsschulpädagogik und Technisch-gewerbliche Pädagogik.

Am Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik besuchen Sie in dieser Woche Lehrveranstaltungen und nehmen am normalen Vorlesungsbetrieb teil. In dieser Zeit wird es zu gemeinsamen Aktivitäten mit den Studentinnen und Studenten des Instituts kommen.

Gemeinsames Ziel der Pädagogischen Hochschule Tirol und der Europa-Universität Flensburg ist es, den Studierenden des Lehramtes an beruflichen Schulen Auslandserfahrungen zu ermöglichen. "Vielleicht ist dies der Beginn einer wunderbaren Freundschaft", sagte Ulrike Bischof-Parker, Leiterin des International Center der EUF,  heute (21.11.)  bei der Begrüßung der Gäste.

Österreiches System als Vorbild für eine Reform in Deutschland?

Die beiden Länder Deutschland und Österreich können in der dualen Berufsausbildung voneinander lernen: Sowohl das deutsche als auch das österreichische Berufsbildungssystem werden vor allem aufgrund des dominanten Dualen Systems weltweit gelobt. Dabei fällt bereits beim deutschen Dualen System der Zwiespalt auf: Einerseits gilt es als Exportschlager, und viele andere Länder informieren sich etwa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) oder bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) über das Duale System. Sie wollen es "kopieren", und deutsche Berufsbildungsexpertinnen und -experten sollen dabei helfen, das Duale System in anderen Ländern aufzubauen. Andererseits wird das Duale System intern indes zum Teil heftig kritisiert. Es sei nicht mehr zeitgemäß und müsse dringend modernisiert werden. Vor allem wird kritisiert, dass aufgrund langer und aufwändiger Neuordnungsverfahren die berufspädagogischen Antworten auf Veränderungen des Beschäftigungssystems und der Technologien zu lange auf sich warten ließen und dass mit dem sogenannten Übergangssystem ein Sammelbecken jener entstanden sei, die es trotz der demographisch günstigen Entwicklung und obwohl es zahlreiche unbesetzte Ausbildungsstellen gibt, nicht im ersten Anlauf schaffen, eine Ausbildung im Dualen System beginnen zu können. Berufsbildungsexperten sehen das österreichische System als Vorbild für eine Reform des deutschen Systems an.

Universitäre Berufspädagogik als Vorbild für Österreich?

In der universitären Berufsbildungsforschung und -lehre könnten dagegen bundesdeutsche Einrichtungen für die österreichischen Lehrkräftebildungseinrichtungen ein Vorbild sein. Denn dort gibt es – anders als in Deutschland - keine etablierte universitäre Berufspädagogik.

Der Austausch ist daher für beide Seiten eine spannende Erfahrung.