„Deutsch als Zweitsprache und Mehrsprachigkeit in Ausbildung und Unterricht“ - Erfolgreiche Tagung an der Europa-Universität Flensburg

Mit welcher Einstellung stellen sich zukünftige Lehrerinnen und Lehrer einer Schülerschaft, die zunehmend mehrsprachig und multikulturell zusammengesetzt ist? Dieser Frage widmet sich das interdisziplinär angelegte Projekt "Deutsch als Zweitsprache und Mehrsprachigkeit im Unterricht" an der "Europa-Universität Flensburg.

"Einstellungen beeinflussen Handlungen. Deshalb ist davon auszugehen, dass Lehrerinnen und Lehrer dieser Aufgabe nur dann positiv entsprechen, wenn sie die heterogene Zusammensetzung als eine Ressource begreifen, die sie für den Unterricht positiv nutzen können", erklärt Julia Ricart Brede. Die Flensburger Professorin für "Deutsch als Fremd- und Zweitsprache" führt seit 2011 gemeinsam mit Diana Maak eine bundesländer- und grenzübergreifende Fragebogenstudie durch, deren Ziel die Untersuchung folgender Fragen ist: Über welche Einstellungen verfügen angehende Lehrerinnen und Lehrer zu den Themen Deutsch als Zweitsprache und Mehrsprachigkeit? Welche Rückschlüsse lassen die Untersuchungsergebnisse auf die Lehramtsausbildung zu? Und welche didaktischen Konzepte zur Stärkung von Mehrsprachigkeit stehen für den Unterricht bereit?

"Es zeigt sich, dass es Lehramtsstudierenden teilweise schwer fällt, die lebensweltliche und migrationsbedingte Mehrsprachigkeit und kulturelle Vielfalt der Schülerschaft anzuerkennen und als Chance zu verstehen", benennt Julia Ricart Brede erste Ergebnisse der Studie. "Wir haben Hinweise, dass immerhin noch etwa ein Drittel der Befragten Schule als originär einsprachig ansieht. Dabei haben wir Unterschiede in den Fächern festgestellt: Die Grundüberzeugung, dass die Einsprachigkeit einer Gesellschaft oder eines Menschen normal sei, herrscht in den naturwissenschaftlichen Disziplinen stärker vor als in den sprachaffinen Fächern".

Die Einführung von Sensibilisierungsmodulen für alle Lehramtsstudierenden wie sie derzeit in Flensburg und andernorts stattfindet, sei daher ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, so Ricart Brede.

Projektleiterin Diana Maak nennt noch ein weiteres Ergebnis der Fragebogenstudie "Deutsch als Zweitsprache und Mehrsprachigkeit im Unterricht": "Eventuell könnte das Rollenbild von Lehrenden als ‚Allwissende ‘ eine Ursache für Vorbehalte gegen die Nutzung von Mehrsprachigkeit im Klassenzimmer sein. Wenn Lehramtsstudierende der Überzeugung sind, dass nur das im Unterricht behandelt werden kann, was sie selbst kennen und können und vorbereitet haben – und solche Einstellungsausprägungen können in den ersten Analysen aufgezeigt werden – dann ist es schwierig, Mehrsprachigkeit in seiner Vielfalt einzubeziehen. Denn alle Sprachen der Welt oder alle Sprachen, die Lehrerkräften in der Schulwirklichkeit begegnen, kann selbstverständlich keine Lehrkraft beherrschen."

Bei der Tagung des Projekts vom 20.-21. März 2015 in Flensburg diskutierten projektinterne und -externe Referentinnen und Referenten Forschungsergebnisse, aber auch forschungsmethodische Fragen. Dies wurde ergänzt durch Vorträge zum praktischen Umgang mit Mehrsprachigkeit im (Schul-)Alltag, z.B. von der Auftaktrednerin Prof. Dr. Ingelore Oomen-Welke, der Urheberin des didaktischen Konzepts "Kultur der Mehrsprachigkeit". Das von Oomen-Welke für einen interkulturellen Unterricht entwickelte Materialpaket "Sprachenfächer" wurde bereits 2008 mit dem Europäischen Sprachensigel ausgezeichnet.

Projektleiterin Julia Ricart Brede, Professorin für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache an der EUF, Ingelore Oomen-Welke, Professorin für deutsche Sprache und Sprachdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg i.Br., im Ruhestand, Projektleiterin Diana Maak, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Seminar „Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. (Von links nach rechts, Quelle: Kathrin Fischer)