Das Messen des Maßhaltens

Start der BMBF-Nachwuchsforschungsgruppe "EnSu – Die Rolle von Energie-Suffizienz in Energiewende und Gesellschaft"

Wie kann der Energieverbrauch absolut sinken? Wie kann gesellschaftlicher Wandel in die Energiemodellierung einfließen?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich ab heute (4.5.2020) die Nachwuchsforschungsgruppe "EnSu – Die Rolle von Energie-Suffizienz in Energiewende und Gesellschaft". Sie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA) mit insgesamt knapp 3,5 Millionen Euro gefördert. Sechs Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler vom Freiburger Öko-Institut, dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie sowie von der Europa-Universität Flensburg (EUF) haben sich bis April 2025 zum Ziel gesetzt, gesellschaftliche Transformationsprozesse im Kontext der Energiewende für Energiesystem-Modellierung darstellbar zu machen.

Wie können wir Suffizienz politisch ermöglichen und technisch messen?

"Damit wir eine Chance haben, das 1,5 Grad Ziel zu erreichen, brauchen wir alle drei Strategien der Energiewende: ‚Konsistenz = Erneuerbare statt Fossile‘, Effizienz = relativ weniger Energieeinsatz für den gleichen Zweck‘ und Suffizienz = absolute Reduktion des Energieverbrauchs durch soziale Innovationen, durch den Ausstieg aus nicht-nachhaltigen Strukturen und durch verändertes Verhalten von Menschen‘", erläutert Dr. Frauke Wiese. Die Wirtschaftsingenieurin leitet als neue Juniorprofessorin für "Transformation der Energiesysteme" an der EUF die Nachwuchsgruppe gemeinsam mit dem Politikwissenschaftler Dr. Benjamin Best, der am Wuppertal Institut zu zukünftigen Energie- und Industriesystemen forscht. "Im politischen Raum kennen wir Suffizienz fast nur in Form von Verzichtsappellen und Aufrufen zur Mäßigung oder zur individuellen Vorsorge. erklärt er. "In dieser Nachwuchsgruppe möchten wir dagegen erforschen, welche Suffizienz-Politik wir brauchen, um Menschen in die Lage zu versetzen, weniger Ressourcen verbrauchen zu können."

Interdisziplinäre Kooperation zwischen ingenieurwissenschaftlicher Energiemodellierung, Politikwissenschaft und sozial-ökologischer Transformationsforschung

Die Nachwuchsgruppe forscht dazu in interdisziplinärer Kooperation zwischen ingenieurwissenschaftlicher Energiemodellierung, Politikwissenschaft und sozial-ökologischer Transformationsforschung. Gemeinsames Ziel: Die Wirkung von Suffizienzmaßnahmen für die Energiesystem-Modellierung messbar und damit darstellbar zu machen. "Modellierungen des Energiesystems sind weitgehend blind gegenüber Veränderungen durch gesellschaftlichen Wandel, denn in ihnen wird bislang nur abgebildet, was einfach zu quantifizieren ist", erklärt Juniorprofessorin Wiese. "Da diese Modelle oft Grundlage für Energie- und Klimapolitik sind, finden die Suffizienz-Maßnahmen keinen Eingang in die Politik. Dies wollen wir ändern, indem wir Suffizienz-Optionen auch in Modellen und Szenarien mit abbilden."

Zusammenarbeit mit Praxispartnern

Dazu entwickeln die Forscherinnen und Forscher ein sogenanntes "Suffizienz-Modul", das in verschiedenen Energiemodellen eingesetzt werden kann. Darin sind Suffizienz-Ansätze für Klima- und Energieszenarien empirisch hinterlegt und ihre Auswirkungen auf die Nachfrage nach Strom, Wärme und Transport mit Daten abgebildet.

Um praxisrelevante Handlungsempfehlungen ausarbeiten zu können, arbeitet die Nachwuchsgruppe nicht nur inter-, sondern auch transdisziplinär mit Praxis-Partnern aus Kommunen, Bundespolitik und Verbänden wie beispielsweise Landes-Verbraucherzentralen zusammen.