Gewaltig! Nordsee: Ausstellung im Nordfriesland Museum eröffnet

Europa-Universität Flensburg an interdisziplinärer Schau beteiligt

Ob die gewaltige Sturmflut 1962, im 14. Jahrhundert oder das Orkantief 2013: In Nordfriesland haben Nordseeküstenbewohner*innen immer wieder einen Umgang mit Naturphänomenen und -katastrophen finden müssen. Wie diese das Leben, die Kultur und die Menschen geprägt haben, thematisiert jetzt eine Sonderausstellung im Nordfriesland Museum in Husum. Unter dem Titel "GEWALTIG! Nordsee" gibt die Schau Einblicke in die Vergangenheit und stellt Bezüge zu aktuellen Fragen des Klimawandels und des Küstenschutzes her. Wissenschaftler*innen verschiedener Fachrichtungen der Europa-Universität Flensburg (EUF) haben an der Ausstellung mitgewirkt.

In einem guten Dutzend thematisch aufbereiteter Kojen zeigt die Ausstellung verschiedenste Aspekte des Umgangs mit Naturkatastrophen und deren Folgen an der Nordseeküste auf: Besucher*innen erfahren auf ihrem Rundgang durch das Nissenhaus anhand von virtuellen Ausstellungselementen, interaktiven Modellen und Film- und Hörstationen, wie sich die Erlebnisse der Menschen in Kunst, Literatur und Alltagskultur spiegeln. Wie erklärten sich Menschen die Katastrophen, wie wurde mit Trauer und Verlust umgegangen? Was ist von der Sturmflut 1717 überliefert? Und wie genau entsteht eigentlich eine Sturmflut?

Wissenschaftliche Beteiligung als wichtiger Transfer

Naturwissenschaftliche, kulturwissenschaftliche, künstlerische und historische Perspektiven kommen in der Ausstellung zusammen. Dazu haben auch Wissenschaftler*innen der Disziplinen Germanistik, Geografie und Kunst der Europa-Universität Flensburg ihr Wissen insbesondere in der Konzeptionsphase beigetragen. Am Institut für Sprache, Literatur und Medien der EUF ist die Kooperation ein Beispiel für einen gelungenen Transfer - denn der wirkt in beide Richtungen: "Mit dem Museum zusammenzuarbeiten und die Perspektiven verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen beizusteuern, ist für uns an der Europa-Universität ein Transfer in die Gesellschaft, der uns wichtig ist", sagt Prof. Dr. Matthias Bauer, Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft amInstitut, das auch viele Lehramtsstudierende ausbildet. "Zugleich greifen wir in der Lehre das Thema der Ausstellung und vor allem Fragen seiner Vermittlung auf."

Begleitendes Seminar für Lehramtsstudierende an der EUF

Bereits im vergangenen Jahr hatten sich Kunst-Studierende unter der Anleitung von Werner Fütterer (Abteilung Kunst und visuelle Medien) mit dem Thema der Ausstellung beschäftigt und Installationen dazu entworfen. Im aktuellen Frühjahrssemester beschäftigen sich nun Germanistik-Studierende im ausstellungsbegleitenden Seminar von Tanja Hörmann mit der Darstellung des Umgangs mit Flutkatastrophen in Kunst, Literatur und materieller Kultur. Wie sich kulturelle Bildung in den Deutschunterricht einbinden lässt, ist das spezifische Interesse der wissenschaftlichen Mitarbeiterin der EUF, die zugleich am Nordfriesland Museum dauerhaft tätig ist. "Wir wollen den Blick für gewichtige Themen öffnen, aber auch für Lernorte außerhalb der Schule. Sie können manches begreifbarer machen, indem sie andere Formen des Zugangs ermöglichen. Es geht uns auch darum, mit solchen Lehrangeboten Horizonte zu erweitern und Ideen zu geben, die über den Lehrplan hinausgehen."

Copyright: Nordfriesland Museum

Wann sie die Ausstellung mit ihrem Seminar besuchen kann, ist derzeit allerdings pandemiebedingt noch offen. Das Museum ist für Einzelbesucherinnen und -besucher sowie für Familien seit Mitte März wieder geöffnet, für Veranstaltungen und Gruppenbesuche indes noch nicht. "Aber wir hoffen natürlich, dass auch das noch möglich sein wird", sagt Tanja Hörmann. Die Sonderausstellung ist bis zum 28. November im Husumer Nissenhaus zu sehen.

Weitere Informationen:

Nordfriesland Museum: https://www.museumsverbund-nordfriesland.de/museumsverbund/de/

Weiterer Kooperationspartner ist der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN-SH).