Öffentlicher Kalender der Europa-Universität Flensburg


Aufgrund der aktuellen Lage sind an der EUF bis zum 30.6.2020 alle Tagungen, Konferenzen und extracurriculären Veranstaltungen abgesagt. - Es kann vorkommen, dass dies nicht bei allen Veranstaltungen individuell vermerkt ist. - Einige Veranstaltungen werden nachgeholt oder eventuell digital angeboten, die Informationen dazu finden sie bei den jeweiligen Terminen.

Hier werden die nächsten Termine angezeigt. Benutzen Sie um die Termine der folgenden Monate anzuzeigen das Kalender-Plug-in auf der rechten Seite.

Wissensbilder

Kommende Termine (bis zu drei)

Keine zukünftigen Termine gefunden. Dieser Termin hat in der Vergangenheit stattgefunden.

Kategorien

  • Ringvorlesungen und Kolloquien

Details

"Wie im Krieg" (Spiegel Online), "Solche Bilder wollte man nicht" (Tagesschau). Es sind vermutlich gerade die Bilder schwerer Ausschreitungen, ausgebrannter Autos und zerborstener Schaufensterscheiben, die das landläufige Wissen über den Hamburger G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs vom vergangenen Juli prägen. Der Nachrichtenwert gewaltsamer Proteste und besonders der Bilder schwerer Ausschreitungen - engl.: riots - ist offenbar derart hoch, dass die eigentlich politischen Aspekte des Gipfeltreffens, der Demonstrationen und der polizeilichen Strategie zeitweise völlig in den Hintergrund von Berichterstattung und öffentlichen Debatten geraten sind. Wo kritische Aufmerksamkeit gefordert war, kam allzu oft die schiere Überwältigung zum Ausdruck. Die Bilder gewaltsamen Protests bilden Gewalt nicht nur dokumentarisch ab, sie beinhalten vielmehr eine eigene Gewaltsamkeit.

Die Forschung zu Protesten und politischen Bewegungen kann den Bann solcher Bilder brechen, um begreiflich zu machen, was sich zugetragen hat. In diesem Vortrag ohne Bilder soll dazu eine Art theoretischer Vorarbeit geleistet werden. In Auseinandersetzung mit dem französischen Sozialphilosophen und Syndikalisten Georges Sorel (1847 - 1922), der mit seinen Réflexions sur la violence (1906, dt. 1928: Über die Gewalt) Einfluss auf die politische Linke und Rechte im Zeitalter der Extreme genommen hat, wird vorgeschlagen, die riots als eine Art heutigen Mythos zu lesen - d.h. als überwältigendes Bild mit aktueller öffentlicher Durchschlagskraft, das sich der Kritik entzieht. Das Betrachten der Randale einerseits und deren Durchführung andererseits werden so in ihrem Zusammenhang zum Gegenstand der Untersuchung und der Diskussion. Wenn dieser Versuch gelingt, lassen sich scheinbare Gewissheiten, die durch Bilder gewaltsamen Protests spontan aufgerufen werden, irritieren, herausfordern und gegebenenfalls korrigieren.

 Leiv Eirik Voigtländer wurde am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität Berlin mit einer empirischen Studie zu bürgerschaftlichem Engagement promoviert und arbeitet heute für das Präsidium der EUF im Bereich Qualität von Studium und Lehre.

Weiteres Programm Wissensbilder

zur Übersicht