Öffentlicher Kalender der Europa-Universität Flensburg


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Technik und Kultur

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  • Ringvorlesungen und Kolloquien

Details

Die wechselseitigen Beziehungen zwischen Technik und Kultur sind so alt wie die Mensch­heit selbst: die technischen Hervorbringungen haben die Kultur und die kulturellen Muster und Praxen haben die Technik beeinflusst, deren Hervorbringung, Veränderung, Verbreitung wie Verwendung. Nicht so alt sind indes die theoretischen Reflexionen über diesen Zusam­menhang. Abgesehen davon, dass manche frühen Menschheitsperioden – in der Regel ex post – nach dem technischen oder technisch bedingten Entwicklungsstand benannt werden (z. B. Bronze- oder Eisenzeit) oder sich Ähnliches bezogen auf die Gegenwart findet (z. B. Raum­fahrt- oder Atomzeitalter, Industriegesellschaft, Postindustrielle Gesellschaft), wird traditio­nell (vor allem im deutschen Sprachraum) zwischen Technik und Kultur häufig Fremdheit oder gar ein offener Antagonismus gesehen, auf den gelegentlich mit entsprechenden (Ab­wehr-)Bewegungen reagiert wurde, z. B. in der Romantik). Das Reden von den "zwei Kulturen" ist in dieser Hinsicht wohl symptomatisch.

In einer sich globalisierenden Welt mit einem globalen Techniktransfer und sich zunehmend global auswirkenden Folgen technisch instrumentierten Handelns sowie der zugehörenden globalen (interkulturellen) Kommunikation erlangen die Interdependenzen von Technik und Kultur einen hohen Stellenwert: In jüngeren Ansätzen wird deshalb häufig auf die Zusammengehörigkeit beider Bereiche hingewiesen und in den Wissenschaften vielfältig thematisiert. Wie sich Technik und Kultur gegenseitig beeinflussen, durchdringen und bedingen, wird in verschiedenen Disziplinen in den Blick genommen, auf eine je spezifische Weise. Technisches wird zunehmend in seiner Kulturalität, Kultur (auch) in ihrer "Technizität" ("Technikförmigkeit") analysiert und interpretiert.

Im Vortrag werden aus technikphilosophischer Sicht einige damit zusammenhängende Aspekte etwas näher dargestellt. Dazu werden – nach kurzen historischen Anmerkungen –  zunächst die für den hier interessierenden Zusammenhang wesentlichen begrifflichen bzw. theoretisch-konzeptionellen Ausgangspunkte charakterisiert: Technik/Technisches und Kultur/Kulturelles/"Kultürliches". Darauf aufbauend wird der Zusammenhang von Technik und Kultur dargestellt. Technisches wird nicht nur durch das Kulturelle stark beeinflusst, sondern ist selbst eine kulturelle Hervorbringung, eine Kulturform. Das Verhältnis zwischen Kulturellem und Technischem ist reziprok: Durch Technisches wird Kulturelles ins Werk gesetzt, fortgeschrieben, verdinglicht, und die Umwelt wird kultiviert. Technisches als Kulturform bildet jedoch (ist sie erst einmal in den Alltag integriert) selbst einen Teil der menschliche "Mit-" und Umwelt, sie wird beständig weiter kultiviert. Indem sie aber (durch kulturelle Einflüsse) Veränderung erfährt oder gar aus kulturellen Bedürfnissen heraus neu geschaffen wird, wirkt sie wiederum auf die "Umwelt" zurück und verändert diese. Im Sinne von "Kulturelles als Kontext" kann deshalb davon ausgegangen werden, dass Technisches vor allem in Form technischer Sachsysteme nicht einfach von diesem "kulturellen Umfeld" nur quasi "eingeschlossen" ist (vor allem in Form von Wirkungen und Einflüssen des Umfeldes auf Konzipierung, Gestaltung, Bewertung, Auswahl und Nutzung von technischen Lösungen), sondern Technisches zeitigt – vor allem durch den zweckbezogenen Einsatz – in unterschiedlichster Weise Wirkungen in diese "Umgebung" hinein, "korrodiert", beeinflusst und verändert sie direkt und indirekt, in vorhersehbarer wie nicht-vorhersehbarer Weise (man denke nur an "Wandlungen" der Nutzergewohnheiten, Erschließung neuer Einsatzbereiche, "Anpassung" des Rechtsrahmens oder Initiierung technischer Neuerungen). In diesem Sinne kann neue oder veränderte Technik "angestammte" Kultur z. B. im Sinne in längeren Zeiträumen aufgebauter, bewährter, "eingeübter", vertrauter Praxen und Verständnisse beeinflussen bzw. Anstöße zu gravierenden und qualitativen Veränderungen in den Wahrnehmungs- und Handlungsmustern geben. Sie wirkt damit direkt auf bestehende Standardisierungen, die entweder angepasst oder durch neue ersetzt werden.

Diese Wechselwirkungen werden sowohl für Prozesse der Technikentstehung wie für Prozesse der Technikverwendung exemplarisch verdeutlicht.

 

Referent:

Professor Dr. sc. phil. Professor e.h. Gerhard Banse, Präsident der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin; Studium der Chemie, Biologie und Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Potsdam; von 1971 bis 2011 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Akademie der Wissenschaften der DDR, am Lehrstuhl Technikphilosophie der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus, am Institut für Philosophie der Universität Potsdam und am KIT – Karlsruher Institut für Technologie, Campus Nord (ehemals Forschungszentrum Karlsruhe GmbH in der Helmholtz-Gemeinschaft), Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse; 1974 Promotion zum Dr. phil. (Humboldt-Universität zu Berlin), 1981 Habilitation zum Dr. sc. phil. (Akademie der Wissenschaften der DDR), 1988 Ernennung zum Professor für Philosophie an der Akademie der Wissenschaften der DDR, 2000 Bestellung zum Honorarprofessor für Allgemeine Technikwissenschaft an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus und Berufung zum Gastprofessor an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Matej-Bel-Universität Banská Bystrica (Slowakische Republik), 2011 Ernennung zum Professor e.h. (ehrenhalber) der Schlesischen Universität Katowice (Polen).

Veranstaltungsort

Name
Hauptgebäude der Europa-UNiversität Flensburg, HG 447
Adresse
Auf dem Campus 1
PLZ / Stadt
24943 Flensburg
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