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„Wir müssen unsere Empörung nicht zügeln, sondern verstehen“

Philosophische Tagung an der Europa-Universität Flensburg beschäftigt sich mit politischen Haltungen und Emotionen

Von Attac bis zur AfD, von Stéphane Hessel bis zu Emmanuel Macron: Viel ist im gegenwärtigen politischen Diskurs von Empörung die Rede. An der Europa-Universität Flensburg (EUF) beschäftigt sich die Tagung "Empörung – Enthusiasmus – Hoffnung. Europäische Revolutionen und gegenwärtige Protestbewegungen" vor diesem Hintergrund mit politischen Emotionen und Haltungen. Ziel ist es, die Bedeutung von Empörung, Enthusiasmus und Hoffnung für europäische Revolutionen zu verorten und ihre Relevanz für gegenwärtige europäische Protestbewegungen zu diskutieren.

Moralisch relevante, universalisierende Haltungen

"Enthusiasmus und Empörung sowie Hoffnung werden beispielsweise von Kant und Marx als moralisch relevante, universalisierende Haltungen zu revolutionären Umbrüchen in Europa thematisiert", sagt Anne Reichold, Professorin für Philosophie an der EUF. Sie veranstaltet die Tagung im Rahmen des Forschungsprojekts "Normative Dimensionen der Empörung" in Kooperation mit Hauke Brunkhorst, Senior Professor für Soziologie an der EUF, und dem Interdisciplinary Centre for European Studies (ICES) der Universität.  

Begriffliche Unterscheidungsmerkmale verschiedener Bewegungen herausarbeiten

"Gegenwärtig empören sich beispielsweise verschiedene Lager über politische Zustände bzw. Sachverhalte", erklärt Projektmitarbeiterin Carina Pape. "So gibt es etwa von verschiedenen Seiten Kritik an der EU und ihrem Grenzregime sowie am globalen Finanz- und Wirtschaftssystem. Angesichts dieser gegenwärtigen Inanspruchnahme von Empörung und Wut in diversen Bewegungen in Europa scheint es uns wichtig, begriffliche Unterscheidungsmerkmale dieser Bewegungen herauszuarbeiten und aufzuzeigen, wie diese für die Analyse gegenwärtiger sozialer und politischer Bewegungen in Europa genutzt werden können." Ein wesentliches Merkmal sehen die beiden Philosophinnen in der Unterscheidung zwischen universalisierender Empörung und partikularem Ressentiment.

 Die Tagung findet vom 11. bis 12. Dezember 2018 an der Europa-Universität Flensburg statt, Gebäude Helsinki, Raum 205.