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„Im kalten Wasser frei geschwommen“

Die fünfte Schuladoption geht an der Grundschule Jübek erfolgreich zu Ende

Zum fünften Mal hat ein Team aus Lehramtsstudierenden eine Woche lang die Verantwortung für eine Grundschule übernommen: 14 angehende Grundschullehrerinnen und – Lehrer haben 140 Kinder der Grundschule Jübek unterrichtet, in den Pausen beaufsichtigt, Gespräche mit deren Eltern geführt oder Vertretungspläne geschrieben. Ein entscheidender Aspekt dabei: Sie haben diesen Schulalltag in Abwesenheit des normalen Kollegiums erlebt und gestaltet. Für diese sogenannte "Schuladoption" haben sie sich im Rahmen ihres obligatorischen Praxissemesters freiwillig gemeldet.

Ins kalte Wasser geschmissen

"Das ist genau mein Ding": Rebecca Schulze fühlt sich in der Grundschule sehr wohl. (Kathrin Fischer)

"Am ersten Tag fühlten wir uns sehr ins kalte Wasser geschmissen", sagt Rebecca Schulze, 24-jährige Masterstudentin mit den Fächern Mathematik und Sachunterricht. "Aber mit jedem Tag wurden die Stunden runder, die Abläufe klarer, der Überblick größer. Je länger ich das mache, desto mehr Spaß macht es mir. Und ich fühle mich durch diese wahnsinnige Alltagserfahrung viel besser gerüstet für das Referendariat."

Intensive Vorbereitung

Auf die "wahnsinnige Alltagserfahrung" werden die Studierenden von den Kooperationspartnerinnen und – partnern aus der beteiligten Schule, der Europa-Universität Flensburg und des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holsteins (IQSH) in einem halbjährigen Vorlauf sorgfältig vorbereitet. Während der Adoptionswoche werden sie von einem Projektteam intensiv begleitet. Täglich findet neben Unterrichtsbesuchen auch nach dem Unterricht eine Reflexionsrunde statt.

Möglichkeit zur Inspiration

Während die Studierenden sich in Jübek eine Woche lang um die Schülerinnen und Schüler in sieben Regelklassen kümmerten, hospitierte das Stammkollegium in verschiedenen Schulen in der Region, um sich über gute Konzepte im MINT-Bereich zu informieren. Für Schulleiterin Silja Korus eine positive Erfahrung: "Durch die Hospitation bekommen wir Einblick in die Unterrichtspraxis anderer Schulen und damit die Möglichkeit, uns inspirieren zu lassen. Der anschließende Austausch im Kollegium ist intensiver und führt zu einer gemeinsamen Zielfindung, die den eigenen Unterricht und die Schulentwicklung voranbringt."

Internationales Interesse

In Skandinavien gibt es die Schuladoption seit 1999. Die Europa-Universität Flensburg hat die Idee als Pionier nach Deutschland importiert und im Schuljahr 2014/2015 erstmals unter dem Titel "Schuladoption – Studierende machen Schule" durchgeführt. Das Interesse an dem erfolgreichen Projekt ist mittlerweile auch außerhalb Schleswig-Holsteins groß. "Wir hatten in der Adoptionswoche Besuch aus Norwegen, Dänemark, Österreich und Russland, in Deutschland führt auch die PH Weingarten Schuladoptionen durch", berichtet Johanna Gosch, die im Zentrum für Lehrerinnen- und Lehrerbildung der EUF die Schuladoption betreut.

Schleswig-Holstein als Impulsgeber

Dr. Dorit Stenke, schleswig-holsteinische Bildungsstaatssekretärin und Schulrat Jürgen Schulrat informierten sich im Klassenzimmer. (Kathrin Fischer)

Die schleswig-holsteinische Bildungsstaatssekretärin Dr. Dorit Stenke freut sich über diese Entwicklung: "Die Schuladoption ist eine hervorragende Idee des Zentrums für Lehrerinnen- und Lehrerbildung der EUF. Damit ist Lehrkräfteausbildung aus Schleswig-Holstein auch überregional Impulsgeber."

Ein Gewinn in dreierlei Hinsicht

Der international anerkannte Experte für Lehrerinnen- und Lehrerbildung und Erfinder der Schuladoption Per Ramberg von der Universität Trondheim hält die Schuladoption für einen Gewinn in dreifacher Hinsicht: "Die Studierenden lernen den Facettenreichtum des Berufs nahezu in seiner kompletten Bandbreite authentisch kennen. Das Kollegium hat Zeit für Schul- und Konzeptentwicklung im Hinblick beispielsweise auf Inklusion, jahrgangsübergreifendes Lernen, MINT oder Vernetzung mit anderen Bildungseinrichtungen. Und die Lehrerinnen- und Lehrerbildung mit ihrer Perspektive auf die Professionalisierung von Lehrkräften profitiert ebenfalls von der Nähe zur Praxis und den Studierenden."

Neu: Der Einsatz von tablets

Ein neuer Impuls in der Schuladoption ist der Einsatz digitaler Medien. Das finnische Unternehmen SEPPO hat den Studierenden in Jübek kostenlos die Nutzung ihrer Lernspielplattform zur Verfügung gestellt, die Firma TRIXIE GmbH & Co KG hat Tablets gesponsert, damit die Schülerinnen und Schüler die von Studierenden eigens entwickelten Lernspiele im Unterricht anwenden können.

"Die sind nett": Aufmerksam beobachten die Schülerinnen und Schüler die neuen Lehrerinnen und Lehrer. (Kathrin Fischer)