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Gelbe Blumen für den Präsidenten

Studienbedingungen an der EUF im Fokus

Werner Reinhart, Präsident der EUF, erhält von AStA-Vorsitzenden Katja Claussen und ihrer Stellvertreterin Cora Veldenhalven (v.l.) einen Strauß gelber Blumen. (Kathrin Fischer)

"Wir freuen uns über Studierende, die auf Missstände aufmerksam machen und gute Studienbedingungen einfordern", sagte der Präsident der Europa-Universität Flensburg, Prof. Dr. Werner Reinhart, heute (26.9.2018) anlässlich eines Protestspaziergangs des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA). Der AStA hatte dazu aufgerufen, ein Zeichen zu setzen "gegen überfüllte Veranstaltungen, gegen E-Mailfluten im Postfach, gegen fehlende Praktikumsplätze, gegen die Hilflosigkeit eines großen Systemfehlers."  Rund 200 gelb gekleidete Studierende überreichten dem Präsidenten gelbe Blumen, die Botschaft: "Wir stehen kurz vor Rot!"

Vorwürfe ernsthaft geprüft

"Wir haben die Vorwürfe der Studierenden - soweit es innerhalb zweier Tage möglich ist - ernsthaft geprüft", sagte Reinhart. "Überfüllte Veranstaltungen gibt es bei uns –  etwa 35% der Veranstaltungen sind ausgebucht oder überbucht." Betroffen sind vor allem die Pädagogik-Vorlesungen, die alle Lehramtsstudierenden im ersten oder zweiten Semester belegen müssen: "Wir lesen diese Vorlesung bereits vier Mal im Semester und haben damit theoretisch ausreichend Plätze. Warum das nicht so zu sein scheint, müssen wir prüfen."

Eine massiv unterfinanzierte Universität

Der Hintergrund des Problems, so Reinhart, sei eigentlich ein erfreulicher: "Wir sind eine wachsende Universität mit einem offenbar attraktiven Studienangebot und nehmen in Absprache mit dem ‚Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur‘ mehr Studierende auf als wir müssten. Wir sind aber auch eine massiv unterfinanzierte Universität und können aus ‚wenig‘ das Beste machen, aber nicht ‚mehr‘."

Attraktiv und nachgefragt

Die Europa-Universität Flensburg verzeichnet weiterhin wachsende Studierendenzahlen. In diesem Jahr haben sich mehr Studierende in die Lehramtsstudiengänge eingeschrieben: unter den 2002 Erstsemester haben sich 1069 für den Bachelorstudiengang "Bildungswissenschaften" entschieden. (Im Herbstsemester 2017 waren es 1023).  Insgesamt sind an der EUF im diesjährigen Herbstsemester 5869 Studierende eingeschrieben, so viele wie noch nie.

Mehr Personal und ein anderes Vergabeverfahren

"Wir werden Personal einstellen und das Lehrangebot erhöhen", versprach Reinhart. "Außerdem wollen wir das Vergabeprinzip vom sogenannten ‚Windhundprinzip‘, bei dem die Schnelligkeit der Anmeldungen zählt, auf ein prioritätengesteuertes Prinzip umstellen. Dadurch erzeugen wir eine höhere Zuverlässigkeit in der Lehr- und Prüfungsplanung."

Praktikumsplätze fehlen nicht

Die Lehramtsstudierenden der EUF absolvieren bereits im ersten Studiensemester ein Schulpraktikum. "Die Kritik an fehlenden Praktikumsplätzen verstehe ich nach Sichtung der Zahlen noch nicht", sagte Reinhart. "Nach unserem Kenntnisstand sind aktuell noch 73 Praktikumsplätze unbesetzt." Ein Problem räumte der Präsident bei den Begleitseminaren ein, die mit 30 statt 15 Studierenden deutlich überbelegt werden mussten. "Trotz dieser Überbelegung kommt es hier zu Engpässen", sagte Reinhart. "An der Lösung arbeiten wir noch."

Und nächstes Jahr dann hoffentlich ein Strauß grüner Gräser

Einen "großen Systemfehler" wollte Reinhart nicht gelten lassen. "Das ist mir etwas zu allgemein gesprochen." Dass es Schwierigkeiten im Bereich Veranstaltungsbelegung gab und gibt, räumte der Präsidenten vor den Studierenden ebenso ein wie existierende Probleme mit der Zulassung. "Diese Schwierigkeiten sind uns bekannt und wir haben auf sie bereits reagiert, indem das Präsidium gemeinsam mit dem Senat im Juli 2018 eine Reform der Serviceeinrichtungen der EUF sowie die Einrichtung von Studienbüros beschlossen hat."

Gemeinsam mit dem AStA werden das Präsidium und Mitarbeitende der Serviceeinrichtungen der EUF in den kommenden Wochen breiter Daten erheben, um genauer Probleme zu identifizieren und passgenaue Lösungen zu finden.

"Im nächsten Jahr können Sie mir dann hoffentlich einen grünen und nicht einen roten Strauß überreichen", zeigte Reinhart sich zum Abschluss optimistisch.

Prof. Dr. Werner Reinhart, Präsident der EUF, vor rund 200 Studierenden, die einen Protestspaziergang zum Präsidium gemacht hatten. (Kathrin Fischer)
(Katrin Gutzmann)