Hochschulweite News

Mehr als Pads und Whiteboards

Europa-Universität Flensburg und Christian-Albrechts-Universität zu Kiel starten Verbundprojekt OLaD@SH zur Digitalisierung in der Lehrkräftebildung 

Wie kann die Vernetzung zwischen Standorten, zwischen Ansätzen der Lehrkräftebildung in verschiedenen Ländern, zwischen Fächern und zwischen Wissenschaft und Schulpraxis durch digitale Räume wirksam unterstützt werden? Diesen Fragen haben sich die Projektleitenden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projekts "OLaD@SH - Offenes Lehramt digital in Schleswig-Holstein" in ihrem gestrigen gemeinsamen Kick off meeting gewidmet. Das Programm wird seit diesem Jahr als gemeinsames Vorhaben der Europa Universität Flensburg (EUF) und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung gefördert. 

Lehramt ist wichtiger Motor

"Alle Schularten und alle Schulfächer ändern sich durch den enormen Transformationsprozess der Digitalisierung. Es ändern sich Verfahren, Instrumente, aber auch Kulturen", erklärt Prof. Dr. Iulia Patrut das Ziel des Vorhabens. Patrut ist Vizepräsidentin für Studium und Lehre der Europa-Universität Flensburg und Projektleiterin an der EUF, die die Leitung des Verbunds innehat. "Das Lehramt ist ein wichtiger Motor, um die Forschung und die Weiterentwicklung von Bildungspraktiken noch mehr zu vernetzen. Davon können auch andere Studienbereiche profitieren", bekräftigt Professor Dr. Markus Hundt, CAU-Vizepräsident für Studium und Lehre.

Lehrerinnen und Lehrer sehen sich mit gewaltigen Veränderungen konfrontiert. Eine zeitgemäße Lehramtsausbildung müsse angehende Lehrkräfte selbstverständlich auf diese Veränderungen vorbereiten, ergänzt Patrut. "Das tun die beiden lehramtsbildenden Universitäten des Landes auch bereits – mit diesem Projekt aber wollen wir uns strategisch vernetzen, um den Erwerb von digitaler Bildung für alle Lehramtsstudierenden des Landes nachhaltig zu verbessern."

Um dies zu erreichen, verknüpft das Projekt "OLaD@SH" die Aspekte Digitalisierung, Praxisbezug und Internationalisierung miteinander. Alle drei sind für eine zeitgemäße Lehrkräftebildung besonders wichtig und werden in zwei Projektteilen strategisch weiterentwickelt:

Bessere Theorie-Praxis-Verknüpfung

Im ersten Arbeitspaket wird das Praxissemester, das alle Lehramtsstudierenden in Schleswig-Holstein im dritten Mastersemester absolvieren müssen, gestärkt. "Zum einen wollen wir eine bessere Theorie-Praxis-Verknüpfung gewährleisten. Das ist wichtig, denn berufliche Erfahrung und theoretisch-wissenschaftliches Wissen sollen keine Gegensätze sein, sondern sich gegenseitig durchdringen", erklärt Patrut. "Zum anderen wollen wir auch Studierenden, die ihr Praxissemester an weiter entfernten Schulen durchführen, eine gute wissenschaftliche und praktische Betreuung gewährleisten." Im ersten Arbeitspaket werden daher Online-Begleitseminare für das Praxissemester entwickelt und erprobt. An der EUF sind die Fächer Chemie und Sport an der Konzeption exemplarischer Blended-Learning- Begleitseminare beteiligt. Weiterhin sollen an beiden Hochschulstandorten Strukturen geschaffen werden, um Lehramtsstudierenden auch im Praxissemester Anwendungsmöglichkeiten digitaler Lehr- und Lernformate in der schulischen Praxis anzubieten, diese zu reflektieren und mittelfristig in der universitären Lehramtsbildung zu etablieren.

Internationalisierung der Lehrkräftebildung

Das zweite Arbeitspaket hat zum Ziel, digitale Medien zur Internationalisierung der Lehrkräftebildung zu nutzen. "Durch vernetzte Seminare können Studierende, auch wenn sie sich nicht für ein Auslandssemester entscheiden, vor Ort Erfahrungen in interkulturellen Lernszenarien machen", begründet Patrut dieses Arbeitspaket. "Auf diese Weise können Studierende ihr eigenes Fach aus einer internationalen Perspektive in den Blick nehmen und sich besser auf den Unterricht in heterogenen Klassen vorbereiten." In diesem Arbeitspaket werden Lehr- und Lernvideos entwickelt sowie virtuelle Orte eingerichtet, an denen Studierende, die ihr Praxissemester an einer Schule im Ausland absolvieren, und Studierende, die im Heimatland bleiben, in einen Dialog treten können. An der EUF sind die Fächer Geografie und Sport, sowie an beiden Standorten die Sprachwissenschaften Romanistik und Germanistik in diesem Arbeitspaket vertreten.

Für die CAU ergänzt dieses Vorhaben das etablierte Programm LeaP, Lehramt mit Perspektive, das bereits digitale Unterstützungsangebote für Lehramtsstudierende unter anderem durch die systematische Verbindung von Videovignetten, Simulationen und echten Praktiken insbesondere mit dem Ziel der Förderung diagnostischer Fähigkeiten von Lehrkräften erarbeitet. Die Vernetzung grundlegender Kenntnisse im Umgang mit digitalen Medien in Verbindung mit fachbezogenen Zielen und Fragestellungen steht nun ergänzend im Fokus.

Künftige Lehrkräfte werden fit für die digitale Wissensgesellschaft

Ein wichtiges gemeinsames Ziel des Projektes OLaD@SH stellt die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit mit Schulen dar, beispielsweise durch eine bessere Nutzung der Schnittstellen im Praxissemester. "Wenn es gelingt, relevante Fragestellungen für alle drei Seiten – die Studierenden, die Schulen und die Wissenschaft – zu identifizieren und einzubinden, fördern wir damit nicht nur die Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Schulbildung", ergänzt Professor Markus Hundt. Auch Erkenntnisse über funktionierende oder womöglich weniger wirksame digitale Unterstützungsansätze für das Lehren und Lernen könnten so besser ausgetauscht werden. "Mit dem Verbundprojekt zielen wir darauf, künftige Lehrkräfte fit zu machen für die digitale Wissensgesellschaft", erklärt Iulia Patrut.

Fakten zum Projekt:

Name: Verbundprojekt "OLaD@SH - Offenes Lehramt digital in Schleswig-Holstein"

Förderlaufzeit: 01.03.2020 bis 30.09.2023

Gesamtfördervolumen: € 843.265,92

Projektleitung:

Prof. Dr. Iulia Patrut, Vizepräsidentin für Studium und Lehre der Europa-Universität Flensburg

Campusallee 3

24943 Flensburg

Tel.: +49 461 805 2802

E-Mail: vpstudiumlehre-TextEinschliesslichBindestricheBitteEntfernen-@uni-flensburg.de

Prof. Dr. Dr. h.c. Ilka Parchmann, Didaktik der Chemie, Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Olshausenstrasse 62

24118 Kiel

Tel.: +49 431 880 3494

E-Mail: parchmann@leibniz-ipn.de