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Engagement für eine Kiste

Flensburger Studierende organisieren eine Kistenwaschmaschine für die Tafel Flensburg

Masterstudierende der Europa-Universität Flensburg (EUF) haben für die Tafel Flensburg der Johanniter eine Kistenwaschmaschine im Wert von 20 000 Euro eingeworben. Damit kann die Tafel weiterhin Lebensmittel an bedürftige Bürgerinnen und Bürger ausgeben. "Aufgrund neuer Hygieneauflagen sind wir gezwungen, unsere Lebensmittelkisten künftig mithilfe einer Kistenwaschmaschine zu säubern", erklärt der Leiter der Tafel Flensburg, Klaus Grebbin. "Wir hätten uns diese Kiste als Organisation, die auf Spendenbasis mit überwiegend Ehrenamtlichen als Helferinnen und Helfer arbeitet, niemals leisten können. Die drei engagierten jungen Menschen der Flensburger Universität haben uns daher enorm geholfen. Es war eine Freude, mit ihnen zusammen zu arbeiten. Wir bedanken uns auch im Namen der Johanniter ganz herzlich für die Arbeit und Unterstützung bei diesem doch Recht umfangreichen Projekt."

Sie haben die Kistenwaschmaschine zur Flensburger Tafel gebracht: (V.l.): Klaus Grebbin, Leiter der Tafel Flensburg, Thomas Behrends, Professor für ABWL und Organisation und Personal an der EUF, Sabine Bieritz, Studentin "International Management Studies", Manfred Kitzinger, Inhaber der Kitzinger Maschinenbau GmbH, Pasqualina Isaakidou, Studentin "International Management Studies", Marius Krämer, Student "Transformationsstudien", Larissa Zierke, wissenschaftliche Mitarbeiterin im "Service Learning Projekt".

Das Service Learning Projekt

Pasqalina Isaakidou, Sabine Bieritz und Marius Krämer haben in diesem Frühjahrssemester an dem Praxisseminar "Service Learning Projekt" (SLP) am "Internationalen Institut für Management und ökonomische Bildung" (IIM) der EUF teilgenommen. Das Seminar wird in Kooperation mit kleinen gemeinnützigen Initiativen und Organisationen aus der Region durchgeführt. Im Rahmen der Veranstaltung sind die Studierenden aufgefordert, für ausgewählte Probleme und Herausforderungen der teilnehmenden Organisationen konkrete Lösungsansätze zu entwickeln und umzusetzen. "Das Service Learning Projekt bietet unseren Management Studierenden nicht nur die Möglichkeit, ihre erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten in der ‚echten‘ Praxis zu erproben; es konfrontiert sie durch die Zusammenarbeit mit all den großartigen gemeinnützigen Initiativen immer auch mit den grundlegenden Fragen nach sozialer Verantwortung und zivilgesellschaftlicher Integration", erklärt Initiator Thomas Behrends, Professor für Organisation und Personal am IIM.

Verantwortung, gemeinnützige Organisationen zu unterstützen

Die Aufgabe der drei Studierenden war es, mit einer Fundraising-Kampagne Spenden für die benötigte Kistenwaschmaschine zu sammeln. Bei der Recherche nach einer geeigneten Maschine stießen sie auf den mittelständischen Betrieb Kitzinger GmbH in Flensburg-Weiche. Ein Glücksfall, denn der Inhaber Manfred Kitzinger war nach einem Besuch der Flensburger Tafel rasch überzeugt. "Ich war erstaunt, wie viele Menschen in der Tafel gleichzeitig anwesend sind und ihren Einkauf tätigen müssen, dies hat mich in meinem Vorhaben bestärkt, der Tafel zu helfen. Ich sehe unsere und meine Verantwortung auch darin, gemeinnützige Einrichtungen zu unterstützen", erklärt er. Die Kistenwaschmaschine wird aufgrund der wegen der Corona-Pandemie geänderten Hygienevorschriften benötigt, weshalb die Kitzinger GmbH sie innerhalb von fünf Wochen produzierte.

Management sollte mehr als Profitmaximierung zum Ziel haben

Damit haben die Studierenden ihre Aufgabe erfolgreich gelöst. Das freut sie, auch aus sozialen Gründen. "Während Management oft mit Profitmaximierung gleichgesetzt wird, lernten wir beim SLP auch, soziale Verantwortung innerhalb einer Managementtätigkeit zu übernehmen", betont Management-Studentin Pasqalina Isaakidou. "Das sollte selbstverständlich sein, ist es aber leider nicht." Der Zusammenhang von Wirtschaften und sozialer Verantwortung wurde in ihrer Kleingruppe intensiv diskutiert – Marius Krämer studiert den Masterstudiengang "Transformationsstudien", der sich mit den sozial-ökologischen Krisen der Gegenwart beschäftigt. "Diese Krisen haben mit unserer Art des Wirtschaftens zu tun", erklärt er. "Deshalb war der interdisziplinäre Austausch zwischen uns gemeinsam mit dem sozialen Engagement eine tolle Sache."

Die Ökonomie und die Frage nach den richtigen Zielen

Thomas Behrends freut sich über die inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit. "Die Ökonomie hilft uns bei der Wahl des richtigen Weges, sie beantwortet uns aber nicht die Frage nach den richtigen Zielen. Das zu verstehen, ist uns in den Managementstudiengängen an der EUF besonders wichtig." Larissa Zierke, Betreuerin des Service Learning Projektes, ergänzt: "Auch wenn der direkte Austausch mit den Praxispartnern in den gemeinnützigen Organisationen gegenwärtig aufgrund der Corona-Pandemie erschwert ist, ist es aus unserer Sicht gerade jetzt wichtig, praxisnahes Lernen der Studierenden mit sozialem Engagement zu verbinden: Studierende können in den Projekten praktische Managementprobleme bearbeiten und gleichzeitig einen nützlichen Beitrag für die Gesellschaft und Region leisten. Auf diese Weise stärkt Service Learning das zivilgesellschaftliche Bewusstsein der Management-Studierenden, schafft Empathie und überwindet die oftmals allzu ausgeprägte Distanz zwischen Wissenschaft und lebensweltlicher Praxis."

 

Drei weitere Studierendengruppen im Service Learning Projekt

Neben der "Tafel-Gruppe" engagieren sich drei weitere Studierendengruppen in diesem Semester für gemeinnützige Initiativen: Für den Verein Boben op Klima- und Energiewende e.V. entwickeln die Studierenden ein Konzept für eine Neustrukturierung des Vereins, während für den Förder- und Trägerverein Jugendtreff Weiche e.V. ein erweitertes Profil- und Nutzungskonzepts für das Freibad Weiche erarbeitet wird. In Zusammenarbeit mit der Filmproduktionsschmiede Capt’n Capture wird anlässlich des 100. Jubiläums der Volksabstimmung von 1920 ein Morphing Clip erarbeitet, der den Übergang von Feindschaft vor knapp 150 Jahren zu Freundschaft, Zusammenarbeit und kooperativen Studiengängen darstellt.

Bereits 14 Projekte erfolgreich abgeschlossen

In den vergangenen vier Jahren haben Studierende im Rahmen des SLP 14 soziale Projekte erfolgreich realisiert. Zu diesen Projekten gehörte beispielsweise die "Nacht der Löwen" in der UCI Kinowelt. Der Kurzfilm- und Plakatwettbewerb diente dazu, die Löwenherz Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche bei Gewalt in der Familie bekannter zu machen. Ein ebenfalls sehr erfolgreiches und bekanntes Projekt war die Kampagne "Kurs aufs Soccerfeld" zur Finanzierung eines Fußballplatzes des Sportpiraten Flensburg e.V. In diesem Projekt wurden mit Hilfe eines Sponsoring-Konzepts ca. 26.500 € an Spenden gesammelt.

Das Service Learning Projekt wird auch in den nächsten Jahren stattfinden und ist ständig auf der Suche nach neuen Praxispartnerinnen und -partnern. Mehr Informationen hier.

Marius Krämer, Pasqualina Isaakidou und Sabine Bieritz (v.l.) haben sich im "Service Learning Projekt" zusammengefunden. (Kathrin Fischer)
Marius Krämer nimmt die erste maschinengewaschene Kiste unter der Aufsicht von Tafelleiter Klaus Grebbin entgegen. (Kathrin Fischer)