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Demokratischer Gründungsauftrag

Mit einem Hybrid-Festakt hat die Europa-Universität Flensburg heute (am 9.9.) ihren 75. Geburtstag begangen. Die "Pädagogische Hochschule Flensburg" – als Vorgängerin der heutigen Europa-Universität – wurde am 21. März 1946 auf Anordnung der britischen Besatzungsmacht eröffnet. Bei dem pandemiebedingt etwas verspäteten Festakt im Audimax Flensburg gratulierten die Flensburger Oberbürgermeisterin und die schleswig-holsteinische Bildungs- und Wissenschaftsministerin Karin Prien vor 60 Ehrengästen der Universität zum Geburtstag. Der Festakt wurde live übertragen.

75 Jahre Universität Flensburg: Präsident Professor Dr. Werner Reinhart hält die Eröffnungsrede im Audimax vor pandemiebedingt wenigen geladenen Gästen. Die Feier wird parallel per Livestream übertragen. Foto: EUF/Lichtbildnerei

"Meinen herzlichen Glückwunsch zum 75-jährigen Bestehen der Europa-Universität Flensburg", sagte Ministerin Prien. "Sie ist eine wichtige Säule der Lehrkräftebildung im Land Schleswig-Holstein, denn sie bietet als einzige Hochschule Studiengänge für sämtliche Lehrämter an. Diesen Schwerpunkt hat die EUF stets weiterentwickelt. Ein gutes Beispiel dafür ist der Teilstudiengang Darstellendes Spiel, der ab dem Herbstsemester 2021/22 in Flensburg angeboten wird – dieses Fach kann nur an wenigen Hochschulen in Deutschland studiert werden. Innovativ sind ebenfalls der Duale Masterstudiengang Sonderpädagogik und das Duale Studium für das Lehramt an berufsbildenden Schulen. Ebenso wichtig ist der EUF die Demokratiebildung. Ich begrüße es sehr, dass sich die Hochschule entschieden hat, eine Professur für Partizipations- und Demokratieforschung einzurichten. Das ist ein starkes Zeichen."

Oberbürgermeisterin Simone Lange würdigte die Bedeutung der Universität für die Stadt: "Wissenschaftliche Expertise und studentisches Engagement machen die demokratischen Aushandlungsprozesse der Stadt lebendiger und intensiver und tragen so zur Stadtentwicklung bei."

In seinem Festvortrag untersuchte das Team um Prof. Dr. Uwe Danker, Direktor der "Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und public history", den demokratischen Gründungsauftrag der heutigen EUF auf seine reale Umsetzung. Das Ergebnis für die ersten zwanzig Jahre fasste der Historiker so zusammen: "Alle Lehrenden hatten sich mit dem NS-System irgendwie arrangiert oder es in staatstragenden Positionen auch unterstützt; im Lehrkörper dominierten die Unauffälligen." Die Studierenden wurden offenbar nach strengeren Maßstäben ausgewählt, so Danker. "In der Gründungsphase hatten sie höhere Hürden zu nehmen als ihre Lehrenden; sie schienen den Briten als zukünftige Lehrkräfte wichtiger." Sein Fazit: "Ein besonders demokratischer Impetus kann der PH nicht bescheinigt werden. Allerdings veränderten sich im Verlauf der ersten zwei Jahrzehnte Lehrkörper und Studierendenschaft und Reformkonzepte wurden umgesetzt. Im Vorfeld der 68er-Auseinandersetzungen kamen auch die Flensburger Studierenden in der Demokratie an, wie von den Briten zwei Jahrzehnte zuvor intendiert."

Uni-Präsident Prof. Dr. Werner Reinhart äußerte zum 75. Geburtstag einen Zukunftswunsch: "Ich wünsche mir, dass die Wissenschaften der EUF mit ihren Schwerpunkten Bildung, Europa und Transformation/Nachhaltigkeit und ihrem Eintreten für demokratische und zukunftsfähige Gesellschaften bei ihrem 150. Geburtstag ein Zeichen gesetzt haben und im besten Sinne zum gesellschaftlichen Wandel beigetragen haben werden."

Ein zukunftsfähiges Gebäude ist der Neubau Tallinn, dessen Schlüssel beim Festakt der Uni-Kanzlerin Stephanie Brady übergeben wurde. "Mit dem neuen Institutsgebäude ‚Tallinn‘ stellt sich die EUF zukünftig innovativ und nachhaltig mit mehr räumlicher Kapazität auf", sagte Staatssekretärin Dr. Silke Torp. Dafür sorgten zum einen die moderne, flexible Gebäudestruktur mit der Option zur Erweiterung des Gebäudes und zum anderen die hohen energetischen Standards sowie eine Photovoltaikanlage für den Eigenverbrauch. "Wir haben mit unserem Infrastrukturprogramm IMPULS rund sieben Millionen Euro in den Neubau investiert und stärken damit Bildung, Wissenschaft, Innovation und Klimaschutz", so die Staatssekretärin. Gabriele Pfrügner von der Gebäudemanagement Schleswig-Holstein betonte: "Dieses Institutsgebäude ist der erste Neubau auf dem Campus seit zehn Jahren und ich freue mich sehr, dass wir ihn dank der herausragenden Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten zwei Monate eher als geplant an die Europa-Universität übergeben können."

An der Europa-Universität Flensburg studieren rund 6.000 Studierende in siebzehn Studiengängen in den Bereichen Bildung, Europa und Transformation/Nachhaltigkeit.