Phänomenaler Vortrag in Moskau 22.11 .2019

v.l.n.r.
Dr. Jan Wulf-Schnabel, Prof. Dr. Kirsten Diehl, Horst-Alexander Finke, Julia Albrecht

Pressemitteilung 22.11.2019

Deutsch-Russisches Sozialforum des Petersburger Dialoges:

Phänomenaler Vortrag in Moskau

Im Rahmen des Deutsch-Russischen Inklusiven Sozialforums, als Teil des Petersburger Dialoges, referiert heute das Institut für Inklusive Bildung an der Pädagogischen Staatsuniversität Moskau. Im Mittelpunkt steht Horst-Alexander Finke. Er ist der erste Mensch mit einer sogenannten geistigen Behinderung, der als Bildungsfachkraft an einer russischen Universität vorträgt.

Moskau, 22.11.2019. Bildungsfachkraft Horst-Alexander Finke ist in Moskau. Gestern stand er auf dem Roten Platz, heute hält er den Auftaktvortrag des Tages an der Pädagogischen Staatsuniversität Moskau. "Wer hätte das gedacht? Ich kann es immer noch nicht fassen", fasst Herr Finke die Situation staunend zusammen.

Horst-Alexander Finke ist als Bildungsfachkraft am Institut für Inklusive Bildung tätig. Das Institut ist eine angegliederte wissenschaftliche Einrichtung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Drei Jahre wurde Herr Finke als Mensch mit einer sogenannten geistigen Behinderung zur Bildungsarbeit an Hochschulen qualifiziert. Dadurch wechselte er aus einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Seitdem lehrt er hauptberuflich wie es ist, mit Behinderungen zu leben.

Eingeladen wurde Herr Finke als Vortragender zum ersten Deutsch-Russischen Inklusiven Sozialforum. Das Sozialforum ist Teil des Petersburger Dialoges. Herr Finke gehört in Moskau zu einer vierköpfigen Delegation aus Schleswig-Holstein.

Heute trägt Herr Finke den deutschen und russischen Delegationen seine Bildungsarbeit am Institut für Inklusive Bildung vor. Herr Finke erläutert: "Als Bildungsfachkräfte vermitteln wir den Studierenden und auch Fach- und Führungskräften die Lebensrealitäten von Menschen mit Behinderungen aus erster Hand." In Seminaren, Vorlesungen und Workshops geht es inhaltlich um alle Bereiche des Lebens, in denen Menschen aufeinandertreffen. Sein Ziel umschreibt Herr Finke so: "Es geht mir darum, Menschen mit und ohne Behinderungen partnerschaftlich zusammenzubringen, Unsicherheit zu überwinden und Barrieren in den Köpfen abzubauen."

Mit auf dem Podium dabei ist Frau Prof. Dr. Kirsten Diehl von der Europa-Universität Flensburg. Aus wissenschaftlicher Perspektive erläutert sie die Wirkung der Bildungsfachkräfte und sie erklärt, dass Herr Finke sein Ziel erreicht: "Wir können feststellen, dass sich der Anwendungsbezug der Lehre deutlich steigert. Durch die Bildungsfachkräfte lernen die Studierenden ganz niedrigschwellig, wie Inklusion in der Praxis funktioniert." Ergänzend dazu erläutert die Pädagogische Leiterin des Instituts, Frau Julia Albrecht, was sich bei den Bildungsfachkräften getan hat: "Die kompetenzorientierte Qualifikation bringt Menschen mit Behinderungen enorme Vorteile. Sie haben sich persönlich weiterentwickelt, viel weiter, als es alle für möglich gehalten haben, und in der Hochschulwelt sind sie längst Profis der Bildungsarbeit."

Einer, der mindestens genauso staunt wie Herr Finke, ist der Gründer des Instituts für Inklusive Bildung und heutiger Vorstand der Stiftung Drachensee, Dr. Jan Wulf-Schnabel. Er berichtet über zahlreiche internationale Anfragen, die das Institut längst nicht mehr alle annehmen kann. Nach dem Vortrag resümiert er: "Aus der Werkstatt für behinderte Menschen an die Uni und nun in Moskau. Das ist schon phänomenal!", freut sich Wulf-Schnabel über seinen Kollegen. Der beantwortet derweil Fragen aus dem Publikum und streut dabei immer wieder Antworten auf Russisch ein, denn Russisch hat sich Herr Finke selbst beigebracht – ganz ohne Hilfe des Instituts. "So viel dazu, was wir alles als geistig behindert bezeichnen", bringt es Frau Albrecht auf den Punkt.

Bilder der Veranstaltung (Copyright Institut für Inklusive Bildung)

Personennennungen v.l.n.r.

1 Aufsteller an der Uni Moskau: Horst-Alexander Finke, Dr. Jan Wulf-Schnabel, Julia Albrecht, Prof. Dr. Kirsten Diehl

2 Vortrag, Podium Uni Moskau: Dr. Jan Wulf-Schnabel, Prof. Dr. Kirsten Diehl, Horst-Alexander Finke, Julia Albrecht

Über das Institut für Inklusive Bildung

Das Institut für Inklusive Bildung qualifiziert Menschen mit sogenannten geistigen Behinderungen zu Bildungsfachkräften. Als qualifizierte Bildungsfachkräfte wechseln sie aus Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) auf den allgemeinen Arbeitsmarkt, um hauptamtlich an Universitäten und Fachhochschulen zu lehren. Dort vermitteln sie ihre Lebenswelten, Bedarfe und Kompetenzen an Menschen ohne Behinderungen auf Augenhöhe. Studierende sowie Lehr-, Fach- und Führungskräfte erwerben so Inklusionskompetenzen für ihre beruflichen Anwendungsfelder.

Nach erfolgreicher Durchführung eines Modellprojektes (2013-2016) gründete die Stiftung Drachensee das Institut für Inklusive Bildung als gemeinnützige GmbH. Seit dem Jahr 2017 ist das Institut eine eigenständige, an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel angegliederte wissenschaftliche Einrichtung. Das Institut ist weltweit einzigartig, weil dadurch erstmalig Menschen mit geistigen Behinderungen fester Teil der Welt universitärer Exzellenz sind.

Pressekontakt:

Barbara Mayrhofer

Institut für Inklusive Bildung

mayrhofer-TextEinschliesslichBindestricheBitteEntfernen-@inklusive-bildung.org

Telefon: +49 (0) 431/90 89 91 74

Mobil: +49 (0) 152/07 66 40

www.inklusive-bildung.org