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Deutschlandweit einzigartig: Das Mini- Referendariat an der Europa-Universität Flensburg

"Der Grundschulunterricht in Deutschland ist viel stärker als bei uns in Finnland von Diskussion geprägt". Die Beobachtung des 25-jährigen Lehramtsstudierenden Paul Orava aus Tampere in Finnland teilen die meisten der acht angehenden Deutschlehrerinnen und -lehrer aus Finnland und Russland.

Die 20-jährige Daria Zotowa aus dem russischen Kaliningrad ist von dieser Erfahrung inspiriert: "Ich möchte die Atmosphäre auch in der Schule bei uns dahingehend verändern, dass die Schülerinnen und Schüler mehr Freiheit und Verantwortung und damit mehr Lust zum Lernen haben".

Sieben Wochen, vom 9. Februar bis zum 1. April 2015, haben Paul Orava und Daria Zotowa gemeinsam mit sechs weiteren Lehramtsstudierenden an vier Schulen in Flensburg das bundesweit einzigartige Mini-Referendariat absolviert. Dessen Ziel: Zukünftigen Lehrerinnen und Lehrern in Schulen und in Gastfamilien sprachliche und kulturelle Erfahrungen sowie Einblicke in das deutsche Schulsystem zu ermöglichen.

Die Europa Universität Flensburg kooperiert dabei mit der Deutschen Auslandsgesellschaft e.V. in Lübeck. Finanziert wird das Mini-Referendariat seit 2008 vom Auswärtigen Amt.  Der Geschäftsführer der Deutschen Auslandsgesellschaft Martin Herold begründet das Engagement so: "Es ist uns wichtig, dass in den Ländern Nord- und Nordosteuropas Deutsch als Unterrichtsfach für Eltern und Schülerinnen und Schüler wieder an Attraktivität und Bedeutung gewinnt".

Die EULE, die Einrichtung der Europa-Universität Flensburg und des IQSH für Unterrichtsentwicklung, Lernkultur und Evaluation, organisiert das Mini-Referendariat. Deren Leiterin Gabi Asmussen betont: "Das Mini-Referendariat ist ein wichtiges Instrument zur Internationalisierung der Lehrerinnen- und Lehrerbildung. Denn zum einen lernen unsere ausländischen Gäste das Schulsystem und die Kultur unseres Landes kennen, zum anderen erfahren wir sehr viel über das Schulwesen der Länder, aus denen die Studierenden kommen". Wichtig sei die enge Vernetzung von Hochschule und Schulen: "Schulpraxis braucht immer Reflexion. Deshalb werden die Praktika mit einem umfassenden wissenschaftlichen Rahmenprogramm vor- und nachbereitet, in dem die praktischen Erfahrungen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zusammengeführt werden".

Auch die Kooperationsschulen, an denen die ausländischen Lehramtsstudierenden unterrichten, profitieren von dem Besuch, wie Schulleiter Volker Hess skizziert: "Besonders wichtig ist die Erfahrung der Interkulturalität für uns. So konnten die Minireferendare aus Russland beispielsweise die Kultur der Schülerinnen und Schüler mit russischem Migrationshintergrund sehr viel besser verstehen und entsprechend besser Kontakt aufnehmen. Davon profitiert das gesamte Kollegium".

Acht Lehramtsstudierende aus Tampere (Finnland) und Kaliningrad (Russland) haben das Mini-Referendariat absolviert. (Quelle: Kathrin Fischer)