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Auslandsaufenthalt in Zeiten von Corona

Lina

"Ich möchte nicht unter Einschränkungen dort studieren. Wenn ich mich dort nicht frei bewegen kann, würde sich das nicht lohnen"

Annika

"Ausserdem war für mich wichtig, dass man die Möglichkeit hat durch das ERASMUS-Programm gefördert zu werden, was finanziell eine große Unterstützung ist"

Jule

"Ich hatte mich beworben und hatte eigentlich nur Vorfreude. ich hatte keine Ängste oder Sorgen, weil ich einfach nur positives gehört habe und einfach viele Freunde aus Kolumbien stammen oder dort studiert haben."

Jasmin

"Für mein Auslandssemester habe ich mir das so vorgestellt, dass ich ein gutes Gleichgewicht finde zwischen Locals und Internationals."

Lehramtsstudium in Deutschland & Schulunterricht in Paraguay - Eine Miniserie

Das bin ich:

Moin moin, ich bin Carolina und arbeite als wissenschaftliche Hilfskraft
im Projekt Partners in Mobility. Ich habe 2015/16 im Rahmen eines FSJ
für ein Jahr an einer Schule in Paraguay gearbeitet. In einer
Blogpost-Miniserie berichte ich etwas über meine Erfahrungen, die ich in
der Zeit gesammelt habe. Wenn ihr neugierig seid, schaut auf unserem
Blog vorbei und verpasst keinen Beitrag!

Teil 1 Mein Auslandsjahr, mein Paraguay

Mein Auslandsjahr, mein Paraguay

Mein Name ist Carolina und ich habe an der Europa-Universität Flensburg Lehramt an Grundschulen studiert. Als ich das Bachelorstudium im Jahr 2015 abgeschlossen hatte, konnte ich mir jedoch nicht vorstellen, direkt im Anschluss mein Masterstudium zu beginnen. Ich wollte die Zeit dazwischen nutzen, um noch einmal nach draußen zu gehen und die Welt kennenzulernen – wenigstens einen Teil davon und am liebsten eben nicht nur ein Semester lang, sondern ein gesamtes Jahr. Da mein Großvater in Argentinien geboren ist und ein großer Teil meiner Familie dort lebt, wollte ich schon immer nach Südamerika. Das Land war mir so ziemlich egal – erst einmal vor Ort könnte ich immer noch herumreisen, habe ich mir gedacht.

Durch einen Bekannten habe ich von der Möglichkeit erfahren, einen Freiwilligendienst im Ausland zu machen. Er hat an dem sogenannten Weltwärts-Programm bereits nach dem Abitur teilgenommen  – da man sich jedoch ein Jahr im Voraus bewerben muss, war ich kurz vor den Abiturprüfungen, als er mir davon berichtet hat, schon zu spät dran. Das gesamte Studium über hatte ich deshalb den Plan, eben nach dem Bachelor ein Jahr einen Weltwärts-Freiwilligendienst zu absolvieren (die Aussicht darauf, nach der Bachelorarbeit erst einmal in die Welt rauszugehen, hat mir sehr gut gefallen). Der Weltwärts-Freiwilligendienst unterscheidet sich insofern von anderen Freiwilligendiensten, wie bspw. dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), dass es ein entwicklungspolitischer Freiwilligendienst ist (nähere Infos dazu findet ihr hier).

Schließlich habe ich mich bei der Organisation AFS interkulturelle Begegnungen beworben und konnte nach erfolgreichem Bewerbungsverfahren Länderwünsche angeben. Argentinien stand leider nicht zur Auswahl, weshalb ich mir die Weltkarte genommen und geschaut habe, welche Länder unmittelbar an Argentinien angrenzen: Chile, Bolivien, Paraguay, Uruguay und Brasilien. Von allen Ländern hatte ich schon mehr oder weniger viel gehört – einzig von Paraguay gar nichts. Ich weiß bis heute nicht genau, weshalb ich mich dann für Paraguay entschieden habe – kann aber rückblickend sagen, dass es eine der besten Entscheidungen war (auch, wenn ich natürlich nicht weiß, wie mein Jahr in einem anderen Land gewesen wäre).

Meinen Weltwärts-Freiwilligendienst habe ich mit AFS im Jahr 2015/16 in Paraguay in der Stadt Encarnación absolviert. Mein Hinflug liegt in diesem Sommer genau 5 Jahre zurück, eigentlich hatte ich geplant, im August wieder hinzufliegen. Daraus wird durch Corona leider erst einmal nichts – aber vielleicht ist das ein guter Moment, um das Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen und aus heutiger Perspektive, mit etwas Abstand, darauf zu blicken. Deshalb möchte ich mit euch gedanklich nach Paraguay reisen und berichten, wie ich das Jahr erlebt und welche Schlüsse ich gezogen habe. Im Fokus dessen stehen beispielsweise meine Sorgen und Erwartungen an das Jahr, mein Alltag, meine Arbeit in der Schule und das Zusammenleben in einer paraguayischen Gastfamilie, die heute meine Familie ist. In all diesen Erzählungen möchte ich vor allem ergründen, wie mich das als (zukünftige) Lehrerin beeinflusst (hat) und was ich dadurch für die Arbeit im Klassenzimmer und mich persönlich gelernt habe.

Vorschau: Im Blogpost 2/9 werde ich berichten, welche Sorgen, Erwartungen und Wünsche ich im Vorfeld des Auslandsjahres hatte und wie ich damit umgegangen bin. Außerdem erzähle ich, wie ich meinen Auslandsaufenthalt finanziert habe.

Teil 2 Meine Sorgen, Erwartungen & Wünsche

Ein Jahr im Ausland – entfernt von der Familie und Freund*innen klingt erst einmal spannend und abenteuerlich, aber kann auch Bedenken auslösen. Ich war zwar schon einmal zuvor in Südamerika, aber nur einige Woche zum Reisen und eben kein ganzes Jahr, um dort zu leben.

Das größte Hindernis hinsichtlich eines Auslandsaufenthaltes war für mich in erster Linie der finanzielle Aspekt. Allein die Flüge hin und zurück kosten schon einiges und dann muss ich mich vor Ort ja auch finanzieren. Viele junge Menschen machen deshalb, oft direkt nach dem Abi, ein Work-and-Travel-Jahr. Das ist praktisch – man verdient Geld und kann gleichzeitig neue Länder erkunden. Ich wollte aber für ein Jahr an einen Ort, zwar von dort aus herumreisen, aber eine feste Arbeitsstelle haben, sodass ich mir keine Sorgen machen müsste, wie ich in fünf oder sechs Wochen einen neuen Job finden würde.

Ein Freiwilligendienst im Ausland, bspw. im Rahmen des Weltwärts-Programms, ist da super – es ist möglich, sich bei verschiedenen Organisationen zu bewerben. Erhält man nach erfolgreichem Bewerbungsverfahren einen positiven Bescheid, muss man sich um praktisch nichts mehr kümmern. Die Organisation hat Partnerorganisationen in verschiedenen Ländern und sucht eine Einsatzstelle für die Freiwilligen. Darüber hinaus wird auch eine Bleibe vermittelt – bspw. in einer Wohngemeinschaft mit anderen Freiwilligen oder eine Gastfamilie. Nicht einmal die Flüge müssen selbst gebucht werden.

Was das Ganze kostet? Das ist von Organisation zu Organisation abhängig. In meinem Fall habe ich etwa 2000 Euro gezahlt. Das Geld habe ich teilweise im Laufe meines Studiums gespart oder durch Spenden zusammenbekommen. Hier empfiehlt es sich, Betriebe, Restaurants, Cafés vor Ort oder aber sogar größere Firmen zu kontaktieren, in einem Brief euer Vorhaben zu erklären und um eine Spende dafür zu bitten. Seid kreativ – dann springt bestimmt etwas dabei für euch heraus. Und wenn nicht, dann macht euch keine Sorgen – die meisten Organisationen funktionieren nach dem Solidarprinzip: Manche Freiwillige sammeln mehr Spenden und der Teil, der für deren Einsatzplatz nicht benötigt wird, steht dann wiederum anderen Freiwilligen zur Verfügung. Bei AFS ist das so: Die Spenden der einzelnen Freiwilligen werden in "einem Topf" gesammelt und von da aus von der Organisation verteilt. Da AFS eine gemeinnützige Organisation ist, die wiederum hauptsächlich von Ehrenamtlichen geleitet und getragen wird, müsst ihr auch keine Bedenken haben, dass die Gelder an "falscher Stelle" landen.

Neben den finanziellen Aspekten habe ich mir natürlich viele Gedanken darüber gemacht, wie ich mir das gesamte Jahr vorstelle. Besser ohne große Erwartungen ins Flugzeug steigen, habe ich mir gedacht. Aber ehrlicherweise macht man sich ja doch schon Vorstellungen im Vorfeld: Wie werde ich leben, werde ich mich in meiner Gastfamilie wohlfühlen und mit meinen Mit-Freiwilligen klarkommen, wir wird mein Arbeitsplatz aussehen, werde ich mein Zuhause in Deutschland sehr vermissen? Und wie werde ich überhaupt mit einer anderen Kultur und Sprache im Alltag zurechtkommen?

Sehr geholfen haben mir die Vorbereitungsseminare meiner Organisation. 2x 5 Tage haben wir mit anderen Freiwilligen Workshops gehabt und uns vor allem mit Interkulturalität beschäftigt. Hier war auch Raum für unsere Sorgen und wir konnten uns mit Teamer*innen austauschen, die bereits als Freiwillige im Ausland gewesen sind. Mir hat es sehr geholfen, zu erfahren, wie sie in dem Jahr mit verschiedenen Herausforderungen umgegangen sind und so habe ich auch wertvolles Handwerkszeug bekommen, dass mir bei Schwierigkeiten helfen konnte. Außerdem habe ich hier angefangen zu lernen, mich mit meiner eigenen Person, meiner Identität, meiner Kultur – kurz: Allem, das mich ausmacht, auseinanderzusetzen und dadurch auch mich selbst besser zu verstehen. Darüber möchte ich aber an späterer Stelle noch einmal genauer sprechen.

Vorschau: Eine Frage, die sich viele vor einem Auslandsaufenthalt stellen: Kann ich nur in ein Land gehen, wenn ich die Sprache spreche? Im Blogpost 3/9 (Part I) erzähle ich etwas von Vokabellisten im Papierkorb und wie Spanisch meine Herzenssprache geworden ist.

Teil 3 Meine neue Sprache

Nun möchte ich euch von meinen ersten Monaten in Paraguay berichten, davon, wie ich mich dort eingelebt habe. Bevor ich von meiner Gastfamilie (4/10), meinem Arbeitsplatz in der Schule (5/10) und meinen Freizeitaktivitäten (6/10) erzähle, beginne ich mit der ersten Sache, die mir in den Kopf kommt: Spanisch – die Sprache, die in dem Jahr meine Alltagssprache war.

Wenn ich an die ersten Monate zurückdenke, dann habe ich die vielen bunten Eindrücke im Kopf, die mich jeden Tag aufs Neue überrascht, mal begeistert, mal nachdenklich gemacht haben. Aber vor allem die Sprache spielt hier eine wichtige Rolle und nimmt in meinen Erinnerungen viel Platz ein. Werde ich heute gefragt, wie lange es gedauert hat, bis ich Spanisch "konnte", dann sage ich: Ich habe…

·         4 Wochen gebraucht, um die Basics gut verstehen zu können

·         etwa 3 Monate, bis ich mich selbst in Gesprächen mit anderen auch so ausdrücken konnte, wie ich wollte

·         etwa 6 Monate, um Gesprächen in größeren Gruppen gut folgen zu können und auch etwas zu sagen

·         aber erst am Ende des Jahres habe ich mich so richtig sicher und in der Sprache Zuhause gefühlt.

Das ist kein allgemeingültiger Maßstab, sondern eine Orientierung und soll keineswegs verunsichern oder suggerieren, dass man erst einmal ein Jahr in einem Land gelebt haben muss, um die Sprache sprechen zu können, denn: Ihr müsst, um in ein fremdes Land zu gehen und dort zu leben, eine Sprache vorher nicht perfekt beherrschen. Natürlich nicht (Das war bei mir ja auch nicht der Fall). Aber: Ihr werdet es sehr viel einfacher haben, wenn ihr die Basics zu Beginn könnt. Die Vokabeln und Sicherheit beim Sprechen ergeben sich dann.

Mein Tipp: Setzt euch vor allem in der Anfangszeit abends hin und überlegt euch, welche Wörter euch in Gesprächen mit anderen Personen an diesem Tag gefehlt haben, sucht sie im Wörterbuch und schreibt sie raus – am besten mit Stift und Papier. Dann bleibt es auch im Kopf und ihr seid für das nächste Gespräch vorbereitet! Wenn ihr mögt, hebt die Listen auf und schaut sie euch am Ende eures Auslandsaufenthaltes an – dann seht ihr, was ihr alles in der Zeit gelernt habt!

Funfact: Ich habe das so gemacht und es hat mir die ersten Wochen sehr geholfen. Ich habe oft nachgeschlagen und konnte mir die Wörter so besser merken. Aber irgendwann, den genauen Zeitpunkt kann ich nicht benennen, vielleicht nach dem ersten Monat, hat es mich sehr genervt, jeden Abend eine Vokabelliste zu schreiben. Ich habe sie deshalb irgendwo in den Tiefen meines Kleiderschranks versteckt und von da an auch aus meinem Kopf verbannt. Am Ende des Jahres habe

… Ich persönlich habe in dem Jahr zwei größere Hindernisse beim Sprachenlernen wahrgenommen:

·         Perfektionismus: Viele haben den Anspruch an sich selbst, die Sprache perfekt zu beherrschen, bevor sie sie auch sprechen. Aber wie soll das gehen, wenn man sie nie spricht? Allein vom Zuhören und Verstehen gelangt man mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht an den Punkt, die Sprache fließend zu sprechen. Deshalb: Nutzt jede Möglichkeit, um die neue Sprache zu sprechen. Ganz egal, wie holprig es sich manchmal noch anhört! Denn: Andere Menschen müssen ja auch nicht perfekt eure Sprache sprechen, damit ihr sie versteht. Oder?

·         Englisch: Die englische Sprache kann ein Hindernis beim Sprachenlernen sein, aber weshalb? Ganz einfach: Grundsätzlich kann man sagen, dass es beim Erlernen einer neuen Fremdsprache positive, erleichternde Effekte hat, wenn man bereits eine andere beherrscht. Was ich hier meine, ist aber etwas anderes. Englisch ist eine Weltsprache, was heißt, dass heute der Großteil der Menschen, vor allem der jüngeren Generationen, in der Lage ist, in dieser Sprache zu kommunizieren. Überall auf der Welt gibt es Englischunterricht in den Schulen, oft bereits in der Grundschule.

Als ich in Paraguay angekommen bin, war hingegen eine meiner ersten Beobachtungen: Hier spricht niemand Englisch. Weshalb auch? Die meisten Paraguayos und Paraguayas können aus finanziellen Gründen keine Fernreisen oder ähnliches machen, nach Paraguay wiederum verirren sich auch nur wenige Tourist*innen, die nicht aus Lateinamerika stammen. Die englische Sprache hat hier deshalb kaum Relevanz (nicht so, wie vergleichsweise in europäischen Ländern). Spanisch ist die Verständigungssprache des gesamten Kontinents, in Süd- und Zentralamerika. Daneben gibt es noch zahlreiche indigene Sprachen, die lokal oder regional gesprochen werden.

Am Anfang habe ich mich etwas überfordert gefühlt, konnte von einem auf den anderen Tag nur noch stark eingeschränkt kommunizieren (meine Spanischkenntnisse waren sehr basic). Aber mit der Zeit habe ich gelernt, es als Mehrwert zu sehen: Ich war "gezwungen", Spanisch zu sprechen. Wollte ich mich also mit Menschen unterhalten, musste ich Spanisch lernen, da ich auf keine andere Sprache ausweichen konnte. Oft ist es so, dass Englisch als gemeinsame Sprache dient. Und dann ist es natürlich der bequemste Weg, dabei zu bleiben. In meinem Fall war das aber keine Option und ich muss sagen, so anstrengend es auch zu Beginn war, umso mehr schätze ich es heute.

Funfact zu Paraguay: Offizielle Amtssprache ist hier nicht nur Spanisch, sondern auch Guaraní, eine indigene Sprache. Die meisten Paraguayos und Paraguayas wachsen zweisprachig auf, Guaraní wird jedoch trotzdem eher im ländlichen Raum als in der Stadt gesprochen. Auch, wenn das Schulgesetz vorschreibt, dass die Hälfte der Unterrichtszeit in der Schule auf Guaraní unterrichtet werden soll, sprechen vor allem Jüngere deutlich weniger die indigene Sprache in ihrem Alltag. Während des Jahres habe ich einige Wörter und Sätze gelernt. Da es aber eine gesprochene und keine geschriebene Sprache ist (die Schrift dazu wurde erst "nachträglich erfunden"), ist es mir sehr schwergefallen, die Wörter zu lernen. Nicht zuletzt, weil die Aussprache nicht die einfachste ist. Dennoch habe ich gemerkt, dass es die Menschen unheimlich gefreut hat, dass ich mich für ihre Sprache interessiere, weil es ein Teil ihrer Kultur ist, speziell der paraguayischen. Auf diese Weise ist es auch leichter gewesen, mit Menschen in ein Gespräch zu kommen. Guaraní ist bis heute etwas Einzigartiges für mich und ich liebe es, Menschen zuzuhören, die sich in der Sprache unterhalten. Außerdem gefällt mir die Wortmelodie mehr als bei jeder anderen Sprache.

Heute kann ich zudem sagen, dass Spanisch meine Herzenssprache geworden ist. Mit der Sprache verbinde ich unglaublich wunderbare Erinnerungen, Familie, Freunde und Freundinnen. Ich spreche auch heute noch regelmäßig im Alltag Spanisch – habe trotzdem manchmal Angst, dass ich die Sprache "verliere". Deshalb habe ich mein Handy auf Spanisch eingestellt, so ist die Sprache immer irgendwie da.

Und zuletzt: Sprachenlernen ist vor allem eins - LERNEN. Das Ganze geht also Schritt für Schritt, mal macht ihr größere Fortschritte, mal habt ihr vielleicht das Gefühl, dass ihr nur wenig dazulernt. So ist Lernen nun mal – es braucht Zeit. Und irgendwann blickt ihr zurück und könnt euch gar nicht mehr vorstellen, dass es mal eine Zeit gab, in der die neue Sprache eine fremde für euch war.

Vorschau: Wie ist das (Zusammen)Leben in einer Gastfamilie? Ist man wirklich nur zu Gast? Oder lebt man in einer Familie? Im Blogpost 4/9 werde ich von Weihnachtskalendern und abendlichen Gesprächen auf der Dachterrasse erzählen.

Teil 4 Meine Gastfamilie – meine Familie

Ich hatte das Glück, während meines Jahres in einer Gastfamilie zu wohnen – genau genommen waren es drei. Obwohl das auch nicht ganz stimmt… zur Erklärung:

Meine Organisation AFS hat mir im Vorfeld eine Gastfamilie "vermittelt". Einige Wochen vor meinem Abflug habe ich bereits mit der Gastmutter und ihrer Tochter über Facebook kommuniziert. Ich war sehr nervös, wie es werden würde, mit ihnen zusammenzuwohnen. Zumal ich zuvor während meines Studiums alleine gelebt hatte und es gar nicht mehr gewohnt war, mit einer Familie zusammenzuwohnen.

Da die Familie in der ersten Woche nicht in der Stadt, sondern verreist war, habe ich die ersten Tage in einer sogenannten "Welcome-Family" verbracht. Diese hat mir die Stadt und meinen Arbeitsplatz gezeigt, mir bei langen Spaziergängen die ersten Wörter und Sätze Spanisch beigebracht. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt und war zugegebenermaßen ziemlich traurig, dass ich hier schon nach einer Woche wieder "wegmusste". In der zweiten, also meiner eigentlich "richtigen" Gastfamilie habe ich mich dagegen – long story short – nicht wohl gefühlt. Die Erklärung ist hier ganz einfach: Es hat einfach nicht gepasst. Menschen sind unterschiedlich und wir kommen eben nicht automatisch mit jedem und jeder gut klar. Darüber möchte ich an dieser Stelle gar nicht länger sprechen. Worüber ich jedoch sprechen möchte sind meine Bedenken, die ich damals hatte: Ich hatte ein unglaublich schlechtes Gewissen. Der Gastfamilie gegenüber, meiner Organisation gegenüber. Im Vorfeld hatte ich schon von verschiedenen Leuten gehört, die Schwierigkeiten mit ihrer Gastfamilie gehabt hatten. In meinem Kopf hatte ich dann immer die Vorstellung, dass die Personen oder Familien in einer Art und Weise "Schuld" daran, sich etwas "zu Schulden kommen lassen" hatten. In jedem Fall war ich der Überzeugung gewesen, dass sich so etwas sicherlich vermeiden ließe, man schon irgendwie mit einander auskäme.

Nach etwa zwei Monaten habe ich AFS dann aber doch gebeten, die Gastfamilie zu wechseln. Ich habe mich unwohl gefühlt und die Aussicht darauf, hier noch mein restliches Jahr zu verbringen, hat mich nicht glücklicher gemacht. Es hat dann etwa 4 Wochen gedauert, bis meine Organisation eine neue Gastfamilie gefunden hatte. In dieser ersten, für mich schwierigen Zeit, war ich viel bei meiner Welcome-Family. Dafür bin ich heute noch sehr dankbar, da sie mich sehr aufgefangen hat.

Nach drei Monaten bin ich dann in MEINE Gastfamilie gewechselt. Spreche ich heute über meine Gastfamilie, spreche ich über meine Familie. Vom ersten Tag an habe ich mich hier wohl gefühlt und mit allen gut verstanden: Mit meinen Gasteltern, meinen zwei Gastbrüdern und auch dem Rest – Tanten, Onkel, Cousinen & Cousins, Hunde, Katzen und sogar ein sprechender Papagei sind Teil der Familie.

Rückblickend kann ich sagen, dass ich mich keine Sekunde wie ein Gast gefühlt habe, sondern von Anfang an als Teil der Familie. Ich war bei allen Familienfeiern und anderen Festen dabei, wir sind gemeinsam durchs Land gereist und haben die Wochenenden zusammen verbracht.

In dem Jahr habe ich vor allem sehr viel mit meiner Gastmutter gesprochen – über das Leben und dieses und jenes. Dadurch habe ich nicht nur Spanisch gelernt, sondern unheimlich viel über die Welt und für mein eigenes Leben. Oft vermisse ich die Gespräche, die wir abends, wenn ich von der Arbeit nach Hause gekommen bin, hatten. Meine Gastmutter ist alles in allem, vor allem im Vergleich zu anderen Paraguayos und Paraguayas, die ich in dem Jahr kennengelernt habe, ein sehr offener Mensch, was heißt: Sie diskutiert und spricht gerne über alle möglichen Themen, auch, wenn Meinungen auseinander gehen. Das war tatsächlich des Öfteren der Fall. Da haben wir beide oft gemerkt, wie unterschiedlich unserer Kulturen und Generationen denken und handeln.

Sowohl zu meinen Gasteltern, als auch meinen Gastbrüdern habe ich eine sehr gute Beziehung – bis heute (dank WhatsApp ist das ja alles einfach). Nach dem Jahr in Paraguay hatte ich bisher zweimal die Möglichkeit, wieder zurückzukehren. Meine Gasteltern haben mich in Deutschland besucht, ebenso wie meine Gastbrüder. Mein jüngerer Gastbruder hat sogar ein Jahr lang in Deutschland gelebt und an einem Austauschprogramm teilgenommen. Er spricht fließend Deutsch – und seitdem verstehen wir uns noch besser. Das liegt aber nicht nur an der neuen, gemeinsamen Sprache, sondern vielmehr daran, dass er meine Lebenswelt kennt und ich seine. Ich habe bemerkt, dass wir so ein ganz anderes Verständnis voneinander und füreinander entwickelt haben. Ebenso war es mir sehr wichtig, dass meine paraguayische Familie mein Zuhause und meine Familie in Deutschland kennenlernt – und umgekehrt. Mein Bruder ist mit mir nach Paraguay gekommen, hat mit den Kindern auf meiner Arbeit Fußball gespielt und Orangen auf den Plantagen meiner Gastfamilie gepflückt.

Heute sprechen wir viel über Skype und schreiben bei WhatsApp, einmal im Jahr schicken wir uns Päckchen.  In der Weihnachtspost darf kein Adventskalender fehlen, denn diesen deutschen Brauch hat meine paraguayische Familie sehr lieben gelernt!

Vorschau: Schule in Paraguay - Wie sieht der Alltag aus, was ist anders, was ist möglicherweise wie in Deutschland? Wie lernen die Kinder im Klassenzimmer und wie unterrichten die Lehrkräfte? Im Blogpost 5/9 werde ich von einer Ente mit zwanzig Beinen, dem Singen der Nationalhymne und Fußballspielen bei 40 Grad erzählen.

Teil 5 Meine Arbeit, meine Schule

Im Rahmen meines Freiwilligendienstes habe ich in meinem Jahr in Paraguay an einer Schule gearbeitet. Genau genommen war es keine Schule, aber auch kein Hort, eher irgendetwas dazwischen.Zur Erklärung: In Paraguay (und generell anderen lateinamerikanischen Ländern) gehen die Kinder und Jugendlichen nicht wie hier von morgens um 8 bis mittags um 13 Uhr zur Schule, sondern es gibt den sogenannten "turno mañana" (7 bis 11 Uhr) und "turno tarde" (13 bis 16 Uhr). In der Zeit, wenn die Kinder nicht in der Schule waren, waren sie bei uns, haben Unterstützung bei ihren Hausaufgaben bekommen und darüber hinaus Sport-, Kunst- und Musikaktivitäten gemacht.

Die Bildungseinrichtung wird durch eine Stiftung finanziert und ist vornehmlich für Kinder, deren Eltern kein Schulgeld aufbringen können, weshalb die Kinder mehrheitlich auf öffentliche Schulen gehen, deren Besuch kostenfrei ist. Hier ist Lehren und Lernen sehr anders als in den Privatschulen – heißt kurzum: Die Klassengröße beträgt nicht selten dreißig Schüler*innen und mehr, Schulbücher sind veraltet und nicht alle Kinder haben Schreib- und andere Arbeitsutensilien, wodurch die Bildungsqualität insgesamt leidet. Die Lehrkräfte, so kann man sich vorstellen, können den vielfältigen Bedürfnissen der Kinder im Unterricht nicht gerecht werden, da es oftmals an grundlegenden Dingen mangelt. Für mich war es eine ungewohnte Erfahrung, dass ein Kind keinen Stift oder Heft zum Arbeiten hat – sind das in Deutschland Ausnahmen, so ist es hier der Großteil der Kinder. In meinem eigenen Unterricht habe ich mich deshalb oft arbeitsunfähig gefühlt und musste neue Wege finden, zu unterrichten. Wir haben mehr zusammengearbeitet, an der Tafel, in Kleingruppen. Das ersetzt jedoch nicht die wichtigen Übungsphasen, in denen Kinder für sich arbeiten und üben können. Außerdem ist hier eine Differenzierung sehr viel schwerer.

Nachmittags habe ich zusätzlich Englischunterricht gegeben – in einer Privatschule. Hier sah die Welt ganz anders aus. Nur fünf Gehminuten entfernt waren die Klassenzimmer klimatisiert, alle Schüler*innen hatten Unterrichtsmaterialien bei sich und haben sogar an bilingualem Unterricht teilgenommen. Das gesamte Jahr über war es für mich sehr schwierig, diese Unterschiede zu sehen und zu erleben.

Eine Sache, die für mich etwas befremdlich war, war ein ganz bestimmtes Morgenritual in allen Schulen: Das Hissen der Nationalflagge und das Singen der Nationalhymne. Vor Unterrichtsbeginn haben sich die Schüler*innen morgens auf dem Schulhof versammelt, zwei Personen waren in der Regel dafür zuständig, die Flagge zu hissen und dann haben alle gemeinsam die Nationalhymne gesungen. Es gibt auch Schulen, die zusätzlich die Flagge der Provinz oder die Schulhymne singen. Da das in Deutschland nicht der Fall ist, war das neu für mich. Und meine Freunde wiederum finden es eigenartig, dass die Nationalhymne bei uns eigentlich nur vor Fußballspielen gesungen wird.

Der normale Tagesablauf hat bei uns um 7 Uhr begonnen – da kamen die ersten Kinder und haben in den Klassenzimmern oder auf dem Schulhof gespielt. Um 8 Uhr gab es Frühstück für alle und um 8.30 Uhr hat dann der Unterricht beziehungsweise die (Hausaufgaben)Betreuung begonnen. Die Kinder wurden dafür in drei Gruppen mit je einer Lehrerin aufgeteilt: Klasse 1-4, Klasse 5/6 und die Kindergarten-Gruppe.

In der ersten Zeit habe ich mich vor allem um die Kindergartenkinder gekümmert, wir haben viel Künstlerisches und Sport gemacht. Während die meisten jüngeren Kinder nach dem Mittagessen abgeholt wurde, war ein Junge jeden Tag bis zum Ende da. Wir haben oft mit Wasserfarben gemalt, sein Lieblingsmotiv waren Enten. Einmal hat er eine Ente mit 20 Beinen gemalt. Auf die Frage, weshalb sie 20 Beine hat, war seine – etwas irritierte – Antwort "Camina mucho!" ("Sie läuft viel!") – Das ist natürlich einleuchtend!

Mittagessen gab es immer um 12 Uhr. Da viele Kinder, die unsere Bildungseinrichtung besucht haben, zuhause nicht sehr viele Nahrungsmittel zur Verfügung haben, war diese Mahlzeit sehr wichtig für sie.

Nach dem Mittagessen hatten die Kinder die Möglichkeit, in die Hausaufgabenbetreuung zu gehen oder zu spielen. In der Zeit habe ich viel mit den Älteren Fußball gespielt. Das war vor allem im Sommer bei 40 Grad im Schatten ziemlich anstrengend und schweißtreibend. Was ich hierbei sehr bewundert habe: Jungen und Mädchen haben gemeinsam gespielt. Es gab nahezu immer gemischte Teams und das war auch völlig normal.

Um 15 Uhr wurden die Kinder dann von ihren Eltern abgeholt. Manches Mal hatte ich dann Feierabend, ab und zu habe ich danach noch Englischunterricht gegeben.

Vorschau: Was bedeuten meine Erfahrungen in Schulen im Ausland eigentlich für mich als Lehrerin? Was habe ich gelernt – über mich und andere? Im Blogpost 6/9 werde ich erzählen, wie sich mein Verständnis von Schule, von Lehren und Lernen, durch meinen Auslandsaufenthalt verändert hat.

Teil 6 Meine Lehrer*innenpersönlichkeit

Im letzten Blogpost habe ich schon berichtet, dass viele Dinge anders oder neu in den Schulen in Paraguay für mich waren.

Die Sache, die mich bis heute am meisten beschäftigt, ist die Ungleichheit innerhalb der Bevölkerung – was sich in den Schulen widerspiegelt. Die Teilung in private und öffentliche Schulen, die so unterschiedliche Lebens- und Lernwelten beherbergen, gibt es in Deutschland nicht. Dennoch, bei genauerer Betrachtung, sind auch hier die Bedingungen für die Kinder ungleich. In einem Klassenzimmer sitzen durchschnittlich zwanzig bis fünfundzwanzig Kinder oder Jugendliche, die alle aus unterschiedlichen Familien kommen. Und jedes Kind, jeder Jugendliche bringt somit verschiedene Voraussetzungen für die Schule mit.

In der Uni lernt man etwas darüber, spricht beispielsweise über Bourdieu, über das kulturelle Kapital und den Habitus. Erlebt man diese Illusion der Chancengleichheit (1971) jedoch in einem derart ausgeprägten Maße im realen Schulalltag, bleibt das im Kopf. Meiner Einschätzung nach bin ich durch meine Erfahrungen in den Schulen in Paraguay heute ganz anders dafür sensibilisiert, dass Schüler*innen eben unterschiedlich sind und nicht dieselben Chancen haben. Das führt im Weiteren dazu, dass ich mich intensiv damit auseinandersetze und verstärkt auf die unterschiedlichen Lebenssituationen der Kinder achte und für mich versuche herauszufinden, wie ich damit im Unterricht umgehen kann.

Zuvor war das nicht unbedingt in meinem Blickfeld, zumal ich selbst, was meine eigenen Bildungsmöglichkeiten betrifft, vergleichsweise privilegiert bin. So fällt es vermutlich noch einmal schwerer, sich in die Situation anderer hineinzuversetzen, denen es anders ergeht.

Doch nicht nur deshalb waren die Erfahrungen in Paraguay an den Schulen für mich sehr wertvoll – ich habe außerdem so viele unterschiedliche Lehrer*innenpersönlichkeiten, Lehr- und Lernansätze kennengelernt, die sich das ein ums andere Mal (kulturell bedingt) von dem mir aus Deutschland Geläufigen unterschieden. So kann ich heute für mich entscheiden, welche Dinge ich selbst für meinen eigenen Unterricht übernehme – und welche nicht. Das ist in Deutschland bei jedem Praktikum, jedem Einsatz in der Schule auch so – aber eben nicht in solch einer Bandbreite.

Erfahrungen als Lehrer*in im Ausland sind für mich inzwischen ein nicht wegzudenkender Bestandteil meiner Ausbildung. Nicht zuletzt, weil ich mir so auch Gedanken über das Gesamtkonzept Schule gemacht habe und immer noch mache. Wie und was lernen Kinder und Jugendliche eigentlich in der Schule? Wie kann Lernen reformiert werden? Wie kann Lernen anders aussehen? Weshalb wird in unseren Schulen in der einen Form gelernt – und in anderen Ländern anders? So liegt der Fokus meiner Gedanken vor allem auf der Person der Lehrerin und des Lehrers – und dem Gestaltungsspielraum, den diese haben, wenn sie Kinder und Jugendliche unterrichten. Dessen war ich mir vorher noch nicht bewusst. Insbesondere angehenden Lehrer*innen kann ich daher raten, jede Möglichkeit zu nutzen, die sich bietet, um verschiedene Schulen kennenzulernen – nicht nur in Deutschland.

Vorschau: Freund*innen und Sportverein sind in Deutschland geblieben – was tun in meiner Freizeit? Im Blogpost 7/9 werde ich vom Häuserbauen und Handballspielen erzählen.

Teil 7 Meine Freizeit, meine Crew

In Paraguay angekommen war ich das erste Mal nach langer Zeit in der Situation, dass ich weder meine Familie noch meine Freund*innen um mich hatte – und das auch noch länger nicht haben würde. Zwar habe ich ja bei einer Gastfamilie gelebt (dazu siehe Blogpost 4/9), aber dadurch hatte ich nicht automatisch viele neue Freund*innen. Denn auch, wenn meine Gastfamilie und ich ein sehr enges Verhältnis zueinander hatten, wollte ich auch "außerhalb" Freund*innen haben. Meine Kolleginnen in der Schule, an der ich gearbeitet habe, waren alle um einiges älter – also auch kein Ort, um neue Freund*innen zu finden.

Sehr geholfen haben mir dann ein Handballverein und die NGO TECHO.

Meinen Sportverein von zu Hause hatte ich ohnehin vermisst (wegen des Sports und natürlich auch wegen der wunderbaren Menschen) und ich konnte mir nicht vorstellen, das gesamte Jahr über nur alleine Sport zu machen. So bin ich etwa zweimal die Woche zum Handballtraining gegangen und muss sagen, dass Sport für mich persönlich die entspannteste Möglichkeit war und ist, neue Menschen kennenzulernen – und nicht zuletzt ist es auch mit die einfachste, weil hier der Sport als gemeinsame Sprache genutzt werden kann. Der Sport hat mir außerdem Sicherheit gegeben, war an sich nichts Neues für mich. Das hat auch sehr geholfen!

Außerdem habe ich einen großen Teil meiner Freizeit bei der NGO TECHO verbracht. Diese hat sich 1997 in Chile gegründet und das Ziel, Armut und Ungleichheit in Lateinamerika zu bekämpfen. Vor allem junge Freiwillige, in der Mehrheit Studierende, aber auch Schüler*innen, engagieren sich hier. TECHO setzt sich dafür ein, die Infrastruktur in informellen Siedlungen aufzubauen, indem bspw. Übergangsbehausungen gebaut, Bildungs- und berufsqualifizierende Maßnahmen durchgeführt werden.

Das Engagement bei TECHO hat mir nicht nur zahlreiche Einblicke in die entwicklungspolitische Arbeit ermöglicht, sondern darüber hinaus viele neue Freundschaften beschert. Insbesondere an den Wochenenden habe ich viel Zeit mit den Freiwilligen von TECHO verbracht und wir haben unterschiedliche Projekte in den Siedlungen umgesetzt. Dadurch habe ich enorm viel gelernt – vornehmlich über die Lebensrealitäten anderer Menschen und nicht zuletzt über mich selbst.

Jedem und jeder, der/die in Lateinamerika unterwegs ist, kann ich es nur ans Herz legen, TECHO kennenzulernen. Hier macht ihr wertvolle Erfahrungen, die euch immer weiter begleiten werden – versprochen!

Also, sucht euch Menschen, die die gleichen Leidenschaften haben wie ihr – die findet ihr an jedem Ort dieser Welt, davon bin ich überzeugt. Und so findet ihr auch ganz einfach neue Freund*innen!

Vorschau: Das Jahr neigt sich dem Ende zu – der Rückflug nach Deutschland ist gebucht! Im Blogpost 8/9 werde ich von gemischten Gefühlen und meiner Rückkehrzeit berichten!

Teil 8 Mein Comeback

Die Zeit nach einem längeren Auslandsaufenthalt empfindet wohl jede Person anders. Manche sind vielleicht einfach froh, wieder bei Familie und Freunden Zuhause zu sein – andere wären gerne länger geblieben.

Da die Rückkehr-Erfahrungen individuell sind, kann ich deshalb an dieser Stelle nur für mich sprechen und erzählen, wie es bei mir war.

Gegen Ende meines Jahres in Paraguay war ich sehr traurig, dass die Zeit nun zu Ende gehen sollte – die letzten zwei Wochen habe ich dann aber auf einmal auch gemerkt, dass ich mich sehr auf mein Zuhause in Deutschland gefreut habe. Ich habe mich auf Familie und Freund*innen gefreut, meinen Sportverein und sogar, dann im Master weiter zu studieren.

Zwar musste ich mich etwas eingewöhnen, mein Alltag war in Paraguay doch sehr anders gewesen, aber das ist mir nicht so schwergefallen. Geholfen haben mir dabei im Besonderen die Rückkehrer*innenseminare von AFS. Hier haben wir ein fünftägiges Nachbereitungsseminar mit unserer Gruppe, also allen Freiwilligen, die in Paraguay waren, gehabt.

Im Mittelpunkt der Workshops stand hauptsächlich, die Erfahrungen aus dem Jahr zu reflektieren und sich mit der eigenen Person auseinanderzusetzen. Beides keine leichten Sachen, so erfordern sie viel Kraft und sind nicht immer unbedingt angenehm.

Ich muss sagen, dass es mir sehr geholfen hat, mit anderen über meine Erfahrungen zu sprechen, mich auszutauschen und unterschiedliche Blickwinkel kennenzulernen. Sprechen hilft ungemein, um die Gedanken zu ordnen – mir jedenfalls. Das habe ich vor allem drei Jahre später gemerkt, als ich wieder einige Monate in Südamerika unterwegs gewesen war, nach Hause gekommen bin und dann kein Nachbereitungsseminar oder ähnliches hatte, auf dem ich meine Eindrücke verarbeiten konnte. Deshalb kann ich nur empfehlen, sich Leute zu suchen, mit denen man sprechen kann, um Dinge loszuwerden, die einem begegnet sind.

Während das natürlich auch für den normalen Alltag gilt, ist es meiner Meinung nach insbesondere nach längeren Reisen und Auslandsaufenthalten wichtig, weil man hier sehr besondere Erfahrungen macht, weit weg von Zuhause und dem Gewohnten. Umso schwieriger macht es das Ordnen der Gedanken und Eindrücke, weil es vorkommen kann, dass man sich nicht verstanden fühlt. Spricht man mit Menschen, die diese Erfahrungen selbst noch nicht in ähnlicher Form gemacht haben, kann ein Austausch sehr schwierig sein. Empfehlenswert ist es, bspw. mit anderen Studierenden zu sprechen, die im Ausland waren – oder mit Auslandsstudierenden, die derzeit im eigenen Land, in der eigenen Stadt sind.

Euch fällt da auf Anhieb niemand ein? Dann schaut doch mal bei den English Game Nights in der Rotunde (immer mittwochs ab 20 Uhr, den Events von LEI und International Center und den internationalen Events der Stadt vorbei. Oder schreibt uns und wir schlagen euch das passende Angebot vor!

Vorschau: Fünf Jahre sind vergangen – was bleibt? Im Blogpost 9/9 werde ich davon berichten, wie es ist, an Lieblingsorte zurückzukehren – oder auch nicht. und davon, ob die Welt für mich nun größer oder kleiner geworden ist.

Wir suchen Euch!

Wir suchen Euch!

Wir suchen weiterhin kreative Menschen, die uns bei unseren Inhalten unterstützen. Wenn ihr einen Text schreiben, ein Video aufnehmen oder andere Vorstellungen für Inhalte und Formate habt, kontaktiert uns immer gerne unter mobility@uni-flensburg.de.