Flyer der Ringvorlesung

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Datum:
12.03.2018
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Willkommen zur Flensburger Ringvorlesung

Seit dem Sommersemester 2013 findet in jedem Semester die Ringvorlesung in Kooperation mit der Phänomenta und der Flensburger Volkshochschule im Vortragssaal der Phänomenta statt. Die Vortragenden aus verschiedenen Disziplinen präsentieren hier ihre selbstgewählten Themen. Ein jährlich wechselndes Oberthema stellt einen Bezug zwischen den Vorträgen her. Auf dieser Seite ist das aktuelle Programm mit den zugehörigen Zusammenfassungen und das Archiv der Ringvorlesung zu finden.

Ort und Zeit

Die jeweiligen Einzelvorträge finden immer Montags von 18:00 Uhr bis 19:30 Uhr in der Phänomenta statt.

Ringvorlesung "blau"

Blau ist mehr als eine Farbe. Blau zeichnet sich durch vielschichtige und differente kulturelle Bedeutungen aus: Menschen sind blau, machen blau und haben manchmal sogar blaues Blut, sie fahren ins Blaue und einige erhalten blaue Briefe. Je nach künstlerischer Präferenz schätzen Menschen den blauen Reiter, die blaue Blume, oder "Drei Farben: Blau". Selbst der Blaue Engel ist mehrdeutig. Blau ist die Farbe Europas (aber auch anti-europäischer Bewegungen), blau steht in christlicher Malerei für die Mutter Gottes, in der Romantik für die Sehnsucht, und je nach Region für Hertha BSC, Schalke 04 oder den HSV.

Die Bedeutungskomplexität von blau ist nicht auf den deutschen Sprachgebrauch beschränkt: aus dem Englischen finden wir den Blues und die Blue Jeans; aus dem Französischen das Cordon bleu (in all seinen Bedeutungen).

Blau ist aber auch nur eine Farbe: Blau sind das Meer und der Himmel, blau blüht der Enzian und wir leben auf dem Blauen Planeten. Naturwissenschaftlich gesehen wird Licht als blau bezeichnet, dessen Wellenlänge im Intervall 460 und 480 Nanometer liegt.

Die 6. Reihe der Flensburger Ringvorlesung beschäftigt sich mit den vielfältigen Perspektiven und Bedeutungszuschreibungen, die der Begriff "blau"  in verschiedenen Zusammenhängen und Kontexten hat. Forschende der Europa-Universität Flensburg werden diesen aus der Sicht ihrer jeweiligen Fachdisziplin im Frühjahr 2018 darstellen, diskutieren und dekonstruieren.

Programm

Termin

Vortragende*r

Titel

12.3.

Dr. Marcello Neri,
Seminar für katholische Theologie

Blauer Brief an Gott …

Mit dem Anfang des XIX. Jahrhunderts entsteht das poetische Bewusstsein (Hölderlin), dass eine ganze symbolische Ordnung, welche der Bedeutungszuschreibung von "Blau" in Kunst und Volkskultur auf Gott bzw. das Göttliche zugrunde liegt, zu ihrem Ende gekommen war. Es ist über zwei hundert Jahre, dass menschliches Dasein und gesellschaftliches Leben im Westen wie ein blauer Brief an Gott sind, auf den er überhaupt nicht zu reagieren scheint.

In Zeiten solch einer Verabschiedung Gottes muss sich der Glaube an irgendwelchen Gott auf der Suche nach einer neuen Sprache machen, die gerade aus dem Fehlen Gottes entsteht. Auch diese tastende, fragile Sprache des Glaubens kann als blauer Brief an Gott verstanden werden. Es ist vielleicht das erste Mal, dass es so etwas in der religiösen Tradition des Westens passiert.

Exemplarisch dafür steht das Büchlein "Jossel Rakovers Wendung zu Gott" – ein fiktiver Brief aus dem jüdischen Getto von Warschau geschrieben am 28. April 1943, der zugleich an Gott und an die ganze Menschheit adressiert ist. Den letzten Zeilen dieses Briefs gilt es, das Wort zu überlassen: "Gott Israels ich bin hierher geflohen, dass ich Dich ungestört dienen kann: um Deine Gebote zu tun und Deinen Namen zu heiligen. Du aber tust alles, dass ich nicht an Dich glauben soll. (…) Magst Du mich auch beleidigen, magst Du mich auch züchtigen, magst Du mir auch wegnehmen das Teuerste und Beste, das ich habe auf der Welt, und mich zu Tode peinigen – ich werde immer an Dich glauben – Dir selbst zum Trotz!" (Z. Kolitz, Jossel Rakovers Wendung zu Gott, Diogenes, S. 99)

26.3.

Prof. Dr. Birgit Peuker,
Abteilung Ernährung und Verbraucherbildung

Karpfen BLAU  oder 3-D-Food-Print?  Schleswig Holsteiner Esskultur zwischen Tradition und Moderne

Morgens personalisiertes Food aus dem 3-D-Drucker und abends Holsteiner Karpfen BLAU? Sieht so die zukünftige Esskultur Schleswig-Holsteins aus? Das Verbraucherverhalten scheint zwischen dem herrschenden Überangebot des Marktes und der persönlichen Suche nach Livestyle unter Alltagspassung  unberechenbar geworden. Welches Prinzip dahinter steht, dass die Verbraucherin/der Verbraucher wie  "Broken sööt" nicht einem Typus zugeordnet werden kann, wird in dem Vortrag mit dem eigens entwickelten Modell des eklektischen Verbraucherverhaltens erklärt und Auswirkungen aufgezeigt.

09.4.

Dr. Michaela Christ,
Norbert Elias Center for Transformation Design & Research

Nie wieder dunkelblau? Der Verlust der Nacht durch künstliche Beleuchtung.

Künstliches Licht hat in den vergangenen rund 100 Jahren das Leben in modernen Gesellschaften fundamental verändert. Die Möglichkeit, die Nacht zum Tag zu machen, hat erheblichen Einfluss auf gesellschaftlichen Rhythmen und Zeitstrukturen. Zum ersten Mal in der Geschichte ist es Menschen zumindest theoretisch möglich, ihr Leben weitgehend unabhängig von natürlichen Rhythmen wie dem Tag-Nacht-Wechsel zu gestalten. Inzwischen sind beispielsweise inzwischen fast 20 Prozent der europäischen erwerbstätigen Bevölkerung in Nacht- und Schichtarbeit tätig.  Seit einiger Zeit werden die Folgen der stetig heller werdenden Nächte unter dem Stichwort Lichtverschmutzung thematisiert. Zunehmende nächtliche Himmelhelligkeit erschwert nicht nur die Arbeit von Astronomen, die ihre Teleskope an immer abgelegeneren Orten aufstellen müssen. Auch an Tieren, Pflanzen und ganzen Ökosystem sowie an der menschlichen Gesundheit geht Lichtsmog nicht spurlos vorüber.

Der Vortrag skizziert in historischer Perspektive die dynamische Entwicklung künstlicher Beleuchtung seit Ende des 19. Jahrhunderts und diskutiert einige der Auswirkungen künstlichen Lichts auf Individuen und Gesellschaft.

23.4.

Prof. Dr. Krešimir Matijević,   
Seminar für Geschichte und Geschichtsdidaktik

Blau vor! Wagenrennen in der Antike und in "Ben-Hur"

Die Farbe Blau symbolisierte in der Antike das Meer und den Herbst. Blau war aber auch eine der vier Farben, welche die antiken Wagenrennteams charakterisierten. Im Vortrag werden die Wagenrennen im römischen Circus thematisiert. Zum einen interessiert hierbei der tatsächliche Ablauf solcher Wettkämpfe in der Antike, zum anderen die heutige Vorstellung hiervon in den Köpfen der Menschen. Es wird gezeigt werden, dass der Roman "Ben-Hur" und die verschiedenen Verfilmungen großen Einfluss ausgeübt haben. Dies gilt auch für das heutige Bild von Sklaven auf römischen Seekriegsschiffen, womit im Vortrag ein zweites Element der Farbe Blau in der Antike aufgegriffen wird.

14.5.

Dr. Markus Herschbach,
Abteilung Kunst und visuelle Medien

Das Licht und das Blau in der Kunst & in den visuellen Medien

28.5.

Prof. Dr. Christian Filk,
Seminar für Medienbildung

"Blue Sky & Open Cloud" – Wie soziale Medien unsere Welt berechnen?!

11.6.

Dr. Sibylle Machat,
Seminar für Anglistik & Amerikanistik

Das "kleine blasse blaue Raumschiff" – Fotografien des Planeten Erde und ihre metaphorischen Ausdeutungen