Unsere Partner

Willkommen zur Flensburger Ringvorlesung

Seit dem Sommersemester 2013 findet in jedem Semester die Ringvorlesung in Kooperation mit der Phänomenta und der Flensburger Volkshochschule im Vortragssaal der Phänomenta statt. Die Vortragenden aus verschiedenen Disziplinen präsentieren hier ihre selbstgewählten Themen. Ein jährlich wechselndes Oberthema stellt einen Bezug zwischen den Vorträgen her. Auf dieser Seite ist das aktuelle Programm mit den zugehörigen Zusammenfassungen und das Archiv der Ringvorlesung zu finden.

Ort und Zeit

Die jeweiligen Einzelvorträge finden immer Montags von 18:00 Uhr bis 19:30 Uhr in der Phänomenta statt.

Ringvorlesung „Wissensbilder“

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Bilder lügen nicht. Tatsachen passen ins Bild, oder auch nicht.

Bilder spielen in der Wissenschaft seit langem eine zentrale Rolle, sowohl in der Kommunikation als auch in der Strukturierung von Wissen. Forschende machen sich ein Bild von ihrem Forschungsgegenstand, sie konstruieren, konturieren und differenzieren diesen in Prozessen, die Wissensbilder schaffen. Solche Wissensbilder begrenzen und ermöglichen: sie ermöglichen Erkenntnis und Theoriebildung, begrenzen diese aber zugleich.

Wissensbilder spielen nicht nur in der Erkenntnisproduktion eine wesentliche Rolle, sondern auch in der Kommunikation von erlangtem Wissen – sie strukturieren unser Verständnis der Welt und wie dieses mit anderen geteilt wird.

Derartige Prozesse und deren Verständnis spielen eine zentrale Rolle in der fachlichen Sozialisation: erst wenn aus Wissensbildern Bilderwissen wird, wird aus Schauen Sehen, werden aus Laien Wissende.

In der 5. Reihe der Flensburger Ringvorlesung werden sich Forschende der Europa-Universität Flensburg mit Wissensbildern und Bilderwissen ihrer jeweiligen Fachdisziplinen beschäftigen und deren Einfluss, Bedeutung und Veränderung darstellen, demonstrieren und dekonstruieren.

Programm

Termin

Person

Titel (und Kurzbeschreibung)

10.4.

Prof. Dr. Bernd Möller,
Abteilung Energie- und Umweltmanagement

Kartierung des europäischen Wärmebedarfs – neues bildhaftes Wissen für die Energiepolitik eines übersehenen Sektors.

Wärme in Haushalten, Gewerbe und Industrie macht die Hälfte des europäischen Endenergiebedarfes aus, dennoch gibt es kein zusammenhängendes Bild über die geografische Verteilung und Intensität dieses in der europäischen Energiepolitik übersehenen Sektors.

Wissen über den Wärmebedarf ist entweder eine Sache privater Haushalte, oder aggregiert auf nationaler Ebene vorhanden. Dazwischen fehlt eine Ebene zum Austausch von Informationen und Generierung von Wissen, um die Möglichkeiten der synergetischen Nutzung von Abwärme und schwer zugänglichen regenerativen Energiequellen mittels Fernwärme einerseits, oder die Wirkung größtmöglicher Energieeffizienz und individueller Heiztechnologien andererseits großflächig und detailliert zu erkunden.

Der an den Universitäten in Flensburg, Aalborg (DK) und Halmstad (SE) entwickelte Pan-Europäische Thermische Atlas Peta soll mit der Bildersprache der Online-Kartographie Erkenntnisse bilden, Wissen vermitteln und dem übersehenen Wärmesektor eine neue Bildsprache geben.

24.4.

Prof. Dr. Cordula Neis,
Romanisches Seminar

Bilderschriften – Schriftenbilder: Vom Piktogramm zum Hypertext

Gegenstand dieses Vortrages sind Konzeptionen und Diskussionen von Schriftgeschichte und Schriftsystemen, angefangen von frühesten Vorformen wie z.B. Tattoos oder Knotensystemen der Peruaner über mexikanische Piktogramme und ägyptische Hieroglyphen bis hin zum Hypertext moderner Internetkommunikation. Die Schriftentwicklung wurde oftmals (etwa von Philosophen wie Jean-Jacques Rousseau) aus einer eurozentrischen Perspektive als ein Prozess der Perfektionierung von "primitiven" Vorformen über vorgebliche Bilderschriften wie die ägyptischen Hieroglyphen bis hin zum lateinischen Alphabet charakterisiert, welches als Inbegriff der Zivilisation und als Medium des Fortschrittes schlechthin angesehen wurde. Bei der Beschreibung und dem Vergleich verschiedener Schriftsysteme wird das komplexe Verhältnis zwischen Bild und Schrift, zwischen Möglichkeiten der graphischen Repräsentation von Begriffen und Lauten von den Gelehrten immer wieder zur Diskussion gestellt.

Im Zuge der Diskussion um unterschiedliche Schriftsysteme geraten insbesondere die ägyptischen Schriftzeichen aufgrund ihrer Exotik, ihrer Rätselhaftigkeit und ihrer ästhetischen Anziehungskraft immer wieder in den Fokus. Aber auch Modelle von Universalschriften, wie sie etwa im England des 17. Jahrhunderts florierten oder Geheimschriften mit ihren kryptischen Symbolen werden diskutiert.

Mit der Entstehung des Buchdrucks in der Renaissance bildete sich eine Vielzahl typographischer Darstellungsmöglichkeiten alphabetischer Systeme heraus, wobei einerseits ästhetische, kalligraphische Aspekte in den Vordergrund traten, andererseits aber auch Probleme der Notation von Alphabetschriften verstärkt wurden. So wurde das lateinische Alphabet zur Notation unterschiedlichster Sprachen verwendet, für die es nicht immer hundertprozentig geeignet erschien, wie zahlreiche Rechtschreibreformen im Laufe der Jahrhunderte – etwa in Frankreich oder Deutschland – eindrucksvoll belegen.

In unserer heutigen Zeit erscheint das komplexe Verhältnis von Schrift und Bild im Kontext der Entstehung der multimodalen Internet-Kommunikation, die als ebenso große mediale Revolution wie einst der Buchdruck angesehen werden kann,  etwa in Form von Hypertexten wieder in einem neuen Licht.

08.5.

Dr. Jan Frercks,
Abteilung für Physik und ihre Didaktik und Geschichte

Das dreifach dunkle Bild: Anekdoten aus der modernen Astrophysik

In dem Vortrag schauen wir hinter die Kulissen der Herstellung von Bildern in der Wissenschaft. Am Beispiel des Max-Planck-Instituts für Astrophysik wird gezeigt, wie dort faszinierende Bilder entstehen, auch von eigentlich unsichtbaren Objekten und meist nur auf Computerdaten basierend. Es wird deutlich, dass gerade die mit riesigen Datenmengen hantierende moderne Astrophysik auf Bilder angewiesen ist, um Vorstellungen von Himmelsobjekten zu entwickeln.

22.5.

Prof. Dr. Hauke Brunkhorst,
Seminar für Soziologie

Bilder ästhetischer Erkenntnis. Überlegungen zur Ästhetik Theodor W. Adornos

Wie können ästhetische Bilder die Erkenntnis der gesellschaftlichen Realität ermöglichen? Für Adorno ist die Antwort auf diese Frage von der geschichtlichen Entwicklung der jeweiligen Gesellschaftsformation abhängig. Sie ist in der Gesellschaft des modernen Kapitalismus eine andere als in der Antike, auch wenn richtig sein mag, daß "griechische Kunst und Epos" zwar "an gewisse gesellschaftliche Entwicklungsformen geknüpft sind", die durch "Druckerpresse" und "Druckmaschine" obsolet geworden sind, aber trotzdem "noch Kunstgenuß gewähren und in gewisser Beziehung als Norm und unerreichbares Muster" (Marx) gelten. Adorno hätte dem zugestimmt, aber im avantgardistischen Selbstbewußtsein der Moderne bestritten, daß die klassischen Werke in ihrer klassischen Gestalt noch Norm und unerreichbares Muster sind. Gültig sind sie nur noch, wenn sie es umgekehrt nach Maßstäben der Moderne sind. Charakteristisch für die Erkenntniskraft der Bilder und sinnlichen Eindrücke der modernen Kunst insgesamt ist Adorno zufolge eine extreme, der wissenschaftlichen Naturbeherrschung vergleichbare, technische Beherrschung des ästhetischen Materials, durch die hindurch sich das Material dem Zuschauer, der es erkennen und in diesem Sinne vollenden muß, selbst darstellt, als wolle es ihr oder ihm etwas sagen. Das wird an einigen, einfachen Beispielen, Bildern Sigmar Polkes und Andy Warhols, der Kulturindustrie, des letzten amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs und sozialer Protestbewegungen erläutert.

29.5..

Prof. Dr. Marion Pollmanns,
Abteilung Schulpädagogik

Wissen zwischen Bild und Text. Didaktische Reflexionen zum Bild-Text-Verhältnis

Anhand des Bild-Text-Verhältnisses, wie es sich in dem Buch Geschichte und Eigensinn von Oskar Negt und Alexander Kluge findet (Frankfurt/M., 1981), wird ein Modell zu entwickeln versucht, wie Bild und Text in ein lehrreiches Verhältnis zueinander stehen. Das Besondere der dort vorfindlichen Arrangements soll dadurch herausgestellt werden, dass es mit Bild-Text-Verhältnissen verglichen wird, wie sie sich in Schulbüchern oder anderen didaktischen Werken finden. Nachdem die dabei deutlich werdenden Differenzen beleuchtet wurden, soll die Frage aufgeworfen werden, inwiefern sich die Vermittlung durch Bild und Text in Schulbüchern oder anderen didaktischen Medien nach dem vorgestellten Modell konzipieren ließe.

12.6.

Prof. Dr. Astrid Schwabe,
Seminar für Geschichte und Geschichtsdidaktik

Geschichtsbilder. Vorstellungen von Vergangenheit & Geschichte im Kopf

Welche Bilder von Geschichte, welche Vorstellungen von Geschichte sind in der Alltagswelt präsent? In welchem Verhältnis stehen sie zum einem wissenschaftsförmigen Verständnis von Geschichte? Wie steht es mit der Beziehung zur Zeitebene der Vergangenheit? Was können wir über die Bedeutung von Geschichte in der Gesellschaft sagen? Unter dem Leitbegriff der Vortragsreihe "Wissensbilder" widmet sich der Vortrag Fragen nach Geschichte, Geschichtswissenschaft und Geschichtskultur, um schließlich auch über mögliche Aufgaben eines zeitgemäßen Geschichtsunterrichtsunterrichts nachzudenken.

26.6.

Dr. Sibylle Machat,
Seminar für Anglistik und Amerikanistik

Wie amerikanische Kinder die Welt sehen sollen: Planet Erde im Kinderbuch

Wissenschaftliche Erkenntnisse und politische Interessen sind nur ein paar der Faktoren die Einfluss auf die Texte und Bilder in Kinder-, Schul-, und Jugendbüchern haben, und somit auch auf die Darstellung, Beschreibung und Kontextualisierung des Planeten Erde in diesen. Anhand von Beispielen aus amerikanischen Kinder- und Jugendbüchern der letzten 200 Jahre gibt Dr. Sibylle Machat einen Einblick in das sich verändernde "Welt-Bild" mit dem Kinder in den USA in Berührung kamen, von der ersten Welle amerikanischer Kinderbücher in den 1820er Jahren bis hin zum Weltraumzeitalter der Mercury-, Gemini- und Apollo-Missionen.