Ich wollte keine andere Wissenschaft mehr suchen, als die ich in mir selbst oder in dem großen Buch der Welt würde finden können, und so verwendete ich den Rest meiner Jugend auf Reisen ..., mannigfaltige Erfahrungen einzusammeln, in den Lagen, in welche das Schicksal mich brachte, mich zu erproben und alles, was sich mir darbot, so zu betrachten, dass ich einen Gewinn davon haben könnte. René Descartes, Abhandlung über die Methode, Kap. I

Exkursionen

Griechenland, April 2007

Im April 2007 reisten sechs Studierende der Philosophie in Flensburg und ich, Pascal Delhom, als begleitender Dozent, für eine Woche nach Griechenland. Die Reise zu den Ursprungsorten der Demokratie war für alle Beteiligten eine sehr fruchtbare Ergänzung zum Seminar "Einführung in die politische Philosophie", das ich in jenem Semester leitete.

Die Studienreise wurde von den Studierenden selbst initiiert und vollständig organisiert. Sie planten einen Aufenthalt in Athen – im Hotel Aristoteles! – und die Besichtigung mehrerer Stätten des antiken Griechenlands, die von Athen aus unmittelbar oder mit einem Mietwagen (für drei Tage) erreichbar waren. So konnten wir neben Athen auch Korinth, Epidaurus, Marathon und Delphi entdecken.

Für jede besuchte Stätte hatte eine/r von ihnen eine Einführung vorbereitet, die sie/er uns bei der Ankunft am Ort vortrug. Dann folgte die Besichtigung selbst, entweder in einem gemeinsamen Rundgang oder oft in kleineren Gruppen, die sich immer wieder trafen, über das Gesehene und das Gelesene sprachen, Informationen tauschten und versuchten, auf Fragen über die Mythologie, die Geschichte, die Chronologie der Ereignisse oder die politischen Verhältnisse eine Antwort zu finden.

Das Entdecken am Rhythmus der Schritte durch die alten Tempel, Theater und Agora sowie in den Museen, die oft am Ort sind, prägte uns auf ganz andere Weise als die Texte, die wir darüber gelesen hatten. Sie wird auch vermutlich unser zukünftiges Lesen beeinflussen. Unter den vielen Erkenntnissen, die für mich durch die Reise mit konkreten Erfahrungen verbunden werden konnten, möchte ich hier zwei hervorheben.

Die erste betrifft den zeitlichen Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Demokratie und derjenigen des Theaters im 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Die Griechen entwickelten zugleich zwei Formen des öffentlichen Ausdrucks, die zwar sehr unterschiedlich waren, jedoch beide darin bestanden, dass jemand vor vielen Menschen das Wort ergriff. Sie bauten gewaltige Theater und gestalteten öffentliche Plätze, auf denen Tausende von Bürgern sich versammeln konnten. Alles, was davon noch erhalten ist, verweist für die heutigen Besucher unmittelbar auf die Anfänge der öffentlichen Rede, der Rhetorik und auch indirekt dessen, was später Philosophie genannt wurde.

Das zweite Element hängt mit der soeben erwähnten Öffentlichkeit zusammen. Die griechische Demokratie, besonders in Athen, wagte eine Form des politischen Lebens und der direkten Beteiligung der Bürger an den Entscheidungen des Staates, unabhängig von ihren Eigenschaften und von ihrem sozialen Status, wie sie seitdem nie mehr gewagt worden ist. Diese radikal demokratische Ordnung war nur in relativ kleinen politischen Einheiten und unter Ausgrenzung vieler Menschen, von den Frauen bis hin zu den Sklaven,möglich. Aber unter diesen Bedingungen hat sie fast zweihundert Jahre – mit einer kurzen Unterbrechung – dauern können. Verglichen mit unseren jetzigen politischen Ordnungen ist dies eine sehr lange Zeitspanne. Sowohl die räumliche wie auch die zeitliche Dimensionen dieses demokratischen Zeitalters werden einem bewusst, der auf der historischen Stätte der Agora die unterschiedlichen Gebäude und Monumente betrachtet, das Datum ihrer Entstehung erfährt und so die verschiedenen Raumordnungen in den verschiedenen Zeiten rekonstruiert. So kann er sich vorstellen, am Ort der Versammlung der 6000 Athener unter Perikles zu stehen oder an der Stelle, wo Sokrates seine Gespräche geführt hat oder an der er verurteilt worden ist

Die Reise wurde durch die Lektüre einiger Texte vorbereitet und begleitet: Neben den im Seminar eingeführten Texten Aristoteles’ (Politik und Nikomachische Ethik) haben wir einige Kapitel des von Klaus Stüwe und Gregor Weber herausgegebenen Bandes Antike und moderne Demokratie. Ausgewählte Texte, (Stuttgart, Reclam 2004) gelesen, in dem neben – leider sehr kurzen – philosophischen Texten auch Schriften von Historikern wie Herodot, Thukydides und Plutarch, politische Reden von Demosthenes oder Ausschnitte aus Theaterstücken von Euripides, Sophokles oder Aristophanes versammelt sind.

Die Reise von 2007 war die erste Studienreise ausgehend vom Institut für Philosophie der Universität Flensburg.

Pascal Delhom

Leipzig, Juni 2011

Genève, Juni 2012

Zum 300. Geburtstag von Jean-Jacques Rousseau sind sechs Studierende der Universität Flensburg mit mir, Pascal Delhom, nach Genf gefahren. Dort haben wir die Geburtsstätte des Genfer Bürgers besucht sowie viele Ausstellungen, die in der Stadt deren berühmtem Sohn gewidmet waren. 

Unsere Reise wurde von einem Ausflug nach Moustier und zum île Saint-Pierre ergänzt, wo Roussau gelebt hat.

Klicken Sie bitte auf die Bilder, um sie zu vergrößern.

Auf dem Ile Rousseau in Genf
Rousseaus Geburtshaus in Genf
Miniatur von Genf um 1815
Rosseaus Zimmer auf dem Ile Saint Pierre (Bieler See)
Die Gruppe