Unsere Stipendiatinnen berichten aus ihrem Auslandssemester 2021/22

Im Frühjahr 2021 wurden im Projekt vier Stipendien für ein Auslandssemester ausgegeben, die drei Stipendiatinnen bekamen eine Möglichkeit in University of Jyväskylä, Finnland und eine in ELTE University, Ungarn während dem HeSe 2021/22 zu studieren.

Hier können Sie die über den Verlauf des Auslandssemesters in Finnland und Ungarn zu lesen: erste Eindrücke, Aufenthalt, Erlebnisse und Ausflüge.

Vielleicht finden Sie da die Antworten auf Ihre eigenen Fragen zum Auslandsaufenthalt während des Studiums? 

Berichte von der University of Jyväskylä, Finnland

  • Wohnungssuche 

Die Wohnungssuche war sehr unkompliziert. Schon bei der Online-Bewerbung für die Uni, konnte man sich automatisch für ein Zimmer in einem der beiden Wohnheime bewerben. Es gibt zwei Wohnheime, die zur JYU gehören. In der Bewerbung kann man eins davon priorisieren und sogar Wunsch-Mitbewohner*innen angeben. Wir haben eine Zusage für das Wohnheim Kortepohja/ Soithu bekommen. Um den Platz anzunehmen, mussten wir schon vor der Anreise die Kaution bezahlen (300€). Im Wohnheim selbst lebt man dann in einer 3er-WG und teilt sich dann Bad und Küche. Die Zimmer sind möbliert. Außerdem gibt es im Wohnheim Gemeinschaftsräume, ein Fitnessstudio und natürlich eine Sauna. Ich bin schon sehr gespannt auf das Wohnheim und denke, dass ich mich dort wohlfühlen werde. Auf den Bildern sehen die Zimmer sehr schön aus und ich freue mich, dass man bestimmt schnell neue Leute kennenlernt und dann nah beieinander wohnt.  

  • Tutor*innen 

Die finnische Universität weist jedem und jeder, die ein Auslandssemester dort macht einen Tutor oder eine Tutorin zu. Das sind finnische Studierende, die während dieser Zeit unsere Ansprechpartner*innen sein werden. Unsere Tutor*innen haben sich alle vor der Abfahrt gemeldet, einige früher, andere später.  
Meine Tutorin hat eine sehr nette E-Mail geschrieben und darin nach meiner Ankunftszeit und meinem Wohnheim gefragt. Sie hat mir dann angeboten, mich vom Bahnhof abzuholen und auch den Schlüssel für das Wohnheim schon vorher abzuholen. Der Kontakt mit ihr ist sehr nett und ich bin froh, dass ich jemanden habe, an den ich eventuell aufkommende Fragen stellen kann.  
Meine Tutorin hat auch eine Whats-App-Gruppe gegründet, in der ich Fragen stellen kann und mich mit den anderen Studierenden austauschen kann, für die sie außer mir zuständig ist.  

  • Letzte Vorbereitungen 

Nun sind es nur noch einige Tage bis zu unserem Abflug und langsam steigt die Aufregung. Es fühlt sich ganz surreal an, dass wir bald in Finnland sein werden. Doch noch ist einiges zu tun: Koffer packen, die letzten Einkäufe erledigen und Abschied nehmen von Freunden und Familie. Bei all den to-do's vergisst man fast, dass das Auslandssemester um die Ecke steht und das wir schon ganz bald im Flugzeug sitzen werden. Apropos Flugzeug: obwohl wir erst ab dem 23.08. in unser Wohnheim einziehen können, werden wir schon zwei Tage früher in Helsinki landen. In der Zeit wollen wir die finnische Hauptstadt etwas erkunden.  

  • Anreise und Hinflug 

Obwohl wir erst am 23. 08. Unsere Wohnheimzimmer beziehen können, fliegen wir bereits zwei Tage früher nach Helsinki und erkunden in dieser Zeit noch die finnische Hauptstadt. Da die finnische Regierung Deutschland im Moment nicht als Risikogebiet einstuft, brauchen wir bei der Einreise lediglich einen Nachweis über eine Impfung oder einen negativen Coronatest und müssen uns nicht in Quarantäne begeben. So haben wir viel Zeit, um ein Wochenende in Helsinki zu verbringen und bereits vor dem Beginn des Semesters ein wenig das Land zu erkunden.  Unsere Reise führt uns von Flensburg nach Hamburg und von dort mit dem Flugzeug nach Helsinki. Da es nur sehr wenige Direktflüge gibt, werden wir einen Zwischenstopp in Frankfurt einlegen müssen (und wir hoffen alle sehr, dass dabei kein Gepäck verloren geht). Nach unserem Wochenende reisen wir mit dem Zug von Helsinki nach Jyväskylä. Dabei hat uns im Vorfeld schon das finnische Bahnunternehmen positiv überrascht. Es gab sehr viele, mögliche Zugverbindungen, die Tickets waren sehr günstig und die Sitzplatzreservierungen sogar inklusive. In Jyväskylä angekommen werden uns unsere Tutoren empfangen und wir können unser Wohnheim beziehen. 

  • Gefühle vor der Abreise 

Jetzt sind es nur noch wenige Tage bis zu unserem Abflug nach Finnland und wir sind alle mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt. Meine Gefühle reichen von Vorfreude über Vorbereitungsstress bis hin zu ein wenig Traurigkeit, meine Familie und Freunde in Deutschland zurück zu lassen. Auch wenn schon einige meiner Freunde und meine Geschwister ihren Besuch angekündigt haben, ist es ein seltsames Gefühl, für so eine lange Zeit "Auf Wiedersehen" zu sagen. Andererseits freue ich mich unfassbar auf Finnland, auf die neue Uni und alle Abenteuer, die wir hoffentlich erleben werden.   

Stadtaussicht

Wie bereits in unserem ersten Blogpost geschrieben, verbrachten wir die ersten Tage unserer Auslandssemesters in Finnlands Hauptstadt Helsinki. Unser Reisebericht über Helsinki folgt noch.

Nach diesem Wochenende erreichten wir mit dem Zug unsere neue Heimat- und Universitätsstadt Jyväskylä. Am Bahnhof wurden wir von unseren Tutor:innen empfangen. Sie begleiteten uns in unser Studierendenwohnheim in Kortepohja. Kortepohja ist neben KOAS eines der beiden großen Studierendenwohnheime in der Stadt. Dieses umfasst neben den Wohngebäuden eine Mensa, ein Fitnessstudio und zahlreiche Saunen. Wir wohnen in Dreier- WGs und sind mit unseren Zimmern und den Wohnungen sehr zufrieden.

In der ersten Woche fand eine Online- Orientierungswoche statt, in welcher wir zahlreiche Online- Infoveranstaltungen besuchen konnten. Wir fühlten uns danach gut informiert. Nach einigen Startschwierigkeiten mit dem Programm Sisu, schafften wir es, die meisten geplanten Veranstaltungen zu belegen. Aufgrund von Corona wurden einige Kurse, welche wir in unserem Learning Agreement aufgelistet hatten, nicht angeboten, und somit mussten wir Alternativen suchen. Glücklicherweise waren Änderungen am Learning Agreement weder für die Uni in Jyväskylä noch für die EUF ein Problem. Zum Zeitpunkt unserer Ankunft konnten Großveranstaltungen coronabedingt noch nicht stattfinden, weshalb unsere Tutor:innen in Kleingruppen Führungen durch die Stadt, über den Campus und durch das Studierendenwohnheim angeboten haben. Dadurch konnten wir auch direkt Kontakte zu anderen Austauschstudierenden knüpfen. Unsere Tutor:innen stehen und standen uns für jegliche Fragen und Probleme zur Seite.

Die Unikurse starteten nicht alle zeitgleich in der ersten Vorlesungswoche, somit brauchte es einige Zeit, bis sich ein geregelter Uni- Alltag bei uns einpendelte. Das war sehr angenehm, da wir die ersten Wochen nutzen konnten, um uns in unserer neuen Umgebung einzuleben. So nutzten wir die ersten Wochen, um die Stadt und die Umgebung zu erkunden.

Im Vergleich zur EUF gibt es einige Unterschiede bezüglich der Kurse: meist besteht Anwesenheitspflicht und es gibt viele Self- Study- Kurse. Es wurde sogar für uns Austauschstudierenden die Möglichkeit geboten, ein Praktikum an einer finnischen Grundschule zu absolvieren. Durch Corona finden einige Kurse nur online statt. Die Kurse, in Präsenz stattfinden können, sind sehr abwechslungsreich und interaktiv gestaltet, und man duzt die Dozent:innen und spricht sie mit Vornamen an. Geplant ist aber, dass im Laufe des Semesters alle Kurse als Präsenz-, oder wenigstens als Hybridveranstaltungen angeboten werden.

Während unseres Auslandssemesters in Finnland durfte eines natürlich nicht fehlen: Das Erkunden Finnlands wunderschöner Natur. Die Student Union der Universität (diese ist vergleichbar mit dem Asta in Flensburg) organisierte eine kostenfreie Fahrt in den Etelä- Konnevesi Nationalpark. Dieser liegt knapp 100 Kilometer von Jyväskylä entfernt. Dort hatten wir die Option, uns für verschiedene Wanderrouten zu entscheiden. In einer kleinen Gruppe machten wir uns auf den Weg und erkundeten den Nationalpark. Der Weg führte über einen Berg und um einen See herum. Oben auf dem Berg angekommen, war die Aussicht atemberaubend schön. Besonders die herbstlichen Farben der Blätter, kombiniert mit der Weite und der Sicht über eine Seenlandschaft zeigten die Vielfalt der wunderschönen, finnischen Natur. Der Weg war für uns, als ungeübte Wanderinnen, gut machbar und dennoch nicht langweilig. Denen unter euch, die sich für ein Auslandssemester in Jyväskylä interessieren, können wir diesen Trip nur ans Herz legen. Es besteht die Möglichkeit, im Park zu übernachten und die Student Union organisierte für alle ein kostenloses Mittagessen.

Falls ihr nach weiteren Wanderungen sucht, gibt es auch den Kanavuori außerhalb von Jyväskylä. Dieser ist mit dem Linienbus erreichbar. Übrigens, Kanavuori heißt übersetzt so viel wie "Hühnerhügel". Die Wanderung dauert circa zwei Stunden und ist auch für Anfänger machbar. Voraussetzung für die Wanderung ist trockenes Wetter, da der Aufstieg sehr felsig und rutschig ist. Am Startpunkt kann man zudem eine Schleuse begutachten und im Anschluss an die Wanderung in ein gemütliches Café einkehren kann.

Weitere Impressionen:

Turku ist die ehemalige Hauptstadt Finnlands und dementsprechend gibt es dort auch eine historische Altstadt. Mit dem Bus braucht man von Jyväskylä etwas mehr als vier Stunden, was circa 12 Euro kostet. In Turku gibt es leider wenig Hostels, aber dafür einige Airbnb’s.

In der Stadt gibt es auch eine Universität, durch deren Studierende die Stadt jung und lebendig wirkt. Außerdem fahren von Turku aus Fähren Richtung Stockholm. Aus diesem Grund war auch ich in Turku, denn die Überfahrt ist schon ab 12 Euro möglich und dauert circa 11 Stunden.

In Turku selbst habe ich die Burg von Turku und die Kathedrale besichtigt. In der Innenstadt gibt es verschiedene Shoppingmöglichkeiten, unter anderem auch mehrere Second Hand Läden, die ich sehr empfehlen kann. In Turkus Innenstadt liegt auch eine sehr schöne Markthalle mit vielen Ständen. Neben der Lage am Meer, gibt es in Turku auch einen Fluss, an dessen Promenade viele Cafés und Bars liegen.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass man in Turku auch mehr Zeit als ich verbringen könnte (1,5 Tage) und kann einen Ausflug dahin sehr empfehlen. Wenn ihr etwas mehr Zeit habt, lohnt sich auch der Ausflug nach Stockholm.

Auf eigene Faust entschlossen wir uns, Tampere zu erkunden- die drittgrößte Stadt Finnlands. Mit dem Zug ist Tampere etwa zwei Stunden von Jyväskylä entfernt. (Kleiner Tipp: Wenn ihr Zugtickets bucht, wir würden euch empfehlen, diese einige Wochen früher zu buchen. Dann ist die Fahrt meist noch ein bisschen günstiger.) Tampere ist bekannt für zahlreiche Museen, wie das Moomin- und das Spionagemuseum. Letzteres haben wir auch besucht.

In unserer Zeit in Tampere haben wir die Stadt angeschaut, sind durch die historische Markthalle geschlendert und waren shoppen, unter anderem in einem gut sortierten Secondhand Laden. Generell gibt es in Finnland zahlreiche Secondhand Läden, in denen man nicht nur Klamotten, sondern auch Haushaltsgegenstände zum kleinen Preis erwerben kann. Bei unserem Besuch im Spionagemuseum lernten wir nicht nur viel über die Geschichte der Spionage, sondern auch viel über die Zeit der russischen Besatzung in Finnland. Das Museum war sehr interaktiv gestaltet, so konnte man zum Beispiel ein Nachtsichtgerät ausprobieren. Der Eintritt kostete mit Studierendenrabatt nur sechs Euro. (Kleiner Tipp: Es lohnt sich, in Finnland immer seinen Studierendenausweis vorzuzeigen. In vielen Restaurants, Cafés und Geschäften erhält man Rabatt.) Nach dem Spionagemuseum ließen wir unseren Tag in dem Café "Kaffila" ausklingen.

Mit der Fähre machten wir einen Tagesausflug nach Tallinn. Wir fuhren morgens vom Hafen Helsinki etwa zwei Stunden über den finnischen Meerbusen, bis wir die estnische Hauptstadt erreichten.

Zu Fuß erkundeten wir die historische Altstadt, welche seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Wir waren begeistert von den niedlichen Häusern und kleine Gassen. Neben dem Marktplatz befindet sich die älteste Apotheke Europas, die auch heute noch in Betrieb ist und die neben dem Verkaufsraum auch ein kleines Museum beherbergt. Eine Spezialität der Apotheke ist traditionell estnischer Marzipan, der früher als Medizin genutzt wurde und heute ein leckeres Mitbringsel ist. In der Altstadt konnten wir viele Kirchen, die Stadtmauer und das estnische Parlament anschauen und hatten von einem Aussichtspunkt einen atemberaubenden Blick über die Stadt und die Ostsee.

Auch außerhalb der Altstadt, die touristisch ausgelegt ist, hat Tallinn weitere schöne Ecken. Im Viertel Pöhja zum Beispiel kann neben einer großen Markthalle auch Streetart angesehen werden.

Wir sind uns sicher, dass Tallinn auch eine mehrtägige Reise wert ist, da die Preise auch deutlich erschwinglicher sind als in Finnland. Wir nahmen aber die Fähre am frühen Abend zurück nach Helsinki, die wie die Hinfahrt nur 5€ kostet, wenn man früh genug bucht.

Weitere Impressionen

In den bisherigen zwei Monaten unseres Auslandssemesters in Finnland nutzen wir schön öfter die Möglichkeit die Hauptstadt Helsinki zu besuchen. Von Jyväskylä aus dauert die Zugfahrt circa 3,5 Stunden und ist bei früher Buchung schon ab 10€ möglich. In Helsinki buchten wir uns meist Airbnb’s, da das mit mehreren Personen recht günstig ist und die Wohnungen oft sehr zentral gelegen sind.

Helsinki hat, trotz seiner vergleichsweise kleinen Größe für eine Hauptstadt, viel zu bieten. Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten gehören der Dom von Helsinki, das Parlament, die Felsenkirche und die Uspenksi-Kathedrale. Diese liegen alle im Stadtzentrum nah beieinander und sind fußläufig gut erreichbar. So lädt die Stadt dazu ein, sich einfach treiben zu lassen und so ein Gefühl für die finnische Hauptstadt zu bekommen.

Was wir besonders empfehlen können, ist die Stadtbibliothek von Helsinki. Was sich zuerst etwas langweilig anhören mag, war für uns ein Highlight. Man kann nicht nur viele Bücher in verschiedenen Sprachen anschauen (und natürlich auch ausleihen), sondern auch viele weitere Angebote nutzen. So gibt es Tonstudios, Räume für Gruppenarbeit, Cafés, Spielkonsolen und vieles mehr. Die Architektur ist sehr beeindruckend und die Stimmung in der Bücherei sehr angenehm und lädt zum Verweilen und Arbeiten ein.

Eine weitere Empfehlung von uns ist die Festungsinsel Soumenlinna. Sie ist mit einer öffentlichen Fähre des öffentlichen Verkehrsverbundes (z.B. ein Tagesticket) zu erreichen. Die Überfahrt dauert etwa 15 Minuten. Soumenlinna besteht eigentlich aus vier Inseln, die durch Brücken miteinander verbunden sind. Auf den Inseln kann man Ruinen der alten Festungsanlage begehen. Außerdem gibt es Museen und Cafés. Es ist aber auch schön, dort einfach nur spazieren zu gehen. Durch die vielfältigen Aktivitäten eignet sich Soumenlinna sowohl für Tagesausflüge, aber auch nur für eine kleinen Besuch.

Etwa eine Stunde von Helsinki entfernt liegt Porvoo, die älteste Stadt Finnlands. Diese ist unter anderem mit dem finnischen Busunternehmen Onnibus erreichbar und der Bus fährt etwa einmal in der Stunde zwischen Helsinki und Porvoo. In Porvoo gibt es eine historische Altstadt mit kleinen Gässchen und vielen gut erhaltenen, alten Häusern. Außerdem schließt sich ein Naturschutzgebiet an die Stadt an, welches zum Wandern einlädt. Porvoo ist sehr klein und an einem Tag kann man die Stadt erkunden. Aufgrund der Nähe zu Helsinki ist ein Tagesausflug nach Porvoo zu jeder Jahreszeit empfehlenswert.

Für uns ist Helsinki ein "Must- See" für eine Reise nach Finnland. Schnell hat man das Gefühl, sich in der Stadt auszukennen und fühlt sich dort, aufgrund der entspannten Lebensmentalität der Finnen, sehr wohl.

Vom Erasmus-Netzwerk Jyväskylä organsiert nahmen wir an einer Reise nach Lappland teil. Wir reisten mit dem Bus nach Kilpisjärvi (ein kleines Dorf in Lappland an der Grenze zu Norwegen und Schweden) und wohnten dort in Hütten, die Platz für bis zu acht Personen bieten. Auf der Hinfahrt gab es die Möglichkeit einzukaufen, da wir uns selbst versorgen mussten, und wir machten einen Stopp in dem Weihnachtsmanndorf in Rovaniemi. Dieses gilt als der offizielle Wohnsitz des Weihnachtsmannes und ist ein beliebtes Reiseziel in Finnland. Das Dorf liegt auf dem Polarkreis und somit überquerten wir diesen zum ersten Mal. In dem Dorf gibt es die Möglichkeit, Rentierschlitten zu fahren, Huskys zu streicheln, Briefe aus dem Postamt des Weihnachtsmannes zu verschicken oder den Weihnachtsmann höchstpersönlich zu besuchen. Da wir hier jedoch nur einen kurzen Zwischenstopp machten, erkundeten wir lediglich das Dorf.

Danach fuhren wir weiter und kamen am Abend in Kilpisjärvi an. Die Reise wurde von der Organisation Timetravels veranstaltet und im Voraus gab es die Möglichkeit, sich für unterschiedliche Aktivitäten während der Reise anzumelden. So hat man die Möglichkeit, die für sich passenden Aktivitäten zu buchen, kann aber auch seine Zeit selbst gestalten. Die erste Aktivität, an der wir teilnahmen, war der Besuch einer Huskyfarm. Wir erfuhren dort viel über die Haltung der Huskys und hatten die Möglichkeit dazu Fragen zu stellen. Das Highlight war eine Schlittenfahrt mit den Huskys, wobei wir auch selbst die Schlitten fuhren. Am gleichen Tag fuhren wir abends nach Norwegen an den Lyngenfjord. An diesem Ort gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit, Polarlichter zu sehen, und tatsächlich konnten wir an diesem Abend zum ersten Mal Polarlichter sehen. Vor Ort gab es eine Sauna, diese stand direkt an dem Fjord, so konnte man während der Saunapausen zur Abkühlung im Fjord schwimmen gehen.

Eine weitere angebotene Aktivität war eine Schneemobil-Safari. Wir fuhren über einen zugefrorenen See an das Dreiländereck Finnland/Norwegen/Schweden. Auf der Hälfte der Strecke tauschten Fahrer und Beifahrer und so hatten beide die Möglichkeit, die wunderschöne Landschaft zu beobachten. Mit bis zu 60 km/h fetzten wir über das Eis und dank der geliehenen Ausrüstung vom Veranstalter ließ sich die Kälte aushalten. Abends fand eine Schneeschuhwanderung statt. Wir orientierten uns mit Hilfe von GPS-Geräten und erreichten am Ende eine Hütte, an welcher wir ein Lagerfeuer veranstalteten.

Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Bus nach Tromsø. Tromsø ist die größte Stadt in der Region Lapplands und liegt am norwegischen Nordpolarmeer. In Tromsø fuhren wir mit der Seilbahn auf den Hausberg und hatten einen tollen Ausblick über die auf einer Insel liegenden Stadt. Im Anschluss schlenderten wir durch die Stadt, besuchten ein Museum und waren geschockt von den hohen norwegischen Preisen (welche sogar für finnische Verhältnisse sehr teuer sind). Nachdem wir bereits in unsere Hütte zurückgekehrt waren, hatten wir nocheinmal die Möglichkeit, die Polarlichter zu beobachten. Direkt über unseren Hütten konnten wir sehr aktive, teilweise sogar tanzende Polarlichter sehen. Es war sehr beeindruckend und war in der Realität noch viel eindrucksvoller, als wir es auf Fotos und Videos einfangen konnten. Am nächsten Tag mussten wir leider schon wieder zurückfahren.

Die 12- stündige Rückfahrt unterbrachen wir für einen Stopp im Skiort Levi. Hier konnten zu Mittag essen und wir nutzen die Zeit, um rodeln zu gehen. Auf der verbleibenden Rückfahrt stoppten wir abermals, um zu Abend zu essen. Anschließend fuhren wir zurück nach Jyväskylä.

Wir sind sehr froh, die Reise gemacht zu haben, auch wenn sie etwas teurer war. Der Preis varriert, je nachdem, welche Veranstaltungen man dazu bucht. Einige Veranstaltungen, wie die Reise nach Tromsø sind im Preis mit inbegriffen. Auch wir buchten nicht alle Aktivitäten (Arctic Skills und Langlaufen), und hatten so mehr Zeit, um uns aufzuwärmen und auszuruhen. Da wir gemeinsam in unserer Hütte zu Abend aßen, konnten wir dort auch Geld einsparen. Insgesamt können wir diese Reise sehr empfehlen und wir sie noch lange in Erinnerung halten.

Nachdem wir bereits einige Städte und Ecken von Finnland bereist haben, führte uns unsere nächste Reise nach Oulu. Die Autofahrt gen Norden dauerte ca. vier Stunden. Oulu ist die viertgrößte Stadt Finnlands und liegt an der Ostsee. Da auf das Wochenende, an dem wir in Oulu waren, ein Feiertag fiel, konnten wir leider viele unserer geplanten Aktivitäten nicht durchführen. Doch wir nutzten die Zeit gut, indem wir die Stadt erkundeten, im Stadtpark spazieren gingen und ein Museum besuchten. An unserem zweiten Tag in Oulu besuchten wir ein Wissenschaftszentrum (vergleichbar zur Phänomenta in Flensburg), an das ein Aussichtsturm angeschlossen war. Vor dort aus hatten wir einen großartigen Blick über die Stadt. Im Anschluss fuhren wir auf die Halbinsel Pikisaari, auf der viele traditionelle finnische Holzhäuser stehen. Zum Abschluss machten wir einen Spaziergang am Nallikari Strand. Insgesamt hat uns Oulu sehr gut gefallen und ist unserer Meinung nach einem Ausflug wert.

Berichte von der Eötvös-Loránd-Universität, Ungarn

Bratislava

In der letzten Oktoberwoche hatten wir eine Woche Ferien in der Uni. Daher haben meine Mitbewohnerin Marie (die auch in Flensburg studiert) und ich geplant, nach Wien und Bratislava zu fahren. Also sind wir am Montagnachmittag mit der Bahn los. Nach etwa 2,5 Stunden Fahrt sind wir am Abend angekommen und noch ein wenig spazieren gegangen, bevor wir es uns in unserem Zimmer im Hostel gemütlich gemacht haben. Am nächsten Morgen haben wir uns mit 5 anderen Mädels getroffen, die auch alle in Flensburg studieren und ihr Auslandssemester in Wien machen. Da Wien nur etwa eine Stunde Bahnfahrt von Bratislava entfernt ist, haben sie einen Tagesausflug gemacht, um uns zu treffen. Nach einem Tag in der gemütlichen Altstadt von Bratislava, einem Spaziergang zur Burg und vielen Schlemmereien ging es am Abend nach Wien.

Wien

In Wien sind wir bis Samstag geblieben und sind sehr viel durch die ganze Stadt gelaufen. Unser Plan war:

Mittwoch - Mariahilfer Straße, Naschmarkt, Stephansdom, Prater

Donnerstag - Schloss Belvedere, Hundertwasserhaus, Schnitzel essen

Freitag - Rathaus (bei dem schon der Weihnachtsmarkt aufgebaut wurde), Universität, Hofburg

Samstag - Schloss Schönbrunn

Wir haben die Zeit in Bratislava und Wien sehr genossen! Es war ungewohnt, mal wieder in Euro bezahlen zu können und in allen Gebäuden eine Maske tragen zu müssen, aber daran haben wir uns sehr schnell gewöhnt. Auch das Wetter hat mitgespielt, wie man auf den Bildern sehr gut erkennen kann. Aber das sind wir aus Budapest zum Glück schon gewohnt. Das wird komisch, wenn uns zu Hause wieder das norddeutsche Wetter erwartet.

Am Samstagmittag ging es dann zurück nach Budapest. Zwei Freundinnen, die in Wien ihr Auslandssemester machen, haben uns begleitet, um gleich noch die Gelegenheit zu nutzen, ein paar Tage Sightseeing in Budapest zu machen.

Fortsetzung folgt…

Vorbereitungen

Da ich die Vorstellung schön fand, mit einer bekannten Person gemeinsam ins Ausland zu gehen, habe ich mich mit einer Freundin zusammengetan und wir haben gemeinsam entschieden, welche Städte wir bei unserer Wahl angeben möchten. Zum Glück ist unser Plan aufgegangen und wir haben beide eine Zusage für die ELTE in Budapest bekommen.

Die Vorbereitungen liefen gut. Mit Unterstützung des outgoing Teams habe ich das Learning Agreement und den Anerkennungsantrag ausgefüllt.

Um eine Wohnung habe ich mich gemeinsam mit meiner Freundin gekümmert. Wir haben von der Koordinatorin der ELTE (die übrigens super nett ist) eine Email mit verschiedenen Organisationen für Wohnungen bekommen, haben uns diese Internetseiten angeguckt und dort eine Zweier-WG für uns gemietet. Es gibt auch Facebook Gruppen für die Wohnungssuche, bei denen man glaube ich auch ganz gute Angebote finden kann, aber dazu kann ich nicht mehr sagen.

Außerdem habe ich mich für ein Stipendium von Partners in Mobility der EUF beworben und dieses glücklicherweise auch erhalten, sodass ich mir um die Finanzen keine Sorgen machen musste. Ich würde auf jeden Fall empfehlen, so etwas immer zu versuchen, denn meistens bewerben sich gar nicht so viele Leute und man hat eine gute Chance!

Außerdem sollte man beachten, dass Ungarn Forint als Währung hat. Daher empfehle ich, sich eine Kreditkarte zu besorgen, bei der beim Bezahlen oder Geld abheben mit Fremdwährung keine Gebühren anfallen, denn das kann über mehrere Monate schon ein bisschen ins Geld gehen.

Auch um eine Auslandskrankenversicherung habe ich mich vorher gekümmert.

Ankommen

Angereist sind wir mit dem Flugzeug. Vom Flughafen gibt es auch einen Shuttle Bus direkt in die Innenstadt, der auch nur um die 3€ kostet.

Dadurch, dass wir zu zweit waren, haben wir die ersten paar Tage alleine verbracht und uns die Stadt schon einmal etwas angeguckt, bis die Uni losgegangen ist. Einen Tag vor unserer Ankunft fand auch bereits ein Welcome Day mit der Koordinatorin statt, bei dem man die anderen Erasmus Studierenden schon kennenlernen konnte und einige Informationen bekommen hat. Leider hatten wir unsere Flüge schon gebucht, als wir diese Info bekommen haben, aber es war auch nicht so schlimm, die Veranstaltung zu verpassen. Kurz bevor die Uni losging, wurde von einigen Studentinnen der ELTE ein Orientation Day veranstaltet. Dort haben wir einige andere nette Mädels kennengelernt, mit denen wir auch viele Kurse zusammen hatten und mit denen wir die gesamte Zeit über viel unternommen haben. Auch in den Kursen an der Uni haben wir einige andere nette Leute kennengelernt. Und meistens ergibt es sich dann auch, dass man über die Menschen, die man bereits kennt, neue Menschen kennenlernt.

Es gibt auch eine Organisation (Erasmus Life Budapest - kurz ELB), die viele Partys und Ausflüge für Erasmus Studenten veranstaltet. Diese Veranstaltungen werden meistens auf Facebook veröffentlicht, was in Ungarn scheinbar noch viel intensiver benutzt wird als in Deutschland.

Das Studium

Das Studieren an der ELTE war im Vergleich zur EUF eher entspannt. Ich konnte mir fast alle Module, die ich im 5. Semester in Flensburg auf der Liste hatte, anrechnen lassen. Nur für eine Hausarbeit in Englisch habe ich das Modul an der EUF belegen müssen, aber auch das ging ohne Probleme während des Auslandssemesters. Außerdem hatte ich sogar Zeit, einen Kurs, der an der EUF (wegen Corona) online angeboten wurde, zu belegen. Es kann also auch funktionieren, das Studium im Ausland mit den Modulen an der EUF zu kombinieren.

An der ELTE hatte ich 5 Kurse, drei auf Englisch und zwei auf Deutsch, die alle unterschiedlich organisiert waren. Nur zwei fanden jede Woche für 1,5 Stunden statt, einer fand alle zwei Wochen für drei Stunden statt, die beiden anderen fanden nur einige Male statt und man sollte dafür dann etwas vorbereiten. Die Dozenten waren dabei alle sehr nett und entspannt.

Das Semester ging von Anfang September bis Anfang Dezember. Die Prüfungsphase ging offiziell bis Ende Januar, allerdings hatten wir in jeder Veranstaltung schon eine Prüfungsleistung während des Semesters, beispielsweise eine oder mehrere Präsentationen oder einen Essay schreiben.

Leben vor Ort

Ich habe wie oben bereits erwähnt gemeinsam mit einer Freundin in einer 2er-WG gewohnt. Diese befand sich auf der Pest-Seite von Budapest (östlich der Donau). Direkt in der Nähe hatten wir mehrere Einkaufsmöglichkeiten (Lidl, Rossmann, dm etc.) und ganz viele Restaurants und Cafés. Generell gibt es sehr viele Essensmöglichkeiten in ganz Budapest. Vor allem auf der Pest Seite findet man sehr viele Möglichkeiten zum Essen, Trinken, Feiern etc. Die Fakultät für Primary and Pre-School Education (TOK) liegt zwar auf der Buda Seite, also auf der anderen Seite der Donau und der Weg zur Uni hat immer so 45 Minuten gedauert, aber meistens hat man nicht so viel Uni und es ist auch ein schöner Ausblick, wenn man über eine der Brücken über die Donau fährt.

Die Preise für öffentliche Verkehrsmittel sind außerdem sehr gering. Als Student bekommt man ein Monatsticket für ganz Budapest für nur um die 10€. Auch weitere Strecken sind sehr günstig, wenn man Student ist. Ich habe beispielsweise für ein Ticket zum Balaton (ca. 2 Stunden Fahrt) nur etwa 4€ gezahlt. Daher bietet es sich sehr an, Ausflüge mit der Bahn zu machen, was immer ohne Probleme funktioniert hat. So haben wir Ausflüge zum Balaton gemacht, aber auch in Städte wie Eger, Szentendre, Esztergom in Ungarn, nach Novi Sad in Serbien, und auch nach Bratislava und Wien.

Die Preise im Supermarkt haben sich nicht so groß von denen in Deutschland unterschieden, aber in Restaurants und Bars war es wiederum viel günstiger als es in einer Großstadt in Deutschland der Fall ist.

Weitere Dinge, die wir unternommen haben, waren der Besuch in einem Escape Room, ein Weinfest auf der Burg oder auch ein International Food Day mit ein paar Freundinnen, bei denen jeder ein typisches Gericht aus seinem Land mitgebracht hat.

Fazit

Insgesamt bin ich sehr froh, dass ich mein Auslandssemester in Budapest verbracht habe. Es war schön, mal eine Ecke von Europa zu erkunden, in der ich noch nicht so oft war. Budapest ist auch eine sehr schöne Stadt, in der einem nie langweilig wird und in der man sich auch die Sehenswürdigkeiten immer wieder anschauen kann. Man könnte jeden Tag ein neues Café, Restaurant oder eine Bar ausprobieren und wäre am Ende des Semesters wahrscheinlich immer noch nicht fertig.

Außerdem war das Wetter wunderschön, im September war noch richtig Sommer und bis Ende Oktober konnte man an einer Hand abzählen, wie oft es geregnet hat. Allein das hebt die Laune ungemein! Im Herbst und Winter wurde es dann auch kalt, aber insgesamt war das Wetter auf jeden Fall besser als in Norddeutschland.

Bezüglich der Wohnung war nur möglich, diese bis einschließlich Januar zu mieten, da das Semester offiziell so lange geht. Ich war allerdings schon Mitte Dezember durch und bin dann kurz vor Weihnachten nach Hause geflogen. Einige andere sind Ende Dezember wieder zurück nach Budapest gekommen, um Silvester und den Januar noch dort zu verbringen.

Aufenthaltspauschalen FrSe2021

Aufenthaltspauschalen

Im FrSe2021 haben wir Aufenthaltspauschalen für einwöchige Exkursionen und zweiwöchige Summer Schools an unseren Partneruniversitäten in Dänemark, Finnland, Schweden und Ungarn ausgeschrieben. 

Hier können Sie sich mit din Berichten und Ergebnissen der Teilnehmenden bekannt machen. 

Berichte vom Seminar "The world into the school - the school into the world" (UC Syd & EUF)

Seminarergebnisse

Und so sah das Ergebnis der Gruppenarbeit im Seminar aus: https://padlet.com/kronefelddustin/xbwea2n9966nxrdc 

Berichte von Summer Schools

Erfahrungsberichte aus dem Ausland vor 2020

Erfahrungsberichte aus dem Ausland

Spanien – Gran Canaria

An der Universität in Las Palmas de Gran Canaria durfte ich während meines Auslandssemesters im Herbst 2019 studieren. In drei meiner vier Module war ich die einzige internationale Studentin, etwas ungewohnt so ganz alleine in einem Seminarraum zu sitzen und zu wissen, dass mich niemand auf meiner Muttersprache verstehen würde. Gerade zu Beginn des Semesters fiel es mir daher schwer mich mit meinen Mitstudierenden auszutauschen und mich wirklich zu integrieren. Umso schöner waren dann die Gruppenarbeiten und Präsentationen am Ende des Semesters. Hier konnte ich mich endlich einbringen und zeigen, wie sich mein Spanisch verbessert hat. Im Anschluss daran habe ich so viel positives Feedback von meinen Mitstudierenden erhalten. Definitiv war das das schönste Gefühl, mit dem ich mein Studium dort beendet habe. 

Aber auch neben dem Studium konnte ich viel Erleben und einzigartige Erfahrungen sammeln. Ich konnte neben Gran Canaria auch Teneriffa, Fuerteventura, La Palma und La Gomera kennenlernen. Jede Insel hat ihre ganz besonderen Eigenschaften und sehen so verschieden aus, dass man sich gar nicht vorstellen kann, dass sie so dicht beieinander liegen. Eine Erfahrung, die ich nie vergessen werde, war es am Strand unter freiem Himmel zu schlafen. Aber auch zu den höchsten Orten zu wandern und den Ausblick über die Inseln zu genießen, waren einige von vielen Highlights.

Alles in allem, kann ich es jedem empfehlen ins Ausland zu gehen. EineZeit, die man nie vergisst und aus der man für sich selber unheimlich viel mitnehmen kann.

Svenja

Finnland

Moi(n)! "Hallo" heißt auf Finnisch "Moi", als Flensburger*in ist man also ganz vorne mit dabei. Man könnte natürlich denken, dass die Pandemie ein denkbar schlechter Zeitpunkt für ein Auslandssemester war, das sehe ich aber tatsächlich anders. Auch so konnte ich viele tolle Eindrücke gewinnen. Viele wissen vermutlich nicht viel über dieses Land - außer dass das Bildungssystem gut ist -, das ging mir auch nicht anders. Tatsächlich hat das Land aber kulturell und landschaftlich unglaublich viel zu bieten.

Wohnen in Finnland ist als Student sehr unkompliziert, bei der TYS (Studentenwerk von Turku) findet man leicht einen Platz in den zahllosen modernen Wohnheimen - diese haben auch alle eine Sauna! Das Wohnheim in Varrissou, wo ich untergebracht war, lässt sich wohl am besten als "Party-Hochburg" beschreiben. Was zuerst vielleicht gut klingt kann beim Lernen sehr nervenaufreibend sein. Zum Glück gibt es in der Stadt Uni-Gebäude die ausschließlich zur Freiarbeit gedacht sind - mit allem vom Gruppenraum mit Beamer über den Ruheraum mit Sitzsäcken bis zur Studentenküche. Dort wird man vermutlich auch nicht wenig zeit verbringen, denn das Studium in Finnland ist deutlich verschulter mit mehr Aufgaben während des Semester - und anspruchsvoller als in Deutschland. Es gibt in der Stadt außerdem zahllose Mensen mit einer riesigen Auswahl. Diese sollte man auch nutzen, denn Einkaufen ist nicht gerade billig.

Neben dem Studieren lässt sich auch gut das Land Entdecken. Turku selbst ist schon eine Erkundung wert - auch den alte Vorort Naantali an der Küste sollte man gesehen haben. Helsinki ist mit dem Zug für wenig Geld in unter 2 Stunden erreicht. Das ultimative Erlebnis ist aber natürlich eine Reise nach Lappland im Winter. Langlaufen, Nordlichter beobachten (mit etwas Glück) und Rentierschlitten fahren sind alles Dinge, die man ohnehin mal gemacht haben sollte.

Ich bin froh, den Schritt nach Finnland gegangen zu sein und würde es jederzeit wieder machen - die eigene Sauna werde ich in Deutschland definitiv vermissen.

Brian

Vereinigtes Königreich – Cambridge

Schon als ich mein Studium begann wusste ich, dass ich ein Auslandssemester machen möchte. Daher ergriff ich meine Chance, als vom Teilstudiengang ev. Theologie ein neues Austauschprogramm mit dem "Westfield House" in Cambridge ins Leben gerufen wurde. Es stand noch in den Anfängen der Planung, doch nach meiner Zusage, wurde ich intensiv mit in die Planung einbezogen. Es folgten freundliche Gespräche mit den Leitenden und Dozierenden vom "Westfield House" bzgl. der Kurse, welche ich studieren möchte. Ev. Theologie studierte ich schließlich am "Westfield House" und an der "Faculty of Divinity" sowie Deutsch an der "Faculty of Modern and Medieval Languages and Linguistics".

Neben den Lektures, welche ich täglich besuchte, erhielt ich Supervisions. In den Supervisions erhält man die Möglichkeit, mit einem persönlich zugewiesenen Supervisor, im Einzelgespräch, die Kursinhalte zu reflektieren. Für jede Sitzung bereitet man dazu Essays im Umfang von ca. 3-5 Seiten, zu ausgewählten Unterthemen, vor. Durch das Schreiben der wöchentlichen Essays und der regelmäßigen Vor- und Nachbereitung, setzt man sich sehr intensiv mit den Lerninhalten auseinander und verbringt viel Zeit in den unzähligen wunderschönen Bibliotheken. Der Lernaufwand und die Anforderungen sind im Verhältnis zur EUF zwar sehr hoch, doch das ist es allemal wert!

Mein Leben in Cambridge war eine sehr bereichernde Zeit. Ich wohnte mit anderen Studierenden aus den USA in der "Luther Hall", direkt neben dem "Westfield House". Das Zimmer teilte ich mit einer Studentin aus Texas. Es gab mehrere Gemeinschaftsräume, wo immer jemand zum Reden war. In der Kennlernwoche unternahmen wir viele Ausflüge, z.B. nach Cromer, Bath und Stonehendge und lernten uns besser kennen. Schnell wuchsen wir zusammen und planten auch außerhalb des viele Aktivitäten und Reisen. Dadurch kam ich in dem Semester auch nach Irland und Portugal, was eine großartige Erfahrung gewesen ist. Allgemein war es eine sehr enge und intensive Zeit, da man immer von Leuten umgeben gewesen ist und gemeinsam die Kirche, Abendgottesdienste und House Tea besuchte.

Cambridge ist eine unglaublich schöne Stadt, die ich sehr vermisse. Die historische Stadt mit ihrer Architektur ist faszinierend. Es gibt viele Museen und bedeutsame Orte, welche es alle, in der viel zu kurzen Zeit, zu entdecken gilt. Dank meines Studierendenausweises war es mir möglich, alle Colleges (die Universität besteht aus über 30 Colleges!) zu besuchen und von innen zu sehen. Das war ziemlich cool!

Rückblickend bin ich mehr als froh, mich für das Auslandssemester in Cambridge entschieden zu haben. Auch wenn die Planung sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat, bin ich unbeschreiblich dankbar für die Erfahrungen und Erinnerungen, welche ich machen durfte. Sie werden mich auf meinem weiteren Lebensweg begleiten – so wie die ganz besonderen Menschen, welche ich dort kennenlernen durfte. Mit einem Lächeln kann ich sagen: Ich bin stolz den Mut gehabt zu haben, dass Auslandssemester die schönste Zeit meines Lebens werden zu lassen.

Mareike

Türkei – Istanbul

Ein unvergessliches Semester im Ausland in der Stadt Istanbul in der Türkei war die beste Entscheidung unseres Lebens. Man blüht dabei auf und lernt nicht nur das Land und die Kultur kennen, sondern erfährt über einzigartige Gefühle und Ansichten, wenn man wieder zurück ist. Wir lernten das wahre Leben als Bürger*in und Student*in und nicht als Urlauber*in in der Türkei kennen. Mit Menschen offenherzig über jegliche Themenfelder zu gesprochen, wo man sonst nie die Chance hätte. Viele Freundschaften sind entstanden, worüber wir sehr dankbar und froh sind, diese Menschen kennenlernen zu dürfen.

Istanbul, die Stadt die zwei Kontinente vereint, ist riesig und vielfältig, deswegen steht regelmäßig das nächste Abenteuer schon vor der Tür. Jeder Tag gestaltete sich zu einem einzigartigen Erlebnis in einer überragenden Metropole, die nie schläft. Es gibt zahlreiche Bars, Discos, Restaurants, Einkaufsstraßen, Einkaufszentren, Sehenswürdigkeiten, Museum, Galerien, Monumente etc.

Natürlich haben die  sechs Monate, die wir in Istanbul verbracht haben, zugegebenermaßen nicht gereicht, um alles zu besichtigen und zu unternehmen, was wir anfangs geplant hatten. Als entscheidenden Hinweis geben wir euch auf den Weg, dass ihr bei jeder Veranstaltung und Reise, die euch von Erasmus oder eure Universität angeboten wird. Ihr werdet es nie bereuen!

Durdu & Gübra

Chris in Mexiko

Hola y Moin

Mein Name ist Chris, ich habe im Jahr 2019 in Kolumbien gelebt und war am Ende meines Auslandssemesters einen Monat in Mexiko reisen. Damit diese Reise etwas spannender wird befragte ich verschiedene Leute zum Thema Auslandssemester und Interkulturalität. Ich habe alles mit Handycam improvisiert, daher nicht wundern wenn die Quali manchmal leidet. Die Gespräche sind zweisprachig, manchmal Spanisch manchmal auf Deutsch. Vielleicht bekommt ja jemand aus der Community Lust die Untertitel zu erstellen. Alles dauerte länger als erwartet, aber jetzt im Jahr 2021 sind die Videos da und ich glaube die Gespräche bringen spannende Einblicke in das Auslandssemester.

Bei Fragen oder Kommentaren könnt ihr mir immer gerne schreiben! Viel spaß mit der Serie.

11 Ciudad de Mexico // Chris

10 Xalapa // Arturo Teil 02

09 Xalapa // Arturo Teil 01

08 Puebla // Andy

07 Mexico City // Diego

07 Puebla // Sina Teil 02

06 Puebla // Sina

05 Ciudad de Mexico // Danghely

04 Puebla // Felix Teil 02

04 Puebla // Felix Teil 01

03 Valle // Lena

02 Mexiko Stadt // Felix und Manu Teil 2

01 Mexiko Stadt // Felix und Manu

Auslandsaufenthalt in Zeiten von Corona

Lina

"Ich möchte nicht unter Einschränkungen dort studieren. Wenn ich mich dort nicht frei bewegen kann, würde sich das nicht lohnen"

Annika

"Ausserdem war für mich wichtig, dass man die Möglichkeit hat durch das ERASMUS-Programm gefördert zu werden, was finanziell eine große Unterstützung ist"

Jule

"Ich hatte mich beworben und hatte eigentlich nur Vorfreude. ich hatte keine Ängste oder Sorgen, weil ich einfach nur positives gehört habe und einfach viele Freunde aus Kolumbien stammen oder dort studiert haben."

Jasmin

"Für mein Auslandssemester habe ich mir das so vorgestellt, dass ich ein gutes Gleichgewicht finde zwischen Locals und Internationals."

Lehramtsstudium in Deutschland & Schulunterricht in Paraguay - Eine Miniserie

Das bin ich:

Moin moin, ich bin Carolina und ich arbeitete als wissenschaftliche Hilfskraft
im Projekt Partners in Mobility im Jahr 2020. Ich habe 2015/16 im Rahmen eines FSJ
für ein Jahr an einer Schule in Paraguay gearbeitet. In einer
Blogpost-Miniserie berichte ich etwas über meine Erfahrungen, die ich in
der Zeit gesammelt habe. Wenn ihr neugierig seid, schaut auf unserem
Blog vorbei und verpasst keinen Beitrag!

Mein Auslandsjahr, mein Paraguay

Mein Name ist Carolina und ich habe an der Europa-Universität Flensburg Lehramt an Grundschulen studiert. Als ich das Bachelorstudium im Jahr 2015 abgeschlossen hatte, konnte ich mir jedoch nicht vorstellen, direkt im Anschluss mein Masterstudium zu beginnen. Ich wollte die Zeit dazwischen nutzen, um noch einmal nach draußen zu gehen und die Welt kennenzulernen – wenigstens einen Teil davon und am liebsten eben nicht nur ein Semester lang, sondern ein gesamtes Jahr. Da mein Großvater in Argentinien geboren ist und ein großer Teil meiner Familie dort lebt, wollte ich schon immer nach Südamerika. Das Land war mir so ziemlich egal – erst einmal vor Ort könnte ich immer noch herumreisen, habe ich mir gedacht.

Durch einen Bekannten habe ich von der Möglichkeit erfahren, einen Freiwilligendienst im Ausland zu machen. Er hat an dem sogenannten Weltwärts-Programm bereits nach dem Abitur teilgenommen  – da man sich jedoch ein Jahr im Voraus bewerben muss, war ich kurz vor den Abiturprüfungen, als er mir davon berichtet hat, schon zu spät dran. Das gesamte Studium über hatte ich deshalb den Plan, eben nach dem Bachelor ein Jahr einen Weltwärts-Freiwilligendienst zu absolvieren (die Aussicht darauf, nach der Bachelorarbeit erst einmal in die Welt rauszugehen, hat mir sehr gut gefallen). Der Weltwärts-Freiwilligendienst unterscheidet sich insofern von anderen Freiwilligendiensten, wie bspw. dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), dass es ein entwicklungspolitischer Freiwilligendienst ist (nähere Infos dazu findet ihr hier).

Schließlich habe ich mich bei der Organisation AFS interkulturelle Begegnungen beworben und konnte nach erfolgreichem Bewerbungsverfahren Länderwünsche angeben. Argentinien stand leider nicht zur Auswahl, weshalb ich mir die Weltkarte genommen und geschaut habe, welche Länder unmittelbar an Argentinien angrenzen: Chile, Bolivien, Paraguay, Uruguay und Brasilien. Von allen Ländern hatte ich schon mehr oder weniger viel gehört – einzig von Paraguay gar nichts. Ich weiß bis heute nicht genau, weshalb ich mich dann für Paraguay entschieden habe – kann aber rückblickend sagen, dass es eine der besten Entscheidungen war (auch, wenn ich natürlich nicht weiß, wie mein Jahr in einem anderen Land gewesen wäre).

Meinen Weltwärts-Freiwilligendienst habe ich mit AFS im Jahr 2015/16 in Paraguay in der Stadt Encarnación absolviert. Mein Hinflug liegt in diesem Sommer genau 5 Jahre zurück, eigentlich hatte ich geplant, im August wieder hinzufliegen. Daraus wird durch Corona leider erst einmal nichts – aber vielleicht ist das ein guter Moment, um das Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen und aus heutiger Perspektive, mit etwas Abstand, darauf zu blicken. Deshalb möchte ich mit euch gedanklich nach Paraguay reisen und berichten, wie ich das Jahr erlebt und welche Schlüsse ich gezogen habe. Im Fokus dessen stehen beispielsweise meine Sorgen und Erwartungen an das Jahr, mein Alltag, meine Arbeit in der Schule und das Zusammenleben in einer paraguayischen Gastfamilie, die heute meine Familie ist. In all diesen Erzählungen möchte ich vor allem ergründen, wie mich das als (zukünftige) Lehrerin beeinflusst (hat) und was ich dadurch für die Arbeit im Klassenzimmer und mich persönlich gelernt habe.

Vorschau: Im Blogpost 2/9 werde ich berichten, welche Sorgen, Erwartungen und Wünsche ich im Vorfeld des Auslandsjahres hatte und wie ich damit umgegangen bin. Außerdem erzähle ich, wie ich meinen Auslandsaufenthalt finanziert habe.

Ein Jahr im Ausland – entfernt von der Familie und Freund*innen klingt erst einmal spannend und abenteuerlich, aber kann auch Bedenken auslösen. Ich war zwar schon einmal zuvor in Südamerika, aber nur einige Woche zum Reisen und eben kein ganzes Jahr, um dort zu leben.

Das größte Hindernis hinsichtlich eines Auslandsaufenthaltes war für mich in erster Linie der finanzielle Aspekt. Allein die Flüge hin und zurück kosten schon einiges und dann muss ich mich vor Ort ja auch finanzieren. Viele junge Menschen machen deshalb, oft direkt nach dem Abi, ein Work-and-Travel-Jahr. Das ist praktisch – man verdient Geld und kann gleichzeitig neue Länder erkunden. Ich wollte aber für ein Jahr an einen Ort, zwar von dort aus herumreisen, aber eine feste Arbeitsstelle haben, sodass ich mir keine Sorgen machen müsste, wie ich in fünf oder sechs Wochen einen neuen Job finden würde.

Ein Freiwilligendienst im Ausland, bspw. im Rahmen des Weltwärts-Programms, ist da super – es ist möglich, sich bei verschiedenen Organisationen zu bewerben. Erhält man nach erfolgreichem Bewerbungsverfahren einen positiven Bescheid, muss man sich um praktisch nichts mehr kümmern. Die Organisation hat Partnerorganisationen in verschiedenen Ländern und sucht eine Einsatzstelle für die Freiwilligen. Darüber hinaus wird auch eine Bleibe vermittelt – bspw. in einer Wohngemeinschaft mit anderen Freiwilligen oder eine Gastfamilie. Nicht einmal die Flüge müssen selbst gebucht werden.

Was das Ganze kostet? Das ist von Organisation zu Organisation abhängig. In meinem Fall habe ich etwa 2000 Euro gezahlt. Das Geld habe ich teilweise im Laufe meines Studiums gespart oder durch Spenden zusammenbekommen. Hier empfiehlt es sich, Betriebe, Restaurants, Cafés vor Ort oder aber sogar größere Firmen zu kontaktieren, in einem Brief euer Vorhaben zu erklären und um eine Spende dafür zu bitten. Seid kreativ – dann springt bestimmt etwas dabei für euch heraus. Und wenn nicht, dann macht euch keine Sorgen – die meisten Organisationen funktionieren nach dem Solidarprinzip: Manche Freiwillige sammeln mehr Spenden und der Teil, der für deren Einsatzplatz nicht benötigt wird, steht dann wiederum anderen Freiwilligen zur Verfügung. Bei AFS ist das so: Die Spenden der einzelnen Freiwilligen werden in "einem Topf" gesammelt und von da aus von der Organisation verteilt. Da AFS eine gemeinnützige Organisation ist, die wiederum hauptsächlich von Ehrenamtlichen geleitet und getragen wird, müsst ihr auch keine Bedenken haben, dass die Gelder an "falscher Stelle" landen.

Neben den finanziellen Aspekten habe ich mir natürlich viele Gedanken darüber gemacht, wie ich mir das gesamte Jahr vorstelle. Besser ohne große Erwartungen ins Flugzeug steigen, habe ich mir gedacht. Aber ehrlicherweise macht man sich ja doch schon Vorstellungen im Vorfeld: Wie werde ich leben, werde ich mich in meiner Gastfamilie wohlfühlen und mit meinen Mit-Freiwilligen klarkommen, wir wird mein Arbeitsplatz aussehen, werde ich mein Zuhause in Deutschland sehr vermissen? Und wie werde ich überhaupt mit einer anderen Kultur und Sprache im Alltag zurechtkommen?

Sehr geholfen haben mir die Vorbereitungsseminare meiner Organisation. 2x 5 Tage haben wir mit anderen Freiwilligen Workshops gehabt und uns vor allem mit Interkulturalität beschäftigt. Hier war auch Raum für unsere Sorgen und wir konnten uns mit Teamer*innen austauschen, die bereits als Freiwillige im Ausland gewesen sind. Mir hat es sehr geholfen, zu erfahren, wie sie in dem Jahr mit verschiedenen Herausforderungen umgegangen sind und so habe ich auch wertvolles Handwerkszeug bekommen, dass mir bei Schwierigkeiten helfen konnte. Außerdem habe ich hier angefangen zu lernen, mich mit meiner eigenen Person, meiner Identität, meiner Kultur – kurz: Allem, das mich ausmacht, auseinanderzusetzen und dadurch auch mich selbst besser zu verstehen. Darüber möchte ich aber an späterer Stelle noch einmal genauer sprechen.

Vorschau: Eine Frage, die sich viele vor einem Auslandsaufenthalt stellen: Kann ich nur in ein Land gehen, wenn ich die Sprache spreche? Im Blogpost 3/9 (Part I) erzähle ich etwas von Vokabellisten im Papierkorb und wie Spanisch meine Herzenssprache geworden ist.

Nun möchte ich euch von meinen ersten Monaten in Paraguay berichten, davon, wie ich mich dort eingelebt habe. Bevor ich von meiner Gastfamilie (4/10), meinem Arbeitsplatz in der Schule (5/10) und meinen Freizeitaktivitäten (6/10) erzähle, beginne ich mit der ersten Sache, die mir in den Kopf kommt: Spanisch – die Sprache, die in dem Jahr meine Alltagssprache war.

Wenn ich an die ersten Monate zurückdenke, dann habe ich die vielen bunten Eindrücke im Kopf, die mich jeden Tag aufs Neue überrascht, mal begeistert, mal nachdenklich gemacht haben. Aber vor allem die Sprache spielt hier eine wichtige Rolle und nimmt in meinen Erinnerungen viel Platz ein. Werde ich heute gefragt, wie lange es gedauert hat, bis ich Spanisch "konnte", dann sage ich: Ich habe…

·         4 Wochen gebraucht, um die Basics gut verstehen zu können

·         etwa 3 Monate, bis ich mich selbst in Gesprächen mit anderen auch so ausdrücken konnte, wie ich wollte

·         etwa 6 Monate, um Gesprächen in größeren Gruppen gut folgen zu können und auch etwas zu sagen

·         aber erst am Ende des Jahres habe ich mich so richtig sicher und in der Sprache Zuhause gefühlt.

Das ist kein allgemeingültiger Maßstab, sondern eine Orientierung und soll keineswegs verunsichern oder suggerieren, dass man erst einmal ein Jahr in einem Land gelebt haben muss, um die Sprache sprechen zu können, denn: Ihr müsst, um in ein fremdes Land zu gehen und dort zu leben, eine Sprache vorher nicht perfekt beherrschen. Natürlich nicht (Das war bei mir ja auch nicht der Fall). Aber: Ihr werdet es sehr viel einfacher haben, wenn ihr die Basics zu Beginn könnt. Die Vokabeln und Sicherheit beim Sprechen ergeben sich dann.

Mein Tipp: Setzt euch vor allem in der Anfangszeit abends hin und überlegt euch, welche Wörter euch in Gesprächen mit anderen Personen an diesem Tag gefehlt haben, sucht sie im Wörterbuch und schreibt sie raus – am besten mit Stift und Papier. Dann bleibt es auch im Kopf und ihr seid für das nächste Gespräch vorbereitet! Wenn ihr mögt, hebt die Listen auf und schaut sie euch am Ende eures Auslandsaufenthaltes an – dann seht ihr, was ihr alles in der Zeit gelernt habt!

Funfact: Ich habe das so gemacht und es hat mir die ersten Wochen sehr geholfen. Ich habe oft nachgeschlagen und konnte mir die Wörter so besser merken. Aber irgendwann, den genauen Zeitpunkt kann ich nicht benennen, vielleicht nach dem ersten Monat, hat es mich sehr genervt, jeden Abend eine Vokabelliste zu schreiben. Ich habe sie deshalb irgendwo in den Tiefen meines Kleiderschranks versteckt und von da an auch aus meinem Kopf verbannt. Am Ende des Jahres habe

… Ich persönlich habe in dem Jahr zwei größere Hindernisse beim Sprachenlernen wahrgenommen:

·         Perfektionismus: Viele haben den Anspruch an sich selbst, die Sprache perfekt zu beherrschen, bevor sie sie auch sprechen. Aber wie soll das gehen, wenn man sie nie spricht? Allein vom Zuhören und Verstehen gelangt man mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht an den Punkt, die Sprache fließend zu sprechen. Deshalb: Nutzt jede Möglichkeit, um die neue Sprache zu sprechen. Ganz egal, wie holprig es sich manchmal noch anhört! Denn: Andere Menschen müssen ja auch nicht perfekt eure Sprache sprechen, damit ihr sie versteht. Oder?

·         Englisch: Die englische Sprache kann ein Hindernis beim Sprachenlernen sein, aber weshalb? Ganz einfach: Grundsätzlich kann man sagen, dass es beim Erlernen einer neuen Fremdsprache positive, erleichternde Effekte hat, wenn man bereits eine andere beherrscht. Was ich hier meine, ist aber etwas anderes. Englisch ist eine Weltsprache, was heißt, dass heute der Großteil der Menschen, vor allem der jüngeren Generationen, in der Lage ist, in dieser Sprache zu kommunizieren. Überall auf der Welt gibt es Englischunterricht in den Schulen, oft bereits in der Grundschule.

Als ich in Paraguay angekommen bin, war hingegen eine meiner ersten Beobachtungen: Hier spricht niemand Englisch. Weshalb auch? Die meisten Paraguayos und Paraguayas können aus finanziellen Gründen keine Fernreisen oder ähnliches machen, nach Paraguay wiederum verirren sich auch nur wenige Tourist*innen, die nicht aus Lateinamerika stammen. Die englische Sprache hat hier deshalb kaum Relevanz (nicht so, wie vergleichsweise in europäischen Ländern). Spanisch ist die Verständigungssprache des gesamten Kontinents, in Süd- und Zentralamerika. Daneben gibt es noch zahlreiche indigene Sprachen, die lokal oder regional gesprochen werden.

Am Anfang habe ich mich etwas überfordert gefühlt, konnte von einem auf den anderen Tag nur noch stark eingeschränkt kommunizieren (meine Spanischkenntnisse waren sehr basic). Aber mit der Zeit habe ich gelernt, es als Mehrwert zu sehen: Ich war "gezwungen", Spanisch zu sprechen. Wollte ich mich also mit Menschen unterhalten, musste ich Spanisch lernen, da ich auf keine andere Sprache ausweichen konnte. Oft ist es so, dass Englisch als gemeinsame Sprache dient. Und dann ist es natürlich der bequemste Weg, dabei zu bleiben. In meinem Fall war das aber keine Option und ich muss sagen, so anstrengend es auch zu Beginn war, umso mehr schätze ich es heute.

Funfact zu Paraguay: Offizielle Amtssprache ist hier nicht nur Spanisch, sondern auch Guaraní, eine indigene Sprache. Die meisten Paraguayos und Paraguayas wachsen zweisprachig auf, Guaraní wird jedoch trotzdem eher im ländlichen Raum als in der Stadt gesprochen. Auch, wenn das Schulgesetz vorschreibt, dass die Hälfte der Unterrichtszeit in der Schule auf Guaraní unterrichtet werden soll, sprechen vor allem Jüngere deutlich weniger die indigene Sprache in ihrem Alltag. Während des Jahres habe ich einige Wörter und Sätze gelernt. Da es aber eine gesprochene und keine geschriebene Sprache ist (die Schrift dazu wurde erst "nachträglich erfunden"), ist es mir sehr schwergefallen, die Wörter zu lernen. Nicht zuletzt, weil die Aussprache nicht die einfachste ist. Dennoch habe ich gemerkt, dass es die Menschen unheimlich gefreut hat, dass ich mich für ihre Sprache interessiere, weil es ein Teil ihrer Kultur ist, speziell der paraguayischen. Auf diese Weise ist es auch leichter gewesen, mit Menschen in ein Gespräch zu kommen. Guaraní ist bis heute etwas Einzigartiges für mich und ich liebe es, Menschen zuzuhören, die sich in der Sprache unterhalten. Außerdem gefällt mir die Wortmelodie mehr als bei jeder anderen Sprache.

Heute kann ich zudem sagen, dass Spanisch meine Herzenssprache geworden ist. Mit der Sprache verbinde ich unglaublich wunderbare Erinnerungen, Familie, Freunde und Freundinnen. Ich spreche auch heute noch regelmäßig im Alltag Spanisch – habe trotzdem manchmal Angst, dass ich die Sprache "verliere". Deshalb habe ich mein Handy auf Spanisch eingestellt, so ist die Sprache immer irgendwie da.

Und zuletzt: Sprachenlernen ist vor allem eins - LERNEN. Das Ganze geht also Schritt für Schritt, mal macht ihr größere Fortschritte, mal habt ihr vielleicht das Gefühl, dass ihr nur wenig dazulernt. So ist Lernen nun mal – es braucht Zeit. Und irgendwann blickt ihr zurück und könnt euch gar nicht mehr vorstellen, dass es mal eine Zeit gab, in der die neue Sprache eine fremde für euch war.

Vorschau: Wie ist das (Zusammen)Leben in einer Gastfamilie? Ist man wirklich nur zu Gast? Oder lebt man in einer Familie? Im Blogpost 4/9 werde ich von Weihnachtskalendern und abendlichen Gesprächen auf der Dachterrasse erzählen.

Ich hatte das Glück, während meines Jahres in einer Gastfamilie zu wohnen – genau genommen waren es drei. Obwohl das auch nicht ganz stimmt… zur Erklärung:

Meine Organisation AFS hat mir im Vorfeld eine Gastfamilie "vermittelt". Einige Wochen vor meinem Abflug habe ich bereits mit der Gastmutter und ihrer Tochter über Facebook kommuniziert. Ich war sehr nervös, wie es werden würde, mit ihnen zusammenzuwohnen. Zumal ich zuvor während meines Studiums alleine gelebt hatte und es gar nicht mehr gewohnt war, mit einer Familie zusammenzuwohnen.

Da die Familie in der ersten Woche nicht in der Stadt, sondern verreist war, habe ich die ersten Tage in einer sogenannten "Welcome-Family" verbracht. Diese hat mir die Stadt und meinen Arbeitsplatz gezeigt, mir bei langen Spaziergängen die ersten Wörter und Sätze Spanisch beigebracht. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt und war zugegebenermaßen ziemlich traurig, dass ich hier schon nach einer Woche wieder "wegmusste". In der zweiten, also meiner eigentlich "richtigen" Gastfamilie habe ich mich dagegen – long story short – nicht wohl gefühlt. Die Erklärung ist hier ganz einfach: Es hat einfach nicht gepasst. Menschen sind unterschiedlich und wir kommen eben nicht automatisch mit jedem und jeder gut klar. Darüber möchte ich an dieser Stelle gar nicht länger sprechen. Worüber ich jedoch sprechen möchte sind meine Bedenken, die ich damals hatte: Ich hatte ein unglaublich schlechtes Gewissen. Der Gastfamilie gegenüber, meiner Organisation gegenüber. Im Vorfeld hatte ich schon von verschiedenen Leuten gehört, die Schwierigkeiten mit ihrer Gastfamilie gehabt hatten. In meinem Kopf hatte ich dann immer die Vorstellung, dass die Personen oder Familien in einer Art und Weise "Schuld" daran, sich etwas "zu Schulden kommen lassen" hatten. In jedem Fall war ich der Überzeugung gewesen, dass sich so etwas sicherlich vermeiden ließe, man schon irgendwie mit einander auskäme.

Nach etwa zwei Monaten habe ich AFS dann aber doch gebeten, die Gastfamilie zu wechseln. Ich habe mich unwohl gefühlt und die Aussicht darauf, hier noch mein restliches Jahr zu verbringen, hat mich nicht glücklicher gemacht. Es hat dann etwa 4 Wochen gedauert, bis meine Organisation eine neue Gastfamilie gefunden hatte. In dieser ersten, für mich schwierigen Zeit, war ich viel bei meiner Welcome-Family. Dafür bin ich heute noch sehr dankbar, da sie mich sehr aufgefangen hat.

Nach drei Monaten bin ich dann in MEINE Gastfamilie gewechselt. Spreche ich heute über meine Gastfamilie, spreche ich über meine Familie. Vom ersten Tag an habe ich mich hier wohl gefühlt und mit allen gut verstanden: Mit meinen Gasteltern, meinen zwei Gastbrüdern und auch dem Rest – Tanten, Onkel, Cousinen & Cousins, Hunde, Katzen und sogar ein sprechender Papagei sind Teil der Familie.

Rückblickend kann ich sagen, dass ich mich keine Sekunde wie ein Gast gefühlt habe, sondern von Anfang an als Teil der Familie. Ich war bei allen Familienfeiern und anderen Festen dabei, wir sind gemeinsam durchs Land gereist und haben die Wochenenden zusammen verbracht.

In dem Jahr habe ich vor allem sehr viel mit meiner Gastmutter gesprochen – über das Leben und dieses und jenes. Dadurch habe ich nicht nur Spanisch gelernt, sondern unheimlich viel über die Welt und für mein eigenes Leben. Oft vermisse ich die Gespräche, die wir abends, wenn ich von der Arbeit nach Hause gekommen bin, hatten. Meine Gastmutter ist alles in allem, vor allem im Vergleich zu anderen Paraguayos und Paraguayas, die ich in dem Jahr kennengelernt habe, ein sehr offener Mensch, was heißt: Sie diskutiert und spricht gerne über alle möglichen Themen, auch, wenn Meinungen auseinander gehen. Das war tatsächlich des Öfteren der Fall. Da haben wir beide oft gemerkt, wie unterschiedlich unserer Kulturen und Generationen denken und handeln.

Sowohl zu meinen Gasteltern, als auch meinen Gastbrüdern habe ich eine sehr gute Beziehung – bis heute (dank WhatsApp ist das ja alles einfach). Nach dem Jahr in Paraguay hatte ich bisher zweimal die Möglichkeit, wieder zurückzukehren. Meine Gasteltern haben mich in Deutschland besucht, ebenso wie meine Gastbrüder. Mein jüngerer Gastbruder hat sogar ein Jahr lang in Deutschland gelebt und an einem Austauschprogramm teilgenommen. Er spricht fließend Deutsch – und seitdem verstehen wir uns noch besser. Das liegt aber nicht nur an der neuen, gemeinsamen Sprache, sondern vielmehr daran, dass er meine Lebenswelt kennt und ich seine. Ich habe bemerkt, dass wir so ein ganz anderes Verständnis voneinander und füreinander entwickelt haben. Ebenso war es mir sehr wichtig, dass meine paraguayische Familie mein Zuhause und meine Familie in Deutschland kennenlernt – und umgekehrt. Mein Bruder ist mit mir nach Paraguay gekommen, hat mit den Kindern auf meiner Arbeit Fußball gespielt und Orangen auf den Plantagen meiner Gastfamilie gepflückt.

Heute sprechen wir viel über Skype und schreiben bei WhatsApp, einmal im Jahr schicken wir uns Päckchen.  In der Weihnachtspost darf kein Adventskalender fehlen, denn diesen deutschen Brauch hat meine paraguayische Familie sehr lieben gelernt!

Vorschau: Schule in Paraguay - Wie sieht der Alltag aus, was ist anders, was ist möglicherweise wie in Deutschland? Wie lernen die Kinder im Klassenzimmer und wie unterrichten die Lehrkräfte? Im Blogpost 5/9 werde ich von einer Ente mit zwanzig Beinen, dem Singen der Nationalhymne und Fußballspielen bei 40 Grad erzählen.

Im Rahmen meines Freiwilligendienstes habe ich in meinem Jahr in Paraguay an einer Schule gearbeitet. Genau genommen war es keine Schule, aber auch kein Hort, eher irgendetwas dazwischen.Zur Erklärung: In Paraguay (und generell anderen lateinamerikanischen Ländern) gehen die Kinder und Jugendlichen nicht wie hier von morgens um 8 bis mittags um 13 Uhr zur Schule, sondern es gibt den sogenannten "turno mañana" (7 bis 11 Uhr) und "turno tarde" (13 bis 16 Uhr). In der Zeit, wenn die Kinder nicht in der Schule waren, waren sie bei uns, haben Unterstützung bei ihren Hausaufgaben bekommen und darüber hinaus Sport-, Kunst- und Musikaktivitäten gemacht.

Die Bildungseinrichtung wird durch eine Stiftung finanziert und ist vornehmlich für Kinder, deren Eltern kein Schulgeld aufbringen können, weshalb die Kinder mehrheitlich auf öffentliche Schulen gehen, deren Besuch kostenfrei ist. Hier ist Lehren und Lernen sehr anders als in den Privatschulen – heißt kurzum: Die Klassengröße beträgt nicht selten dreißig Schüler*innen und mehr, Schulbücher sind veraltet und nicht alle Kinder haben Schreib- und andere Arbeitsutensilien, wodurch die Bildungsqualität insgesamt leidet. Die Lehrkräfte, so kann man sich vorstellen, können den vielfältigen Bedürfnissen der Kinder im Unterricht nicht gerecht werden, da es oftmals an grundlegenden Dingen mangelt. Für mich war es eine ungewohnte Erfahrung, dass ein Kind keinen Stift oder Heft zum Arbeiten hat – sind das in Deutschland Ausnahmen, so ist es hier der Großteil der Kinder. In meinem eigenen Unterricht habe ich mich deshalb oft arbeitsunfähig gefühlt und musste neue Wege finden, zu unterrichten. Wir haben mehr zusammengearbeitet, an der Tafel, in Kleingruppen. Das ersetzt jedoch nicht die wichtigen Übungsphasen, in denen Kinder für sich arbeiten und üben können. Außerdem ist hier eine Differenzierung sehr viel schwerer.

Nachmittags habe ich zusätzlich Englischunterricht gegeben – in einer Privatschule. Hier sah die Welt ganz anders aus. Nur fünf Gehminuten entfernt waren die Klassenzimmer klimatisiert, alle Schüler*innen hatten Unterrichtsmaterialien bei sich und haben sogar an bilingualem Unterricht teilgenommen. Das gesamte Jahr über war es für mich sehr schwierig, diese Unterschiede zu sehen und zu erleben.

Eine Sache, die für mich etwas befremdlich war, war ein ganz bestimmtes Morgenritual in allen Schulen: Das Hissen der Nationalflagge und das Singen der Nationalhymne. Vor Unterrichtsbeginn haben sich die Schüler*innen morgens auf dem Schulhof versammelt, zwei Personen waren in der Regel dafür zuständig, die Flagge zu hissen und dann haben alle gemeinsam die Nationalhymne gesungen. Es gibt auch Schulen, die zusätzlich die Flagge der Provinz oder die Schulhymne singen. Da das in Deutschland nicht der Fall ist, war das neu für mich. Und meine Freunde wiederum finden es eigenartig, dass die Nationalhymne bei uns eigentlich nur vor Fußballspielen gesungen wird.

Der normale Tagesablauf hat bei uns um 7 Uhr begonnen – da kamen die ersten Kinder und haben in den Klassenzimmern oder auf dem Schulhof gespielt. Um 8 Uhr gab es Frühstück für alle und um 8.30 Uhr hat dann der Unterricht beziehungsweise die (Hausaufgaben)Betreuung begonnen. Die Kinder wurden dafür in drei Gruppen mit je einer Lehrerin aufgeteilt: Klasse 1-4, Klasse 5/6 und die Kindergarten-Gruppe.

In der ersten Zeit habe ich mich vor allem um die Kindergartenkinder gekümmert, wir haben viel Künstlerisches und Sport gemacht. Während die meisten jüngeren Kinder nach dem Mittagessen abgeholt wurde, war ein Junge jeden Tag bis zum Ende da. Wir haben oft mit Wasserfarben gemalt, sein Lieblingsmotiv waren Enten. Einmal hat er eine Ente mit 20 Beinen gemalt. Auf die Frage, weshalb sie 20 Beine hat, war seine – etwas irritierte – Antwort "Camina mucho!" ("Sie läuft viel!") – Das ist natürlich einleuchtend!

Mittagessen gab es immer um 12 Uhr. Da viele Kinder, die unsere Bildungseinrichtung besucht haben, zuhause nicht sehr viele Nahrungsmittel zur Verfügung haben, war diese Mahlzeit sehr wichtig für sie.

Nach dem Mittagessen hatten die Kinder die Möglichkeit, in die Hausaufgabenbetreuung zu gehen oder zu spielen. In der Zeit habe ich viel mit den Älteren Fußball gespielt. Das war vor allem im Sommer bei 40 Grad im Schatten ziemlich anstrengend und schweißtreibend. Was ich hierbei sehr bewundert habe: Jungen und Mädchen haben gemeinsam gespielt. Es gab nahezu immer gemischte Teams und das war auch völlig normal.

Um 15 Uhr wurden die Kinder dann von ihren Eltern abgeholt. Manches Mal hatte ich dann Feierabend, ab und zu habe ich danach noch Englischunterricht gegeben.

Vorschau: Was bedeuten meine Erfahrungen in Schulen im Ausland eigentlich für mich als Lehrerin? Was habe ich gelernt – über mich und andere? Im Blogpost 6/9 werde ich erzählen, wie sich mein Verständnis von Schule, von Lehren und Lernen, durch meinen Auslandsaufenthalt verändert hat.

Im letzten Blogpost habe ich schon berichtet, dass viele Dinge anders oder neu in den Schulen in Paraguay für mich waren.

Die Sache, die mich bis heute am meisten beschäftigt, ist die Ungleichheit innerhalb der Bevölkerung – was sich in den Schulen widerspiegelt. Die Teilung in private und öffentliche Schulen, die so unterschiedliche Lebens- und Lernwelten beherbergen, gibt es in Deutschland nicht. Dennoch, bei genauerer Betrachtung, sind auch hier die Bedingungen für die Kinder ungleich. In einem Klassenzimmer sitzen durchschnittlich zwanzig bis fünfundzwanzig Kinder oder Jugendliche, die alle aus unterschiedlichen Familien kommen. Und jedes Kind, jeder Jugendliche bringt somit verschiedene Voraussetzungen für die Schule mit.

In der Uni lernt man etwas darüber, spricht beispielsweise über Bourdieu, über das kulturelle Kapital und den Habitus. Erlebt man diese Illusion der Chancengleichheit (1971) jedoch in einem derart ausgeprägten Maße im realen Schulalltag, bleibt das im Kopf. Meiner Einschätzung nach bin ich durch meine Erfahrungen in den Schulen in Paraguay heute ganz anders dafür sensibilisiert, dass Schüler*innen eben unterschiedlich sind und nicht dieselben Chancen haben. Das führt im Weiteren dazu, dass ich mich intensiv damit auseinandersetze und verstärkt auf die unterschiedlichen Lebenssituationen der Kinder achte und für mich versuche herauszufinden, wie ich damit im Unterricht umgehen kann.

Zuvor war das nicht unbedingt in meinem Blickfeld, zumal ich selbst, was meine eigenen Bildungsmöglichkeiten betrifft, vergleichsweise privilegiert bin. So fällt es vermutlich noch einmal schwerer, sich in die Situation anderer hineinzuversetzen, denen es anders ergeht.

Doch nicht nur deshalb waren die Erfahrungen in Paraguay an den Schulen für mich sehr wertvoll – ich habe außerdem so viele unterschiedliche Lehrer*innenpersönlichkeiten, Lehr- und Lernansätze kennengelernt, die sich das ein ums andere Mal (kulturell bedingt) von dem mir aus Deutschland Geläufigen unterschieden. So kann ich heute für mich entscheiden, welche Dinge ich selbst für meinen eigenen Unterricht übernehme – und welche nicht. Das ist in Deutschland bei jedem Praktikum, jedem Einsatz in der Schule auch so – aber eben nicht in solch einer Bandbreite.

Erfahrungen als Lehrer*in im Ausland sind für mich inzwischen ein nicht wegzudenkender Bestandteil meiner Ausbildung. Nicht zuletzt, weil ich mir so auch Gedanken über das Gesamtkonzept Schule gemacht habe und immer noch mache. Wie und was lernen Kinder und Jugendliche eigentlich in der Schule? Wie kann Lernen reformiert werden? Wie kann Lernen anders aussehen? Weshalb wird in unseren Schulen in der einen Form gelernt – und in anderen Ländern anders? So liegt der Fokus meiner Gedanken vor allem auf der Person der Lehrerin und des Lehrers – und dem Gestaltungsspielraum, den diese haben, wenn sie Kinder und Jugendliche unterrichten. Dessen war ich mir vorher noch nicht bewusst. Insbesondere angehenden Lehrer*innen kann ich daher raten, jede Möglichkeit zu nutzen, die sich bietet, um verschiedene Schulen kennenzulernen – nicht nur in Deutschland.

Vorschau: Freund*innen und Sportverein sind in Deutschland geblieben – was tun in meiner Freizeit? Im Blogpost 7/9 werde ich vom Häuserbauen und Handballspielen erzählen.

In Paraguay angekommen war ich das erste Mal nach langer Zeit in der Situation, dass ich weder meine Familie noch meine Freund*innen um mich hatte – und das auch noch länger nicht haben würde. Zwar habe ich ja bei einer Gastfamilie gelebt (dazu siehe Blogpost 4/9), aber dadurch hatte ich nicht automatisch viele neue Freund*innen. Denn auch, wenn meine Gastfamilie und ich ein sehr enges Verhältnis zueinander hatten, wollte ich auch "außerhalb" Freund*innen haben. Meine Kolleginnen in der Schule, an der ich gearbeitet habe, waren alle um einiges älter – also auch kein Ort, um neue Freund*innen zu finden.

Sehr geholfen haben mir dann ein Handballverein und die NGO TECHO.

Meinen Sportverein von zu Hause hatte ich ohnehin vermisst (wegen des Sports und natürlich auch wegen der wunderbaren Menschen) und ich konnte mir nicht vorstellen, das gesamte Jahr über nur alleine Sport zu machen. So bin ich etwa zweimal die Woche zum Handballtraining gegangen und muss sagen, dass Sport für mich persönlich die entspannteste Möglichkeit war und ist, neue Menschen kennenzulernen – und nicht zuletzt ist es auch mit die einfachste, weil hier der Sport als gemeinsame Sprache genutzt werden kann. Der Sport hat mir außerdem Sicherheit gegeben, war an sich nichts Neues für mich. Das hat auch sehr geholfen!

Außerdem habe ich einen großen Teil meiner Freizeit bei der NGO TECHO verbracht. Diese hat sich 1997 in Chile gegründet und das Ziel, Armut und Ungleichheit in Lateinamerika zu bekämpfen. Vor allem junge Freiwillige, in der Mehrheit Studierende, aber auch Schüler*innen, engagieren sich hier. TECHO setzt sich dafür ein, die Infrastruktur in informellen Siedlungen aufzubauen, indem bspw. Übergangsbehausungen gebaut, Bildungs- und berufsqualifizierende Maßnahmen durchgeführt werden.

Das Engagement bei TECHO hat mir nicht nur zahlreiche Einblicke in die entwicklungspolitische Arbeit ermöglicht, sondern darüber hinaus viele neue Freundschaften beschert. Insbesondere an den Wochenenden habe ich viel Zeit mit den Freiwilligen von TECHO verbracht und wir haben unterschiedliche Projekte in den Siedlungen umgesetzt. Dadurch habe ich enorm viel gelernt – vornehmlich über die Lebensrealitäten anderer Menschen und nicht zuletzt über mich selbst.

Jedem und jeder, der/die in Lateinamerika unterwegs ist, kann ich es nur ans Herz legen, TECHO kennenzulernen. Hier macht ihr wertvolle Erfahrungen, die euch immer weiter begleiten werden – versprochen!

Also, sucht euch Menschen, die die gleichen Leidenschaften haben wie ihr – die findet ihr an jedem Ort dieser Welt, davon bin ich überzeugt. Und so findet ihr auch ganz einfach neue Freund*innen!

Vorschau: Das Jahr neigt sich dem Ende zu – der Rückflug nach Deutschland ist gebucht! Im Blogpost 8/9 werde ich von gemischten Gefühlen und meiner Rückkehrzeit berichten!

Die Zeit nach einem längeren Auslandsaufenthalt empfindet wohl jede Person anders. Manche sind vielleicht einfach froh, wieder bei Familie und Freunden Zuhause zu sein – andere wären gerne länger geblieben.

Da die Rückkehr-Erfahrungen individuell sind, kann ich deshalb an dieser Stelle nur für mich sprechen und erzählen, wie es bei mir war.

Gegen Ende meines Jahres in Paraguay war ich sehr traurig, dass die Zeit nun zu Ende gehen sollte – die letzten zwei Wochen habe ich dann aber auf einmal auch gemerkt, dass ich mich sehr auf mein Zuhause in Deutschland gefreut habe. Ich habe mich auf Familie und Freund*innen gefreut, meinen Sportverein und sogar, dann im Master weiter zu studieren.

Zwar musste ich mich etwas eingewöhnen, mein Alltag war in Paraguay doch sehr anders gewesen, aber das ist mir nicht so schwergefallen. Geholfen haben mir dabei im Besonderen die Rückkehrer*innenseminare von AFS. Hier haben wir ein fünftägiges Nachbereitungsseminar mit unserer Gruppe, also allen Freiwilligen, die in Paraguay waren, gehabt.

Im Mittelpunkt der Workshops stand hauptsächlich, die Erfahrungen aus dem Jahr zu reflektieren und sich mit der eigenen Person auseinanderzusetzen. Beides keine leichten Sachen, so erfordern sie viel Kraft und sind nicht immer unbedingt angenehm.

Ich muss sagen, dass es mir sehr geholfen hat, mit anderen über meine Erfahrungen zu sprechen, mich auszutauschen und unterschiedliche Blickwinkel kennenzulernen. Sprechen hilft ungemein, um die Gedanken zu ordnen – mir jedenfalls. Das habe ich vor allem drei Jahre später gemerkt, als ich wieder einige Monate in Südamerika unterwegs gewesen war, nach Hause gekommen bin und dann kein Nachbereitungsseminar oder ähnliches hatte, auf dem ich meine Eindrücke verarbeiten konnte. Deshalb kann ich nur empfehlen, sich Leute zu suchen, mit denen man sprechen kann, um Dinge loszuwerden, die einem begegnet sind.

Während das natürlich auch für den normalen Alltag gilt, ist es meiner Meinung nach insbesondere nach längeren Reisen und Auslandsaufenthalten wichtig, weil man hier sehr besondere Erfahrungen macht, weit weg von Zuhause und dem Gewohnten. Umso schwieriger macht es das Ordnen der Gedanken und Eindrücke, weil es vorkommen kann, dass man sich nicht verstanden fühlt. Spricht man mit Menschen, die diese Erfahrungen selbst noch nicht in ähnlicher Form gemacht haben, kann ein Austausch sehr schwierig sein. Empfehlenswert ist es, bspw. mit anderen Studierenden zu sprechen, die im Ausland waren – oder mit Auslandsstudierenden, die derzeit im eigenen Land, in der eigenen Stadt sind.

Euch fällt da auf Anhieb niemand ein? Dann schaut doch mal bei den English Game Nights in der Rotunde (immer mittwochs ab 20 Uhr, den Events von LEI und International Center und den internationalen Events der Stadt vorbei. Oder schreibt uns und wir schlagen euch das passende Angebot vor!

Vorschau: Fünf Jahre sind vergangen – was bleibt? Im Blogpost 9/9 werde ich davon berichten, wie es ist, an Lieblingsorte zurückzukehren – oder auch nicht. und davon, ob die Welt für mich nun größer oder kleiner geworden ist.

Mein Trainer hat einmal gesagt, dass man immer Zeit verstreichen lassen sollte, um Dinge zu beurteilen. Damit meinte er nicht die kleinen Dinge im Alltag, sondern die Großen, die wir leben und erleben. In diesem Sommer sind fünf Jahre verstrichen. Vor fünf Jahren bin ich nach Paraguay geflogen, seither dann und wann zurückgekehrt und es hat sich vieles verändert.

Das Bedeutendste für meine Person ist, denke ich, dass sich die Welt für mich ungemein vergrößert hat. Paradoxerweise habe ich das Gefühl, die Welt besser zu kennen – und gleichzeitig fühle ich mich noch viel kleiner, weil ich weiß, dass es da draußen so vieles gibt, das ich noch nicht kenne.

Funfact: Ich habe viele Orte besucht, an die ich auch nach dem Jahr zurückgekehrt bin. An manche Orte bin ich aber auch nicht zurückgekehrt, weil die Erlebnisse dort einzigartig waren. Dazu gehört bspw. eine Wanderung durch die Anden mit einer Gruppe, die ich durch Zufall auf der Reise kennengelernt habe. Gewissermaßen machen die Menschen auch diesen wunderbaren Ort für mich aus, weshalb ich dorthin nicht alleine zurückkehren möchte.

Ich hatte das Glück, viele viele Menschen kennengelernt zu haben und somit deren Leben, deren Sichtweisen auf die Welt. Ich habe gelernt, dass man die Welt aus unendlich vielen verschiedenen Perspektiven betrachten kann.

Ins Ausland zu gehen bedeutet nicht nur, das Unbekannte zu entdecken. Es bedeutet auch, das Eigene besser begreifen und verstehen zu lernen.

Heute bin ich überglücklich und froh, dass ich mich 2015 entschieden habe, für ein Jahr in Paraguay zu leben. All das, was ich in dem Jahr gelernt habe, beeinflusst mein Leben bis heute und wird es wohl auch noch in Zukunft.

Am Ende des Tages muss jede*r für sich selbst entscheiden, ob er oder sie ins Ausland gehen möchte. Auslandsaufenthalte passen bei jedem Menschen anders in die Lebensplanung.

In jedem Fall möchte ich euch dazu ermutigen, diesen Schritt zugehen – Denn hier gibt es vielfältige Möglichkeiten und es sollte für jede*n etwas dabei sein: Allein die Europa-Universität Flensburg hält unterschiedliche, flexible Mobilitätsangebote bereit. Es ist eure Entscheidung, ob ihr nur eine kurze Zeit, ein paar Wochen, Monate oder sogar für längere Zeit ins Ausland möchtet. Da das nicht ausschließlich eine Frage der Lust und Laune sowie Organisation ist, sondern auch immer des Geldes, möchte ich an dieser Stelle auf eine Stipendien-Möglichkeiten [10402] aufmerksam machen.

An dieser Stelle endet die Miniserie – Schreibt uns gerne, falls ihr Fragen habt oder Unterstützung benötigt. Wir freuen uns, mit euch gemeinsam einen Mobilitätspfad zu finden, der zu euch und eurem Leben passt und euch tolle Auslandserfahrungen ermöglicht!

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