Lucas Kuster: Zukunftsbilder

Design ist omnipräsent und in seinen Potentialen so unbestreitbar wie begrifflich unscharf. Alles wird irgendwie designt – um besser zu funktionieren, höheren Profit zu generieren, Prozesse zu optimieren oder Fingernägel aufzuhübschen. Doch neben der Funktion als Werkzeug konsumistisch bzw. marktwirtschaftlich geprägter Belange, dringt Design zunehmend in soziale, kulturelle, politische und ökologische Bereiche ein.

In Anbetracht der bedenklichen sozial-ökologischen Lage der Welt – vergleichen wir etwa die Dissonanzen zwischen den Zielen für nachhaltige Entwicklung, den teils bereits überschrittenen Planetaren Grenzen und den unzureichenden Umsetzungen daraus entstehender Handlungsnotwendigkeiten – muss über Zukunft nachgedacht werden. Zudem führt die Entwicklung des erstarkenden Rechtspopulismus in Europa zu einer Entfernung von demokratischen, offenen und pluralistischen Idealen und immer dringlicher stellt sich die Frage: Wie und in welcher Zukunft wollen wir als Gesellschaft leben? Um sich dieser Frage zu nähern, bedarf es vor allem demokratischer Aushandlungsprozesse (Prozesse, die gemeinschaftliches Arbeiten am "Wie" zulassen und das "Wir" als gemeinsames Gut der Offenheit, Kollektivität und nicht der Exklusivität begreifen) in denen Wege zu (un)möglichen Zukünften verhandelt werden können. Grundlage dafür können designerische Angebote sein, die (nicht) wünschenswerte zukünftige Entwicklungen erfahrbar werden lassen, vermeintliche Normalitäten zu hinterfragen wagen und/oder Teilhabe- und Selbstermächtigungsprozesse begünstigen. Auch konkrete Artefakte, Handlungsvorschläge- oder empfehlungen können fruchtbare Diskussionsgrundlage sein, emanzipatorisch wirken und als Inspirationsquelle das Imaginationsvermögen bereichern.

Diese Arbeit widmet sich dem Versuch der Untersuchung und designpraktischen Umsetzung möglicher Strategien zur Bereicherung und Weiterführung des Diskurses um wünschenswerte oder zu vermeidende Zukünfte. Die Designforschungsfrage lautet: Wie kann Design soziale und ökologische Herausforderungen, sowie deren Verhandlung durch ästhetische Eingriffe, Artefakte oder Strategien, anschluss- und zukunftsfähig transformieren?

Im Kontext der Zusammenarbeit mit der FUTURZWEI. Stiftung Zukunftsfähigkeit, besteht die Möglichkeit, diese Frage im Rahmen des Projektes Zukunftsbilder zu erproben. Hier wurden in einem ersten Teil fast deutschlandweit Interviews mit jungen Menschen geführt, um herauszufinden welche Zukunftsträume, -wünsche, -visionen und auch -ängste sie beschäftigen. Die durch diese Erhebungen generierten Datensätze eröffnen eine realweltliche Materialgrundlage, welche in diesem praxisbasierten Promotionsprojekt als Ausgangspunkt einer Forschung durch Design dienen wird.

In einfacher Sprache:

Design steht nicht nur für die Gestaltung von Produkten. Auch im Kulturellen, Sozialen, Politischen, Ökologischen … kommt Design immer mehr vor. Wenn es um die Frage geht, wie die Zukunft aussehen kann, wird es besonders spannend. Denn in was für einer Zukunft wollen wir / willst Du eigentlich leben? Was müsste sich dafür ändern? Und was müsste bleiben wie es ist? Es ist wichtig mit anderen darüber zu sprechen und gemeinsam zu überlegen, wie die Zukunft aussehen könnte. Das Nachdenken über Zukunft ist jedoch schwierig. Das Sprechen über Zukunft auch. Design kann dabei unterstützen, zum Nachdenken oder Ausprobieren einladen. Es geht trotzdem nicht sofort um Lösungen, sondern ums Experimentieren, Ausprobieren und auch Scheitern ist erlaubt. Ich versuche Design dafür einzusetzen, handfeste und sinnlich erfahrbare Beispiele möglicher Zukünfte anzubieten. So sollen Grundlagen für Veränderungen entstehen und Probleme zu Chancen werden. Und es soll Spaß machen über die Zukunft nachzudenken. Das Projekt Zukunftsbilder der FUTURZWEI. Stiftung Zukunftsfähigkeit bietet hierfür einen Rahmen.

(Un)sichtbares:
Wie werden Zukunftsfähigkeit und Handlungsbedarf erzeugende Voraussetzungen eigentlich sexy?
Und wann werden Zukünfte geil?