Schlussbericht aus dem Projekt GIVUN veröffentlicht


"Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl." – so steht es in der Bayerischen Verfassung. Die Realität zeigt vielerorts ein anderes Bild: Profitstreben und Verpflichtungen gegenüber den Anteilseignern dominieren unternehmerisches Handeln; Mitarbeitende, Zulieferbetriebe, Klima und Umwelt stehen häufig hintenan. Einer aktueller Ansatz, der radikal versucht, das wirtschaftlichen Handeln stärker mit den demokratischen Grundwerten sowie den sozialen und ökologischen Zielsetzungen der westlichen Gegenwartsgesellschaften in Einklang zu bringen, ist das Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ). Ihr Kerngedanke ist, dass der monetäre Gewinn nicht länger der Zweck des unternehmerischen Handelns sein soll, sondern lediglich ein Mittel, um den eigentlichen Zweck zu erreichen: einen größtmöglichen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten.

Ziel des Forschungsvorhabens "Gemeinwohl-Ökonomie im Vergleich unternehmerischer Nachhaltigkeitsstrategien" (GIVUN; Laufzeit: März 2015 - Februar 2018) war die historische und wirtschaftsethische Kontextualisierung sowie die empirische Erforschung gemeinwohlorientierten Wirtschaftens. Dazu erfolgte eine Evaluation des Konzeptes der GWÖ und anderer einschlägiger CSR-Instrumente in Hinblick auf ihr transformatives Potenzial für die Ausrichtung der Unternehmenspraxis an den Zielen der Nachhaltigkeit. Im Zentrum des Forschungsvorhabens stand die Untersuchung der Wirkungen einer betrieblichen Gemeinwohlorientierung auf die konkreten Arbeits- und Produktionsbedingungen (insbesondere in Hinblick auf ökologische Effekte) sowie die Exploration der Skalierungs- und Diffusionsbedingungen der GWÖ für große Unternehmen.

Das Projekt wurde von Prof. Dr. Harald Welzer und Dr. Bernd Sommer in Kooperation mit Prof. Dr. Ludger Heidbrink, Lehrstuhl für Praktische Philosophie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, geleitet. Während in Kiel ein systematischer Vergleich der GWÖ mit historischen und gegenwärtigen Gemeinwohl- und Nachhaltigkeitsstrategien erarbeitet wurde, verantwortete das NEC den empirischen Teil der Forschung: Praxispartner wie der Outdoor-Ausstatter VAUDE, die Druckerei Oktoberdruck, die demeter-Brotbäckerei Märkisches Landbrot und der Anbieter für Öko-Tiefkühlkost Ökofrost wurden dafür in qualitativen Interviews zu ihren Gemeinwohl-Anstrengungen befragt. Gemeinsam mit Großunternehmen wie dm-drogerie markt und OTTO Group erarbeitete das Forschungsteam mithilfe eines Backcasting-Verfahrens mögliche und machbare Wege in Richtung einer verstärkten Gemeinwohlorientierung.

Den vollständigen Abschlussbericht aus dem Projekt GIVUN können Sie hier herunterladen:

Heidbrink, Ludger/Kny, Josefa/Köhne, Ralf/Sommer, Bernd/Stumpf, Klara/Welzer, Harald/Wiefek, Jasmin (2018): Schlussbericht für das Verbundprojekt Gemeinwohl-Ökonomie im Vergleich unternehmerischer Nachhaltigkeitsstrategien (GIVUN). Flensburg & Kiel.