Wie wird weniger genug? Stadt. Gestaltung. Suffizienz. ________________________________________ ________________________________________ 24. Oktober - 4. November 2020

Wie wird weniger genug? Stadt. Gestaltung. Suffizienz.

Digitale Veranstaltungsreihe zum Abschluss des transdisziplinären Forschungsprojektes Entwicklungschancen und -hemmnisse einer suffizienzorientierten Stadtentwicklung (EHSS)

28. Oktober - 4. November 2020

Viele Städte sind unter Druck, denn Flächen werden knapp. Der Wohnflächenbedarf steigt kontinuierlich, jedes Jahr werden mehr und immer größere Autos zugelassen, gleichzeitig sollen Nachhaltigkeitsziele erreicht und Ressourcen in Städten geschont werden. Städte sollen lebendig und lebenswert sein – und resilient werden gegenüber den Folgen des Klimawandels und anderer gravierender Umweltveränderungen. Angesichts wachsender Flächenkonkurrenz stehen Kommunen vor der Herausforderung, Interessen gegeneinander abzuwägen, Konflikte zu moderieren und Lösungen anzubieten.

Im transdisziplinären Forschungs- und Entwicklungsvorhaben "Entwicklungschancen und –hemmnisse suffizienzorientierter Stadtentwicklung" (EHSS), haben Mitarbeiter*innen der Stadt Flensburg und des Norbert Elias Centers der Europa-Universität Flensburg über drei Jahre hinweg untersucht, was ressourcenschonende kommunale Flächenpolitik befördert und was sie behindert. Analysiert wurde wie Stadtgestaltung in der Praxis gelingt, die auf eine Deckelung des Flächenverbrauchs durch soziale Innovationen setzt. Das heißt, auf Infrastrukturveränderungen, die darauf abzielen, den Einwohnerinnen und Einwohnern eine nachhaltige Lebensweise zu ermöglichen und die dabei nicht auf Wachstum oder technische Neuerungen setzen. Die Ergebnisse der Untersuchung werden in sechs Online-Veranstaltungen vor- und zur Diskussion gestellt. Ein Stadtrundgang zum Thema "Suffizient Leben in Flensburg" komplettiert das Programm.

       

Mittwoch, 28. Oktober - Weniger ist schwer (16-17.15 Uhr)

Vorträge und Kommentare

Weniger ist schwer.

Von gestern? Kommunale Suffizienzpolitik

Kommunale Suffizienzpolitik – das klingt komplizierter, als es ist. Gemeint ist damit, die städtische Infrastruktur so zu gestalten, dass nachhaltiges Leben nicht nur möglich, sondern einfach wird. Mit Suffizienzmaßnahmen kann jede Kommune sofort beginnen. Sie bedürfen keiner teuren Technik oder großer Investitionen. Es genügt, die bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen zu nutzen. Allein: Suffizienz stellt den Zwang zu wachsen in Frage. Und das ist ein Problem.

Vortrag: DR. MICHAELA CHRIST, NEC

Kommunale Ressourcen zwischen ökologischer Notwendigkeit, 
Verteilungsgerechtigkeit und Freiheitsrechten

Mit steigendem Wohlstand haben sich auf der Grundlage einer wachstumsorientierten Wirtschafts- und Sozialordnung kulturelle Leitbilder und persönliche Lebensstile herausgebildet, die mit kontinuierlich wachsenden und individualisierten Ansprüchen verknüpft sind und durch wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen abgesichert werden. Das steigende Anforderungsprofil und wachsende Finanzbedarfe treiben Kommunen zu einer expansiven Siedlungspolitik. Wenn aber Wachstum vor dem Hintergrund zunehmender sozial-ökologischer Krisen keine Option mehr darstellt, welche Handlungsspielräume haben Kommunen dann?

Vortrag: ALEXANDRA KNAK und HENNING BRÜGGEMANN, STADT FLENSBURG

Kommentare: MAX KÜNNEMANN, WISSENSCHAFTLICHER MITARBEITER IM DEZERNAT FINANZEN DER STADT KÖLN und DR. FRANK BETKER, DLR-PROJEKTTRÄGER SOZIAL-ÖKOLOGISCHE FORSCHUNG

Zugang zum Vortragsraum (Link, Passwort: EHSS)

Donnerstag, 29. Oktober - Suffizienzpolitik in der Praxis. Umkämpfte Räume (16-17.15 Uhr)

Zwei Vorträge mit Diskussion

"Stimmt das jetzt was der sagt, oder verbrennt der nur Geld?"

Von Verlustängsten und Ressourcenkonflikten.
Suffizienzorientierte Stadtgestaltung als kommunales Konfliktfeld

Einmal realisiert, erscheinen Suffizienzmaßnahmen als Projekte, die geradlinig und spannungsfrei entstanden sind, denn sie erhalten oft Zustimmung von vielen Seiten. Doch der Schein trügt. In der Regel ist die Umsetzung flächenschonender Stadtentwicklungsmaßnahmen eine konfliktreiche Angelegenheit. Es gilt viele Widerstände und Hindernisse zu überwinden. Die Suffizienzmaßnahmen aus verschiedenen deutschen Städten, von denen in diesem Vortrag die Rede ist, unterscheiden sich deutlich voneinander. Die Konflikte, die sich im Lauf ihrer Entstehung zeigen hingegen, sind überall dieselben: Es geht um die Verteilung von Ressourcen, den Zugang zum städtischen Raum, um Verlustängste und um die Frage, wie viel wovon für ein gutes Leben in der Stadt notwendig ist.

Vortrag: JONAS LAGE UND MAIKE BÖCKER, NEC

Verdichtung braucht Freiraum

Qualitätsvolle Freiräume in kompakten Quartieren

Vorrangige Innenentwicklung und die Entwicklung kompakter urbaner Quartiere sind städtebauliche Strategien, um den Flächenfraß zu reduzieren. Damit Innenentwicklung gelingen kann und innerstädtische Quartiere eine attraktive Alternative für das Wohnen auf der grünen Wiese darstellen, spielen qualitätsvolle Freiräume eine wesentliche Rolle. Der Vortrag skizziert die notwendigen Quantitäten und Qualitäten, die Freiräume haben müssen, um gutes Leben in einer kompakten Stadt zu gewährleisten. Er schildert ferner Verfahren und Beteiligungsprozesse, um Freiräume zu schaffen, zu sichern und zu ertüchtigen.

Vortrag: KAI STEFFEN, STADT FLENSBURG, ABTEILUNG STRATEGISCHE PROJEKTE, VERKEHR UND UMWELT und THOMAS DAU-ECKERT, STADT FLENSBURG, KINDER-UND JUGENDBÜRO

Zugang zum Vortragsraum (Link, Passwort: EHSS)

Freitag, 30. Oktober - Weniger Verbrauch durch mehr Beteiligung? (16-17.15 Uhr)

Vortrag und Kommentar

Weniger Verbrauch durch mehr Beteiligung?

Kein größeres Projekt der Stadtentwicklung kommt heute ohne eine angemessene Beteiligung der Einwohner*innen aus. Dies gilt im besonderen Maße für Infrastrukturmaßnahmen, die der Suffizienzstrategie folgen, da hier Fragen der (Neu-) Verteilung des öffentlichen Raums im Mittelpunkt stehen. Auch das Reallabor des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens EHSS zur suffizienzorientierten Entwicklung des Flensburger Hafen Ost beinhaltete verschiedene Beteiligungsangebote. Zusammen mit der Fachbereichsleiterin Stadtentwicklung und Klimaschutz der Stadt Flensburg, Claudia Takla Zehrfeld, sowie der Partizipationsexpertin Christina Benighaus reflektiert Bernd Sommer die Erfahrungen aus dem Flensburger Reallabor und erörtert anhand dieses Beispiels die grundsätzliche Frage nach dem Zusammenhang von Stadtentwicklung, Nachhaltigkeit und Beteiligung.

Vortrag: DR. BERND SOMMER, NEC

Kommentar & Diskussion: CHRISTINA BENIGHAUS, DIALOGIK und
CLAUDIA TAKLA-ZEHRFELD, STADT FLENSBURG

Zugang zum Vortragsraum (Link, Passwort: EHSS)

Samstag, 31. Oktober - Flensburg, eine nachhaltige Stadt? Stadtrundgang (ab 14.30 Uhr)

Stadtrundgang durch Flensburg

Flensburg – eine nachhaltige Stadt? Ein suffizienzorientierter Stadtrundgang

Was bedeutet Suffizienz im Alltag? Wo tun sich sozial gerechte und nachhaltige Gestaltungsmöglichkeiten in Flensburg auf? Diesen Fragen gehen wir während des Spaziergangs auf den Grund. Entlang der Themen Mobilität, Bauen und Wohnen, öffentliche Räume sowie Konsum und Ernährung werfen wir einen Blick auf Suffizienzpolitiken vor Ort.

Der Stadtrundgang wird in Kooperation mit dem Transformativen Denk- und Machwerk e.V. durchgeführt (https://transformwerk.org/).

Führung: ANNA GLINDEMANN, STADT FLENSBURG UND
LEVKE MAHRT, TRANSFORMATIVES DENK- UND MACHWERK E.V.

Start: 14.30 Uhr, Spielplatz am Museumsberg, (Reepschlägerbahn 24, 24937 Flensburg).

Ende: Schiffbrücke.

Dauer: ca. 1,5-2 h.

Montag, 02. November - Kommunale Suffizienz. Verwaltungsarbeit als Gestaltungsarbeit (16-17.15 Uhr)

Zwei Vorträge mit Diskussion

Kommunale Suffizienz: Verwaltungsarbeit als Gestaltungsarbeit

Öffentlicher Wohlstand statt privater Luxus? Strategien gelingender Suffizienzpolitiken

Keine Parkplätze in der Stadt? Reduzierte Wohnflächen statt großzügiger Neubauwohnungen oder Einfamilienhausgebiete? Kostenloser ÖPNV? Keine Shopping Mall auf der grünen Wiese? Suffizienzmaßnahmen verlangen von kommunalen Verwaltungen Gestaltungswillen, Ausdauer und Durchsetzungskraft. Was grundsätzlich allgemein für Stadtentwicklungsprojekte gilt, trifft auf Suffizienzprojekte in besonderem Maße zu. Denn sie kollidieren in der Regel mit gewachsenen Normalitätsvorstellungen. Der Vortrag nähert sich beispielhaft verschiedenen Projekten, die einen suffizienzorientierten Umgang mit Fläche fördern und fragt nach den Strategien ihres Gelingens. Was braucht es, für eine erfolgreiche ressourcensparende kommunale Flächenpolitik?

Vortrag: JONAS LAGE UND MAIKE BÖCKER, NEC

Platz da!

Wie das Berliner Mobilitätsgesetz von der Verwaltung umgesetzt wird: Ein Praxisbericht.

Im Sommer 2018 wurde das Berliner Mobilitätsgesetz verabschiedet. Die bundesweit einzigartige Bestimmung zielt darauf ab, den Straßenraum neu zu verteilen, das heißt Rad-, Fuß und öffentlichem Nahverkehr mehr Platz einzuräumen. Bürgerinnen und Bürger sollen zudem sicherer und klimaschonend in Berlin mobil sein können – unabhängig von Einkommen, Herkunft, Alter, Geschlecht oder Wohnort. Es ist die Aufgabe der Verwaltungen in den 12 Berliner Bezirken das Gesetz in die Praxis auf der Straße umzusetzen – mit Straßensperrungen und neuen Radwegen, mit Tempo 30 Zonen und der Wegnahme von Parkplätzen. Das erfordert Kreativität und Konfliktbereitschaft. Denn das Gesetz schreibt zwar vor, was erreicht werden soll, wie genau aber, wo, wann und mit welchen Mitteln das geschehen soll, entscheiden die Fachverwaltungen. Was das im Alltag bedeutet, ist Gegenstand dieses Vortrags.

Vortrag: FELIX WEISBRICH, LEITER STRASSEN- UND GRÜNFLÄCHENAMT FRIEDRICHSHAIN-KREUZBERG

Zugang zum Vortragsraum (Link, Passwort: EHSS)

Dienstag, 03. November - Erzwungene Suffizienz (19.30-20.45 Uhr)

Podiumsdiskussion

Erzwungene Suffizienz.

Die Corona-Krise – Chance oder Hürde für eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung?

Die Corona-Pandemie zwingt dazu, die Routinen des Alltag zu überdenken. Das Einkaufs-, Mobilitäts- und Urlaubsverhalten hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verändert, es gab weniger (Flug-) Reisen, weniger Konsum, weniger Mobilität, weniger Freizeitangebote. All das hat Auswirkungen auf das Leben in der Stadt und auf die Umwelt. Keine der Veränderungen jedoch ist auf freiwillige Einschränkungen zurückzuführen. Was kann, wird, was soll davon bleiben? Corona ließ zudem die erheblichen sozialen Ungleichheiten in Städten sichtbar werden. Wie Menschen durch die Krise kommen, hängt nicht zuletzt davon ab, welche Infrastruktur ihnen zur Verfügung steht, um ihr Leben auch unter Pandemiebedingungen in der Stadt gestalten können. Was heißt das für kommunale Politik und Verwaltung? Und schließlich: Der Umgang mit der Corona-Krise und ihren Folgen hat gezeigt, dass rascher Wandel und weitreichende politische Entscheidungen grundsätzlich möglich sind. Was lässt sich daraus für nachhaltige Stadtentwicklung lernen?

Diskussion mit: MAURITZ RENZ (ARCHITECTS 4 FUTURE), FELIX WEISBRICH (LEITER STRASSEN- UND GRÜNFLÄCHENAMT FRIEDRICHSHAIN-KREUZBERG), SYBILLE BAURIEDL (PROFESSORIN FÜR GEOGRAFIE, EUF), TINE FUCHS (IHK BERLIN)

Moderation: KATHRIN FISCHER (PRESSESPRECHERIN, EUF)

Zugang zum Vortragsraum (Link, Passwort: EHSS)

Mittwoch, 04. November - Bodenpolitik und kommunale Finanzen. Zwei Positionen (16-17.15 Uhr)

Zwei Vorträge mit Diskussion

Bodenpolitik und kommunale Finanzen – Zwei Positionen

Finanzielle Zwänge und Möglichkeiten einer alternativen Gemeindefinanzierung

Vortrag: HENNING BRÜGGEMANN, STADT FLENSBURG

Strategische Bodenpolitik

Vortrag: ULRICH SOLDNER, STADT ULM

Ein erheblicher Teil des Wachstumsdrucks der Kommunen ist durch steigende Finanzbedarfe bedingt. Die Abhängigkeit der Einnahmen und Ausgaben von Einwohnerzahlen und gewerblicher Entwicklung treibt Kommunen in einen Wettbewerb, der im Wesentlichen mit den Mitteln der Baulandausweisung geführt wird. Welche Möglichkeiten gibt es für eine Gemeindefinanzierung, die Fehlanreize für Flächenverbräuche vermeidet und eine ressourcenschonende Siedlungspolitik belohnt? Und welche Möglichkeiten gibt es für Kommunen, die Bodenpolitik so zu steuern, dass sie die vielfältigen Ansprüche an die knappen Flächen- und Gebäudepotentiale im Sinne einer Gemeinwohlorientierung befriedien kann?

Kommentar: DIRK SCHRÖDTER, CHEF DER STAATSKANZLEI DER LANDESREGIERUNG IN SCHLESWIG-HOLSTEIN

Anschließend Diskussion der drei Referenten untereinander
und mit den Teilnehmer*innen der Konferenz

Moderation: ALEXANDRA KNAK, STADT FLENSBURG

Zugang zum Vortragsraum (Link, Passwort: EHSS)

 

Bei technischen Fragen wenden Sie sich bitte an: Jula Sarin.