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»Medienkulturen – Medientheorien – Medienpädagogik«


Universität Flensburg, SoSe 2011, Mittwochs 16 – 18 Uhr, Audimax

Die Vorlesung bietet einen Überblick über gesellschaftliche Medienentwicklungen und thematisiert anthropologische, soziologische, pädagogische, künstlerische und historische Aspekte von Mediensystemen, -prozessen und -strukturen. Die Vorträge von Lehrenden der Universität Flensburg und externen Gästen geben einen Einblick in die Fragestellungen der Medienbildung und stellen Konzepte und praktische Beispiele der schulischen sowie außerschulische Medienpädagogik vor.
Im Sommersemester 2011 will die Ringvorlesung auf die Initiative »Keine Bildung ohne Medien« fokussieren (vgl. http://keine-bildung-ohne-medien.de). Die zentrale bildungspolitische Forderung der Initiative – wie sie sich etwa in dem von der Initiative formulierten Manifest findet    lautet

»Die sozialen und kulturellen Auswirkungen globalisierter Medienwelten und die Entwicklung der Gesellschaft zu einer allumfassenden Informations- und Mediengesellschaft fordern den gesamten Bildungsbereich und damit auch die Medienpädagogik auf neue Weise heraus. Notwendig ist eine umfassende Förderung der Medienpädagogik in Wissenschaft und Forschung sowie auf allen Ebenen der Erziehungs- und Bildungspraxis.«

Programm

20. April
Das Sichtbare und das Unsichtbare der visuellen Medien und dessen, was sie zeigen und was daran didaktisch produktiv werden kann!
Manfred Blohm
Universität Flensburg | Bildende Kunst

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4. Mai
Medienbildung als Selbst-Technik
Stephan Münte-Goussar
Universität Flensburg | Medienbildung

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11. Mai
Von ›Digital Natives‹ und anderen Mythen des Internet. Was Heranwachsen mit dem Social Web bedeutet
Jan-Henrick Schmidt
Hans-Bredow-Institut, Hamburg | digitale interaktive Medien und politische Kommunikation

Das Bild von den "Digital Natives", die sich scheinbar mühelos in den Informations- und Kommunikationsräumen digitaler Medien bewegen, wird oft zur Charakterisierung der unter-30-Jährigen Internetnutzer herangezogen und den älteren "Digital Immigrants" gegenübergestellt. Doch wird eine solche Zuschreibung dem tatsächlichen Nutzungsverhalten der Jugendlichen und jungen Erwachsenen gerecht? Was bedeutet es, unter gegenwärtigen Medienbedingungen heranzuwachsen? Und welche Auswirkungen hat der Wandel von Öffentlichkeit (und Privatsphäre), den Facebook, YouTube, Twitter und Co. mit sich bringen? Der Vortrag beleuchtet diese Fragen aus einer kommunikationssoziologischen Perspektive.

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25. Mai
Medienkompetenz – Schlüssel für gesellschaftliche Teilhabe
Sonja Spoede
Universität Bremen | Arbeitsgruppe "Digitale Medien in der Bildung"

Computer haben sich von einfachen Maschinen zur Rationalisierung von Rechenarbeit zu komplexen Interaktions- und Kommunikationsmedien entwickelt. Digitale Medien verändern und durchdringen mittlerweile unsere Lebenswelt. Welche Kompetenzen sind erforderlich, um sie verantwortungsbewusst nutzen, ihre Chancen und Risiken einschätzen und die Wechselwirkung zwischen virtueller und materieller Welt verstehen zu können? Mit welchen Methoden können evtl. Zugänge zu digitalen Medien geschaffen werden, die auch Nicht-Interessierte erreichen?

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1. Juni
»netzdurchblick.de« – ein aktuelles Beispiel zur Förderung von Medienkompetenz bzw. Medienbildung
Uwe Debacher, Hans-Dieter Kübler
HAW Hamburg | Sozial-, Kultur- und Medienwissenschaft

"netzdurchblick" ist ein aktueller Online-Ratgeber für den Umgang mit dem Internet für 12- bis 16jährige. Ziel ist es, die Medienkompetenz dieser Gruppe zu fördern und zu erweitern. An die Medienpädagogik stellt das Internet ungleich höhere und breitere Anforderungen als etwa frühere mediale Herausforderungen; Kinder und Jugendliche sind nicht mehr nur Adressaten, sondern aktive Produzenten von Medieninhalten. Unweigerlich stellt sich damit die Frage, was Medienkompetenz bzw. Medienbildung ist, neu. In dieser Veranstaltung sollen diese Zielsetzungen eingangs thematisiert werden, vor allem aber am Beispiel von "netzdurchblick" konkretisiert werden. Da "netzdurchblick für verschiedenen Lernkontexte angewendet und erprobt werden soll, wünschen sich die Veranstalter, dass sich in Flensburg auch Gruppen finden, die sich didaktischen Anwendungen für "netzdurchblick" überlegen.

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8. Juni
Keine Bildung ohne außerschulische Medienpädagogik – ein Streifzug (auch) durch Schleswig-Holsteins Medienkompetenzbranche
Henning Fietze
Offener Kanal Schleswig-Holstein | Medienpädagoge

Medienprojekte brauchen Platz und Dynamik – beides kann Schule von außerschulischen Angeboten lernen. Medien können den Bogen von der Jugendarbeit zu Ganztagsschule schlagen: Im Fachunterricht als Methode wie Medienphänomen, in der Jugendarbeit als Projekt. Hier kann praktische Medienarbeit Themen wie Datenschutz, Jugendmedienschutz und Co "ganzheitlich" behandeln: Medien erfahren, gestalten und reflektieren.
Henning Fietze stellt Medienboxen, Medienmobile, Medienportale, schnell nutzbare Angebote und aufwändige Projekte vor – sie alle sind direkt für Schule wie Jugendarbeit nutzbar und in Schleswig-Holstein buchbar.

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15. Juni
Fan(Art)Kulturen – »Keine Bildung ohne medial-ästhetische Selbstbildung«
Jutta Zaremba
Universität Flensburg | Kunst & Medienwissenschaft

Im Medienpädagogischen Manifest, dem auch die Ringvorlesung zu Grunde liegt, lautet ein erfreulicher Satz: "Das aktive und kreative Gestalten mit Medien für Selbstausdruck, für die Artikulation eigener Themen, für Kontakt und Kommunikation ist ein weiterer, zentraler Bereich von Medienkompetenz." (http://www.keine-bildung-ohne-medien.de/medienpaedagogisches-manifest.pdf) Auch diese Vorlesung möchte sich dem state-of-the-art des kreativen Medienhandelns von Jugendlichen widmen. Anstatt "Medienkompetenz" vorwiegend an die Wissens- und Kritikvermittlung via PädagogInnen zu binden, soll hier der Fokus auf die bereits vorhandene Medienexpertise von Heranwachsenden gelegt werden, konkret auf die Ästhetik und Kommunikation von juvenilen Fankulturen. Im Zentrum stehen äußerst produktive Fan-Szenen (Cosplay, Visual Kei, LARP, Game-Communities etc.) und ihre umfangreichen Inszenierungs- und Partizipationsformen (Tutorials, Machinimas, Conventions etc.). Sie sollen Anlass dazu geben, das medienpädagogische Bildungsverständnis insbesondere angesichts der Dynamiken von freiwillig praktizierten, medial-ästhetischen – und dabei weder institutionell noch curricular verankerten – Selbstbildungsprozessen von Jugendlichen zu diskutieren, die ja wiederum eine der größten medienpädagogischen Zielgruppen darstellen.

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22. Juni
Handlungsorientierte Medienpädagogik im Paradigma des Social Webs
Christiane Schwinge
Universität Hamburg | Medienpädagogik und ästhetische Bildung

Die Strömung der handlungsorientierten Medienpädagogik hat sich in den 1980er Jahren in der Medienpädagogik etabliert und bildet seitdem eine wichtige Herangehensweise, um Heranwachsenden Medienkompetenz zu vermitteln. Im Fokus stand jeher, Kindern und Jugendlichen einen Zugang zu Medien zu verschaffen und ihnen zu ermöglichen, mit Hilfe von Medien ihre Anliegen zu äußern. Im Kontext der medialen Entwicklungen, die schlagwortartig unter dem Begriff Web 2.0 subsummiert werden, stellt sich jedoch gegenwärtig die Frage, inwiefern dieser Ansatz noch geeignet ist, um Heranwachsende zu erreichen bzw. inwiefern es solche Bemühungen im Paradigma des Mitmachnetzes überhaupt noch bedarf, wo doch jeder Mediennutzer prinzipiell auch zum Medienproduzenten werden kann. Im Vortrag sollen vor diesem Hintergund Chancen und Grenzen handlungsorientierter Medienarbeit im Kontext des Social Webs aufgezeigt werden.

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29. Juni
Medienpädagogik und Soziale Arbeit
Mike Sandbothe
Freier Autor, Hamburg | Medienphilosophie / Mediologie

Der Vortrag geht der Frage nach, wie eine Medienpädagogik der Zukunft aussehen könnte, welche den professionellen Bedürfnissen von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern noch besser entspräche als die heutige. Zu diesem Zweck wird zunächst der aktuelle Sprachgebrauch des Wortes Medienpädagogik analysiert und zu üblichen Verwendungsweisen des Wortes Kulturpädagogik ins Verhältnis gesetzt. In transformativer Absicht wird dann der Entwurf einer integralen Kultur- und Medienpädagogik skizziert. Diese würde sowohl technische Medien wie Radio, Film, Fernsehen und Internet berücksichtigen als auch deren Zusammenspiel mit nichttechnischen Medien wie Raum, Zeit und Körper, Bild, Sprache und Schrift, Tanz, Theater und Musik. Wie könnte ein handlungsorientiertes Leitbild des ganzheitlichen Einsatzes von medienkulturellen Instrumenten in der Sozialen Arbeit vor diesem Hintergrund aussehen? Das diskutiert der Vortrag abschließend in der Auseinandersetzung mit ausgewählten Sequenzen aus der Fernsehserie »Die Super Nanny«.

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6. Juli
Immersion – Lernort Computerspiel?
Anja Kühn
Universität Flensburg | Neuere deutsche Literaturwissenschaft

Game Studies werden im wissenschaftlichen Diskurs längst ernst genommen und somit der Tatsache, dass Bildschirm- bzw. Computerspiele einen hohen Rang unter den Leitmedien des 21. Jahrhunderts einnehmen, Rechnung getragen. Standen zu Beginn der Auseinandersetzung vielfach teils hitzig geführte Debatten über den möglichen schädlichen Einfluss dieser Spiele insbesondere auf die Gewaltbereitschaft von Kindern und Jugendlichen im Fokus, so wird heute zunehmend objektiv darüber nachgedacht, welchen Einfluss Computerspiele auf kindliche und jugendliche Sozialisation und Entwicklung haben, aber auch welche Potenziale sie im Hinblick auf Bildungsziele bzw. Kompetenzförderung bieten. Der didaktische Diskurs nimmt in diesem Zusammenhang insbesondere die immersiven Strategien von Computerspielen in den Fokus der Aufmerksamkeit und versucht, die starke motivationale Kraft dieser subtilen Didaktik für pädagogische und Bildungsziele fruchtbar zu machen. In diesem Zuge entstanden die Serious Games – Computerspiele, die spielerisch Lerninhalte vermitteln.
Der Vortrag beschäftigt sich mit der Faszination und Wirkung digitaler Spiele, beleuchtet mögliche Folgen für Gesellschaft und Bildung und gibt einen Einblick in das pädagogische und didaktische Potential digitaler Lernspiele.