Digitaler Fachtag: Comic

Am 20. November 2021 findet ein digitaler Fachtag des IQSH in Zusammenarbeit mit der Europa-Universität Flensburg und dem BDK SH statt, dessen maßgebliches Ziel es ist, die Potentiale des Comics für den Kunstunterricht aufzuzeigen.

Comics sind beliebt in der Schule – nicht nur als Unterrichtsmittel oder -gegenstand im Fach Kunst. Häufig werden sie jedoch, gerade aus fachfremder Sicht, in ihrer Komplexität und ihrem Potential unterschätzt. Comics vereinen unterschiedliche ästhetische Ausdrucksformen, typischerweise Bild und Schrift, in Webcomics mitunter auch Ton und Bewegtbild – sie sind hybrid. Sie überschreiten als Print- oder Webcomic Mediengrenzen und können durch Aufforderungen zum Mitzeichnen oder Hyperlinkstrukturen in digitalen Comics partizipativ und interaktiv sein. Als Bildfolgen sind sie sequenziell angelegt und erfordern damit eine spezifische Art der Produktion und Rezeption. Die zahlreichen Formate und Genres spiegeln den Facettenreichtum dieser Kunstform wider und reichen vom Comicstrip und Funny zu Manga, Graphic Novel, Superhelden-, Sach-, Literatur- und Webcomic. In den letzten Jahren wurde das Medium somit zu einem wichtigen Ausdrucksmittel, um ganz unterschiedliche soziale Themen anzusprechen, insbesondere die Aspekte Inklusion, Queernes und Migration sind hier zu nennen.

Das Programm des Fachtages soll unter anderem die Möglichkeit bieten, in Fachvorträgen und Workshops, grundlegende Gestaltungsfragen in den Blick zu nehmen und Neuentwicklungen des Comics miteinander kennenzulernen. Die modulare Konzeption ermöglicht es jeder Teilnehmerin und jedem Teilnehmer einen individuell zusammengestellten Fachtag zu erleben. Zielgruppe sind Lehrkräfte verschiedener Schularten, Studierende, Comic-Liebhaber*innen…

Die Teilnahme ist kostenlos. Zur Buchung der Veranstaltung mit der Nummer KUN0588 (Landesfachtag Comic) gehen Sie bitte auf diese Seite: https://secure-lernnetz.de/formix/index.php?cookiecheck=1&view=0-3&vnr=KUN0588 Weitere Informationen finden Sie auch hier: https://fachportal.lernnetz.de/sh/faecher/kunst/fortbildungen.html 

Bitte wählen Sie aus dem Programm die Vorträge und Workshops aus. Die Links erhalten Sie am Veranstaltungstag. Planen Sie gerne Zeitfenster für individuelle Pausen ein.

Programm

9:15 Uhr: Begrüßung

WS 1: (9:30 - 10:00 Uhr): KeynotePotentiale des Comics für den Kunstunterricht, Dietrich Grünewald (Professor für Kunstdidaktik)

Während andere Fächer Comics (wieder) als anschauliche Unterrichtsmittel entdecken, sind sie für den Kunstunterricht vor allem Unterrichtsgegenstand. Ihre Vielfalt sollte – nicht nur inhaltlich, sondern vornehmlich auch ästhetisch – in den Blick gerückt werden. Die hier erforderliche spezifische Rezeption muss erlernt werden, um ein eigenes Urteils- und Handlungsvermögen aufzubauen und um die besondere Qualität von Comics zu erkennen und sie genießen zu lernen. Der Vortrag will (auch anhand von Unterrichtsbeispielen) Ziele, Inhalte und Methoden vorstellen, wie Comics sinnvoller Gegenstand im Kunstunterricht sein können.

10:00 - 10:15 Uhr: Diskussion / Pause

WS 2: (10:15 - 10:45 Uhr): Comics entwickeln, Tim Eckhorst (Comiczeichner und Illustrator) 
Das "große Geheimnis" wie man Bild und Text vereinen kann, um eine Geschichte zu erzählen und die eigene Idee verdichtet zu transportieren, enthüllt dieser Workshop. In einer kurzen Einführung, wird vermittelt, wie Figuren konstruiert werden und welche Tricks man sich zunutze machen kann. Darüber hinaus wird thematisiert, welche Übungen sich für Einsteiger:innen gut eignen und wie man überhaupt zu einer Idee kommt. In einer praktischen Übung werden die vorgestellten Kreativitätstechniken erprobt.

Hinweis: Bitte Bleistift und Papier bereithalten.

WS 3: (10:15 - 10:45 Uhr): Comic in der Unter- und Mittelstufe, Hinnerk Rohde (Kunstlehrer)

Für viele Schüler:innen ist nicht unbedingt das Erfinden einer Figur oder die Darstellung einer Aktion die Herausforderung, sondern die Entwicklung einer Geschichte. Viele sind äußerst geschickt darin, Figuren zu kopieren, scheitern dann jedoch daran, sie zum Leben zu erwecken. Hier sind verschiedene Ansatzpunkte möglich, indem man vom Wort, einer Handlung, einem Bild oder einer vorhandenen Geschichte ausgeht. Im Vortrag werden Möglichkeiten vorgestellt, wie man in unterschiedlichen Klassenstufen, auch unter dem Gesichtspunkt von Inklusion und Differenzierung, an die Entwicklung einer Geschichte herangehen kann.

WS 4: (10:45 - 11:15 Uhr): Comic und Bildende Kunst (Dietrich Grünewald (Professor für Kunstdidaktik)

Comiczitate finden sich vielfach in den Werken der Bildenden Kunst – und auch umgekehrt zeigen Comics Kunstzitate: bekannte Werke dekorieren Räume, die Geschichte spielt im künstlerischen Milieu oder im Museum oder die Akteur:innen sind Künstler:innen und Kunstliebhaber:innen. Oft bleibt das Zitat ein Spiel, das nicht jeder erkennen muss, um die Geschichte zu verstehen. Die Frage stellt sich, was mit den unterschiedlichen Strategien angestrebt wird: geht es um ein Spiel, das die Grenzziehung zwischen sogenannter E- und U-Kunst lächerlich macht und sie unterläuft? Der Vortrag zeigt anschauliche Beispiele, die auch Anregung für Unterricht sein können.

WS 5: (10:45 - 11:15 Uhr): Comic einmal anders sehen, Marcus Witt (Kunstlehrer)

Ein Comicstrip besteht aus mehreren Panels, die im Einzelbildformat eine Kurzgeschichte erzählen. Traditionell wird diese von links oben nach rechts unten gelesen. Wie kann diese Leseweise nun auf das Bewegtbildformat übertragen werden, um eine andere Wahrnehmung und das Storytelling des Comics zu erzeugen? Anhand eines Beispiels von Schüler:innen eines 10. Jahrgangs wird gezeigt, wie ein animierter Comic (Zeichentrickfilm) entsteht.

Projektergebnis (Link): https://www.youtube.com/watch?v=DrcyTmsbyBo 

11:15 - 11:45 Uhr: Pause

WS 6: (11:45 - 12:15 Uhr): Trägermedien, Formate und Erzählmodi: Medienästhetische Perspektiven auf Comics, Mangas, Graphic Novels, Lukas R.A. Wilde (Medienwissenschaftler und Comicforscher)

Comics, Mangas und Graphic Novels haben im Laufe Ihrer über hundertjährigen Entwicklung zahlreiche Trägermedien erschlossen, die von der Tageszeitung über das serielle Comicheft oder das Buch im Kodex-Format bis hin zu Webseiten und spezifischen digitalen Rezeptionsplattformen reichen. Der Vortrag bietet eine medienästhetische Übersicht darüber, wie Comics als "Transmedien" in einem ständigen Dialog mit materiellen und digitalen Ermöglichungsbedingungen stehen.

WS 7: (12:15 - 13:45 Uhr): Comics und Politik im Zeitalter des Klimawandels, Sabine Multhaup (Kunstlehrerin)

Einen Comic politisch lesen fällt nicht schwer: Die Schere zwischen Arm und Reich z.B. gibt es bereits in der Anlage der Comicfiguren Dagobert und Donald Duck. Ersterer schwimmt im Geldswimmingpool, letzterer erzieht als Pechvogel seine Neffen: Tick, Trick und Track. Derartig stereotyp angelegte Figuren sind statisch und bestätigen durch ihre Handlungen die bestehende Ordnung. In dem Workshop geht es darum, die Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit politischer Ideen, der Sagbarkeit und Unsagbarkeit über die veränderten Lebensbedingungen zu untersuchen und einen Politikcomic über den Klimawandel mit zeitgemäßen Superheld:innen zu zeichnen.

WS 8: (12:15 - 13:45 Uhr): Talking (of) animals, Jana Mücke (Kunstlehrerin)

In diesem Workshop soll die Beziehung zwischen Tierheld:innen und ihren menschlichen Pendants in einer erzähltheoretischen Perspektive unter die Lupe genommen werden. Dabei wird das Augenmerk auf der (non)verbalen Transspezies-Kommunikation und dem Grad der Vermenschlichung der Tierfiguren liegen. Zudem werden Unterrichtsideen für die verschiedenen Jahrgangsstufen (Kl. 5-13) und ein Werkzeugkasten zur Gestaltung von Comics über Tier-Mensch-Beziehungen vorgestellt, die anschließend praktisch erprobt werden können.

WS 9: (12:15 - 13:45 Uhr): Digitale Erstellung von Comics mit ProcreatePetra Böckmann (Artdirektorin und Illustratorin)

Ein Comic am iPad? Ja gern, aber wo anfangen? Wo hinkommen? Und wie? Ist "ProCreate" eine sinnige App, um einen Comic zu zeichnen?

In dem Workshop zeigt die Künstlerin ihren eigenen Weg vom absoluten "ProCreate"-Neuling bis hin zu dem Stadium, das abzubilden zu können, was vorher nur vage im Kopf war.

Nach dem Vortrag steht sie den Teilnehmer:innen beratend bei eigenen Projekten zur Seite.

13:45 - 14:00 Uhr: Pause

WS 10: (14:00 - 15:30 Uhr): Im Zeichen der Pandemie – Comic und Corona, Dr. Susanne Schwertfeger (Comicforscherin):

Angst vor Infektion, Hamsterkäufe, leergefegte Straßen … vor der Corona-Pandemie waren das Teile der Genre-Erzählungen aus den Bereichen Science-Fiction oder Horror. Das Medium Comic eignet sich aufgrund seiner Hybridität besonders, um sich mit den Veränderungen in unserer Lebenswelt auseinander zu setzen: u.a. können sich Bild und Text gegenseitig ergänzen oder sogar völlig ersetzen. In dem Workshop werden Comics zum Thema Corona vorgestellt und Ansätze für das eigene, praktische Arbeiten und Unterrichten entwickelt.

Hinweis: Bitte DIN A4-Papier und ein paar Post-its bereithalten. Weitere Arbeitsblätter sowie eine Übersicht der gezeigten Beispiele werden Ihnen per Mail zugesandt.

WS 11: (14:00 - 15:30 Uhr): Comicfiguren perspektivisch zeichnen, Sonja Schmidt (Kunstlehrerin)

In diesem Workshop werden einfache praktische Handreichungen gegeben, wie Schüler:innen eine eigene Comicfigur entwickeln können, die verschiedene Haltungen und Blickrichtungen einnehmen kann. Einige Einsatzmöglichkeiten gibt es bereits bei größeren Grundschulkindern, aber auch Abiturienten greifen immer wieder gerne auf diese zeichnerischen Grundlagen zurück, wenn es um Haltung und Proportionierung von Figuren geht.

Angesprochen sind in diesem Workshop in erster Linie Kolleg:innen, die nur schwer einen Zugang zum Zeichnen finden.

WS 12: (14:00 - 15:30 Uhr): Ein Hauch Abstraktion, Renate Schoeneich (Kunstlehrerin, Fachaufsicht Kunst am MBWK)

Der Workshop lässt sich im Übergangsfeld von Comic zu Illustration und künstlerischer Zeichnung verorten. Die Zeichnungen einer graphischen Erzählung stehen dabei im Mittelpunkt und werden mit Blick auf ihre bildnerische Erzählkraft und spannungsvolle Panel- oder Seitengestaltung betrachtet. Das bedeutet, sich zeitweise vom Gegenständlichen zu lösen, und den Blick auf zarte und fette Linien, Gekritzel und filigran Gezeichnetes, Farben und Dunkelheiten zu lenken. Dieser Workshop eröffnet anhand kleiner Übungen Wege, sich auf dieses Loslösen einzulassen.

Hinweis: Bitte (Bunt)stifte und Papier bereithalten.

15:30 - 16:00 Uhr: Abschluss