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Ausgezeichnet für plattdeutsche Detektivarbeit: Flensburger Studentinnen übersetzen „Die drei ??? Kids“

Erster Hartmut-Cyriacks-Preis für Übersetzung von „Die drei ??? Kids“ ins Niederdeutsche

Drei junge Detektive, die auf Platt ermitteln? Was zunächst ungewöhnlich klingt, ist längst Realität. Für ihre Übersetzung des Bandes „Die drei ??? Kids – Fiese Fälscherbande“ ins Niederdeutsche wurden die Flensburger Studentinnen Janina Barokfsky und Annalena Möller im April mit dem erstmals vergebenen Hartmut-Cyriacks-Preis ausgezeichnet. Der mit 5.000 Euro dotierte erste Preis wurde im Vorfeld des 5. Hamburger Plattdeutsch-Tages verliehen.

Die beiden angehenden Lehrerinnen für Grundschul- und Gymnasiallehramt studieren das Ergänzungsfach Niederdeutsch an der Europa-Universität Flensburg. Mit ihrer Übersetzung verfolgen sie ein klares Ziel: jungen Menschen einen niedrigschwelligen Zugang zur plattdeutschen Sprache zu ermöglichen.

„Die drei Fragezeichen ist natürlich ein Begriff, der fast jedem geläufig ist“, berichten die beiden Preisträgerinnen. „Wir wollten ein Werk wählen, das bekannt und modern ist und bei Kindern sofort Interesse weckt.“ Die Idee entstand ganz spontan bei einem Mensagespräch. Während eines Blicks auf soziale Medien entdeckten sie einen Übersetzungswettbewerb und beschlossen, kurzerhand mitzumachen.

Verlag reagiert auf Plattdeutsch

Die Resonanz überraschte selbst die beiden Studentinnen. Nachdem sie den Kosmos Verlag kontaktiert hatten, erhielten sie nicht nur eine Antwort, sondern begeisterte Unterstützung. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihnen die plattdeutsche Reaktion des Verlags: „De dree ??? op Platt, dat wär doch mol watt.“

Für die Jury war die Auszeichnung eine klare Entscheidung. Die Übersetzung einer so bekannten Kinder- und Jugendbuchmarke leiste einen wichtigen Beitrag zur Sichtbarkeit des Niederdeutschen und könne vielen jungen Leserinnen und Lesern erstmals einen Zugang zur Regionalsprache eröffnen. Die Arbeit der beiden Studentinnen schlage dabei eine Brücke zwischen Generationen, Sprachwelten sowie Vergangenheit und Gegenwart.

Niederdeutsche Übersetzung in mehren Schritten

Die Übersetzung entstand in mehreren Arbeitsschritten. Zunächst orientierten sich die Studentinnen eng am SASS, dem niederdeutschen Wörterbuch. Anschließend überarbeiteten sie den Text, um regionale Besonderheiten, vertraute Redewendungen und lebendiges Sprachgefühl einzubringen. Dabei zeigte sich schnell, dass eine gute Übersetzung weit mehr bedeutet als die wortwörtliche Übertragung einzelner Begriffe.

„Nicht alles lässt sich eins zu eins übersetzen“, erklären sie. Ein Beispiel liefert bereits der Titel. Aus „Fiese Fälscherbande“ wurde „De asigen Fälschers“. Das hochdeutsche Adjektiv „fies“ wäre zwar auch im Niederdeutschen verständlich gewesen, wirkte den Übersetzerinnen jedoch nicht plattdeutsch genug. Auch bei zusammengesetzten Wörtern mussten kreative Lösungen gefunden werden, da solche Komposita im Niederdeutschen deutlich seltener vorkommen.

Um die Texte auch für junge Leserinnen und Leser verständlich zu gestalten, ergänzten sie ihre Übersetzung durch Fußnoten. So können auch ältere oder weniger gebräuchliche plattdeutsche Begriffe erschlossen werden, ohne den Lesefluss zu unterbrechen.

Der Weg zum Preis war arbeitsintensiv. Für den Wettbewerb mussten zunächst 25 bis 30 Seiten übersetzt werden. Inzwischen liegt die Übersetzung des gesamten Buches vor. Der zweite Teil befindet sich aktuell noch in der Überarbeitung.

Besonders bemerkenswert ist dabei, dass nicht beide Studentinnen mit Plattdeutsch aufgewachsen sind. Eine von ihnen fand erst über das plattdeutsche Theater zur Sprache. Nach einer längeren Studienpause suchte sie einen Wiedereinstieg ins universitäre Leben und stieß dabei auf das neu eingerichtete Ergänzungsfach Niederdeutsch. „Ich bin keine Muttersprachlerin und konnte trotzdem gut einsteigen“, berichtet sie. Ihre Erfahrung zeigt, dass das Studium auch Menschen ohne umfangreiche Vorkenntnisse offensteht.

Niederdeutsch praktisch angewendet

Das Ergänzungsfach Niederdeutsch an der Europa-Universität Flensburg verbindet Sprachpraxis, Kultur, Literatur, Geschichte und Vermittlungsdidaktik. Studierende erwerben Kenntnisse, um die Regionalsprache aktiv zu nutzen, zu erforschen und künftig auch an Schulen weiterzugeben.

Die Begeisterung für ihr Projekt ist bei den beiden Preisträgerinnen ungebrochen. Auf die Frage, welcher der drei Detektive wohl der beste Plattschnacker wäre, müssen sie nicht lange überlegen: „Justus Jonas. Der kann einfach alles und hat schon im Original immer die besten Sprüche.“

Ob weitere Übersetzungen folgen werden, hängt auch von der Resonanz der Leserinnen und Leser ab. Die beiden Studentinnen können sich dies jedoch gut vorstellen. Ihr erstes Werk wird voraussichtlich im letzten Jahresviertel dieses Jahres beim Quickborn-Verlag unter dem Titel „De dree ??? Kids – De asigen Fälschers“ erscheinen.

Mit ihrem Engagement zeigen die beiden Studentinnen eindrucksvoll, wie sich Tradition und Popkultur verbinden lassen und wie regionale Sprachen durch kreative Ideen lebendig bleiben können.