Royal Economic Society Prize für Ökonom Marcel Smolka

Renommierte Fachgesellschaft würdigt Forschungsbeitrag zu Auswirkungen des Einsatzes von Robotern in Betrieben

Für den Fachbeitrag "Robots and Firms" ("Roboter und Unternehmen") in der britischen Fachzeitschrift "The Economic Journal" ist Prof. Dr. Marcel Smolka (Europa-Universität Flensburg, EUF) gemeinsam mit den Co-Autoren Prof. Dr. Michael Koch und Ilya Manuylov von der dänischen Universität Aarhus mit dem diesjährigen Royal Economic Society Prize ausgezeichnet worden. Die Royal Economic Society würdigt damit die Arbeit der Forscher als bestes Paper des Jahres 2021 und herausragenden Beitrag zu den Wirtschaftswissenschaften. "Ich freue mich riesig über diese Auszeichnung", sagt der 40-jährige Ökonomie-Professor der EUF. "Das Economic Journal ist eine der ältesten und prestigeträchtigsten Fachzeitschriften der Volkswirtschaftslehre überhaupt. Dieser Preis ist für uns schon etwas Besonderes."

Ausgangspunkt: öffentliche Debatte um Automatisierung der Arbeitswelt

Ausgangspunkt der Forschung war die Frage, ob neue, digitale Technologien Arbeitsplätze vernichten. In der öffentlichen Diskussion ist diese Frage im Zuge der zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung von Produktionsprozessen in den vergangenen Jahren vielfach diskutiert und auch mit Ängsten verbunden worden. "Vor dem Hintergrund dieser Debatte haben wir uns die Effekte von Robotern auf Beschäftigung und Produktivität genauer angeschaut", erläutert Smolka.

Analyse auf der Basis umfangreicher Daten

Die Forschenden griffen dafür auf einen außergewöhnlichen Datensatz zurück: Sie analysierten einen Paneldatensatz spanischer Fertigungsunternehmen über einen Zeitraum von 27 Jahren und verglichen so Entwicklungen in Unternehmen, die Roboter einsetzten, und jenen, die es nicht taten. "Das Besondere an unserer Arbeit ist, dass wir mehrere tausend Firmen aus Spanien über einen sehr langen Zeitraum, das heißt von 1990 bis 2016, beobachten und für jede einzelne Firma wissen, ob und wann sie Roboter in der Produktion einsetzt. Zudem kennen wir für jede Firma wichtige Variablen, wie zum Beispiel die Beschäftigtenzahl, die Zusammensetzung der Belegschaft oder die Produktivität." Innerhalb der EU zählt Spanien zu den Ländern mit der höchsten Roboterdichte pro Arbeiter/-in. "Unsere Arbeit ist die erste in der Literatur überhaupt, die eine solch detaillierte Analyse auf Firmenebene erlaubt."

Kausaler Effekt von Robotern auf Produktivität nachgewiesen

Die Ergebnisse zeigen einen positiven kausalen Effekt von Robotern auf die Produktivität sowie eine Komplementarität zwischen Robotern und Export bei der Steigerung der Produktivität. Smolka fasst zusammen: "Es gibt ein klares Muster, welche Firmen Robotertechnologie in der Produktion einsetzen, nämlich die größten und produktivsten Firmen. In diesen Firmen können zudem eindeutige positive Effekte von Robotern auf Produktion, Produktivität und Beschäftigung nachgewiesen werden." So zeigte die Untersuchung der Daten, dass die Einführung von Robotern innerhalb von vier Jahren zu erheblichen Produktionssteigerungen von 20-25 % führte, der Anteil der Arbeitskosten um 5-7 %-Punkte sank und zur Schaffung von Nettoarbeitsplätzen in Höhe von 10 % führte.  
Außerdem konnte anhand der Daten nachvollzogen werden, dass sich Unterschiede zwischen Unternehmen innerhalb derselben Industrie im Zuge der Entwicklungen vergrößern: Während die großen, hochproduktiven Firmen als Pioniere in der Nutzung von Robotertechnologie ihre Produktion und Beschäftigung ausweiten, verschwinden kleinere Firmen vom Markt, weil für sie Investitionen in Robotertechnologie zu teuer sind. Dort geht Beschäftigung verloren.

Royal Economic Society: "Wichtiger Beitrag zum genauen Verständnis der Auswirkungen des technischen Fortschritts"

Die Royal Economic Society (RES) würdigt die Arbeit als "wichtigen Beitrag zum genauen Verständnis der Auswirkungen des technischen Fortschritts in Form von neuen Technologien auf die Wirtschaft". Der Artikel sei zudem ein großartiges Beispiel dafür, wie neu erhobene Daten ein aktuelles wirtschaftswissenschaftliches Thema auf unkomplizierte und dennoch aussagekräftige Weise adressieren können. Der Preis wurde in dieser Woche auf der RES-Jahreskonferenz verliehen und ist mit einem Preisgeld von 2.500 Britischen Pfund dotiert.

Artikel im "The Economic Journal" (frei zugänglich)