Vortrags- und Diskussionsreihe Didaktische Debatten

Die Didaktischen Debatten sind ein neues Veranstaltungsformat der Lern- und Forschungswerkstatt Germanistik. Die Vortrags- und Diskussionsreihe bietet ein Forum, in dem sich die Lehrenden der Lehramtsstudiengänge für das Fach Deutsch sowie auch weitere Beteiligte aus den unterschiedlichen Phasen der LehrerInnen-Ausbildung austauschen und vernetzen können. Grundlage für diesen Austausch sind jeweils aktuelle Themen, die den deutschdidaktischen Diskurs in Form von Kontroversen prägen.

Die Veranstaltung wird gemeinsam mit der Deutschdidaktik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel organisiert.

Debatten und Termine

22.04.2020, 18:30 Uhr - Erlebnisraum Mittelalter: Ältere deutsche Literatur in der Schule erlebbar machen

Mittelalterliche Literatur im Deutschunterricht: das war und ist ein schwieriges Thema. In den Lehrplänen kommt sie selten vor. Und in der schulischen Praxis dürfte sie noch seltener behandelt werden. Auch neuere Modelle und Materialien haben daran wenig ändern können. In der didaktischen Debatte am 22.4. werden wir über die vielfältigen Gründe sprechen. Vor allem aber wird ein  Entwurf vorgestellt, die Lage konkret und auf regionaler Ebene zu ändern. Eine 2019 gegründete Arbeitsgruppe aus Studierenden der EUF und zwei Koordinatoren (Jörn Bockmann, EUF; Silke Petersen-Bukop, EULE) hat sich ein Jahr lang mit der Vermittlung mittelalterlicher Literatur beschäftigt und stellt nun erste Ergebnisse vor. Sie geht von einem 'erlebnisästhetischen' Ansatz aus und lehnt sich konkret an das bewährte Konzept der EULE-Lernkoffer an. Der Koffer enthält Materialien, die vor allem für die Sekundarstufe I geeignet sind und erste Erprobungen im Unterricht hinter sich haben.

17.6.2019, 18:15 Uhr – Das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis im Lehramtsstudium des Faches Deutsch (CAU Kiel)

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Leibnizstraße 8 (Raum LS8, 401)

Das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis im Lehramtsstudium des Faches Deutsch an Universitäten ist in Heft 44/2018 der Zeitschrift "Didaktik Deutsch" Gegenstand einer "Debatte" (vgl. http://www.didaktik-deutsch.de/issue/heft-44-2018/). Diese Debatte findet ihre Fortsetzung in Heft 45/2018 (http://www.didaktik-deutsch.de/article/debatte-heft-45/). Im aktuellen Heft (46/2019) wird zudem das Verhältnis zwischen Germanistik und Deutschunterricht zum Debatten-Gegenstand.

In der Zeitschrift "Der Deutschunterricht" wird in Heft 2/2017 das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis innerhalb der Fachdidaktik Deutsch ebenfalls im Rahmen einer Kontroverse behandelt (https://www.friedrich-verlag.de/shop/downloads/dl/file/id/53197/product/15590/inhaltsverzeichnis.pdf ).

Mit Blick auf die Erfahrungen mit dem Praxissemester an der CAU Kiel und der EUF Flensbug bietet es sich an, die bundesweit in der Deutschdidaktik geführten Debatten und Kontroversen noch einmal in den Blick zu nehmen und vor deren Hintergrund das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis aus unseren Perspektiven zu diskutieren.

Die Diskussionsrunde am 17.06.2019 (18:15), die dieses Mal im Rahmen des Runden Tisches Germanistik und Deutschunterricht an der CAU Kiel stattfindet (Raum LS8, 401), greift die in den fachdidaktischen Zeitschriften geführte Debatte über das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis im Lehramtsstudium des Faches Deutsch an Universitäten auf und ergänzt sie um unsere Erfahrungen vor Ort. Dazu wird es kurze Impulse geben:

a) aus Perspektive der Lehre und Forschung in der ersten, universitären Phase der Lehrerinnen- und Lehrerbildung im Fach Deutsch (J. Kilian),

b) aus Perspektive des Lernens in der ersten, universitären Phase der Lehrerinnen- und Lehrerbildung im Fach Deutsch (Organisation: G. Mentel, C. Krol [Fachschaft Deutsch]),

c) aus der Perspektive Lehre und Ausbildung in der zweiten Phase der Lehrerinnen- und Lehrerbildung im Fach Deutsch (G. Knoop).

11.04.2019, 18:00 Uhr – Rechtschreiblernen: Was weiß die fachdidaktische Wissenschaft darüber? Was steht in der Zeitung dazu? Was macht die Bildungspolitik daraus?

Abstract zum Vortrag von Prof. Dr. Johanna Fay, Europa-Universität Flensburg

Methoden des Schreiben- und Rechtschreibenlernens in der Primarstufe werden medial immer wieder kontrovers und nicht ohne populistische Rhetorik behandelt. Beispielsweise werden bestimmte Methoden als überlegen und andere als unsachgemäß dargestellt, so etwa die teils leidenschaftliche Ablehnung des sog. "Schreiben nach Gehör", zuletzt Ende 2018 zu finden in BILD, ‚heute journal’, SPIEGEL etc. Dabei handelt es sich um einen von der Presse erdachten Begriff, den die fachdidaktische Wissenschaft nicht nutzt. Als unmittelbare Reaktion lässt sich im Nachgang jeweils beobachten, dass die Bildungspolitik mit teilweise weitreichenden Vorgaben und Verboten zur Didaktik des Schriftspracherwerbs auf diese Berichte reagiert. So wurde auch in Schleswig-Holstein ein verbindlicher "Rechtschreibgrundwortschatz" eingeführt, – und dies, obwohl eine Verbesserung der Rechtschreibleistungen auf der Basis eines Grundwortschatzes wissenschaftlich bisher nicht nachgewiesen werden kann. Eine sachorientiert fundierte, am Stand der fachdidaktischen Forschung ausgerichtete Debatte ist im öffentlichen Diskurs und im bildungspolitischen Raum selten zu finden.

In dem Impulsvortrag soll die Trias zum Rechtschreiblernen in der Grundschule bzgl.

"Fachdidaktischer Forschung",

"medialer Darstellung" und

"bildungspolitischer Vorgaben"

sortiert dargelegt werden. Nach einer (auch für Fachfremde) verständlichen Darstellung des Forschungsstandes zu Konzepten des Schriftspracherwerbs und der aktuellen bildungspolitischen Trends bundesweit wird exemplarisch anhand der sog. "Bonner Rechtschreibstudie" gezeigt, wie sich Ende 2018 das Thema jenseits jeglicher fachdidaktischer Fundierung in der medialen Darstellung verselbstständigt und zu einer weiten Verbreitung haltloser Annahmen zum Rechtschreiblernen geführt hat. Dieser Fall soll Anlass geben zur Diskussion über Gelingen und Versagen von Wissenschaftskommunikation im Bereich der Deutschdidaktik allgemein und Möglichkeiten zur Verbesserung der Kooperation von fachdidaktischer Wissenschaft und Bildungspolitik.

Die Didaktische Debatte wird zu diesem Termin gemeinsam mit der Deutschdidaktik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und dem Interdisziplinären Forschungskolloquium 'Sprache' der Europa-Universität Flensburg veranstaltet.

13.12.2018, 18:30 Uhr - Vereinfachte Lektüren im Deutschunterricht – Einfach, aber nicht ansprechend?

Abstract zum Vortrag von Tobias Stark, Universität Oldenburg

Vereinfachte Fassungen von literarischen Texten haben den Anspruch, bekanntere Werke auch für Schülerinnen und Schüler zugänglich zu machen, für die das Lesen der Originaltexte zu schwierig wäre. Im Vortrag wird ein Einblick in die kontrovers geführten fachdidaktischen Debatten zum Einsatz solcher vereinfachten Lektüren gegeben. Anhand konkreter Textbeispiele werden außerdem Ergebnisse des Oldenburger ÄliV-Projekts vorgestellt, in dem empirisch untersucht wird, inwiefern sich die Vereinfachungen auf das ästhetische Erleben der Schülerinnen und Schüler auswirken. Anschließend wollen wir gemeinsam über die Möglichkeiten und Grenzen solcher vereinfachten Textausgaben für den Deutschunterricht diskutieren.

19.04.2018, 18:00 Uhr - Deutschunterricht für Europa? - Über die Grenzen einer interkulturellen Literaturdidaktik

Sollte sich der Deutschunterricht stärker an den Belangen Europas ausrichten? In ihrem Vortrag plädiert Dr. Jennifer Pavlik (Universität Luxemburg) für die Ausweitung der Aufgaben des Deutschunterrichts auf den Bereich der interkulturellen Bildung, der den Erwerb interkultureller Kompetenzen stärker in den Fokus literarischer Bildung rückt. Dabei zeigt sie die Umrisse einer Didaktik auf, die den Verstehensbegriff, der klassischerweise dem hermeneutisch fundierten Deutschunterricht zugrunde liegt, problematisiert und hinterfragt, ob es Sinn macht, das Verstehen von Alterität/Fremdheit als Ziel interkulturellen Lernens zu formulieren. Gleichzeitig weist sie auf Probleme hin, die eine ‚eurozentrische’ bzw. ‚eurozentristische’ Didaktik mit sich führen kann, um über die Grenzen einer interkulturellen Literaturdidaktik für das Fach Deutsch zu diskutieren.

12.02.2018, 18:15 Uhr - Fragen und Aufgaben im Sinne des forschenden Lernens im Praxissemester Deutsch an der CAU und der EUF

26.10.2017, 17:00 - Studieneingangstests für Lehramts-Studierende im Fach Germanistik

Für ein einführendes Impulsreferat konnte Prof. Kirsten Schindler (Universität zu Köln) gewonnen werden. Frau Schindler wird die Kontroverse vor allem aus sprachdidaktischer Perspektive beleuchten und auch Einblicke in Ergebnisse aus einem aktuellen Forschungsprojekt zum Thema geben.

01.06.2017, 18:00 Uhr - Das Verhältnis der Deutschdidaktik zu ihren Bezugswissenschaften

Ausgehend von ihrem Beitrag im Themenheft "Kontroversen der Deutschdidaktik" (in: Der Deutschunterricht 2/2017 ) beleuchtet Johanna Fay (Europa-Universität Flensburg) in einem Impulsreferat das Verhältnis der Deutschdidaktik zu ihren Bezugswissenschaften (Germanistik, Bildungswissenschaften). An konkreten Beispielen aus dem universitären Lehr- und Forschungsalltag soll dann das Zusammenwirken der einzelnen Teildisziplinen der Deutschdidaktik (Literatur-, Sprach- und Mediendidaktik) in den Fokus gerückt, sowie Potentiale und Herausforderungen ihrer Integration gemeinsam diskutiert werden.