Soziale Dimensionen des Klimawandels

Als Reaktion auf globale Umweltveränderungen und zunehmende Extremwetterereignisse, die mit immensen ökologischen, ökonomischen und sozialen Kosten verbunden sind, steht Klimaschutz ganz oben auf der internationalen politischen Agenda. Im Rahmen der UN-Klimapolitik wird der Klimawandel als quantifizierbares Grenzproblem verhandelt ("planetarische Grenzen", Grenzen der globalen Erwärmung, Emissionsgrenzen). Die Definition von Grenzwerten entspricht einem natur-, wirtschafts- und ingenieurswissenschaftlichen Denken. Eine sozialwissenschaftliche und sozialgeographische Umweltforschung sollte diese umwelt- und geodeterministische Perspektive ergänzen, um die gesellschaftlichen Ursachen des Klimawandels differenzierter verstehen zu können. Die Krise gesellschaftlicher Naturverhältnisse deren Ausdruck der Klimawandel ist, steht bisher nicht im Fokus der Ursachenanalyse des Klimawandels. Diese bleibt im Vergleich zu den Anstrengungen, die auf mögliche Lösungen verwendet werden, erstaunlich eindimensional auf physikalische Ursachen beschränkt.

Die Fokussierung der Klimapolitik auf Kohlenstoffeinsparungen führt zu technologischen Lösungsvorschlägen. Die klimapolitische Logik der Bilanzierung von Kohlenstoffemissionen (carbon metrics) macht marktwirtschaftliche Instrumente anwendbar (Handel mit Emissionszertifikaten). Die Paris Agreements des UN-Klimagipfels 2015 zeigen, dass Klimawandel im Rahmen internationaler Vereinbarungen lediglich als Systemstörung eines industriekapitalistischen Wirtschaftsmodells betrachtet wird, das mit technologischen Innovationen bearbeitbar erscheint.

Eine Klimapolitik, die auf Kohlenstoffbilanzierungen basiert, hat weitreichende sozialräumliche Implikationen. Die Klimaschutzarchitektur der nächsten Jahrzehnte führt zu einer regionalen Arbeitsteilung der Emissionsreduktion, die in weiten Teilen postkoloniale Verhältnisse reproduziert. Konsumintensive Lebensstile, Mobilitätsmuster und Produktionsweisen in Industrieländern haben damit weiterhin großen Einfluss auf Entwicklungsoptionen im Globalen Süden. Aufbauend auf Forschungsarbeiten zur globalen Arbeitsteilung des Klimaschutzes untersucht die Arbeitsgruppe Integrative Geographie nationale Politiken der Flächennutzung für Klimaschutzprojekte insbesondere in Ostafrika und den Einfluss von Wachstumsstrategien in Europa.

Durchgeführte Projekte

"Klimaresiliente Stadt-Umland Kooperation Innovationen regionaler Biomasseproduktion, Kreislaufwirtschaft und Governance" mit Prof. Dr. Ines Weller (artec-Nachhaltigkeitszentrum, Universität Bremen), BMBF-Leitinitiative Zukunftsstadt, Laufzeit 04/2017 – 03/2018 (12 Monate).

Aktuelle Publikationen

Bauriedl, S. (2018): Klimaschutz als Chance für Agrarkonzerne: Bioökonomie in Afrika. In: Dietz, K., Engels, B. (Hg.): Climate Change in Africa. Social and Politcal Impacts, Conflicts, and Strategies. Peter Lang Verlag. S. 127-148.

Bauriedl, S., Müller-Mahn, D. (2018): Conclusion: the politics in critical adaptation research. In: Klepp, S., Chavez-Rodriguez, L. (eds.): A Critical Approach to Climate Change Adaptation. Discourses, Policies, and Practices. 275-286.

Bauriedl, S. (2018): Auswirkungen der internationalen Klimapolitik auf ausgewählte Länder des Globalen Südens. In: Meyer, C., Warner, B., Eberth, A. (Hg.): Klimawandel im Geographie-unterricht kompakt – Bewusstseinsbildung für eine nachhaltige Entwicklung. Hannover: Westermann-Verlag.

Bauriedl, S. (2018): Klimapolitik. In: Belina, B. / Naumann, M. / Strüver, S. (Hg.): Handbuch Kritische Stadtgeographie. Münster: Westfälisches Dampfboot. S. 263-268. (überarbeitete 2. Auflage)

Bauriedl, S. (Hg.) (2016): Wörterbuch Klimadebatte. Bielefeld: Transcript-Verlag.

Bauriedl, S. (2016): Einleitung. In: dies. (Hg.): Wörterbuch Klimadebatte. Bielefeld: Transcript-Verlag. S. 9-22.

Bauriedl, S. (2016): Klimaneutralität. In: dies. (Hg.): Wörterbuch Klimadebatte. Bielefeld: Transcript-Verlag. S. 187-194.

Bauriedl, S. (2016): Nullemissionen. In: dies. (Hg.): Wörterbuch Klimadebatte. Bielefeld: Transcript-Verlag. S. 217-223.

Bauriedl, S., Hackfort, S. (2016): Geschlechtsspezifische Verwundbarkeit. In: Bauriedl, S. (Hg.): Wörterbuch Klimadebatte. Bielefeld: Transcript-Verlag S. 95-100.

Bauriedl, S. (2016): UN-Klimagipfel in Paris 2015: Post-politische Geschlechtergerechtigkeit. In: Femina Politica 15(1): 132-136.

Bauriedl, S. (2015): Klimapolitik: Fortsetzung globaler und sozialer Ungleichheiten. In: Prokla 181: 629-636.

Bauriedl, S. (2015): Eurozentrische Weltbürgerbewegung. Zum WBGU-Sondergutachten Klimaschutz als Weltbürgerbewegung. In: GAIA 24(1): 13-16.

Bauriedl, S. (2014): Geschlechter im Klimawandel: Soziale Differenzierung als Kompetenz sozialwissenschaftlicher Klimaanpassungsforschung. In: GAIA 23(1): 8-10.

Bauriedl, S., Baasch, S., Winkler, M. (2008): Die klimagerechte europäische Stadt? Siedlungsstrukturen, städtischer Lebensstandard und Klimaveränderungen. In: RaumPlanung 137, S. 67-71.

Redaktion des Blogs "Klimadebatte" https://klimadebatte.wordpress.com

 Aktuelle Vorträge

9.10.2018: "Grüne Ökonomie: Umkämpfte Räume einer Dekarbonisierungspolitik", Interdisziplinäres Kolloquium der Europa-Universität Flensburg

16.01.2018: "Grüner Kapitalismus – das Vokabular der neoliberalen Klimapolitik" in der Vortragsreihe zu Klimawandel, Kapitalismus und Klimapolitik, Universität Göttingen

4.11.2017: "Klimagerechtigkeit und Geschlechtergerechtigkeit", People’s Climate Summit, Bonn

13.10.2017: Panel on "Multi-level models and governance concepts to manage transition processes",Centre for Marine and Atmospheric Sciences, Bremen.

2.10.2017: "Perspektiven politischer Ökologie auf postkoloniale Dekarbonisierungsstrategien", Deutscher Kongress für Geographie, Universität Tübingen

11.04.2017: "Futures of/with Climate Change in Kenya", Kenya National Museum, Nairobi

04.04.2017: "Geschlechtergerechtigkeit im Anthropozän: Was haben Gleichstellungspolitik und Klimapolitik gemeinsam?" Koordinationsstelle für Geschlechterstudien und Gleichstellung der Universität Graz

30.03.2017: "Kochen für den Klimaschutz. Rekonstruktion von Geschlechterverhältnissen in der internationalen Klimapolitik", Kolloquium des Instituts für Geographie und Raumforschung der Universität Graz

5.10.2015: "Klima-neutral? Profiteure einer sauberen Energieproduktion in Kenia", Deutscher Kongress für Geographie, Humboldt Universität Berlin

27.7.2015: "Post-colonial visions, geographical imaginations, and Carbon Colonialism" at the International Congress of Critical Geography, Ramallah