Everyone has the right to education. Education shall be free, at least in the elementary and fundamental stages. The Universal Declaration of Human Rights, Article 25

Vortrag auf der IMISCOE Spring Conference in Sheffield

29. März 2019

Vorstellungen und Erwartungen, die Geflüchteten von Seiten institutioneller Akteur*innen entgegengebracht werden, stehen in engem Zusammenhang mit nationalen Integrationsstrategien und lokalen Handlungsspielräumen. Der jeweilige nationale und lokale Bezugsrahmen beeinflusst somit, wie die Begriffe "Integration" und "Partizipation" von institutionellen Akteur*innen im Amt Südtondern in Deutschland und der Tønder Kommune in Dänemark verstanden werden.

Dieser Gedanke war Ausgangspunkt des Vortrags "Integration or participation? Understandings of integration among local institutional actors in a Danish-German comparison", welchen Magdalena Jäger bei der IMISCOE Spring Conference in Sheffield präsentierte.

Nach einer theoretischen Differenzierung der Begriffe "Integration" und "Partizipation" stellte Magdalena Jäger Ergebnisse qualitativer Expert*inneninterviews mit institutionellen Akteur*innen vor, die im Rahmen des vom BMBF geförderten Projekts "Bildung und Flucht" von ihr im Amt Südtondern und von Katja Holz in der Tønder Kommune geführt worden waren. In den Interviews wurden verantwortliche Akteur*innen aus den Bereichen Bildung und Partizipation gezielt nach ihrem Verständnis der beiden Begriffe befragt. Bei der Auswertung wurde deutlich, dass der Begriff "Integration" auf beiden Seiten der deutsch-dänischen Grenze direkt mit Kernbereichen, wie Sprache, Arbeit und Bildung in Verbindung gebracht wird. Während Interviewpartner*innen aus dem dänischen Forschungsgebiet die gemeinsame Verantwortung von Geflüchteten, zuständigen Institutionen und der lokalen Bevölkerung hervorheben, wird die Verantwortung für Integration im deutschen Forschungsgebiet eher bei den Geflüchteten gesehen. Anders stellt sich das beim Begriff "Partizipation" dar. Interviewpartner*innen aus dem Amt Südtondern verbinden diesen überwiegend mit idealisierten Vorstellungen von Selbstbestimmung, Mitgestaltung und Einflussnahme, wohingegen die Interviewpartner*innen in der Tønder Kommune konkrete Erwartungen, wie die Präsenz und aktive Beteiligung an lokalen Aktivitäten, formulieren.

Durch den Vergleich der Interviews wurde zudem erkennbar, dass institutionelle Akteur*innen aus dem Amt Südtondern private und individuelle Verständnisse von "Integration" und "Partizipation" entwickeln und diese im Interview darlegen. Hierbei kommt es zu weitreichenden Unterschieden, welche sich zwischen einem anpassungsorientierten und einem auf Partizipation ausgerichteten Verständnis verorten. Hingegen erläutern institutionelle Akteur*innen der Tønder Kommune in den Interviews ihre professionelle Haltung und stehen mit ihren Aussagen im Bezugsrahmen des klaren staatlichen Integrationskonzepts.

Der Austausch mit anderen Wissenschaftler*innen im Rahmen der Session "Intentional Welcome" und zahlreicher weiterer Vorträge ermöglichte Einblicke in andere nationale und lokale Ankommenskontexte für Geflüchtete und bestätigte die Tragweite internationaler Vergleiche für die Forschung. Deutlich wurde ebenfalls, wie wichtig eine theoretische und empirische Vertiefung der Begriffe "Integration" und "Partizipation" ist, deren Verständnis oft als common sense vorausgesetzt wird, ohne differenziert betrachtet zu werden. Besonders die intensive Auseinandersetzung mit konkreten Forschungsgebieten und die Fokussierung sowohl auf Perspektiven institutioneller Akteur*innen als auch Geflüchteter selbst, erlangte dabei großen Zuspruch. Ermutigt dadurch befassen sich die Projektmitarbeiter*innen derzeit mit Sichtweisen Geflüchteter in den zwei Forschungsgebieten in Bezug auf die Themen Bildung und Partizipation.