Everyone has the right to education. Education shall be free, at least in the elementary and fundamental stages. The Universal Declaration of Human Rights, Article 25

Theater- und Videoworkshops im Amt Südtondern

22. - 24. November 2019 & 13. - 15. Dezember 2019

Im Winter 2019 fanden im Amt Südtondern zwei Workshops statt, die das Ziel verfolgten, mithilfe kreativer Methoden die sozialen Kommunikations- und lokalen Partizipationskompetenzen junger Geflüchteter zu stärken. Dafür wurden zwei sich gegenseitig ergänzende Formate konzipiert und durchgeführt: Ein theaterpädagogischer Workshop und ein Videoworkshop.

Die beiden Workshops fanden mit Unterstützung des Bürgermeisters, der Volkshochschule und des Hauses der Jugend in den Räumlichkeiten der Gemeinde Leck statt. An den Workshops nahmen sieben junge Geflüchtete im Alter zwischen 15 und 27 Jahren aus dem Amtsbereich teil.

Der Theaterworkshop  wurde vom Theaterpädagogen Folke Witten-Nierade geleitet, der über langjährige und vielfältige Erfahrungen verfügt.

Der Aufbau des Workshops orientierte sich am "Theater der Unterdrückten" von Augusto Boal und zielte insbesondere auf die Stärkung der Selbst- und Raumwahrnehmung sowie der körperlichen und (mehr)sprachlichen Ausdrucksfähigkeit. Zu diesem Zweck wurden verschiedene (theater-)pädagogische Methoden eingesetzt:

  • freies Assoziieren und Erzählen zu Bildpostkarten
  • gemeinsame körperliche Bewegungen, Lachen und kreatives Ausprobieren bauten Hemmschwellen und Berührungsängste zwischen den Teilnehmenden ab und Vertrauen auf
  • szenische Improvisationen dienten dem eigenen Ausdruck und Erkennen von Emotionen und Stimmungen (z.B. Ärger, Freude, Langeweile, Frust) sowie der Entwicklung der eigenen Fantasie und Vorstellungskraft
  • eine gemeinsam entwickelte Fantasiesprache ermöglichte eine freiere, sprachlich nicht beschränkte Form des Ausdrucks
  • Wahrnehmungs- und Ausdrucksübungen zielten auf die bewusste Wahrnehmung und Beschreibung von Orten anhand von Geräuschen, Aussehen, Gerüchen und Gefühlen
  • Vorbereitende Überlegungen für den Videoworkshop: Auswahl persönlich emotional bedeutsamen Orte, erste Foto- und Videoaufnahmen als Einführung in die Bildsprache

Der folgende Videoworkshop wurde von Jytte Hill geleitet, die als Filmemacherin bereits Workshop-Erfahrungen mit Jugendlichen sowie jungen Geflüchteten mitbrachte. Mit ihrer Unterstützung wurde innerhalb von drei Tagen ein Video über den eigenen Lebensort produziert. Dabei wurden sowohl die Eigen- als auch die Ortswahrnehmungen gestärkt und zudem technische und filmische Kompetenzen erworben.

Am Ende des Workshops wurde das erstellte Filmmaterial zusammengetragen und mit den Teilnehmenden gesichtet. Hierbei wurde in die Technik des professionellen Filmschnitts eingeführt. Der konkrete Filmschnitt wurde nachfolgend von Jytte Hill vorbereitet und bei einem weiteren Schneidetermin mit Teilnehmenden bearbeitet. Die Finalisierung des Films erfolgte in 2020 durch Jytte Hill.

Der fertige Film 'Lecker Perspektiven' wurde am 13.03.2020 im Rathaus von Leck vor Publikum gezeigt und diente im Rahmen der Veranstaltung als Grundlage für den lokalen Dialog zwischen Geflüchteten und institutionellen Akteur_innen vor Ort. Die im Film artikulierten Perspektiven und Sichtweisen der Geflüchteten trugen somit dazu bei, dass ein Dialog auf Augenhöhe erreicht werden konnte.