FabricaDigitalis

Praxiswerkstatt für digitale Entwicklung in Lehre und Studium
Forum für Lehrer*innenbildung und Digitalität

Die grundlegenden Ideen zur FabricaDigitalis wurden während der vergangenen zwei Jahre durch eine Arbeitsgruppe der Vizepräsidentin für Studium und Lehre skizziert. FabricaDigitalis ist auf eine von und mit interessierten Lehrenden und Studierenden gemeinsam betriebene Entwicklung angewiesen, um möglichst viele Facetten der Praxis von Bildung und Digitalität zu erkennen und zu bearbeiten.

Aufgrund der besonderen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus hat sich das Präsidium der Europa-Universität Flensburg dafür ausgesprochen, dieses eigentlich auf eine stetige, längerfristige Entwicklungsperspektive angelegte Vorhaben sofort zu starten. Die FabricaDigitalis wird in einer vernetzt-integrativen Weise zusammen mit anderen Einrichtungen der Europa-Universität Flensburg einerseits die zeitnahe Entwicklung von Unterstützungsformaten für Lehrende mit vorantreiben. Andererseits wird sie Austauschformate anbieten für eine langfristig angelegte, von vielen gemeinsam getragene Entwicklung einer Art ‚Alltagskonzept für digitale Bildungspraxis‘ – besonders auch hinsichtlich Lehrerinnen- und Lehrerbildung.

Praxis–Bildung–Digitalität

Die FabricaDigitalis ist ein spezifischer Ort der Aushandlung und Entwicklung soziokultureller Praktiken vor dem Hintergrund von Digitalität im Bildungsalltag der Europa-Universität Flensburg. Während Digitalisierung sich eher auf den infrastrukturellen Aufbau sowie das Erlernen grundlegender Techniken und Verfahren bezieht, meint Digitalität das Vorhandensein einer digitalen Umgebung in einer gesellschaftlichen Breite, die einen Möglichkeitsraum für neue soziale und kulturelle Praktiken eröffnet. Siehe hierzu Felix Stalder:

Felix Stalder: Kultur der Digitalität

Felix Stalder: Kultur der Digitalität

"Interview mit Prof. Felix Stalder über die Kultur der Digitalität"

Kritisch-konstruktive Perspektive

Bildungsinstitutionen müssen sich mit dieser Entwicklung auseinandersetzen und sich positionieren, um nicht zunehmend ‚aus der Zeit zu fallen‘. Dies bedeutet keineswegs, dass etablierte Kulturtechniken durch neue ergänzt und ersetzt werden müssten. Vielmehr gilt es, die Bedeutungen bestehender und neuer Praktiken gemeinsam auszuhandeln und diese einerseits kritisch zu hinterfragen, gleichzeitig aber auch neue Möglichkeiten zuzulassen und zu gestalten. Da diese Möglichkeiten auch neue Qualitäten besitzen, ist deren Bewertung nach einem lediglich dualen Schema von Chancen und Risiken wenig zielführend. Es bedarf einer Erweiterung von Bewertungsmaßstäben.

Exploration und Aushandlung soziokultureller Praktiken im Bildungsalltag

Die FabricaDigitalis unterstützt Lehrende der Europa-Universität Flensburg in der Erkundung neuer Möglichkeiten/Verfahren/Praktiken im Alltag ihrer Lehre. Hierbei werden mitunter prototypische, eigens für bestimmte Zwecke erstellte, digital-vernetzte Plattformen temporär in Betrieb genommen. Wird eine solche gemeinsame Entwicklung und Umsetzung von den Beteiligten (v.a. von Studierenden und Lehrenden) als bereichernd erfahren, dann erstellt FabricaDigitalis hierzu eine kommentierte, für alle verfügbare Präsentation.

Auf diese Weise können im Alltag von Lehre und Studium neue (Sozial-)Praktiken entstehen, die von den am Lehrgeschehen Mitwirkenden auch wirklich getragen bzw. gelebt werden.

Service für die Lehre

Mit zunehmender Erfahrung in der Exploration werden sich Unterstützungsbedarfe seitens Lehrender und Studierender zeigen. Die FabricaDigitalis setzt sich – vernetzt mit anderen Einrichtungen der Europa-Universität Flensburg – für die Entwicklung und Etablierung entsprechender Dienstleistungen ein. Ob hieraus später möglicherweise eine Serviceeinrichtung für Lehre, eine Art E-Learning-Büro oder auch 'Innovationseinheit' entstehen wird, hängt hauptsächlich von den im Alltag erhobenen und in den Austauschformaten artikulierten Bedarfen ab. Zunächst befindet sich die FabricaDigitalis grundsätzlich in einem Entwicklungsmodus ihrer selbst.

Community of Practice

Die FabricaDigitalis versteht sich als Aushandlungs- und Entwicklungsplattform, auf welcher Bedeutungen gemeinsam verhandelt und reflektiert werden. Hierfür bietet sie moderierend verschiedene Austauschformate an. Die Fokusgruppen sind zunächst Lehrende, in einem folgenden Schritt auch Studierende und alle am Geschehen Interessierten.

Besondere Bedeutung der Lehrerinnen- und Lehrerbildung

Ein Schwerpunkt liegt auf einer Unterstützung alltagspraktischer Entwicklungen der Lehrerinnen- und Lehrerbildung an der Europa-Universität Flensburg. Denn angehende Lehrkräfte entwickeln nicht nur im Studium ihre Fähigkeiten und Haltungen, sondern sie werden auch in besonderem Maße zu Multiplikatoren und oft auch zu Schulentwicklerinnen bzw. Schulentwicklern. Eine konzeptuell gestützte Entwicklung neuer Praktiken wird dann gelingen, wenn alle an der Lehrerinnen- und Lehrerbildung beteiligten Fächer sowie der pädagogische Bereich gemeinsame Anstrengungen unternehmen.

Name

Hintergrund

An Universitäten/Hochschulen wird seit gut zwei Jahrzehnten mehr oder weniger um eine Konzeptualisierung digitaler Verfahren im Alltag des Bildungsgeschehens gerungen. Auch die Institution Schule steht diesbezüglich vor der Aufgabe von Umstrukturierung und Transformation in mehrfacher Hinsicht. Initiativen, die an Bildungseinrichtungen ‚Digitalisierungsvorhaben‘ umsetzen, tun dies meist vor dem Hintergrund ganz bestimmter Begründungsfiguren. Überwiegend bestehen die Grundüberzeugungen darin, dass (1) sich Bildung ganz generell an gesellschaftliche Verhältnisse anpassen muss, (2) das Lehren und Lernen effizienter gestaltet werden kann und (3) für neue Berufsbilder adäquat ausgebildet werden muss. In diesem Spektrum bewegen sich auch entsprechende Förderlinien – nicht nur von staatlicher Seite, sondern auch von privaten Stiftungen und Konzernen.

Die Zielperspektiven hierbei sind meist Innovation, Effizienz und/oder Wachstum. Digital-vernetzte Technologien werden als Werkzeuge begriffen, anhand deren geschicktem Einsatz dies erreicht werden kann. Eine gerade für Bildungsinstitutionen weitaus weitreichendere Perspektive, die in einschlägigen bildungs-, kultur- und medienwissenschaftlichen Diskursen verhandelt wird, ist die Betrachtung digitaler Netzwerktechnologien als Strukturen, die ihrerseits untrennbar mit Akteuren und deren Praktiken verbunden sind: Hierdurch bestehen Zusammenhänge zwischen diesen sozialen Techniken einerseits und Phänomenen wie z.B. Beschleunigung, Rationalisierung oder auch neuen Auffassungen von Räumlichkeit andererseits, die tendenziell für einen generellen gesellschaftlich-kulturellen Wandel stehen.

In diesem Sinne sind digitale Technologien nicht einfach ohne weiteren Kontext in Dienst nehmbare Werkzeuge, sondern verändern eben diese Praktiken – und hierüber letztlich ganze Institutionen. Auf diese Weise ist die ‚Gemachtheit‘ digital-vernetzter Systeme untrennbar verbunden mit disziplinierenden Aspekten für die einzelnen Akteure, deren Subjektivierung (= Bildung) und Sozialisation. Die jeweils zugrundeliegenden Zielperspektiven von Digitalisierungsprojekten entfalten somit auch hier eine Wirkung. Dies mag ein Hauptgrund dafür sein, weshalb einer ‚Einführung digitaler Praktiken‘ an Bildungsinstitutionen so oft scheinbar kulturkonservative und tendenziell pessimistische Haltungen ihrer Mitglieder entgegenschlagen.

Die FabricaDigitalis begleitet einen eher unkonventionellen Weg der Digitalisierung des Alltags von Lehre und Studium an der Europa-Universität Flensburg. Er ist gekennzeichnet durch die grundlegende Auffassung, dass der Umgang mit digital-vernetzten Verfahren zuallererst kultiviert werden muss – und dass dies genau dann und in ‚sozialkulturell-verantwortungsvoller Weise‘ gelingen kann, wenn die Struktureigenschaften und -bedingungen dieser Technologien den bzw. durch die Beteiligten reflexiv zugänglich gemacht und in konkrete Praktiken einer Wissensarbeit mit Aspekten der Zusammenarbeit, des Austausches und des Teilens – also eines Miteinander vor dem Hintergrund von Digitalität – überführt werden. Genau dies möchte die FabricaDigitalis mit ihren verschiedenen Angeboten ermöglichen.

Logo