Laufzeit

01.07.2017–15.11.2019

Gefördert und finanziert durch:

Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek)
BKK Dachverband e. V.
IKK e. V.
KNAPPSCHAFT
Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forst und Gartenbau (SVLFG)
In Kooperation mit der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Kurzbericht zur Evaluation

kurzfassung-spielebox-euf...

Datum:
17.02.2020
Datei:
1 MB (PDF)
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Poster zur Evaluation der Spielebox Aufgetischt

poster-spielebox.pdf

Datum:
08.06.2020
Datei:
1 MB (PDF)
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Evaluation der Spielebox „Aufgetischt!“

Unter Vermittlung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) entstand 2017 eine Kooperation zwischen den Krankenkassen (vdek, BKK, IKK, KNAPPSCHAFT, SVLFG), dem Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) und der Europa-Universität Flensburg (EUF). Durch das Kooperationsprojekt Spielebox "Aufgetischt!" war es möglich, eine Stückzahl von 18.502 Spieleboxen in settingorientierte Interventionsprojekte (z. B. Schule, KiTa und Institutionen der Flüchtlingshilfe usw.) primär durch Krankenkassen bundesweit zu verteilen (Mai 2018 - August 2019).

Hauptfragestellung der Evaluation

Welche Potenziale liefert die Spielebox "Aufgetischt!" im Einsatz innerhalb evtl. bestehender settingorientierter Maßnahmen in Schule und Kommune im Rahmen der Gesundheitsförderung für Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund? Zusätzlich sollen Handlungsempfehlungen zur Qualitätssicherung für die Gesundheitsförderung herausgearbeitet werden.

Methodisches Vorgehen

Qualitative und quantitative Forschungsmethoden (Mixed-Methods-Ansatz)

  • Befragung der Krankenkassen über die Verteilungswege der Spieleboxen,
  • Online-Befragung der Nutzer*innen (Multiplikator*innen) der Spieleboxen (n = 313)
  • 20 Multiplikator*innen-Interviews sowie
  • Beobachtungen und Interviews zum Einsatz der Spielebox in verschiedenen Maßnahmen mit 13 Multiplikator*innen im Rahmen von 5 Best-Practice-Beispielen.

Ergebnisse

1. Erreichbarkeit

In den Settings fungieren die Multiplikator*innen nicht nur als Sprachförderer, sondern insbesondere als Ansprechpartner für alltagsbezogene Lebenslagen. Dabei wird "Aufgetischt!" wortwörtlich genommen, die Welt sitzt an einem Tisch, Gebräuche und Traditionen der Herkunftsländer spielen eine große Rolle.

Insgesamt wurden 108.318 Menschen mit Migrationshintergrund durch das Kooperationsprojekt im Zeitraum Mai 2018 bis Juni 2019 erreicht.

2. Thema Essen und Trinken

Die Interkulturalität des Themas schafft Vertrauen untereinander, wodurch Fremdheit überwunden werden kann. Zusätzlich werden Prozesse der Ernährungsbildung und des Handelns über Kognition, Emotion und Motivation eingeleitet. Auf diese Weise wird die gesellschaftliche und gesundheitliche Teilhabe der Lernenden gefördert.

3. Sprach-, Lese- und Schreibfähigkeiten

Der methodisch-didaktische Ansatz erleichtert den Zugang zur Sprache für Sprachanfänger über das lebensnahe Thema, die Methodik Spiel sowie die zahlreichen Gesprächsanlässe. So werden insbesondere Sprachanlässe gefördert, der Wortschatz zum Thema Essen und Trinken erweitert sowie der richtige Einsatz von Artikeln verbessert.

4. Spielpädagogischer Ansatz

Der Austausch untereinander bezüglich der biografischen Herkunft wird gefördert. Es werden durch die soziale Interaktion des Spiels das Miteinander sowie die Atmosphäre in der Gruppe verbessert.

Durch die Methode Spiel erfolgt das Lernen implizit, auch bei Lernenden, die noch keine Schreib- oder Sprachfähigkeiten aufweisen. Lernschwache, zurückhaltende Lernende werden zur Teilnahme an Maßnahmen motiviert und beteiligen sich stärker.  Ferner entwickeln die Lernenden Freude am Lernen.

5. Weitere Bedarfe

Inhaltlich zeigen sich Bedarfe für Themen mit Lebensweltbezug wie z. B. Bewegung, Frauengesundheit, Kindergesundheit, Gesundheit und Verordnungen. Darüber hinaus gilt es, die Multiplikator*innen vor Ort auf vielfältige Weise zu unterstützen, beispielsweise durch weitere Materialien zu Alltagsthemen oder Schulungen.

Schlussfolgerung

Die Spielebox "Aufgetischt!" bedient primär heterogene Einzelmaßnahmen auf kommunaler und schulischer Ebene, ergänzt und erweitert diese jedoch sinnvoll. Die Möglichkeit, vulnerable Bevölkerungsgruppen im Kontext einer sprachsensiblen Gesundheitsförderung zu erreichen, ist durch die Spielebox "Aufgetischt!" gegeben. Die Ergebnisse der Evaluation zeigen vielfältige Potenziale für zukünftige Projekte, Möglichkeiten für Weiterentwicklungen der Spielebox sowie für die Entwicklung neuer Lehr- und Lernmaterialien auf.

So hat die Spielebox das Potenzial, sozial zu verbinden sowie gesellschaftliche und gesundheitliche Teilhabe zu fördern, aber auch zu konfrontieren, z. B. mit dem eigenen Ess- und Einkaufsverhalten, und fordert dadurch auf unterschiedlichen Ebenen heraus. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, neben einer weiteren Auflage die Entwicklung neuer Spieleboxen oder Ergänzungssets zu alltagsnahen und gesundheitsbezogenen Themen (Bewegung, Frauengesundheit, Kindergesundheit u.v.m.) zu ermöglichen.