Verantwortlich

Laufzeit

01.04.2019 - 30.09.2021

Projektmitarbeitende

Institution der EUF

Seminar für Anglistik und Amerikanistik

Finanzierung


Wissen (über) Morgen 2.0: Indigen-Nordamerikanische Zukunftsarchive des 21. Jahrhunderts

Im westlichen Verständnis indigen-nordamerikanischer Kulturen sind bis ins 21. Jahrhundert hinein zeitliche Topoi des Aussterbens und der Vergangenheit prägend. Den durch James Fenimore Coopers ‚edle Wilde‘ oder James Camerons Hollywood-Erfolg Avatar nachhaltig perpetuierten Diskursen der Obsoleszenz steht eine bisher in weiten Teilen unerforschte Fülle narrativer, visueller, medialer und digitaler Zukunftskonstruktionen gegenüber, in denen indigen-amerikanische Künstler/innen, Kurator/inn/en und Schriftsteller/innen wie z. B. Gerald Vizenor, Kent Monkman, Elizabeth LaPensée, Skawennati, Debra Yepa Pappan, Danis Goulet, and Manuelito Wheeler soziale und politische Wirkungsansprüche, Fragen kultureller Differenz und die Validität alternativer Wissens- und Erkenntnissysteme neu verhandeln.

Stichworte

Native American Studies, Amerikanistik, Archiv, USA, Kanada

Beschreibung

Im westlichen Verständnis indigen-nordamerikanischer Kulturen sind bis ins 21. Jahrhundert hinein zeitliche Topoi des Aussterbens und der Vergangenheit prägend. Den durch James Fenimore Coopers ‚edle Wilde‘ oder James Camerons Hollywood-Erfolg Avatar nachhaltig perpetuierten Diskursen der Obsoleszenz steht eine bisher in weiten Teilen unerforschte Fülle narrativer, visueller, medialer und digitaler Zukunftskonstruktionen gegenüber, in denen indigen-amerikanische Künstler/innen, Kurator/inn/en und Schriftsteller/innen wie z. B. Gerald Vizenor, Kent Monkman, Elizabeth LaPensée, Skawennati, Debra Yepa Pappan, Danis Goulet, and Manuelito Wheeler soziale und politische Wirkungsansprüche, Fragen kultureller Differenz und die Validität alternativer Wissens- und Erkenntnissysteme neu verhandeln.

An den Schnittstellen zwischen naturwissenschaftlichen, philosophischen und inter/kulturellen Dimensionen von Zeitlichkeit und verwurzelt in Vorstudien zu indigen-Amerikanischer Literatur und Science Fiction untersucht dieses Projekt erstmals systematisch und gattungsübergreifend das Phänomen indigen-amerikanischer futurity anhand musealer und virtueller Räume. Ausgehend von der Annahme, dass Konzepte von Zeitlichkeit und Identität vor allem durch kulturelle Narrative, visuelle Medien, materielle und virtuelle Repräsentationsformen konstruiert werden, erfasst unser Projekt sowohl (1) die Repräsentationsformen nationenspezifischer und pan-indigener Museen und Kulturzentren, z.B. in Washington, D.C., North Carolina, Arizona und Oklahoma als auch (2) die virtuellen Umgebungen indigener Videospiele, digitaler Medien, Webpräsenzen und virtual-reality installations, um deren Intersektionen mit Wissenskulturen und Differenz, politischer und gesellschaftlicher Identitäten, ökologischer Nachhaltigkeit und globaler Verantwortung auszuloten.

Ausgehend von jüngsten Forschungsergebnissen innerhalb der Indigenous Studies konzeptualisiert und übersetzt das Projekt Methoden und Strukturen von Zeitlichkeit in indigen-amerikanische "Archive" (im Sinne Derridas als "unzerlegbare Zukunftserfahrungen") im Hinblick auf folgende Zielsetzungen:

·        die wiederkehrenden (narrativen, visuellen und virtuellen) Muster dieser Archive in einer umfassenden Semantik indigen-nordamerikanischer Zukunft zu beschreiben

·        die Resonanzeffekte dieser Semantik in der Darstellung und Verarbeitung kollektiver Geschichte im Hinblick auf Dimensionen von Zukünftigkeit und "temporal sovereignty" (Rifkin 2017) zu untersuchen

·        indigene Zeit- und Zukunftsauffassungen innerhalb größerer (alternativer) Wissenssysteme zu verorten und 

·        die konkreten Strategien zu identifizieren, durch die diese Wissenssysteme kulturübergreifend in Museen und in digitalen Räumen vermittelt werden.

Die dargestellten Zukunftsszenarien lassen sich nach ersten Hypothesen als mikrokosmische Laboratorien verstehen, in denen zentrale Fragen des 21. Jahrhunderts verhandelt werden: kulturelle Mobilität und Diversität, Nachhaltigkeit im Umgang mit natürlichen Ressourcen sowie sichere und selbstbestimmte Gesellschaften. Durch seine interdisziplinäre und transnationale Ausrichtung revidiert das Projekt nicht nur hegemoniale Geschichtsschreibung und den ‚Kanon‘ kultureller Eigenwahrnehmung; es leistet  zudem thematisch wie methodologisch einen bedeutenden Beiträge zu dem noch jungen Feld der Indigenous Studies und zur amerikanistischen Forschung.