Rechtschreibdidaktik als Thema des öffentlichen Diskurses

Rechtschreibdidaktik ist ein wiederkehrendes Thema in der Öffentlichkeit. Es wird i.d.R. immer dann verhandelt, wenn von vermeintlich schwachen Rechtschreibleistungen von Kindern und Jugendlichen die Rede ist. Gegenstand sind dabei in erster Linie Methoden und Konzepte des Rechtschreibunterrichts sowie das didaktische Vorgehen der Lehrkräfte. Zu beobachten ist, dass die in der Öffentlichkeit verhandelten Annahmen und der aktuelle Stand der fachdidaktischen Forschung zum Rechtschreiblernen und -lehren erheblich auseinandergehen. Diese Diskrepanz ist Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit. Ziel ist es, die Mechanismen, Zusammenhänge und Ursachen im öffentlichen Diskurs zur Rechtschreibdidaktik systematisch zu beschreiben und damit besser zu verstehen.

Key facts

Main research
Sprachdidaktik: Orthographiedidaktik
Keywords
Orthographie, Rechtschreibung, Rechtschreibdidaktik, Schriftspracherwerb, Schriftspracherwerbskonzepte, Schreiben nach Gehör
Duration
01/01/19 - Until further notice
University institutions
Seminar für Germanistik, Institut für Sprache, Literatur und Medien

Description

Das Projekt widmet sich der wissenschaftlichen Erforschung des öffentlichen Diskurses zu Rechtschreibleistungen von Schüler!nnnen. Fokussiert wird in besonderer Weise die Diskrepanz zwischen fachwissenschaftlichen Erkenntnissen und öffentlichen Annahmen. Den fachdidaktischen Kern der Arbeit bildet der Fokus auf Lehrkräfte, welche als Akteure des öffentlichen Diskurses auftreten. Ihre öffentlichen Äußerungen offenbaren eine besonders authentische, bisher nicht erforschte Facette von Lehrerexpertise.

Im Einzelnen werden folgende Perspektiven auf den öffentlichen Diskurs zur Rechtschreibdidaktik eingenommen:

Soziolinguistische Perspektive I (Sprachkritik, Laienlinguistik, Sprachenpolitik)

Wie ist es möglich, dass ein vergleichsweise trockenes Thema wie Rechtschreibung auf ein so breites öffentliches Interesse stößt? Wieso scheint das Gros der Diskutanten eine eher rückwärtsgewandte Meinung zum Thema zu haben? Und wieso ist der Diskurs derart immun gegen aktuelle Forschungsergebnisse? Diese Fragen zielen nicht auf die sprachwissenschaftlich beschriebene, sondern auf die gesellschaftliche Funktion von Rechtschreibung und Rechtschreibleistung ab.

Soziolinguistische Perspektive II (Experten-Laien-Paradigma, Lehrerprofessionalitätsforschung)

Sind Lehrkräfte im Diskurs zur Rechtschreibdidaktik per Amt die Experten und alle anderen die Laien? Wie kann sich Expertentum neben dem Äußerungsinhalt in der Äußerungsweise zeigen? Im Feld der Forschung zur Laienlinguistik ist jüngst ein Forum entstanden, in dem das Konzept von ‚Experten‘ und ‚Laien‘ in Diskursen über Sprache kritisch neu verhandelt wird (vgl. Antos/Niehr/Spitzmüller 2019). Auf dieser Folie wird das Profil des Diskursteilnehmers ‚Lehrkraft‘ in Abgrenzung zu weiteren Akteuren erarbeitet.

Empirische, diskursanalytische Perspektive (Diskursanalyse, Medienanalyse, Korpusanalyse)

Welche Thesen werden von welchen Akteuren und von welchen Medien vertreten? Wie argumentieren Lehrkräfte im Unterschied zu anderen Akteuren? Oder lassen sich umgekehrt, unabhängig von der Akteursgruppe, Argumentationsweisen zusammenfassen? In der korpusbasierten, diskursanalytischen Perspektive werden digitalisierte Sprachdaten eines Korpus von Debattenbeiträgen zur Rechtschreibdidaktik en détail analysiert.

Mit dieser Arbeit wird in dem großen Wirkungsgefüge schulischer Bildung eine Facette, nämlich die Meinung der Öffentlichkeit zu einem basalen Lerninhalt, differenziert theoriebasiert und empirisch betrachtet. Es darf davon ausgegangen werden, dass diese Facette eine Wirkung auf Lehrkräfte und ihre Unterrichtspraxis hat; konkret: dass Unterricht zum Schriftspracherwerb verdeckt davon beeinflusst wird, was ‚die Leute‘ über guten und schlechten Rechtschreibunterricht sagen. Inwiefern der öffentliche Diskurs genau auf das unterrichtliche Handeln wirkt, ist die zu klärende Frage in Folge der vorliegenden Arbeit.

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