Finanzierung:

Challenges for Europe

Finanzierungsperiode:

9/2021 - 8/2022

Lockdown of the Public Sphere? Value Contestation and Digital Mobilization during the COVID-19 Pandemic

Das Projekt analysiert die Dynamik von Wertestreitigkeiten und politischer Mobilisierung in sozialen Medien während der COVID-19 Pandemie, die in Europa zu beobachten sind. Es zielt darauf ab, die Mobilisierungskraft von Anti-Lockdown-Protesten zu verstehen und (Gegen-)Maßnahmen vorzuschlagen, die die Resilienz des demokratischen öffentlichen Raums stärken können. Wir führen eine eingehende Untersuchung einer Social-Media-Plattform (Instagram) für sechs Länder in Zeiten von COVID-19 durch, indem wir diverses Bildmaterial zur COVID-19 Pandemie auf Instagram analysieren. Wir erwarten von der Studie neue Erkenntnisse und methodische Werkzeuge, um die Muster und Resonanz digitaler Mobilisierung zu verfolgen.

Projektbeschreibung

Wer könnte die Fotos von Demonstrant*innen vergessen, die im Zuge der Proteste gegen COVID-19-Beschränkungen den deutschen Bundestag im August 2020 attackierten? In ganz Europa haben Proteste gegen COVID-Beschränkungen ähnliche Bilder geliefert. Hinter diesen Massenmobilisierungen stand ein komplexes Geflecht von Motivationen, die mit einer Reihe von grundlegenden Werten verbunden waren: Bürgerrechte, Meinungsfreiheit, Datensicherheit, die Notwendigkeit, gefährdete soziale Gruppen (wie Pflegekräfte und Migrant*innen) zu schützen, Gleichberechtigung der Geschlechter und die Autorität der Wissenschaft. In einigen Ländern (Irland, Großbritannien) waren die Demonstrationen eindeutig rechts und populistisch; in anderen (z. B. Polen) waren sie entweder mit keiner spezifischen politischen Position verbunden oder (z. B. Spanien) kombinierten sowohl rechte als auch linke Positionen. Abgesehen von diesen Unterschieden zeigt ein genauerer Blick auf die Proteste gewisse Gemeinsamkeiten: Sie mobilisierten zwar digital auf Social-Media-Plattformen, um ihre Botschaft zu verbreiten, doch die physische Präsenz durch Demonstrationen ging nicht verloren und sprach breite Bevölkerungsschichten an. Diese Proteste knüpften an unterschwellige, bereits vorhandene Wertekonflikte unter den Bürger*innen an. Wie können wir diese Protestdynamik erklären? Wie groß war die Resonanz innerhalb und zwischen den europäischen Gesellschaften? Haben sie die europäische Öffentlichkeit weiter gespalten und bestehende Wertepolarisierungen vertieft oder - im Gegenteil - die Widerstandsfähigkeit der europäischen Öffentlichkeit unter Beweis gestellt?