Finanzierung:

Challenges for Europe

Finanzierungsperiode:

9/2020 - 8/2023

Value Conflicts in a Differentiated Europe: The Impact of Digital Media on Value Polarisation in Europe (ValCon)

Forschungsfragen

Das Projekt untersucht ob und wie digitale und soziale Medien die zunehmende gesellschaftliche Wertepolarisierung und den Aufstieg des Populismus in Europa befördern. Es umfasst eine vergleichende Umfrage in sechs Ländern und eine qualitative Analyse von Debatten, die in sozialen Medien geführt werden. Das übergeordnete Ziel unserer Forschung ist es, die wachsende Tendenz, zentrale Werte des europäischen Projekts in Frage zu stellen, zu erklären. ValCon befasst sich mit den Herausforderungen, die durch eine tiefe Krise der liberalen Demokratie in Europa und der Welt entstehen. Wir gehen davon aus, dass diese Krise eine Manifestation zunehmender Konflikte über liberale Werte ist, die - so argumentieren wir weiter - durch soziale Medien sowohl angetrieben als auch verstärkt werden.

ValCon stellt die folgende Kernfrage: Inwieweit können Wertekonflikte, wie sie sich in polarisierten Meinungen und extremen politischen Ansichten in der Öffentlichkeit ausdrücken, auf Kommunikationsmuster in den sozialen Medien zurückgeführt werden? Um diese Frage zu beantworten, analysieren wir die Dynamik von Online-Debatten zu Wertekonflikten und deren Auswirkungen auf die Legitimität der politischen Ordnung. Driftet die EU als Wertegemeinschaft auseinander? Und wenn ja, wie hängt dieses "Auseinanderdriften" mit der Erosion des Wertekonsenses auf nationaler Ebene zusammen? In diesem Zusammenhang adressiert unser vorgeschlagenes Projekt zwei große Herausforderungen, vor denen europäische Gesellschaften heute stehen: den rasant zunehmenden Beitrag digitaler Medien zur politischen Polarisierung und das Entstehen neuer sozialer Spaltungen innerhalb und zwischen europäischen Gesellschaften.

Die Haupthypothese von ValCon ist, dass eine mediatisierte Logik der Werteauseinandersetzung ein zentraler Faktor zur Erklärung dieser neuerdings zu beobachtenden sozialen Spaltungen innerhalb der europäischen Gesellschaften ist. Um diese mediatisierte Logik der Werteanfechtung zu untersuchen, entwirft ValCon eine innovative Forschungsmethodik, welche die Bereiche des Medien-Framings und der Meinungsforschung miteinander verbindet. Dies ermöglicht es uns zu analysieren, wie die Diskussion um Werte zwischen politischen Akteuren, Medien und dem Publikum verläuft und auf neue Art und Weise verbindet. Wir konzentrieren uns nicht nur auf die Top-Down-Mobilisierungsbemühungen der neuen populistischen Parteien und ihre Auswirkungen auf politische Präferenzen und Einstellungen der Bürger*innen, sondern untersuchen auch, wie sich ein breiteres Publikum und die Medien durch eine Bottom-Up-Dynamik der politischen Mobilisierung in den Wertediskurs einschalten.

Forschungsdesign

Diese Mediatisierungsperspektive hilft uns zu verstehen, wie Wertekonflikte nicht nur durch die Medien gelenkt, sondern auch durch die Medien konstituiert werden. Die Studie geht über einen Ländervergleich hinaus, indem sie nach länderübergreifenden Trends in der Wertedebatte fragt. Sie kombiniert und synthetisiert Meinungsumfragen und Medieninhaltsanalysen für drei zentrale Wertekonflikte (Meinungsfreiheit; Unabhängigkeit der Justiz; Gleichberechtigung der Geschlechter) in sechs EU-Mitgliedstaaten (Irland, Frankreich, Deutschland, Polen, Italien und Spanien).

Teilnehmer*innen

ValCon wird koordiniert von Prof. Monika Eigmüller (EUF, Flensburg), Prof. Hans-Jörg Trenz (UniFI, Florence)und Prof. Juan Díez Medrano (UC3M, Madrid).Mehr zu den Teams hier.

Lockdown of the Public Sphere? Value Contestation and Digital Mobilization during the COVID-19 Pandemic

Mit dem Fokus auf die aufkommenden sozialen und politischen Konflikte rund um COVID-19 in Europa und die Rolle sozialer Medien bei der Erzeugung, Verbreitung und Gestaltung dieser Konflikte, analysiert dieses Projekt die Dynamik von Wertestreitigkeiten und politischer Mobilisierung in sozialen Medien während der COVID-19-Pandemie. Es zielt darauf ab, die Anziehungskraft von Anti-Lockdown-Protesten zu verstehen und (Gegen-)Aktionsszenarien vorzuschlagen, die die Resilienz des demokratischen öffentlichen Raums stärken können. Unter Verwendung eines innovativen visuellen Analyseansatzes führen wir eine eingehende Untersuchung einer Social-Media-Plattform (Instagram) für sechs Länder in Zeiten von COVID-19 durch. Wir erwarten von der Studie neue Erkenntnisse und methodische Werkzeuge, um die Muster und Resonanz digitaler Mobilisierung zu verfolgen.