Volkswagen-Stiftung fördert zusätzliches COVID-19 Modul

22.01.2021

Unser Antrag "Lockdown of the Public Sphere? Value Contestation and Digital Mobilization during the COVID-19 Pandemic" war erfolgreich und ab dem 01.09.2021 werden wir uns für 12 Monate mit der visuellen Welt der digitalen Mobilisierung für Proteste gegen staatliche Restriktionen auf Instagram beschäftigen. Wir planen eine Methodenschule zu visuellem Framing für den wissenscharlichen Nachwuchs aus verschiedenen europäischen Ländern und der gemeinsamen Veröffentlichung. Bleiben Sie dran!

Erste Publikation des Projekts!

19.10.2020

Monika Eigmüller und Hans-Jörg Trenz präsentieren den theoretischen Rahmen des Projekts, wie die Wertekonflikte in differenziertem Europa analysiert werden können, in dem Buch 'Die neue Europäische Union' herausgegeben von Andreas Grimmel.

Werte und Wertekonflikte in einer differenzierten EU

Die Europäische Union (EU) wird oft als eine Wertegemeinschaft beschrieben, deren Mitgliedstaaten und Bevölkerungsgruppen gemeinsame Wertvorstellungen teilen. Befürworter der europäischen Integration verweisen gerne auf die historische Errungenschaft der Herausbildung eines Kanons gemeinsamer, unverletzlicher europäischer Grundwerte, verankert in den EU-Verträgen und in der Charta der Grundrechte der EU (Cerutti u. Lucarelli 2008; Foret u. Calligaro 2018). Gleichwohl zeugen die vergangenen zwei Jahrzehnte von einem drastischen Anstieg an Wertekonflikten innerhalb der EU, die an Intensität zunehmen und inzwischen ganze Staaten und Gesellschaften polarisieren. Die neue Qualität dieser Wertekonflikte stellt die EU und ihre Mitgliedstaaten vor deutliche Herausforderungen, da nun die liberale Werteordnung Europas und insbesondere die Kernwerte der europäischen Demokratie wie Menschenwürde, Gleichheit, Meinungsfreiheit oder Rechtstaatlichkeit grundsätzlich hinterfragt werden (Bréchon u. Gonthier 2017; Norris u. Inglehart 2019). Im Streit um die europäische Werteordnung spiegelt sich so auch der Streit um die zukünftige Gestaltung der "neuen Europäischen Union" wider, ebenfalls Quell innerstaatlicher und auch zwischenstaatliche Konfrontationen. All dies ist Ausdruck und zugleich Ergebnis des anhaltenden Krisenmodus, in dem sich die EU seit nunmehr zehn Jahren befindet. Argumentiert wird, dass ein solcher Anstieg an Wertekonflikten Ergebnis einer zunehmenden internen Differenzierung der EU ist (de Wilde et al. 2016; Eriksen 2019). Dabei sind die vermehrten Wertekonflikte einerseits Symptom dieser Differenzierung, da nationales Recht, demokratische Institutionen und Identitäten zunehmend auseinanderdriften. Andererseits können solche Wertekonflikte aber auch zu weiterer Differenzierung und damit zu wachsender Desintegration der EU führen, da immer mehr Mitgliedstaaten beginnen, Maßnahmen zu ergreifen, um sich vor unerwünschten Einflüssen und Auswirkungen der Europäisierung zu schützen. Mehr dazu hier.

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