Queere Personen in der Öffentlichkeit

Elliot Page – Wynne Neilly für TIME

Personen des öffentlichen Lebens sind sichtbar, in dem was sie tun und wer sie sind. Über manche Personen bekommen wir mehr Neuigkeiten mit als über andere, kaum zu verpassen sind allerdings Neuigkeiten über die sexuelle Orientierung oder die Geschlechtsidentität einer Person. Ende 2020 teilte der Schauspieler Elliot Page in einem Statement über social media seinen neuen Namen und seine Pronomen (he/they) mit. Der Post bekam viel Aufmerksamkeit und Page eine große Zahl digitaler Unterstützer*innen, zahlreiche Plattformen berichteten auf unterschiedlichste Weise. Neben vielen informativen Berichten und Pages eigenem Interview mit Oprah Winfrey werden Neuigkeiten wie seine häufig sensationalisiert und zum Anlass genommen, intime und grenzüberschreitende Fragen zur Person zu stellen. Mutmaßungen über sexuelle Orientierung, Operationen oder das Nutzen des falschen Namens (Deadname) und falscher Pronomen sind verbreitet.

Alex Mariah Peter – Christian Anwander für ProSieben

Ähnliches erlebt auch Alex Mariah Peter, Gewinnerin der 16. Staffel "Germany’s Next Topmodel" 2021. Zu ihrem Namen tauchen in der Onlinesuche viele Artikel über persönliche Themen auf, der Fokus scheint weniger auf ihrer Teilnahme und dem Gewinn der Castingshow zu liegen. Selbstverständlich ist es jeder Person selbst überlassen, wie viel sie über private Themen teilt, jedoch ist in der Anzahl der Artikel eben dieses Stürzen auf "sensationelle" und intime Themen sichtbar. Viel mehr als das persönliche Empfinden einer Person, scheint das Bedürfnis nach dem Stillen der eigenen Neugier im Fokus zu stehen.

Einige Unternehmen und Personen in leitenden Positionen nutzen all diese öffentlich gemachten Informationen, um sich mit der Zusammenarbeit einer Person und dem Schlagwort "Diversität" zu schmücken. Auch wenn Personen manchmal als Aushängeschild für Vielfalt genutzt werden, ist queer sein aber kein Alleinstellungsmerkmal. Queere Personen sind genau so facettenreich wie andere Personen auch und verdienen eben so viel Respekt und Anerkennung für all ihre Leistungen. So zum Beispiel Owen Hurcum, 23 Jahre alt und nicht-binäre*r Bürgermeister*in der Kleinstadt Bangor in Wales. In them sind eben diese Facetten sichtbar, Hurcum verkörpert ein wichtiges politisches Amt, zum einen als eine sehr junge Person, zum anderen als genderqueere/agender Person. Somit ist they ein Vorbild in vielerlei Hinsicht aber eben auch Inspiration für eine Gruppe von Menschen, die sich in der Öffentlichkeit verhältnismäßig selten repräsentiert sieht.


Demi Lovato – Austin Hargrave für The Sunday Times Magazine

Welche Position auch immer eine queere Person in der Öffentlichkeit einnimmt, sie ist niemandem eine Erklärung oder Rechtfertigung ihrer selbst schuldig. Menschen wie Demi Lovato – eine weitere Person, die kürzlich via social media den Wechsel zu they/them Pronomen sowie their nicht-binäre Identität bekannt gab – möchten dennoch von sich und ihrer Geschichte erzählen. Lovato lädt their Zuhörer*innen mit einem Podcast auf der Reise zu sich selbst ein.

Für den Umgang mit Personen in der Öffentlichkeit können wir zusammenfassend festhalten, dass ein Mittelmaß wichtig ist. Ein Mittelmaß zwischen dem Präsentieren einer Person als Aushängeschild für Diversität und dem Ignorieren von vielfältigen queeren Lebensidentitäten. Alle Facetten einer Person sollten so sichtbar sein, wie sie es selbst bestimmt. Im besten Fall gibt dies einem Publikum, dass sich in einer öffentlichen Person wiedererkennt, Vokabular an die Hand, um sich selbst besser zu verstehen und inspiriert zu werden, alles zu erreichen, was sie möchten. Diese positive Sichtbarkeit von Vielfalt hilft uns, heteronormative Muster der Gesellschaft zu dekonstruieren und Neues zu lernen.

Weitere bekannte Fürsprecher*innen und Kämpfer*innen

Personen:

Claude Cahun war eine nicht binäre Person, die sich aktivistisch gegen die Besetzung Frankreichs durch die Nazis einsetzte. Der*die jüdische*r Künstler*in wurde 1944 von den Nazis festgenommen. Ein bekanntes Zitat von Cahun ist: "Masculine? Feminine? It depends on the situation. Neuter is the only gender that always suits me." 

Die erste öffentlich-geoutete Transfrau weltweit, die Teil eines Parlaments und Bürgermeisterin war, ist die neuseeländische Georgina Beyer. Sie setzte sich in ihrem Amt (1995-2007) besonders für LGBTQIA+ Rechte ein.

Mauree Turner wurde 2020 in das Oklahoma House of Representatives gewählt und ist damit der*die erste nicht-binäre Landesgesetzgeber*in, der*die in den USA gewählt wurde. Turner setzt sich für bessere öffentliche Bildung, eine Reform der Strafjustiz und die Verbesserung der Gesundheitsversorgung ein.

In 2020 war die US-Amerikanerin Megan Youngren die erste Transgender-Athletin, die um einen olympischen Platz im Marathon der Frauen kämpfte.