Sprachförderung durch Literalität? - Neue Möglichkeiten der Sprachförderung
Für das Amt für Schule, Kinder- und Jugendeinrichtungen der Stadt Kiel konzipierte Prof. Dr. Ernst Apeltauer das "Kieler Modell", in dessen Rahmen Kinder mit Migrationshintergrund über zweieinhalb Jahre sprachlich gefördert und wissenschaftlich begleitet wurden. Äußerungen der Kinder wurden dazu in regelmäßigen Abständen aufgezeichnet und ausgewertet. Der Schwerpunkt der Fördermaßnahme war Literalität.
Durch Erzählen und Vorlesen sollten die Kinder mit neuem Sprachmaterial vertraut gemacht werden, durch wiederholtes interaktives Vorlesen sich Wörter einprägen und durch Lernstationen, die die Kinder interessengeleitet aufsuchen konnten, sollte ein so reiches Sprachangebot bereit gestellt werden, so dass die Entwicklung der Zweitsprache Deutsch rasch voranschreiten kann. Vor allem aber sollten die Kinder durch das Diktieren von Briefen und das Reflektieren und Aufschreiben lassen ihrer Erfahrungen mit "verlangsamter" und "differenzierterer" Sprache vertraut gemacht werden, um ihre metasprachliche Entwicklung anzuregen und ihre Selbststeuerung zu erleichtern.
Da die Literalitätsentwicklung normalerweise in der starken Sprache (zumeist die Erstsprache) statt findet und die Kinder in ihrer Muttersprache auch schneller und differenzierter verstehen können, sollten die Eltern zur Mitarbeit angeregt werden. Durch Aufklärungs- und Fortbildungsarbeit (für Eltern und Erzieherinnen) wurde eine fruchtbare Zusammenarbeit möglich. Eltern haben gelernt, wie man interaktiv vorliest und wissen nun, über welches Anregungspotential Gute-Nacht-Geschichten verfügen. Sie haben beispielsweise für ihre Kinder CDs in ihrer Muttersprache besprochen, haben die Gruppe auf Ausflügen begleitet und bei Vorbereitungen und Bastelarbeiten genauso geholfen wie beim Inszenieren von kleinen Puppen-Theaterstücken oder beim Herstellen eines zweisprachigen Rätsel-Buches für die Kinder.
Literatur zum Projekt und seinen Ergebnissen
Apeltauer, Ernst 2004: Sprachliche Frühförderung von zweisprachig aufwachsenden türkischen Kinder im Vorschulbereich; Flensburg (Flensburger Papiere zur Mehrsprachigkeit und Kulturenvielfalt im Unterricht, Sonderheft 1, 180 Seiten)
Apeltauer, Ernst 2006: Kooperation mit zugewanderten Eltern; Heft 40/41 der Flensburger Papiere zur Mehrsprachigkeit und Kulturenvielfalt im Unterricht (55 Seiten)
Apeltauer, Ernst 2007: Das Kieler Modell: Sprachliche Frühförderung von Kindern mit Migrationshintergrund. In: Bernt Ahrenholz Hrsg.: Deutsch als Zweitsprache - Voraussetzungen und Konzepte für die Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund; Freiburg 2007 (Fillibach), Seiten 91 - 115.
Der Film zum Projekt
Ein Film (DVD) über das Kieler Modell zur sprachlichen Frühförderung. Die DVD kann für 20 € + Versandkosten beim Amt für Schule, Kinder- und Jugendeinrichtungen der Stadt Kiel bestellt werden:
Safak Kuyumcu
Mail: Safak.Kuyumcu(at)kiel.de
Ansprechpartner
Prof. Dr. Ernst Apeltauer
Institut für Germanistik, Abt. Deutsch als fremde Sprache
Mail: apeltaue(at)uni-flensburg.de
Dr. Helge Möller
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Universität Flensburg
Tel.: +49 461 1444 916
Mail: presse(at)uni-flensburg.de

