Innovative Lehre - Character-Entwicklung, Storyboard, Storytelling im Animationsfilm
Im Sommer 2007 startete ein gemeinsames Projekt Innovative Lehre - Character-Entwicklung, Storyboard, Storytelling im Animationsfilm des Faches Kunst & Visuelle Medien der Flensburger Universität (Prof. Dr. Manfred Blohm) in Kooperation mit dem Fach Technische Informatik und Medieninformatik an der Fachhochschule Flensburg (Prof. Klaus Hoefs). Gefördert wurde das Projekt mit einer Laufzeit bis Ende 2008 durch den Innovationsfond für Hochschulen und Wissenschaft in Schleswig-Holstein.
Ein Ziel dieses Projektes ist der Versuch eine Zusammenarbeit zwischen Studierenden aus dem künstlerischen Bereich des vermittlungswissenschaftlichen Studienganges der Universität und den eher technisch orientierten Studierenden der Fachhochschule zu initiieren und Möglichkeiten der gemeinsamen Produktion und Reflexion in einem thematischen Feld wie dem des Animationsfilms auszuloten.
In einem ersten Pilotseminar mit einer Gruppe von 8 Studierenden des Faches Kunst und Visuelle Medien und 6 Studierenden der Medieninformatik wurde der Schwerpunkt auf die Entwicklung von Characters gelegt. Characters, das sind in diesem Falle aus Knetmasse hergestellte Figuren, denen bestimmte Eigenschaften zugeordnet werden. Die Wirkung der realisierten Characters wurde durch eine Befragung von Schülerinnen und Schülern evaluiert. Das heißt, Schülerinnen und Schüler wurden mit Hilfe von Fragebogen befragt, welche Eigenschaften sie den Figuren zuschreiben und es wurde überprüft, inwieweit die Intentionen der Gestaltenden und die tatsächliche Wirkung auf die Rezipienten übereinstimmen.
Für die Studierenden der Kunst ist es eine eher ungewöhnliche Erfahrung, mit Regeln des Trickfilms konfrontiert zu werden, verläuft das Studium der Kunst doch eher über das Infragestellen oder Außerkraftsetzen von Regeln, die Erfindung eigener Regeln.
Prof. Klaus Hoefs, der sich auch als Trickfilmer international einen Namen gemacht hat und der Grafik-Designer (FH) und Animationsdesigner Uwe Zimmermann, der das Seminar mit Birgitta Voß, Doktorandin im Fach Kunst leitet, vermitteln Informationen über professionelle Aspekte und Techniken des Trickfilmes: Storytelling, Character-Entwicklung/-Design, Treatment, Script, Storyboard, Einführung in das Animations-Programm »Mirage« der Firma »Bauhaus«, Zeichnen mit dem Wacom-Grafik-Tablett etc.
Es wird von den Studierenden erwartet, dass im Rahmen eines Semesters die Animation einer Szene bzw. eines Bewegungsloops entsteht - wahlweise in verschiedenen Techniken (3D-Computer-Animation, Stop-Motion/ Knetanimation, Zeichentrick oder Legetrick/ Cut-Out-Animation).
In der wissenschaftlichen Begleitforschung soll untersucht werden
- inwieweit eine Kooperation von Studierenden unterschiedlicher zukünftiger Berufsfelder in einem Maße möglich werden kann, dass sowohl die angehenden Pädagoginnen und Pädagogen für ihre zukünftige Arbeit mit Kindern und Jugendlichen von dieser Zusammenarbeit profitieren als auch die künftigen Medieninformatiker in ihren möglichen Berufsfeldern, in denen sie möglicherweise auch mit Künstlern konfrontiert sein werden
- inwieweit in dieEntwicklung von Characters medienbiografische Erfahrungen eine Rolle spielen. D.h. inwiefern spielt die eigene Sozialisation als Konsument in einer zunehmend bedeutsam werdenden Medienkultur eine Rolle bei der Erfindung von Trickfilmfiguren, die dann animiert und in Handlungsszenen eingebaut werden?
Letztere Fragestellung greift Birgitta Voß in der Zusammenarbeit mit dem Projektleiter seitens der Universität Prof. Dr. Manfred Blohm auf und wird Untersuchungsszenarien für das Folgeseminar entwerfen, die einen Schwerpunkt auf medienbiografische Fragen auch unter Genderaspekten bilden werden. Ausgegangen wird von der Vermutung, dass Studierende bei der Entwicklung von Characters für Trickfilmfiguren auf medial vermittelte Muster zurückgreifen. Auch die bei den erfundenen Handlungen - so die These - haben ihren Ursprung in medial vermittelten Mustern, die die Studierenden als Kinder und Jugendliche medial vermittelt erlebt haben.
Diese biografischen Medienerfahrungen sichtbar zu machen bietet die Chance, sie in kritische Reflexionsprozesse für spätere Vermittlungsprozesse in gestalterischen Prozessen einzubinden. So eröffnen sich Chancen, klischeehafte Erfahrungen und Wahrnehmungsmuster überhaupt wahrnehmbar werden zu lassen, um sie so der Bearbeitung zugänglich zu machen.
Prof. Dr. Manfred Blohm
Bildende Kunst & Visuelle Medien
Tel.: +49 461 805 2802 oder +49 461 805 2345
Mail: blohm(at)uni-flensburg.de




