Studienprogramm

Das Studienprogramm folgt einem Dreischritt aus Gegenwarts-, Vergangenheits-und Zukunftsanalysen. Flankiert wird dies von einer profunden Methodenausbildung: Unterrichtet werden qualitative und quantitative Methoden der empirischen Sozialforschung, sowie transdisziplinäre und partizipative Ansätze.

Der Studiengang ist als inter- und transdisziplinäres Programm konzipiert. Dies macht es notwendig, systematisch und kontinuierlich die Möglichkeiten, Herausforderungen und Grenzen inter- und transdisziplinärer Wissenschaft und Praxis zu reflektieren. Realisiert wird dies im Kolloquium Transformationsforschung, das alle vier Semester begleitet.

Studienverlaufsplan

Detaillierte Beschreibungen der Modulinhalte finden Sie im Folgenden:

Modul GD: Gegenwartsdiagnosen – sozial-ökologische Transformationen und ihre Problematisierung

Im Zentrum dieses Moduls stehen Gegenwartsdiagnosen. Die Studierenden lernen unterschiedliche disziplinäre Zugänge zu sozial-ökologischen Problemkonstellationen kennen. Ziel des Moduls ist es, verschiedene Positionen und Zugänge zum Gesellschaftsmodell der früh-industrialisierten Länder des globalen Nordens und dessen weltweiten Wirkungen zu diskutieren und miteinander in Beziehung zu setzen.

Das Modul besteht aus dem verpflichtenden Kolloquium Transformationsforschung sowie aus sechs Veranstaltungen, von denen vier belegt werden müssen.

Die Veranstaltungen des Moduls Gegenwartsdiagnosen

Kolloquium Transformationsforschung (Pflicht)

Die sozial-ökologische Transformationsforschung ist grundsätzlich inter- und transdisziplinär konzipiert. Entsprechend wird auch das Lehrangebot des Master-Studiengangs Transformationsstudien von Wissenschaftler*innen aus vielen Disziplinen bestritten. Die Studierendenschaft wird sich aus Bachelorabsolvent*innen unterschiedlichster Fachrichtungen zusammensetzen – es gibt keine disziplinären Zulassungsbeschränkungen. Dies alles bedeutet zwangsläufig, dass verschiedene Wahrnehmungen sozial-ökologischer Problemkonstellationen aufeinander treffen werden. Die am Studiengang Beteiligten werden sich mit ihren je eigenen disziplinär geprägten Fragen und Erkenntnissen, Wissensbeständen und methodischen Zugängen in den Studiengang einbringen. Das Kolloquium Transformationsforschung ist der Ort, an dem die besonderen Herausforderungen, Möglichkeiten und auch die Grenzen inter- und transdisziplinären Lernen, Lehrens und Forschens kontinuierlich reflektiert werden.

Sozial-ökologische Krisen und Konflikte

Ökologische Krisen sind sowohl in ihrer Verursachung als auch in ihren Folgen sozial-ökologische Krisen. Besonders eindrücklich lässt sich dies am Beispiel des menschengemachten Klimawandels zeigen: Der Klimawandel weist in seiner Verursachung sowie in seinen Folgen grundlegend gesellschaftliche Dimensionen auf. Daher ist die anthropogene Erwärmung der Erde in den vergangenen Jahren auch verstärkt zum Gegenstand sozialwissenschaftlicher Betrachtungen avanciert. Das Teilmodul führt in die naturwissenschaftlichen Grundlagen ökologischer Gegenwartskrisen ein und thematisiert historische und aktuelle Theorien zur Wechselwirkung von Natur und Gesellschaft sowie zur globalen Umwelt-Governance. Weitere thematische Schwerpunkte sind: Die sozial-strukturierte Betroffenheit von sogenannten Naturkatastrophen, gesellschaftliche Ursachen, Folgen und Bearbeitungsformen der aktuellen Klimakrise, wie zum Beispiel die Themenfelder Klimawandel und Ökonomie, "Klimadiskurse in der Wissenschaft, der Politik und in den Medien", "Umwelt- und Klimamigration" sowie "Klimawandel und Gewalt".

Globale und regionale Umweltbelastungen

Wasserverschmutzung, Verteilungskonflikte beim Trinkwasser, Schäden durch Extremwetterlagen, Luftbelastungen und die Bedrohung der Artenvielfalt sind nur einige der ökologischen Krisen, die wir gegenwärtig global registrieren. Das Teilmodul bietet einen Überblick über aktuelle Entwicklungen, fragt nach den Ursachen, stellt die Zusammenhänge dar und soll mögliche Alternativen und Lösungen aufzeigen. Inhaltlich orientiert sich dieses Teilmodul an den Schutzgütern der Umwelt, wie sie u.a. von der Agenda 21, der CBD, EU-Richtlinen, vom UVPG, BNatSchG und anderen internationalen und nationalen Regularien zum Schutz der Umwelt thematisiert werden: Wasser, Gewässer; Luft, Klima; Boden; Flora, Fauna (Erhaltung der Biodiversität, artgerechte Tierhaltung); Mensch, Gesundheit; Landschaftsbild und Erholung; Kultur- und Sachgüter, Materialien. Aufgrund der Vernetztheit und Vielschichtigkeit und unter dem besonderen Aspekt der Verantwortung werden die Problemfelder aus der großmaßstäbigen Perspektive – überregional bis global – betrachtet.

Räumliche Transformationsprozesse

Die heutige Welt ist von globalen Transformationsprozessen geprägt, die sowohl die Veränderung der natürlichen Umwelt als auch raumrelevante gesellschaftliche Prozesse betreffen. Neben dem globalen Klimawandel und der weltweiten Ressourcenverknappung geht es hierbei beispielsweise um das Bevölkerungswachstum, Ernährungssicherung sowie globale Migrations- und Verstädterungsprozesse. Diese Veränderungen werden vorwiegend auf globaler Ebene diskutiert, ihre konkreten Aushandlungsprozesse finden aber auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene statt. Das Modul beschäftigt sich aus geographischer Perspektive mit den räumlichen Auswirkungen globaler Transformationsprozesse auf unterschiedlichen Maßstabsebenen. Anhand von konzeptionellen Zugriffen aus dem Bereich der Geographie und der politischen Ökologie werden aktuelle sozial-ökologische Themen und deren konkrete lokale Aushandlungsorte in unterschiedlichen Teilen der Welt in den Blick genommen.

Subjekt, soziale Praxis und Transformation

Sozial-ökologische Krisen sind auf vielfältige Weisen mit der Praxis der Akteur*innen verknüpft. Gesellschaft, Ökologie und Subjekte sind dabei keine Gegensätze, sondern konstituieren sich in und durch Praktiken, die für die Akteur*innen individuellen Spielraum und soziale Beschränkungen zugleich bedeuten. Denn einerseits verfügen Subjekte durchaus über Wissen zu ökologischen und sozial-ökologischen Krisen, dieses Wissen führt aber nicht notwendiger Weise zu einer Transformation des Handelns. Akteur*innen können nicht ohne soziale und ökologische Kontexte gedacht werden, wie auch anders herum diese ohne handelnde Akteur*innen undenkbar wären. In dem Teilmodul wird die Frage der Relation zwischen Subjekt, Gesellschaft und Ökologie aus der Perspektive des Subjekts theoriebasiert in den Blick genommen.

Die digitale Gesellschaft

Gesellschaftstheoretische Gegenwartsdiagnosen beschreiben einen sich aktuell vollziehenden Übergang von einer modernen, disziplinären Industriegesellschaft hin zu einer postmodernen, individualisierten, digitalen Wissens- und Netzwerkgesellschaft. Die kommende Gesellschaft kann dabei ihrerseits die Form einer von Daten und Algorithmen überwachten, gesteuerten und beherrschten Kontrollgesellschaft annehmen oder Potenziale einer vernetzt-kooperativen Partizipationskultur freisetzen. Ein wesentliches Merkmal einer solchen – zu gestaltenden – Partizipationskultur ist die Kollaboration und das Sharing. Im Rahmen des Moduls sollen die unterschiedlichen Entwicklungsvektoren der "Digitalen Gesellschaft" insbesondere hinsichtlich von Bildung, Arbeit, sozialem Austausch und individuellen Selbstverhältnissen vermessen und konkrete Gestaltungsoptionen eröffnet werden.

Politische Ökonomie

Ziel des Teilmoduls ist die Studierenden zu befähigen, vier Kernparadigmen der Politischen Ökonomie unterscheiden und ihre innere Logiken verstehen und anwenden zu können. Eingeführt wird in den neoklassischen Mainstream, den Keynesianismus, die klassische politische Ökonomie und den Institutionalismus. Ausgehend von der jeweiligen zentralen Frageperspektive der Paradigmen werden die wissenschaftstheoretischen und methodischen Folgen der Grundentscheidungen reflektiert und die Konsequenzen für das Verständnis von Ökonomie, Gesellschaft und deren Verhältnis zur natürlichen Umwelt, offengelegt. Studierende sollen die paradigmatischen Herangehensweisen von innen verstehen und von außen, von ihrem eigenen Standpunkt aus, kritisch reflektieren können.  Anhand von neueren Entwicklungen wird auch klar werden, wo und inwieweit sich die tradierten Denkwelten verändern bzw. vermischen und rekombiniert werden. Das Modul ist seminaristisch aufgebaut; es werden Schlüsseltexte bearbeitet sowie in Gruppenarbeiten und Präsentationen beispielhafte Fälle aus unterschiedlichen paradigmatischen Blickwinkeln betrachtet.

Modul HR: Historische Rekonstruktionen – Theorien und Praxen sozialen Wandels

Die Verfasstheit der Gesellschaften der Gegenwart ist Ergebnis umfassender Transformationsprozesse in der Vergangenheit. Im Modul 'Historische Rekonstruktionen – Theorien und Praxen sozialen Wandels' werden deshalb vergangene Entwicklungen gesellschaftlichen Wandels rekonstruiert und analysiert. In den Blick genommen werden lokale, regionale und globale Wandlungsprozesse vor allem in den vergangenen rund 200 Jahren seit Beginn der Industrialisierung. Rekonstruiert werden soll – wiederum aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven – das Gewordensein des modernen Gesellschaftsmodells westlicher Prägung einschließlich seines Stoffwechsels mit der Natur.

Das Modul besteht aus dem verpflichtenden Kolloquium Transformationsforschung sowie aus sechs Veranstaltungen, von denen vier belegt werden müssen.

Die Veranstaltungen des Moduls Historische Rekonstruktionen

Wandel Gesellschaftlicher Naturverhältnisse

Was genau haben die Eisenbahn, ein T-Shirt von H&M oder eine Tiefkühlpizza mit Natur zu tun? Natur wird oft verstanden als ein Gegenbegriff zu Gesellschaft, Kultur oder Technik. Das Konzept der gesellschaftlichen Naturverhältnisse hingegen stellt auf die Beziehungen und wechselseitigen Verknüpfungen zwischen Natur und Gesellschaft ab. In den Blick genommen wird damit sowohl die materiell-energetische als auch die kulturell-symbolische Basis von Gesellschaften. Das Konzept Gesellschaftliche Naturverhältnisse wirft die Frage auf, wie sich die Beziehungsgeflechte zwischen Menschen, Gesellschaft und Natur begreifen, erforschen und auch gestalten lassen, gelten diese doch als zentral für die Produktions- und Reproduktionsfähigkeit von Gesellschaften.
Im Teilmodul geht es darum, einerseits das Konzept und seine wissenschaftsgeschichtliche Entstehung nachzuvollziehen und es andererseits auf konkrete, von den Teilnehmer*innen gewählte, Beispiele anzuwenden. Ziel ist es, auf der Grundlage theoretischer und empirischer Forschungsarbeiten, den Wandel gesellschaftlicher Naturverhältnisse zu analysieren und kritisch zu diskutieren; um schließlich einschätzen zu können, ob und in welcher Weise Bahn, Pizza oder T-Shirt Auskunft geben, über die gegenwärtig dominanten Austauschbeziehungen zwischen Natur und Gesellschaft.

Theorien sozialen Wandels

Fragen des sozialen Wandels stehen seit jeher im Zentrum der soziologischen Reflexion. Dazu zählen: Was sind die Triebkräfte gesellschaftlicher Entwicklung? Welche Rolle spielen Akteure beim gesellschaftlichen Wandel? Welche Bedeutung kommt Ideen und Konflikten zu? Ist sozialer Wandel der gesellschaftliche Normalzustand oder eher als Ausnahme zu begreifen? Welche Möglichkeiten haben Menschen, gestaltend auf gesellschaftliche Entwicklung einzuwirken? Und: Mit welchen nicht-beabsichtigten Folgen ist dabei zu rechnen? In dem Teilmodul werden zunächst klassische soziologische Theorien (so z.B. Marx, Weber und Elias) in Hinblick auf ihr Modell des gesellschaftlichen Wandels behandelt. Anschließend finden zeitgenössische Analysen und Heuristiken Beachtung (wie Hartmut Rosas Beschleunigungstheorie oder die sogenannte "Multi Level Perspective" der Transitionsforschung). Das Ziel ist es, den Studierenden einen vertieften Einblick in die sozialwissenschaftliche Theoriebildung zu geben, um aktuelle Veränderungsprozesse sowie die Möglichkeiten und Grenzen ihrer Gestaltung angemessener einschätzen zu können.

Gesellschaftliche Differenzierung und soziale Ungleichheit

In der modernen Gesellschaft haben sich unterschiedliche Sphären wie Politik, Wirtschaft, Recht aber auch Kunst, Religion und Erziehung zu eigenständigen, relativ unbeirrbaren Feldern und Systemen ausdifferenziert. Gleichzeitig reproduziert die moderne Gesellschaft jeden Tag ein hohes Maß an sozialer Ungleichheit, die sich in der Ausprägung unterschiedlicher Klassen, Schichten und Milieus zeigt. In diesem Modul wollen wir anhand soziologischer Klassiker und neuen Texten diskutieren, wie diese beiden Arten gesellschaftlicher Differenzierung zusammenhängen.

Globaler Norden/Globaler Süden

Globale Verflechtungen sind kein neues Phänomen, sondern häufig auf gewachsene historische Strukturen zurückzuführen. Das Modul beschäftigt sich mit den aktuellen Verflechtungen zwischen Orten des Globalen Nordens und des Globalen Südens vor dem Hintergrund kolonialer Strukturen, die in aktuellen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Praktiken fortleben. Angesichts der historischen Pfadabhängigkeit werden im Modul einerseits klassische und alternative Konzepte von Entwicklung und deren Messung in den Blick genommen, andererseits aktuelle globale Verflechtungsstrukturen wie Migrationsbewegungen, Waren- und Dienstleistungsströme, ausländische Direktinvestitionen oder Landkauf anhand von Fallbeispielen und in einer postkolonialen Perspektive beleuchtet.

Gesellschaftlicher Wandel in Architektur, Design und Kunst

Die Studierenden erfahren und reflektieren exemplarisch historische Aspekte von Kunst, Design und Architektur als Entwürfe individueller Lebensgestaltung wie auch als Gegenentwürfe zu gesellschaftlichen Realitäten zu unterschiedlichen Zeiten. Zum Beispiel:

  • Funktionalismus und Purismus als Gegenbewegung zu historisierenden und antikisierenden Formen bürgerlicher Wohn- und Repräsentationsformen (Bauhaus etc.)
  • Aspekte/Facetten großbürgerlicher Wohnkultur und ihre Adaptionen in Arbeiterwohnungen
  • Die Industrialisierung des Schönen und Individuellen (Stuck, Jugendstilmöbel aus dem Katalog des frühen 20. Jahrhunderts etc.)
  • Kunst als Projektion und Idealisierung von Welt ("Röhrender Hirsch") und als Kritik und Gegenentwurf gesellschaftlicher Wirklichkeit (z.B. Dadaismus)

Darüber hinaus erforschen die Studierenden in überschaubaren Settings Aspekte erhaltenswert erscheinender oder reproduzierter historischer Elemente bzw. Versatzstücke in der heutigen globalen Konsum-, Alltags- und Medienkultur und befragen deren historische Bezugnahmen unter Aspekten der Differenz und Ähnlichkeit. Zum Beispiel:

  • Formen der Präsentation und Repräsentation des Selbst im digitalen Medienzeitalter im Verhältnis zu analogen Medienzeiten
  • Kunst an den Wänden in historischer Perspektive und in unterschiedlichen sozialen/kulturellen Bezügen der Gegenwart
  • Historische Zitate, Applikationen, Ornamente in Dingen heutiger Alltagskulturen
  • Historisierte alltägliche Formen des sich heimisch Machens und der Gemütlichkeit unter Bezugnahme auf vermeintlich historische Formensprachen

Normativ-evaluative Dimensionen gesellschaftlicher Transformationsprozesse

Die Gestaltung gesellschaftlicher Transformationsprozesse hat notwendig normativ-evaluative Dimensionen. In diesem Modul sollen Studierende mit philosophischen Zugängen zur normativen Orientierung und Evaluation gesellschaftlicher Transformationsprozesse auf zweifache Weise vertraut gemacht werden: Sie sollen sowohl methodische Kompetenzen erlernen, die es ihnen erlauben, begründete Beurteilungen vornehmen oder Beurteilungen begründet kritisieren zu können als auch ethische Theorien kennenlernen, die zur Erstellung von Handlungs- und Beurteilungsmaßstäben genutzt werden können. Insbesondere sollen Nachhaltigkeitstheorien als (Beurteilungs-)Maßstäbe genutzt werden. Weiterhin werden designethische Fragen aufgegriffen, die auch die prospektive Verantwortung gegenüber der Um- und Mitwelt betreffen.

Kolloquium Transformationsforschung (Pflicht)

Die sozial-ökologische Transformationsforschung ist grundsätzlich inter- und transdisziplinär konzipiert. Entsprechend wird auch das Lehrangebot des Master-Studiengangs Transformationsstudien von Wissenschaftler*innen aus vielen Disziplinen bestritten. Die Studierendenschaft wird sich aus Bachelorabsolvent*innen unterschiedlichster Fachrichtungen zusammensetzen – es gibt keine disziplinären Zulassungsbeschränkungen. Dies alles bedeutet zwangsläufig, dass verschiedene Wahrnehmungen sozial-ökologischer Problemkonstellationen aufeinander treffen werden. Die am Studiengang Beteiligten werden sich mit ihren je eigenen disziplinär geprägten Fragen und Erkenntnissen, Wissensbeständen und methodischen Zugängen in den Studiengang einbringen. Das Kolloquium Transformationsforschung ist der Ort, an dem die besonderen Herausforderungen, Möglichkeiten und auch die Grenzen inter- und transdisziplinären Lernen, Lehrens und Forschens kontinuierlichen reflektiert werden. 

Modul VZ: Varianten der Zukunft

Das Modul 'Varianten der Zukunft' thematisiert verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten in der Zukunft. Von technischen Lösungen über Dynamiken politischer Governance, nachhaltigem Konsumieren und Produzieren oder alternativen Wirtschaftsmodellen bis hin zu möglichen Veränderungen des Energieregimes sowie ihren gesellschaftlichen Voraussetzungen. Die im weltweiten Maßstab qualitativ und quantitativ zunehmenden sozial-ökologischen Krisen zeigen an, dass gesellschaftliche Transformationsprozesse gegenwärtig bereits stattfinden und auch in Zukunft zu erwarten sind. Offen ist jedoch, wie diese Veränderungsprozesse ablaufen, ob von den Verhältnissen erzwungen oder stärker politisch gestaltbar. Im Zentrum des Moduls steht die Frage, wie sich Errungenschaften moderner Gesellschaften unter den Bedingungen eines stark reduzierten Naturverbrauchs aufrechterhalten und weiterentwickelt lassen.

Das Modul besteht aus dem verpflichtenden Kolloquium Transformationsforschung sowie aus sechs Veranstaltungen, von denen vier belegt werden müssen.

Die Veranstaltungen des Moduls Varianten der Zukunft

Postwachstumsgesellschaften und alternative Wirtschaftsmodelle

Moderne, kapitalistische Gesellschaften sind Wachstumsgesellschaften. Das heißt, sie gewinnen ihre Stabilität und ihre Fähigkeit zur Reproduktion dadurch, dass sie beständig wirtschaftliches Wachstum generieren. Allerdings setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass unbegrenztes Wachstum in einer begrenzten Welt nicht möglich ist. Darüber hinaus hat das Streben nach immer mehr Wachstum verheerende Auswirkungen in ökologischer, politischer, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht. Unter den Schlagworten "Postwachstum", "Degrowth", "Décroissance" und "reduktive Moderne" wird international seit einigen Jahren über Ursachen, Bedingungen und Folgen von Wachstumsorientierung und Steigerungslogik genauso diskutiert wie über alternative Wirtschaftsmodelle und die Wege zu und Voraussetzungen für gesellschaftliche Transformation. Das Teilmodul macht mit den zentralen Diskursen der Wachstumskritik vertraut und behandelt unterschiedliche Initiativen und Ansätze, die eine Abkehr von der Wachstumsimperativ anstreben.

Organisation und Wandel

Organisationen stellen tragende Säulen der modernen Gesellschaft dar  – wie die weitläufige Rede von der "Organisationsgesellschaft" prägnant zum Ausdruck bringt. Die Analyse von gesellschaftlichen Transformationsprozessen kann daher nicht ohne einen näheren Blick auf und in Organisationen auskommen. Zugleich werden aber Entstehung, Struktur und Veränderung von Organisationen ihrerseits maßgeblich durch die Gesellschaft beeinflusst. Insofern konstituieren und bedingen sich Organisationen und Gesellschaft gegenseitig. Das Teilmodul 'Organisation und Wandel' umfasst die Erörterung einschlägiger theoretischer Erklärungsansätze zu Gegenstand und Verlauf organisationaler Wandelprozesse. Ausgehend von der Vermittlung zentraler sozial- und organisationstheoretischer Grundlagen werden die Studierenden in den vielfältigen und kaum noch zu überblickenden Diskurs zu organisationalen Wandeltheorien eingeführt und in die Lage versetzt, ausgewählte Erklärungsansätze kritisch beurteilen zu können. Ein besonderer Schwerpunkt der Veranstaltung liegt dabei auf der Beziehung von Organisationen zu ihrer gesellschaftlichen, sozialen und natürlichen Umwelt.

Ökologie und Technik

Bei diversen technischen Verfahrensabläufen werden biologische Kenntnisse und Vorgänge genutzt. Umgekehrt werden viele Organismen und Lebensräume durch technische Vorgänge beeinflusst. Der Querschnittsbereich Ökologie und Technik betrifft alle Handlungsfelder der Land- und Forstwirtschaft, der Wasser- und Abwasserbehandlung, aber z.B. auch Verfahrenstechniken im Bereich der Energiegewinnung, Lebensmittelproduktion und Kosmetikindustrie. Bei allen gewählten Themen geht es um moderne technische Verfahren auf der einen und um Lebensprozesse bei Tieren, Pflanzen oder Mikroorganismen auf der anderen Seite. In diesem Teilmodul werden konkrete Fragen aus dem genannten Querschnittsbereich in der lokalen bzw. regionalen Ebene und in Zusammenarbeit mit externen Referenten erörtert. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie konkrete Abläufe und Verfahren im Sinne der Umweltverträglichkeit organisiert werden können.

Macht und Herrschaft

Dass die Gesellschaft von Macht- und Herrschaftsverhältnissen durchzogen ist, ist von Beginn an ein zentrales Thema für die Soziologie. In diesem Modul wird anhand klassischer und aktueller Texte diskutiert, wie Phänomene der Macht und der Herrschaft sowohl als direkter und offensichtlicher Zwang auftreten, um dann wieder als kaum sichtbare Mikropolitik der Macht oder als symbolische Gewalt auf den Begriff gebracht werden. Es geht dabei vor allem um die Fragen: Welche rechtlichen, kulturellen oder materiellen Bedingungen ermöglichen bestimmte Formen von Macht und Herrschaft? Welche Auswirkungen haben Machtverhältnisse auf Körper, Lebensweise und Geschlecht und auf die Möglichkeit, politisch zu werden? Daran schließt sich dann die Diskussion über die Legitimation von Macht und über mögliche widerständige Perspektiven an.

Utopien und Dystopien

Die Gesellschaft über den gegenwärtigen Entwicklungsstand hinaus gedanklich weiter zu entwickeln, scheint ein urmenschliches Bedürfnis zu sein, dem seit jeher in verschiedenen Formen (zunächst mündlich und bildhaft, später schriftlich, audio-visuell und inzwischen auch virtuell) nachgekommen wird. Aus diesem Grundbedürfnis heraus haben sich in den künstlerischen Medien die beiden Genres Utopie (gr. = Nicht-Ort) und Anti-Utopie oder auch Dystopie (gr. = schlechter Ort) entwickelt. Während die Utopie zumeist den philosophischen oder literarischen Entwurf eines Idealstaates und somit nach Ernst Bloch ein Denkmuster darstellt, in dem sich das "Prinzip Hoffnung" sprachlich realisiert, ist unter der Dystopie eine in der Zukunft spielende Erzählung zu verstehen, die reale gesellschaftliche Entwicklungen aufgreift und mit einem negativem Ausgang fiktional fortführt. Im Teilmodul 'Utopien & Dystopien' soll diesem Grundbedürfnis der menschlichen Gesellschaft von Ihren Anfängen (z.B. Platon: Politeia; Altes Testament: Der Turmbau zu Babel bzw. Sodom und Gomorrha) her über genrebildende Werke wie Thomas Morus‘ Utopia nachgegangen werden. Im weiteren Verlauf einer tieferen Beschäftigung (bei der es zunächst Merkmale beider Genres sowie eine mögliche Abgrenzung voneinander zu erarbeiten gilt) sollen in unterschiedlichen medialen Repräsentationsformen Klassiker ebenso thematisiert werden wie aktuelle Werke. Es gilt zu fragen, was in den jeweiligen Zukunftsentwürfen als veränderungswerte Gegenwart sichtbar wird und welche Teilbereiche der Gesellschaft thematisiert und mit welcher Vorstellung von ‚Verbesserung‘ aufgeladen werden. Dabei soll die Perspektive nicht auf die Literatur- und Medienwissenschaft beschränkt, sondern u.a. um anthropologische, politische, philosophische und sozial-ökologische Fragestellungen erweitert werden. Darüber hinaus gilt es zu diskutieren, warum in der Gegenwart dystopisch intendierte Gesellschaftsentwürfe gegenüber utopischen dominieren. Ist unserer postmodernen Gesellschaft die Kraft der Utopie und somit jegliche Hoffnung auf eine ideale Gesellschaftsform abhandengekommen?

Kollektive Gestaltung gesellschaftlichen Wandels

Gesellschaftliche Wandlungsprozesse sind komplexe Prozesse, die nur begrenzt orientiert und kontrolliert werden können. Sowohl die mit der Aufklärung verbundene Idee des gesellschaftlichen Fortschritts wie auch die neueren, biologisch-ökonomisch geprägten Prinzipien der Evolution und des Wachstums entwickeln im positiven wie im negativen Sinne eine eigene gesellschaftliche Dynamik, die kaum durch individuelles Handeln zu lenken ist. In diesem Zusammenhang rücken Konzepte etwa der diskursiven Prägung von Gesellschaften, des kollektiven Handelns, der kommunikativen Vernunft oder der kollektiven Verantwortung ins Zentrum philosophischer Betrachtungen, die sich mit der Möglichkeit einer Gestaltung von sozialen und politischen Räumen befassen. Solche Konzepte berücksichtigen unter anderem sehr unterschiedliche Elemente einer solchen Gestaltung wie etwa Regeln und Normen, Emotionen und Ansprüche, (Selbst-)Zuschreibungen von Pflichten und Rechten usw. Das Teilmodul lädt zu einer Reflexion über solche Formen und Elemente gesellschaftlicher Gestaltung ein.

Kolloquium Transformationsforschung (Pflicht)

Die sozial-ökologische Transformationsforschung ist grundsätzlich inter- und transdisziplinär konzipiert. Entsprechend wird auch das Lehrangebot des Master-Studiengangs Transformationsstudien von Wissenschaftler*innen aus vielen Disziplinen bestritten. Die Studierendenschaft wird sich aus Bachelorabsolvent*innen unterschiedlichster Fachrichtungen zusammensetzen – es gibt keine disziplinären Zulassungsbeschränkungen. Dies alles bedeutet zwangsläufig, dass verschiedene Wahrnehmungen sozial-ökologischer Problemkonstellationen aufeinander treffen werden. Die am Studiengang Beteiligten werden sich mit ihren je eigenen disziplinär geprägten Fragen und Erkenntnissen, Wissensbeständen und methodischen Zugängen in den Studiengang einbringen. Das Kolloquium Transformationsforschung ist der Ort, an dem die besonderen Herausforderungen, Möglichkeiten und auch die Grenzen inter- und transdisziplinären Lernen, Lehrens und Forschens kontinuierlichen reflektiert werden.

Modul KT: Lehrforschung: Kulturelle Transformationen – Ernährung, Wohnen, Mobilität

Was und wie (viel) Menschen im Globalen Norden heute essen, wie sie wohnen und sich fortbewegen hat sich in den vergangenen 200 Jahren gewandelt. Dabei sind Wechselwirkungen zwischen wirtschaftlichem Wachstum in kapitalistischen Gesellschaften und kulturellem Wandel nicht zu übersehen. Seit Beginn der Industrialisierung Mitte des 18. Jahrhunderts, mit der einerseits das Streben nach immer mehr Wachstum seinen Anfang nahm und die andererseits Grundlage für vielfältige Prozesse sozialen, politischen und kulturellen Wandels war, haben sich Ess-, Wohn- und Mobilitätskulturen fundamental geändert. Enorme Freiheitsgewinne einerseits und sozial-ökologische Krisen globalen Ausmaßes – Ernährung, Wohnen und Mobilität werden in der Forschung als die drei klimarelevanten Alltagspraktiken bezeichnet – anderseits sind Ergebnis dieser Wandlungsdynamiken. Das Modul widmet sich der Erforschung verschiedener Aspekte vergangener und gegenwärtiger Prozesse kulturellen Wandels unter der Fragestellung, was Wandel hervorbringt, wie und von wem er gestaltet wird und welche Folgen sich beobachten lassen. Ziel ist es, in eigenen Forschungsprojekten die Dynamiken, Handlungsbedingungen und -folgen, subjektiven Perspektiven der Akteuer*innen und übergeordneten zeitlichen Abläufe nachzugehen. Die Studierenden führen eigene Forschungsprojekte zum Themenkomplex kulturelle Transformationen durch und durchlaufen dabei alle Phasen eines Forschungsprozesses: von der Problemdefinition, Entwicklung einer Fragestellung, Erarbeitung eines Forschungsstands, Erwerb von Kenntnissen qualitativer Sozialforschung, Entwicklung eines Forschungsdesigns bis zur Feldforschung und schließlich Analyse der Materialien.
Die Lehrforschung bietet darüber hinaus Raum und Gelegenheit, alle Schritte des Prozesses in Kleingruppen und im Plenum zu reflektieren.

Modul M: Quantitative und transdisziplinäre Methoden

Im Modul M lernen die Studierenden verschiedene Erhebungs-, Auswertungs- und Darstellungsmethoden der quantitativen Sozialforschung sowie unterschiedliche Ansätze der transdisziplinären Forschung (einschließlich ihrer Geschichte, Begründungszusammenhänge und forschungsethischen Implikationen) kennen und üben sich darin, den Nutzen und die Limitationen der jeweiligen Instrumente in Bezug auf konkrete sozial-ökologische Fragestellungen zu beurteilen. Darüber hinaus werden die besonderen methodischen Herausforderungen und ethischen Implikationen transdisziplinärer Forschung diskutiert.

Modul TD: Transformationsdesign

Die Transformation des jetzt dominanten Wirtschafts-, Gesellschafts- und Kulturmodells geschieht unausweichlich. Offen ist, ob sie eher auf Basis von zivilisatorischen Errungenschaften wie Demokratie, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, sozialer Gleichheit und Solidarität gestaltet werden kann, oder ob sie stärker von den Verhältnissen erzwungen wird. Erkenntnisleitende Frage dieses Moduls ist die danach, wie sich die in der kapitalistischen Moderne erreichten zivilisatorischen Errungenschaften aufrechterhalten lassen – und zwar unter den Bedingungen eines drastisch reduzierten Material- und Energieverbrauchs. Diskutiert werden sollen Wege in eine Gesellschaft, die sich von der Suche nach einem 'guten Leben' und sozialer Gerechtigkeit leiten lässt. Transformationsdesign definiert keine gestalterische Aufgabe, die sich an die Neugestaltung von immer weiteren Produkten richtet, sondern auf die Umgestaltung des Sozialen unter der Maßgabe eines deutlich geringeren Naturverbrauchs. Dafür ist es notwendig, sich mit dem kulturellen und sozialen Gebrauch von Energie, Stoffen und Produkten zu beschäftigen, mithin unter anderem mit Kommunikation und Konsum oder Ernährung und Mobilitätsinfrastruktur. In diesem Modul setzen die Studierenden bis dahin erlangte theoretische Kenntnisse in die Praxis um, indem sie ein Projekt mit sozial-ökologischem Transformationspotenzial entwickeln und planen. Das Seminar lehrt und nutzt dafür kreative Methoden der Ideenfindung und -entwicklung sowie Instrumente der Projektplanung und -finanzierung. Am Ende des Moduls haben die Studierenden ein ausführliches Projektkonzept erstellt und dabei mögliche Hürden und Bewältigungsstrategien intensiv reflektiert. Ziel des Moduls ist es also, ein grundlegendes Verständnis über das Erdenken und Planen eigener Projekte mit Augenmerk auf den besonderen Herausforderungen von Themen des sozial-ökologischen Wandels zu vermitteln. Eine Umsetzung der entwickelten Projekte ist möglich und kann durch Beratung/Coaching weiter unterstützt werden.

Modul PRA: Praktikum

Das Modul besteht aus einem vierwöchigen Vollzeitpraktikum oder einem zeitlich entsprechenden Äquivalent, in dem die Studierenden praktische Erfahrungen in Institutionen oder Organsiation erwerben, die mit sozial-ökologischen Transformationsprozessen befasst sind. Das können zum Beispiel sein: staatliche und nicht-staatliche Umweltorganisationen, Initiativen aus dem Bereich der Solidarischen Landwirtschaft oder Gemeinwohl-Ökonomie, Umwelt- und CSR-Abteilungen von Unternehmen oder Umweltdezernaten etc.

Modul TH: Master-Thesis

Die Studierenden verfassen eine 80- bis 100-seitige Masterarbeit, die die selbstständige Recherche, Analyse und das grundsätzlich wissenschaftlich angelegte Erarbeiten eines Themas aus dem Kernbereich der Lehr- und Forschungsinhalte des Studiums zum Ziel hat. Im begleitenden Masterkolloquium werden allgemeine (arbeitstechnische) Fragen behandelt. Darüber hinaus bietet das Kolloquium Möglichkeiten, eigene Arbeitsschritte vorzustellen und zeitnah Feedback von Betreuer*innen und Kommiliton*innen zu erhalten. Das Kolloquium zielt darauf ab, die Teilnehmer*innen inhaltlich und methodisch beim Verfassen ihrer Master-Thesis zu unterstützen.