Lehrerhandeln im inklusiven Technikunterricht - Konsequenzen für die universitäre Techniklehrerausbildung


Den bisherigen Änderungen an der schleswig-holsteinischen Bildungslandschaft folgten kürzlich weitere Umsetzungsstufen auf dem Weg zur inklusiven Schule. Zum einen gilt seit dem 1. August 2014 ein neues "Lehrkräfte Bildungsgesetz". Dieses hat zum Ziel, die Ausbildung neuer Lehrkräfte "an die Erfordernisse der realen Schullandschaft anzupassen" (LANDESREGIERUNG SH, 2014). Zum anderen wurde im August 2014 ein Konzept mit dem Titel "Schleswig-Holsteins Weg zur inklusiven Schule" veröffentlicht. Darin wird mittels 10 verschiedener Schwerpunkte beschrieben, wie der Inklusionsgedanke an schleswig-holsteinischen Schulen umgesetzt werden soll (vgl. SH-LANDTAG, 2014).

Einer der wesentlichen Punkte der Veröffentlichungen ist eine Umstrukturierung sonderpädagogischer Unterstützungssysteme. Analog zum Inklusionsgedanken werden die vorhandenen personellen und materiellen sonderpädagogischen Ressourcen nun auf erheblich mehr Schüler verteilt.

In der Unterrichtspraxis ergibt sich speziell für den Technikunterricht daraus ein Problem. Die Sonderschullehrkräfte, die bislang am Förderzentrum das Unterrichtsfach Technik erteilt haben, müssen mit den vorhandenen sonderpädagogischen Ressourcen mehr Schülerinnen und Schülern versorgen. Weder für einen eigenständigen Unterricht im Fach Technik durch Sonderschullehrkräfte, noch für Team-Teaching gibt es derzeit ausreichend gut ausgebildete Lehrkräfte. Durch die Aufwertung des Fachs Technik im Fächerkanon, die gleichzeitig mit der Einführung der Gemeinschaftsschulen erfolgte, werden andererseits an vielen Schulen vierstündige Technik-Wahlangebote eingerichtet.

Dies führt dazu, dass immer mehr Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarf im Fach Technik vermutlich von allgemeinbildenden Lehrkräften unterrichtet werden, die kaum Zugriff auf sonderpädagogische Expertise haben.

An dieser Stelle setzt das Forschungsprojekt an.
Auf der Grundlage der beschriebenen Ausgangssituation wird von folgenden Hypothesen ausgegangen:

  • Auf Grund der zunehmenden inklusiven Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogische Förderbedarf entstehen zusätzliche Belastungssituationen für die Techniklehrkräfte, auf die sie bisher in ihrem Studium nicht ausreichend vorbereitet werden
  • Aus der sonderpädagogischen Forschung sowie dem sonderpädagogischen Lehrerhandeln lassen sich Kompetenzen extrahieren, die wirksam für die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischen Förderbedarf sind und Berücksichtigung bei der zukünftigen Ausbildung von Techniklehrern finden müssen

Die beschrieben Hypothesen werden in einem mehrstufigen Untersuchungsdesign überprüft.