Entscheidungsleistung in Drucksituationen

"Entscheidungsleistungen unter Drucksituationen im Basketball in Abhängigkeit des Regulatory Fit"
Sowohl im Amateur- als auch im Spitzensport lassen sich Sportler und Sportlerinnen auf  zwei Arten bezüglich eines Persönlichkeitsmerkmals unterscheiden. Die "Regulatory Fit" Theorie (RFT) von Higgins (1997, 2000) unterscheidet zwei verschiedene Arten der Selbstregulation bei Sportlern, um sich einem erwünschten Endzustand anzunähern: dem Promotion-Fokus, welcher auf Hoffnung und Erfüllung liegt und dem Prevention-Fokus, welcher auf Sicherheit und Verantwortung basiert (Memmert et al., 2009). Spieler, die promotion-fokussiert sind, werden auch in schwierigen Situationen, wie bspw. in Drucksituationen auf den Korb werfen, in der Hoffnung, einen Treffer zu erzielen. Prevention-fokussierte Spieler hingegen passen eher ihre Mitspieler an, um verantwortungsbewusst zu spielen und einen sicheren Korberfolg zu erlangen. Neben dieser Theorie steht die Handlungskontrolltheorie von Kuhl (1983). Diese unterscheidet zwischen handlungsorientierten und lageorientierten Menschen. Handlungsorientierte Menschen sind in der Lage den Handlungsvollzug zu kontrollieren und sich auf die wesentlichen Aspekte der Handlung zu konzentrieren. Lageorientierte hingegen haben zwar ähnliche Absichten, sind jedoch in ihrer Handlung blockiert, da sie ihre Aufmerksamkeit im Wesentlichen auf den vergangenen oder gegenwärtigen Zustand lenken, anstatt sich auf die aktuell sportliche Tätigkeit zu konzentrieren (vgl. Memmert et al., 2009). Das Ziel meiner Forschung ist, zu überprüfen, ob ein Zusammenhang zwischen den beiden Theorien besteht. Da Sportler in beiden Theorien überwiegend in Lernsituationen untersucht wurden, gilt es zudem die Entscheidungsleistung von Basketballspielern in Entscheidungs- und Drucksituationen zu untersuchen.
In Studie 1 wird zu Beginn die Entscheidungsleistung jedes Probanden mit seinem chronisch bevorzugten Fokus bzw. seiner chronischen Handlungsorientierung in Zusammenhang gebracht. Die Entscheidungsleistung wird in unterschiedlichen Spielsituationen mit Hilfe eines Videotestverfahrens ermittelt. Ihnen werden verschiedene Videoszenen von Angriffshandlungen vorgespielt, die zu einem Zeitpunkt gestoppt werden, in dem der Ballführer zwei Handlungsalternativen hat. Entweder passt er den Ball zu einem Mitspieler oder er wirft direkt auf den Korb. Die Aufgabe ist es, die ihrer Meinung nach beste Handlungsoption so schnell wie möglich zu wählen und mit einem Interactive-Voting-System zu bestätigen.
Studie II überprüft, ob die Entscheidungsleistung der Probanden in Drucksituationen zunimmt bzw. abnimmt, wenn die Probanden Instruktionen erhalten, die mit ihrem chronischen Fokus übereinstimmen bzw. nicht übereinstimmen (Regulatory Fit/Regulatory Nonfit). Bevor die Probanden die Videos zu sehen bekommen, erhalten sie Instruktionen, die, abhängig von der Gruppe und der dazugehörigen Instruktion, einen Promotion- bzw. Prevention-Fokus induzieren sollen. Als abhängige Variablen dienen die Wurf- und Passhäufigkeit und die Entscheidungszeit.